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Der Israelit · 1934-02-22 · Heft 8 (22.2.1934) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 8 (22.2.1934)
Date
1934-02-22
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Nr. 8 Der Israelit 22. Februar 1934 nas Jad-Gelder, Maskir Neschomaus-Gelder, sowie Spenden beim Aufruf zur Thora zuzuführen. d'-'ü'-M Rote. Büchsen sind anzufordern: Frankfurt a. M.," i Rechneigrabenstraße 10,-1. Zur Frage der Verzeichnisse arischer Firmen. Berlin, 197 Febr. Wie „Der Deutsche", die Tageszeitung der Deutr sehen' Arbeitsfront, mitteilt,- haben einige' "von der Zeitung als „auch-arisch" bezeichnete Firmen eine einstweilige gerichtliche Verfügung gegen die Ver- - teilung des vom Zentralkomitee zur Abwehr der jüdischen Greuel- und Boykotthetze herausgegebenen Reichs-Bezugsquellenverzeichnis.ses erwirkt. Hierzu. , bemerkt das Blatt; i „Wir können nicht stark genug unsere Verwun- - - derung darüber ausdrücken, daß große angesehene. , Berliner Firmen so wenig Rassebewußtsein haben bezw. heute noch eine solche Unkenntnis der nationalsozialistischen Weltanschauung besitzen. Das Rassev bewußtsein ist in der nationalsozialistischen Weltanschauung und damit im Dritten Reich das Fundament allen Fuhlens, Denkens und Handelns. Die Aufstellung und Verteilung eines arischen Lieferantenverzeichnisses von berufener Stelle kann daher nie und nimmer als geschäftliche Schädigung für Firmen angesehen werden, die es nicht für notwendig halten, sich darin eintragen zu lassen. Oder sollte etwa gar die Rücksicht auf nichtarische Kundschaft sie zu dieser Handlung bewogen haben?" Gegen Kauf in „nichtdeutschen Geschäften". Braunschweig, 13. Febr. In der Hauptversammlung der NS-Hago und der GHG Hildesheim erklärte Kreispropagandaleiter Schwalenberg, daß noch immer selbst Handwerker und Gewerbetreibende beim Kauf in nichtdeutschen Geschäften angetroffen würden. Diese Mitglieder würden für die Folge ausgeschlossen werden. Fusionierung zweier Gemeinden. Frankfurt (Oder), 19. Febr. Ein bemerkenswerter Vorgang, der wohl vor wenigen Jahren noch unmöglich gewesen wäre, hat sich hier in der letzten Zeit vollzogen. Die hier bestehende liberale Gemeinde, die seit Jahrzehnten Orgel und reformiertes C b >buch eingeführt und dadurch den kleiner Orthodoxen gezwungen hatte, sich _ :*>!'t;-.>s<-! Gemeinschaft zu schaffen, : .; tlc.r. Viu;;;.>liabt, die Konsequenzen aus der jüvt•:«»•. (>:• -mchtsentwicklung in Deutschland zu zier and die Voraussetzung für die Wiedervereinigung der Gemeinde zu schaffen. Man hat auf die Orgel verzichtet und das reformierte Gebetbuch durch den guten alten Rödelheimer Siddur ersetzt! Infolgedessen hat sich die orthodoxe Gemeinschaft der Muttergemeinde wieder angeschlossen und hat keinen Grund mehr, eigenen G'ttesdienst abzuhalten. Leider fällt ein Tropfen Wermut in den Becher der Freude. Die Einsicht und Selbstüberwindung der liberalen Gemeindeführer ist nicht so weit gegangen, auf die gewohnten Orgeltöne gänzlich zu verzichten. Ausgerechnet am Roschhaschono und am Jomkippur, also an den Tagen, an denen doch eigentlich' auch das liberale Gewissen erwachen und sich Rechenschaft über seine Sünden an der jüdischen Gemeinschaft vor dem Weltenrichter geben sollte, will man auf die Orgeltöne nicht verzichten. An diesen Tagen, so beschließt man jetzt schon, um die Zeit des Pessachfestes, wird die Orgel die Tschuwo zum liberalen Gedanken verkünden und es soll daher an diesen Tagen den orthodoxen Gemeindemitgliedern von Gemeinde wegen ein Sonderg'ttesdienst eingerichtet werden! Welche Macht doch der y-,n besitzt! Bei diesem Anlaß ist es vielleicht zeitgemäß, eine kleine Reminiszenz aus der Geschichte der orthodoxen Gemeinschaft in Frankfurt a. d. Oder zu erzählen, die wohl wenigen bekannt sein dürfte. Zu einer Zeit, in der in Frankfurt a. d. O. die Familie Struck die einzige war, die an den alten Traditionen gewissenhaft festhielt, wandte sich das damalige Oberhaupt der Familie an Rabbiner Dr. E s - r i e 1 Hildes h e i m e r in Berlin mit der Anfrage, ob er verpflichtet sei, den Austritt aus der dem alten Judentum entfremdeten Reformgemeinde selbst auf die Gefahr hin zu vollziehen, daß er bei~seinejnj Ableben des ^-jp-. -,ap ganz entbehren, also ein nixaW sein werde. Die Antwort Esriel Hildesheimers lautete in entschieden bejahendem Sinne. Der Leberide habe seine Pflicht zu tun ohne'Rücksicht auf die nach seinem Hinscheiden eintretenden Konsequenzen. Die Reminiszenz zeigt, daß sich immerhin selbst an einem Orte wie Frankfurt a. d. O. ein erfreulicher Fortschritt vollzogen hat. Oesterreich/ Kein Platz für amerikanische und osteuropäische jüdische Studenten an österreichischen " HocHschülen. ■ '■ ■ Wien, 13. Febr. Eine soeben; Erschienene Verordnung: macht es jüdischen Studenten aus- Amerika und aus Osteuropa unmöglich, ihre an österreichischen Universitäten begonnenen Studien hier zu beenden. Die vom Amtsblatt „Wiener Zeitung" publizierte Verordnung . lautet dahin, daß der Staat wegen Raummangels an den Hochschulen und auch im Interesse der Befriedung der Universitäten und technischen Hochschulen sich gezwungen sieht, den Besuch der Universitäten und Hochschulen in Wien, Salzburg, Innsbruck und Graz durch Ausländer zu beschränken. Dazu ist zu bemerken, daß die Zahl amerikanischjüdischer Studenten an der Wiener Universität, die in früheren Semestern im allgemeinen hoch war, im letzten Semester infolge der antisemitischen Unruhen sich stark verminderte. Es studiert in diesem Jahr an den österreichischen Universitäten eine um 1000 kleinere Zahl jüdischer Studenten als im Vorjahre. Im Durchschnitt beträgt heute die Zahl der Juden an den österreichischen Hochschulen vier Prozent der Gesamtzahl der Studentenschaft (die Juden bilden in Oesterreich 5 Proz. der Gesamtbevölkerung), wobei allerdings an manchen Fakultäten der Universität Wien die Zahl der Juden den allgemeinen Durchschnittssatz weit übertrifft. Holland. Eine ungeheuerliche Falschmeldung. A m s t e r d a m , 18. Febr, Die ITA. brachte inihrem Bulletin vom 16. Februar folgende sensationelle Meldung aus Amsterdam: Die holländische Regierung führt derzeit eine Aktion zur Beteilung von Arbeitslosen mit Fleischkonserven durch. Da das Büchsenfleisch den jüdischrituellen Vorschriften nicht entspricht, waren die jüdischen Arbeitslosen bisher nicht in der Lage, die Naturahilfe der Regierung in Anspruch zu nehmen. In Anbetracht der unter der jüdischen arbeitslosen Bevölkerung herrschenden Not hat sich der holländische Oberrabbiner entschlossen, den jüdischen Arbeitslosen den Genuß dieses Konservenfleischs zu erlauben. Dieser in der Geschichte der holländischen jüdischen Gemeinschaft präzedenzlose Entschluß des Oberrabbiners hat lebhaftes Aufsehen erregt. Hierzu schreibt uns das Amsterdamer Oberrabbinat unterm 18. Februar: Die von Ihnen mitgeteilte Nachricht der Jüdischen Telegraphenagentur ist entschieden falsch. Die holländischen Oberrabbiner haben Alles angewendet, damit das Büchsenfleisch für jüdische Arbeitslose in jeder Hinsicht rituell erlaubt sein sollte. Erst nachdem das Fleisch so hergestellt war, daß jeder Zweifel am r\rws beseitigt war, haben wir die Konserven der Regierung zugänglich gemacht zur Distribuierung unter den jüdischen Arbeitslosen. Für ein entschiedenes Dementi dieses Berichtes der Jüdischen Telegraphen-Agentur wären wir Ihnen sehr dankbar. Hochachtungsvoll A. J. Onderwijzer Oberrabbiner dahier. Es wäre von Interesse, festzustellen, wer sich einer so ungeheuerlichen Falschmeldung, die eine schwer© Beleidigung des Amsterdamer. Rabbinats darstellt, schuldig gemacht hat. Belgien. Die .Thorarolle zum Andenken des Chofez Chajim. Antwerpen, 16. FeTjr. Si'.'iüitt / j...; Die Aktion im Zusammenhang mit der Herstellung einer Thorarolle zum i Andenkendes ,Chofez-Ghajim hat nunmehr auch in Belgien eingesetzt. Die Leitung der Aktion^ hat ein Komitee übernommen, deni Vertreter aller , jüdischen, Gemeinden i und ~ des Rabbinischen Rates angehören. Die', Sammelaktion, die. . in Form eines „Buchslabenverkaufs" durchgeführt wird, w,ird von einem aus Wilna entsandten ^Rabbiner organisiert. Die offizielle Proklamierung der Aktion findet auf einem Massenmeeting statt, das nach Antwerpen „einberufen wurde. England. Die Behinderung des Touristenverkehrs nach , Palästina. London, 15. Febr. Im Unterhause richtete der Abgeordnete Barnett Janner an den Minister*' für die Kolonien eine Anfrage betreffend die ungefähre Zahl der Touristen, die Palästina im Dezember 1932 und Januar 1933, und derjenigen, die das. Land im Dezember 1933 und Januar 1934 besucht hätten. Für den Minister antwortete Malcolm Macdonald, die Einwanderungsstatistik unterscheide' nicht zwischen Touristen und anderen Reisenden. Die Zahl der Reisenden, die im Dezember 1932 nach Palästina gekommen sind, habe 2667 betragen, die entsprechende Zahl für Januar 1933 sei 3248 und für Dezember 1933 3560 gewesen. Die Ziffer für Januar 1934 sei noch nicht errechnet. Als Abgeordneter Janrier fragte, ob das Ministerium davon überzeugt sei, daß gegenüber Touristen keine unnötigen einschränkenden Bestimmungen getroffen wurden, durch die sie davon abgehalten werden könnten, nach Palästina zu reisen, nickte Malcolm MacDonald bejahend. (Daß der Vertreter des Ministeriums sich mit. einer. Kopfbewegung anstelle einer gesprochenen Antwort begnügte, wird dahin gedeutet, daß er eine Wiedergabe seiner Antwort im offiziellen Parlamentsbericht vermeiden wollte.) Die Bestimmung, daß Palästina-Reisende eine Sicherstellung für ihre Wiederausreise aus Palästina erlegen müssen, wurde hierauf' vom Abgeordneten Rankin in einer Anfrage neuerlich zur Sprache gebracht. Malcolm MacDonald verwies auf die Beantwortung der gleichen Frage am 29. Januar, die im Licht der damals zur Verfügung gestandenen Informationen erteilt worden sei. Seither habe man erfahren, daß die Palästina-Regierung beschlossen habe, die Bestimmung betreffend den Erlag einer Sicherstellung gegenüber Reisenden aus allen Ländern anzuwenden, die nicht die erste Schiffsklasse benutzen. . Griechenland. Nach den Wahlen in Saloniki. Saloniki, 16. Febr. Nach den Wahlen in 'Saloniki, bei denen der Regierungskandidat zum ' Bürgermeister gewählt wurde, hat die Kampagne der venizelistischen Opposition gegen die Juden, denen vorgeworfen wird, durch ihre Stimmen den Ausgang der Wahl beeinflußt zu haben, verschärft fortgesetzt. Der Oppositionsführer und ehemalige Ministerpräsident V e n i z e I ö s hat in Beantwortung eines Telegramms, das ihm von der jüdischen Sektion seiner Partei zugesandt worden war, erklärt, die zwischen Juden und - Griechen aufgerissene Kluft werde nur durch Wiederherstellung der besonderen jüdischen Wahlkurie - überbrückt werden können. Als nationale: Minderheit hätten: die Juden Salonikis Anspruch auf einei ihrer Zahl entsprechende Vertretung. Unzulässig aber sei. ihre Forderung, durch ihre ^Stimmabgabe ■ das . Kräfteverhältnis ihrer Parteien in' «inem Wählkreis zu beeinflussen, dessen nichtjüdische Bevölkerung neunmal so 'groß ist; wie die jüdische. . ■ :i

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