Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 8 (22.2.1934)
- Date
- 1934-02-22
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2450807-2450815--80214-2538015- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 2 Nr. 8 Der Israelit 22, Februar 1934 Zur Lage der Juden in Oesterreich, Besprechung im Board of Deputies. Die Lage der österreichischen Juden bildete den Gegenstand einer Beratung des Board of Deputies. Leonard G. Montefiore, der den Bericht des Joint Foreign Cornmittee erstattete, betonte, daß die Frage der österreichischen Judenheit ungemein heikel sei und mit größter Sorgfalt behandelt werden müsse. Ein an sich unbedeutendes Ereignis könne m Oesterreich Entwicklungen von schwerwiegendster Bedeutung auslösen. In ähnlichem Sinne äußerte sich der Präsident des Board Neville Laski. Beide Redner stellten fest, daß die österreichische Juden- London, 18. Februar, Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur von der österreichischen Gesandtschaft in London erfährt, hat die Gesandtschaft auf Anfrage in Wien die Versicherung erhalten, daß entgegen Das Pariser Komitee ohne Mittel. Die seit einiger Zeit in der Pariser Auswandererhilfe andauernde Krise ist in ein akutes Stadium getreten. Nachdem das Hilfskomitee für die Auswanderer im Verlauf eines Jahres etwa 10 Millionen Francs ausgegeben hat, steht es jetzt ohne alle Mittel da und wird, falls nicht im letzten Augenblick Hilfe kommt, in wenigen Tagen seine Tore schließen müssen, was zur Folge hätte, daß viele Hunderte Hilfsbedürftige ohne Obdach und Nahrung blieben. Das Komitee appelliert an die jüdischen Gemeinschaften der Welt um Hilfe. Seit einigen Tagen wird an gewisse Kategorien bisher Unterstützter seitens des Comite National, an dessen Spitze Baron Robert de Rothschild steht, keine Unterstützung mehr verabfolgt. Viele Familien sind in eine verzweifelte Situation geraten. Zwischen der sogenannten „Deutschen Kommission" und dem Comite National wird über den Aufbau einer produktiven Hilfe verhandelt. Von den zur Zeit noch etwa 1500 Unterstützten sol- Warschau, 15. Februar. Die Zentrale der Poale Agudas Jisroel in Polen hat beschlossen, im Monat Adar eine Aktion zur Propagierung des Rechtes auf Arbeit jüdischer Arbeiter in jüdischen Betrieben durchzuführen. Während dieses Monats sollen im ganzen Lande Aufklärungsversammlungen abgehalten und Aufrufe durch die Presse verbrei- N e w York, 20. Februar. In einer längeren Erklärung hat Louis L i p s k y , der Führer der amerikanischen Zionisten, die ablehnende Haltung der Exekutive der zionistischen Organisation Amerikas gegenüber dem von Stephen Wise und Dr. Nachum Goldmann propagierten Weltkongreß dargelegt. Die Erklärung besagt im wesentlichen, daß ein jüdischer Weltkongreß an sich wertlos sei und nur eine unnötige Aufwühlung des jüdischen Volkes und der Welt bedeute, wenn nicht von vornherein als Ergebnis des Kongresses die London, 19. Februar, heit, wenigstens bisher, als solche nicht in die Wirren der letzten Zeit hineingezogen worden ist. Wie auf Grund telefonischer Gespräche mit den verantwortlichen jüdischen Stellen in Oesterreich und mit maßgebenden Repräsentanten der jüdischen Bevölkerung in der Tschechoslowakei festgestellt werden konnte, seien die Berichte über eine Flucht von Juden aus Oesterreich unrichtig. Die österreichischen Juden seien von der politischen Entwicklung nicht in Mitleidenschaft gezogen. den in einem Teil der Londoner Presse erschienenen Nachrichten keinerlei Massenflucht österreichischer Juden eingesetzt hat. Es wird hinzugefügt, daß die Regierung gegen die jüdische Bevölkerung gerichtete Maßnahmen nicht plant für Auswandererhilfe Paris, 16, Februar. len schon in den nächsten Tagen 100 bei Hilfsarbeiten in der Landwirtschaft, 100 in Handwerks¬ und Landwirtschaftsumschulungen untergebracht werden. Nach Palästina geht jetzt ein weiterer Transport von 100 Emigranten ab, ebenso sollen etwa 100 in anderen Ländern Unterkunft unc Arbeit finden. Etwa 500 Personen will man durch Etablierung von 300 Familienvätern produktiv in den Wirtschaftsprozeß in Frankreich einreihen. Uebrig blieben dann etwa 600 Aeltere, Kranke und Arbeitsunfähige, Man will versuchen, diese 600 Hilflosen bei den jüdischen Gemeinden der verschiedenen französischen Provinzen in Heimen oder Privatquartieren gut unterzubringen. Das nötige Geld zur Realisierung dieses ganzen Planes soll in Frankreich, Amerika und England aufgebracht werden- Man hofft um so mehr auf Verständnis, als es sich hier um Spenden für produktive Hilfe handelt, durch die die Beendigung der bisherigen so unproduktiven reinen Fürsorge erreicht werden würde. tet werden, die dem Gedanken der Schaffung geschlossener jüdischer Arbeitsstätten gewidmet sein werden. In allen Städten sollen gemeinsame Komitees jüdischer Arbeitgeber und Arbeitnehmer gebildet werden, die in Kooperation mit einer Zentralvermittlungsstelle in Lodz das Arbeitsbeschaffungsprogramm für jüdische Arbeiter durchführen sollen. Schaffung einer ständigen repräsentativen Körperschaft gesichert sei, die das Recht hätte, im Namen des jüdischen Volkes zu sprechen und die Arbeit im Interesse der Wahrung der jüdischen Rechte zu leiten. Nachdem jedoch vorläufig nicht im entferntesten daran zu denken sei, daß die maßgebenden Faktoren der öffentlichen Meinung der Judenheit in der kurzen Zeit, die nach Ansicht der' Anreger bis zum Kongreß noch verstreichen solle, für die Bildung einer solchen repräsentativen Körperschaft gewonnen werden könnten, würde die übereilte Einberufung des Kongresses nur eine S c h ä d i - gung der Interessen des jüdischen Volkes bedeuten. Sie kompromittiere einen revolutionären Gedanken von außerordentlicher Tragweite. Man muß die Frage des Zeitpunktes des Kongresses und der Kongreßwahlen in der Schwebe lassen, bis die Situation geklärt sei. Die Genfer Konferenz von 1932 habe keineswegs die Kompetenz gehabt, die wichtige Frage zu entscheiden, eben so wenig der American Jewish Congress ohne vorherige gründliche Fühlungnahme mit der organisierten öffentlichen Meinung der Judenheit der ganzen Welt. Landansiedlung jüdischer Erwerbsloser in Polen. Warschau, 14. Febr. In Polen wurde eine Gesellschaft jüdischer Landwirte und Gärtner gegründet, die unter dem Vorsitz von David Kaßmann und in Anwesenheit bekannter Führer des jüdischen Gemeindelebens ihre erste Ausschußsitzung abgehalten hat. Das Ziel der Gesellschaft, deren Statuten soeben von den Behörden genehmigt wurden, ist die Ansiedlung von Juden auf dem Lande. In der Aussprache wurde hervorgehoben, daß die Regierungsstellen den Bestrebungen der Gesellschaft freundlich gegenüberstehen. In Anbetracht des Umstandes, daß zahlreiche unbemittelte Elemente sich um Ansiedlungen auf dem Lande bewerben, wurde beschlossen, eine Sammelaktion zum Ankauf von Grund und Boden für die Ansiedlung Erwerbsloser einzuleiten. Lettländischer Seijm lehnt Numerus clausus-Antrag ab Riga, 16. Febr. Der lettländische Sejm hat mit überwältigender Mehrheit einen antisemitischen Antrag, für jüdische Angestellte den Numerus clausus einzuführen, abgelehnt. In der Debatte bemerkte der jüdische Deputierte Dubi n, es würde den Juden gar nicht so schlimm ergehen, wenn sie in allen Berufskategorien, auch in der Beamtenschaft, entsprechend ihrer Zahl vertreten sein würden. Milderung der Bestimmungen für die Einwanderung nach Argentinien. Buenos Aires, 18. Februar. In einer amtlichen Verlautbarung werden neue Bestimmungen für die Einwanderung nach Argentinien bekannt gegeben, die wesentliche Erleichterungen gegenüber den bisher geltenden Bestimmungen darstellen. Die neue Verordnung tritt am 7. März in Kraft. In ihr ist vorgesehen, daß die in die Kategorie 2 eingereihten Angehörigen argentinischer Einwohner von nun ab dieselben Privilegien genießen sollen wie die Angehörigen der Kategorie 1. Sie werden auch von der Entrichtung der 33 Goldpesos betragenden Einwanderungsgebühr befreit. Zur Kategorie 1 gehören Eltern, Kinder, Ehegatten, Witwen, Brüder und Schwestern von Personen, die in Argentinien ansässig sind. Zur Kategorie 2 gehören entferntere Verwandte, wie Oheime, Tanten, Nichten, Neffen, Schwäger und Schwägerinnen. Bräute und Bräutigame argentinischer Einwohner werden die Einwanderungsgebühr bei den argentinischen Konsulaten ihrer Herkunftsländer zu erlegen haben; die Gebühr wird nach der in Argentinien vollzogenen Verheiratung zurückerstattet. Ferner -wird bestimmt, daß auf Grund des Empfehlungsschreibens einer Kolönisationsgesellschaft einreisende Landarbeiter oder Personen, die in anderer Weise glaubhaft machen können, daß sie sich in Argentinien der Landwirtschaft widmen werden, keine Einwanderungsgebühr zu erlegen haben. Erklärung der österreichischen Gesandtschaft in London, „Monat des Rechts auf Arbeit" - Aktion der Poale Agudas Jisroel in Polen. Vorläufiges Scheitern der Pläne zur Einberufung eines jüdischen Weltkongresses.