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Der Israelit · 1934-02-22 · Heft 8 (22.2.1934) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 8 (22.2.1934)
Date
1934-02-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 8 ner Verbände tatsächlich besteht, wenn auch jüdische Verbände als solche von den Regierungsmaßnahmen bis jetzt in keiner Weise betroffen wurden. Daß jüdische Verbindungen mit sozialistischer Einstellung und Betätigung, u. i. Poale Zion, das gleiche Schicksal wie die übrigen sozialistischen Vereinigungen erlitten haben und daß Führer solcher jüdisch-sozialistischer Vereinigungen verhaftet wurden, kann nicht wundernehmen und besagt für die Grundtendenz der Regierung für oder wider die Juden nicht das Geringste, Und damit auch die Komik nicht fehlt: Eine Gruppe getaufter Juden richten in Flugschriften einen Appell an die katholische Kirche, den Arierparagraph — der noch gar nicht existiert — auf die Uebergetretenen nicht zuzulassen und appellieren zugleich an die J u - denheit Oesterreichs, sich sogleich vor der drohenden Entrechtung in den Katholizismus zu flüchten. Man würde solche verspätete Fastnachts- und verfrühte Purimscherze nicht ernst nehmen,, hätte nicht der Vorstand der Jüdischen Kultusgemeinde es für gut gefunden, in einer öffentlichen Verlautbarung gegen diesen „Lösungsversuch" Stellung zu nehmen und die österreichischen Juden vor solchen Schritten zu warnen. Diese Warnung zeigt bis zur Evidenz, was in Zeiten allgemeiner Verwirrung alles zu erwarten und zu befürchten steht. Alijah und Aufstieg. Am letzten Montag begab sich die dritte Gruppe der orthodoxen Chaluzim, oder nennen wir sie lieber Olim, von Polen nach E r e z J i s r a e 1. Ihrer Hundert sind bereits im Lande und in Arbeitsstellen gut untergebracht. Weitere Hunderte werden folgen, für die im Lande die Wege hoffentlich geebnet sind. Damit hat eine neue Alijah begonnen, wie wir sie seit Jahren sehnlichst erwünschten und kaum in diesem Maße in absehbarer Zeit zu erwarten wagten. Die Qualität dieser Menschen, ihr fester jüdischer Wille und ihre jugendliche Begeisterung für die Synthese von miayi min (letzteres Wort im Sinne von Arbeit) auf dem Boden, den die Väter mit dem Aufblick zu Ihm bearbeitet haben, „der Sein Auge auf das Land gerichtet hat von Anfang des Jahres bis zu seinem Ende", all dieses schafft die Voraussetzungen für den Dritten J i - s c h u w , der, wie sich ein Führer in Bezug auf den „Noar Agudati" jüngsthin ausdrückte, nicht eine Fortsetzung des zweiten ist, sondern direkt und unmittelbar an den ersten Jischuw an- | Die Sidra spricht zu uns .. - „Mit dem Eintritt von Adar steigert sich die Freude, so wie mit dem Eintritt von Aw sich die Freude vermiß-1 (Orach Chajim.) Von einer Steigerung und einer Verminderung der Freude ist hier die Rede. Neu geschaffen muß die jüdische Freude im Adar nicht erst werden, denn sie kann auch im Aw nicht gänzlich verschwinden. Ohne Freude, ohne jenen vielgerühmten jüdischen Optimismus kein Leben, keine Geschichte, keine Zukunft, schlechthin kein Judentum!- Ein Minimum von Freude, ein Jasagen zum Leben, haben wir uns durch alle Zeiten bewahrt, nur daß diese Freude je nach Zeit und Stimmung zwischen l'am und J'öra» schwankt. Im Aw ist sie g e m i n dert, im Adar steigert sie sich, und bleibt in aufsteigender Linie bis zum Nissanmonat der Erlösung. * * „Gedenke des Amalek, was er dir angetan hatte auf dem Wege usw." Hier ein Hauptangriffspunkt für alle Widersacher der Thora und des Volkes der Thora, hier der Beleg für ihre Behauptung von der „Rachsucht und Unversöhnlichkeit des jüdischen Volkes und seines G'ttes." Man muß dieser irrigen Auffassung die Deutung entgegenhalten, der sich kein Der Israelit knüpft. Freilich unter Auswertung aller positiven und negativen Erfahrungen auch des zweiten Jischuw, unter Berücksichtigung all dessen, was an seiner Arbeit beispielhaft ist, aber noch mehr eingedenk der von ihm gegebenen Beispiele, wie man es nicht tun soll. Der Segen eines Rabbi, nicht im gewöhnlichen Sinne, ruht auf dieser neuen polnischen Alijah., Der Ger er Rebbe, dieser große Zionsfreund, dem es bereits mehrmals gegönnt war, die heiligen Steine zu küssen, war es, der mit seinem Anhang, an dessen Spitze der treffliche und unermüdliche I. M. L e w i n , wortwörtlich die Ruinen zum Leben geweckt hat. Er hat den Boden für diese Alijah geschaffen, sie gefördert und in die Wege geleitet, und wir freuen uns mit ihm, daß ihm beschieden ist, ihre ersten Erfolge zu sehen, daß er es bis zum gewissen Grade jetzt schon erfahren darf, wie nnnawn hkiti roiT e^an-p ^rwnan „Wer um Jerusalem trauert, wird den Trost an seinem Aufbau miterleben." Wir erwarten von dieser orthodoxen Alijah zweierlei: Erstens wird sie das Sammelhorn sein für die in nicht zu unterschätzender Zahl Die® Wahrheit richtet sich nicht nach uns, mein lieber Sohn, sagt der Dichter Claudius, sondern wir müssen uns nach ihr richten. Entsprechend sage ich: Rabbinatsentscheidungen richten sich nicht nach uns, lieber Sohn, sondern wir müssen uns nach ihnen richten. Es ist menschlich ja sehr wohl verständlich, daß wir im Drange des Lebens für die Berechtigung unserer Wünsche gern ein Plazet des Rabbiners hätten. Aber man überschätzt dabei die Vollmachten und Berechtigungen eines Rabbiners. Ihm wird nur das Recht erteilt, „er lehre, er lehre, er entscheide, er entscheide" nach den uns überlieferten, von dem unsichtbaren Sanhedrin der Meister in Israel als gültig festgesetzten Normen. Wenn sich ein Rabbiner einen Psak halacha, eine Entscheidung bilden soll, dann schauen ihn Tausende von Augen der klassischen Dezisoren an: die des Rif, des Rambam, Raschis und der Toßafisten, des Rabbi Josef Karo und des Remo samt dem Heere ihrer „Waffenträger", Rabbi Akiba Egers und Rabbi Mosche Sofers; jedes Auge mit weltüberlegener Kenntnis und Weisheit. Und solch ein Auge blickt drohender und schärfer als alle die Augen, die wünschend objektiver Beurteiler des Texies verschließen kann: p^ayiir heißt so viel wie das „Ruhmgedächtnis Amaleks." Mit dieser richtigen Uebersetzung verliert jene Vorschrift jede persönliche Note. Wie sollte uns auch befohlen und geboten sein, heute noch und immerdar ein Volk zu hassen,- das im Chore der Völker längst nicht mehr existiert? Gemeint ist, daß man nicht die Gewalt, für die die Thora den ganz unpersönlichen Namen „Amalek" hat, preise und anbete. Den Helden des Geistes und der Güte, den großen Helfern ihrer Völker, errichte man Ruhmesdenkmäler, nicht aber denen, die etwa wie die römischen Cäsaren, nur auf Schlachtfeldern oder in gratisamer Despotie ihre Kraft erprobt haben. (Nach S. R. Hirsch S>-xt). Auf die einfachste Weise der Welt scheint aber Midrasch diese Frage lösen zu wollen und damit allen Mißdeutungen die Spitze zu brechen. „Es gleicht einem Vater, der mit seinem Sohne auf dem Wege war, da der Sohn in unbesonnener Weise über gefährliche Stellen ging, stolperte und sich weh tat. So oft der Vater später den Sohn zur Vorsicht mahnen will, erinnert er nur an jene Stelle: „Denke daran, wie es dort war . . ." So auch hier. Amalek kam, eine Zuchtrute in der Hand G'ttes, damals, als sie in Refidim G'tt versuchten und vertrauensarm fragten: „Ist G'tt in unserer Mitte oder nicht? (Siehe M. II Ende rbvz)- Nun warnt der g'ttliche Vater seinen Sohn Israel *~t"DT/ sei eingedenk jener Stelle und jenes Ereignisses und halte dich so, daß dir kein Amalek in irgend einer Gestalt irgend etwas anhaben kann. * ' * Uebrigens ist die Schuld Amaleks in dem heute zu Sochaur verlesenen Texte in vier Anklagepunkten so klar dargetan, daß sie schwerer wiegt, als die aller 22, Februar 1934 im Lande verstreuten gesetzestreuen Kräfte.-'Nirgendwo hat die Organisation der fa*ÜV es ve-- standen, mit solcher Wucht ihre eigene Sacheyin die Hand zu nehmen, wie gerade in Polen,1 Wo die Agudaorthodoxie zur Zeit* die Jüdische Fraktion im Parlamente sowohl wie' die Gemeindtstube beherrscht. Und innerhalb der Orthodoxie sind es die Poa 1 i rri und Z e i i r i m , die der Propaganda wie der eigentlichen Arbeit den Auftrieb geben. Poalim und Zeiirim sind es, die die neue Alijah ins Land bringt, und 'sie werden nicht eher ruhen, bis sie den letzten Gesinnung?;- bruder im letzten. Flecken aufgestöbert haben, um ihn Unter die Fahne der Thora zu bringen. Und damit werden sie mit Hilfe der im Lande befindlichen Kerntruppe der Gesetzestreuen den Boden schaffen für die vielen Anderen, nicht zuletzt in Deutschland, deren Sehnsucht dahin geht, ein jüdisches Leben auf jüdischem Boden zu führen. In dieser Hoffnung rufen wir unseren Brüdern in Polen, denen, die bereits das Land der Sehnsucht erreicht haben und denen, die auf dem Wege dahin, sind, zu: ayp mpTfin! | und bittend und verlangend aus dem Publikum ihn anschauen. Man erzählt zwar eine hübsche Anekdote von Rabbi Schmuel Salant in Jerusalem, der einmal einen Ochsen für koscher erklärte, obwohl der Schach entscheidet, daß man nur im Falle eines großen Geldschadens ihn für koscher erklären dürfe. Und als ihn jemand darüber fragte, sagte er: „Mit einem muß ich mich einmal vor dem himmlischen Bes-Din auseinandersetzen, entweder mit dem Schlachter oder mit dem Schach. Ich will noch lieber mit dem Schach zu Bes-Din gehen als mit dem armen Metzgermeister." Aber da handelte es sich tatsächlich nur, wie man sieht, um die Frage: ist der vorliegende Geldschaden so groß, daß eine Rücksicht am Platze ist; letztlich gibt auch der Schach zu, daß hier ein Zweifel über das Kaschrus nicht besteht, und endlich muß man eben stark genug sein, mit dem Schach zu Bes-Din zu gehen, Auch das kann nicht jeder. Das konnte Rabbi Schmuel Salant, von dem mir einmal sein Kollege, der Chacham Baschi Eljaschar in Jerusalem, sagte: „Rabbi Schmuel hu echad min ha Kadmonim. Er ist einer von den vorzeitigen Größen." anderen Feinde und Bedränger Israels in seiner ganzen Geschichte. Wenn Völker miteinander Krieg führten, so konnte dies auf vier verschiedene Ursachen zurückgeführt werden: 1. Alte historische Abrechnungen; 2. Eroberungssucht; 3. Einfache Kraftprobe, wie etwa bei den alten Griechen, die zuweilen den Krieg auf ein Duell zwischen zwei Führern beschränkten; 4. Religiöse. Motive, wie etwa im dreißigjährigen Krieg. Hätte sich Amalek bei seinem Ueberfall nur auf einen dieser Gründe berufen' können, so läge darin wenigstens der Schein einer Berechtigung. Allein, so attestiert ihm die Thora: 1. Es kann keine alte Abrechnung gewesen sein, denn "Pf» "HPK» sie trafen sich zum ersten Mal im Leben. 2. Eroberungssucht, Ländergier? "jnn', Israel war ja unterwegs und nannte noch nicht einmal eine Spanne Boden sein eigen. Da gab es nichts zu erobern. 3. Sollte es vielleicht gar eine Kraftprobe gewesen sein? rpy rtntn» Israel war damals so matt und müde, daß es Amalek kauir zur Ehre gereichte, mit einem körperlich so geschwächten Partner seine Kraft zu messen. 4. Bliebe höchstens das religiöse Motiv, etwa das Bestreben Amaleks, Israel seine Götzen aufzudrängen. Auch das ist unmöglich, denn a">pbs K*v Hin was sich (nach Raschi zur Stelle] auf Amalek bezieht. Amalek hatte keinen G'tt und keine Götter. Hier handelte es sich nur um einen Kampf des Kampfes wegen. So was bleibt in der Geschichte unvergessen. (Malbim.J * * . Eine hübsche .Feststellung; In den laufenden Wochenabschnitten von Na bis KPri "»n schwingen alle Feste und Halbfeste unseres Kalenders mit: In sa wird der Auszug aus Mizrajim erzählt und damit die Grundlage zum Pes sachfeste gelegt. ■■awm^HHHHMKHBü^HKi^^KaHuafMM^M^^^^^Bm^H^HaHSBnaHH^HBHHBUa uiii die Rabbinatsentscheidungen Von Oberrabbiner Dr. Joseph Carlebach in Altona.

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