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Der Israelit · 1934-02-22 · Heft 8 (22.2.1934) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 8 (22.2.1934)
Date
1934-02-22
Page
– (sequence 11)
Language
German
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22. Februar 1934 Der Israelit Nr. 8 Seite 11 Kinderecke. Purim in Erez Israel. Einer der Gründe dafür, daß am Purim kein Hallel gebetet wird, ist, daß sich die £anze Purimgeschichte, Verhängnis wie Errettung, nicht in Erez Israel abspielen, sondern in einem Goluslande, in Persien. Um so verwunderlicher ist es, daß gerade Purim, wie kaum ein anderes Fest, im Erez Israel-Gedanken tief verankert ist,, daß er geradezu in die Liebe zu Erez Israel eingetaucht ist. Schon die erste Ankündigung des Festes am Sabbat Schekolim geschieht in der schmelzenden Melodie der Tempelsehnsucht. Am Purim abend entfaltet kein Jude eher seine Megillah, als bis er seinen. Obolus für Erez Israel in den Teller geworfen hat. Und erst Purim in Erez Israel! Man muß es gesehen haben, wie die alten Gassen von Jerusalem an diesem Tage (man feiert in Jerusalem Purim am 15. Adar) im schönsten Frühlingsglanze erstrahlen und dieser Glanz auch die welken Gesichter und die grauen Mauern erhellt. Der kleine jemenitische Bettler verwandelt sich in einen König, der nicht, wie gestern, nach einer milden Gabe die Hand ausstreckt, sondern lachend und befehlerisch seinen Tribut abverlangt. Die dicke Bucharenfrau mit den faustgroßen , Ohrringen ist eine Esther. Selbst an der Klagemauer verstummen Klagen und Weinen. Die vier Kameraden der Megillah: „Licht, Freude, Wonne und Herrlichkeit" ziehen leibhaft durch die engen krummen Gassen mit den lustigen Kapellen der Purimspieler, den jagenden barfüßigen Jungen mit dem, Schlachmonausteller in der Hand. An diesem Tage scheint sich der alte Segensspruch zu erfüllen: „Es ertönt in den Städten Judäas und in den Straßen Jerusalems die Stimme der Wonne und die Stimme der Freude Aber selbst in Tel-Awiw, das in seinem Straßenbilde die alte Heiligkeit Jerusalems nicht aufweist, und wo Purim etwas von den geräuschvollen Freuden des europäischen Karneval angenommen hat, .bleibt das Bild doch im Ganzeh jüdisch. Besonders jüdisch in dem, was man nicht sieht: keine Raufereien, keinen Betrunkenen, überhaupt keine Roheit. Ein jüdischer Schoter (Polizist) hoch zu Roß bewältigt ganz allein den ungeheuren Massenverkehr auf den Hauptstraßen während des Festzuges und hält mit einem neiteren hebräischen Worte oder Bibelverse im Munde die Ordnung aufrecht. Es kann schon einmal vorkommen, daß im Gewirre ein Droschkenkutscher mit einem Chauffeur zusammenstößt, der erste seinen Gegner mit „Chamor" betitelt, dieser mit „Gamal" antwortet, worauf dann wiederum der erste mit einem1 „Matnas Jad" droht. Aber auch solche kleine Zwischenspiele lösen sich in Wohlgefallen auf, wenn der Schoter dazwischentritt oder reitet und „Scheket" (Ruhe) befiehlt. In den Seitengassen sieht man bis zum späten Abend Masken herumtummeln, die an die Purimspieler in Litauen und Polen erinnern. Und so ist es auch in der Provinz, in den Kolonien wie in den.K w u z o t h überall. Am Schuschan-Purim besuchten Wir die weltberühmte Kelterei in Rischon le Zion, wo wir natürlich ein Glas leeren mußten. Mit dem Leeren ist es so eine Sache, denn wie das Glas leer war, waren wir . . . . Der „Rote" hier an der Quelle hat die merkwürdige Eigenschaft, daß er zuerst nach oben geht und im Kopfe eine kleine Revolution anzettelt und zugleich auch nach unten, um sich in den Knieen in Blei zu verwandeln . . . Aber auch dort gibt es gute Menschen, die einen hilfreich die Treppe hinaufführen . . . Und die reine, klare, frische Erez Israel-Luft oben ' trägt das weitere zur vollen Genesung bei. So sieht Purim, das halellose Fest des Golus, in Erez Israel aus. Die Geschichte hat sich nicht auf dem Heimatboden abgespielt, und darin liegt vielleicht ihre größte Tragik. Mögen wir bald alle auf dem Heimatboden versammelt sein, wo solche Gefahren wie zur Zeit des Achaschwerausch über uns nicht mehr hereinbrechen können. Der verkörperte Adar. Eine Legende. Von Walter WeisHsch, Schüler der Talmud-Thora- Realschule in Hamburg. Es war ein Tag vor Purim. In einer kleinen jüdischen Gemeinde Süddeutschlands herrschte ein buntes, geschäftiges Treiben. Alles rüstete sich bereits her für den Ein Purimgeschenk für unsere kleinen LeserZ Der Verlag des ISRAELIT möchte den Lesern der Kinderecke zu Purim eine kleine Freude bereiten und erklärt sich daher bereit, jedem Kinde, das die Abonnementsquittung auf den ISRAELIT für den Monat März einschickt, soweit der vorhandene Vorrat-reicht das hebräische Tischgebet (pT&n nmn) autgezogen auf eine schmucke Festmappe aus Pappe als Pu ri m g eschenk zur Verfügung zu stellen. Einzusenden ist außer der Abonnementsquittung nur der Betrag für die Versandkosten mit zwanzig Pfennigen. Die Bestellungen werden in der Reihenfolge des Eingangs erledigt. Wer also zuerst kommt,' malt zuerst. Wir wünschen Euch Alle „GUT PURIM" und sehen Euren Brief eben entgegen. Die Schriftleilung des ISRAELIT. folgenden Tag, denn in diesem Städtchen war es allgemein Brauch, den Purim sehr freudig zu begehen. Nur in einem kleinen Häuschen am Ende des Städtchens herrschte Kummer und Trübsal. In diesem Hause wohnte eine arme, kranke Frau mit ihren beiden Kindern. Seit dem Tode ihres Mannes ging es ihr sehr schlecht, und sie wäre auch mit ihren beiden Kindern elendiglich vor Hunger umgekommen, wenn sich nicht gute Leute ihrer erbarmt und ihnen von Zeit zu Zeit ein wenig Speise gebracht hätten. Jetzt waren jedoch schon einige Tage vergangen, ohne daß jemand ins Haus gekommen war, so daß der Frau und den beiden Kindern für den morgigen Feiertag nur noch ein Stückchen vertrocknetes Brot übrig geblieben war. Als am Abend nach dem Megillaverlesen die Kinder nach Hause kamen, . setzten sie sich ZU ihrer Mutter ans Krankenbett und berichteten ihr von der Schule. „Der Lehrer, erzählte uns von der Bedeutung des Purim," sprach das kleine Mädchen, „daß man sich an ihm freue, aber auch nicht der Armen vergessen solle." „Warum haben wir denn heute keine Leckerbissen?" fragte betrübten ,Herzens\" der kleine Junge, einen traurigen Blick auf das vertrocknete Stück Brot in seiner Hand werfend. Die Mutter antwortete nur mit einem schwermütigen Seufzer! Mittlerweile war es spät geworden, als draußen ein alter Mann die Straße entlang kam. Keiner kannte ihn, und niemand hatte ihn je zuvor gesehen. Er hatte einen langen, ihm von der Schulter herabwallenden Mantel an und einen großen Stock in der Hand. Sein langer weißer Bart reichte ihm bis zur Brust. Er erreichte das Haus der armen Frau und schaute eine geraume Zeit durch das kleine Fenster ins Zimmer, wo die kranke Mutter mit ihren beiden Kindern saß. Dann klopfte er an die Tür und frat ins Zimmer. „Einen fröhlichen Purim!" begrüßte er die kranke Frau, „den ganzen Tag bin ich umhergewandert Und ich habe sehr großen Hunger, vielleicht habt ihr etwas für mich zu essen?" fügte er seufzend hinzu. „Einen fröhlichen Purim!" erwiderte die Kranke mit schwacher Stimme. — „Mehr haben wir leider auch nicht-" sprachen die Kinder traurig und reichten dem Fremden ihr Stück vertrocknetes Brot, das sie noch in ihren Händen hielten. Dem armen Manne war das Brot sehr angenehm. Während er es verzehrte, erzählte ihm die Frau, daß sie schon eine lange Zeit krank sei, und in gas für einer schlechten Lage sie und ihre Kinder sich befänden. Der alte Mann vernahm alle ihre Worte und wiegte bedächtig sein graues Haupt hin und her. „Ich danke euch vielmals!" sagte er nach einer guten Stunde und erhob sich zum Gehen, „und bin euch sehr für eure Gastfreundschaft verbunden. Ich werde es euch niemals vergessen, daß ihr euer letztes Stück Brot mit mir geteilt habt. Aber damit ihr auch euer Leben lang an mich denkt, darf jetzt jeder von euch einen Wunsch aussprechen, und ich werde ihn erfüllen!" Staunend schauten die Mutter und die Kinder auf den fremden Mann. Da reckte sich plötzlich seine Gestalt, seine Augen blitzten, und seine Stimme klang wie die eines Engels. Sollte das wirklich nur ein armer Mann sein, der von Stadt zu Stadt wandert? „Ich wünsche, daß wir wenigstens einmal den Purim wie die anderen Leute hier im Städtchen feiern können!" rief der kleine Junge freudig aus. „Und ich möchte gern wieder gesund werden!" sprach die Mutter mit einem wehmütigen Lächeln. „Damit wir beständig jedem Armen helfen können," fügte das kleine Mädchen hinzu, sich an die Worte des Lehrers erinnernd. „Eure Wünsche sollen erfüllt werden!" sprach der fremde Mann und berührte mit seiner Hand langsam die Stirn der Mutter. — Da stand sie gesund von ihrem Lager auf. Dann klopfte er mit seinem Stock auf den Tisch, der in der Mitte des Zimmers stand. Und siehe, — da war der Tisch mit den besten Leckerbissen, dem süßesten Weine und den schönsten Fruchten beladen, daß es nur so eine Lust war, es anzusehen. Zuerst starrten die Mutter und die Kinder den alten Mann mit offenem Munde an, denn sie glaubten zu träumen. Dann faßte sich die Mutter jedoch schnell wieder und fragte: „Wer bist du, daß du imstande bist, solche Wunder zu verrichten?" „Ich bin der Adar," lautete die Antwort, „ich kam zu euch, weil ihr mich auch in den Tagen eures Elends nicht vergessen habt. Ich wollte euch noch damit prüfen, indem ich von euch das letzte Stück Brot verlangte — und ihr habt es mir auch gegeben. Da ließ ich jeden von euch etwas wünschen, damit ihr stets an mich denkt. — Und auch ich werde euch niemals vergessen. Friede, Glück und Freude werden fortan mit euch sein, und die Tage des Adar werden siebenmal so schön werderf." Mit diesen Worten war der alte Mann plötzlich verschwunden. Einsam ----!! Einsam, verschmäht und verlassen, 'Vertrieben von Ort zu Ort, Treibt es von Gasse zu Gasse, In eine unbekannte Zukunft fort.

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