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Der Israelit · 1934-02-15 · Heft 7 (15.2.1934) · page 16

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 7 (15.2.1934)
Date
1934-02-15
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 4 Nr. 2 Der Israelit Keren H a j i s c h u w - B 1 ä 11 e r 15. Februar 1934 Sommer dieses Jahres eine Hachscharah eröffnen, welche hauptsächlich gärtnerischer Ausbildung diente. Unter Leitung des Herrn Dr. Ellinger erhielten acht Jungen und zwei Mädchen dort ihre Ausbildung, deren technischen Teil ein Gärtner übernahm. Leider mußte die Arbeit im Herbst unterbrochen werden. Es besteht jedoch Aussicht, daß die Hachscharah uns mit Beginn des Frühjahrs wieder zur Verfügung steht. Von den in Bad Homburg vorbereiteten jungen Leuten erhielten zwei Mädchen Zertifikate und konnten daraufhin nach Erez Jisroel entsendet werden. Die übrigen suchten teils eine Jeschiwah auf, teils wurden sie zur weiteren Ausbildung auf einer von dem Frankfurter Komitee für Hilfe und Aufbau auf dem Gelände des israelitischen Friedhofes errichteten Hachscharah untergebracht. Die lettländische Agudas Jisroel richtete in Riga eine landwirtschaftliche Hachscharah ein, in welcher neun Jungen und zwei Mädchen Aufnahme fanden. Während des Winters widmen sich diese jungen Leute handwerklicher Ausbildung, eines der Mädchen schied aus der Hachscharah aus, das andere fand im jüdischen Frauenkrankenhaus „Linas Hazedek" in Riga Aufnahme, um an den Schwesterkursen teilzunehmen. In Jugoslavien bestehen z. Zt, zwei Hachscharoth und zwar eine in Subotica, in welcher sieben junge Leute tätig sind, und eine in Gjurgjevac, welche mit acht aus Hannover stammenden Agudisten, unter Leitung des Herrn Louis Ebner aus Berlin, besetzt wurde. Die handwerkliche Ausbildung stieß auf große Schwierigkeiten, Wie ich bereits erwähnte, sind eine Anzahl Agudisten in London in handwerklicher Ausbildung begriffen. Da dieselben zum größten Teil als sogenannte Flüchtlinge nach England kamen und durch das Flüchtlings-Komitee untergebracht wurden, haben wir keine genaue Uebersicht über die Zahl und die Namen derselben. Ich berichtete bereits, daß in Riga während der Wintermonate, in denen die landwirtschaftliche Arbeit ja nur in beschränktem Maße möglich ist, die Hachscharisten sich handwerklich ausbilden ließen. Auch in Jugog slavien habe einige junge Leute diesen Weg gewählt. Hier in Frankfurt wurde durch das Komitee für Aufbau und Hilfe eine Schlosserlehrwerkstätte errichtet, in j welcher wir auch einige unserer Gej sinnungsgenossen unterbringen konni ten. Die Angliederung einer Schreinerlehrstätte steht bevor. Seit mehreren Wochen stehen wir mit der holländischen Aguda in Unterhandlung, welche in Rotterdam eine elektrotechnische Werkstätte für 10 junge Leute einrichten will. Die Vorbereitungen hierfür sind getroffen, allein die finanzielle Deckung ist noch nicht geregelt, so daß wir vorläufig noch kein günstiges Resultat melden können. Aehnliche Bestrebungen bestehen in Berlin, wo Schreinerwerkstätten errichtet werden sollen, jedoch haben wir hier noch keine Möglichkeit gehabt, Agudisten unterzubringen. Inzwischen wurde, wie Ihnen bereits bekannt sein dürfte, der „Noar Agudati" von uns gemeinsam mit der Agudas Jisroel-Jugend-Organisation und der „Esra"- Bundesleitung gegründet, dessen Bedeutung wir gar nicht hoch genug einschätzen können. Nicht nur die Tatsache, daß es hiermit gelungen ist, für die Ziele desjenigen Teiles des Esra, welcher mit den Bestrebungen des Misrachi nicht einverstanden ist, und der Agudas Jisroel eine gemeinsame Plattform bezüglich der Erez Jisroel- Arbeit zu finden, sondern auch die Erleichterung der Hachscharah-Arbeit und die Vertiefung unserer Tätigkeit sind es, welche diese hohe Wertschätzung verdienen. Zunächst wurde die in Bildung begriffene Kopenhagener Hachscharah, welche für 20 Agudisten Arbeitsplätze enthält, uns angegliedert, so daß wir die so dringend notwendige Erweiterung unseres Hachscharahwesens nunmehr erhalten haben, ohne daß wir uns allerdings hiermit begnügen dürfen. Darüber hinaus bietet die Mithilfe des ,,Noar Agudati" die Gelegenheit, die Auswahl der Muchschorim besser und vollkommener zu gestalten, als wir dies bisher vornehmen konnten. Hachschara Enschede: Bei der Morgentoilette In unseren bisherigen Ausführungen hatten wir uns darauf beschränkt, nur rein äußerlich über die Möglichkeiten der gegründeten Hachscharoth zu berichten. Wir fühlen uns verpflichtet, vor diesem Gremium auch die Unvollkommenheiten unserer Hachscharoth klar zu legen und nach Wegen zu suchen, wie dieselben abzustellen sind. Zunächst die finanzielle Hachschara Enschede: Auf dem Acker Frage : Unter dem Eindruck der Verhältnisse in Deutschland wurden in den einzelnen Ländern von den lokalen Flüchtlings-Komitees Geldmittel zur Verfügung gestellt, von denen man annahm, daß sie entweder ganz oder zum größten Teil die Kosten decken würden. In einigen Hachscharoth wurde daher die jungen Leute unentgeltlich aufgenommen, inden anderen ein monatlicher Beitrag von Mk. 10—20.— von jedem einzelnen Muchscher verlangt, dessen Bezahlung keinerlei Schwierigkeiten darzustellen schien. Nachdem nun die Welle des Mitgefühls in einigen Ländern verebbt und dadurch die freiwilligen Spenden spärlicher zu fließen begannen, trat in den meisten Hachscharoth ein erheblicher Geldmangel auf. Dazu kam, daß selbst diejenigen jungen Leute, welche sich zur Zahlung des monatlichen Beitrages verpflichtet hatten, zum größten Teil nicht mehr in der Lage waren, von ihren Angehörigen diese Beträge zu erhalten. Mit Beginn des Winters nahm auch an vielen Oiten das Interesse der Bauern an den nicht mehr benötigten Arbeitskräften ab und die Naturalleistungen wurden?um Teil eingestellt, an einigen Plätzen auch die jungen Leute von den Bauern entlassen. Gansbesonders diese Tatsache, daß die wenig umfangreiche landwirtschaftliche Tätigkeit während des Winters den materiellen Bestand der Hachscharah stark bedroht, muß in Zukunft bezüglich der Sicherheit der Hachscharah sehr in Betracht gezogen werden. Das Programm der holländischen Hachscharahleitung sah vor, daß die jungen Leute während des Winters theoretischen landwirtschaftlichen Unterricht, evtl. in Verbindung mit gleichzeitigme Besuch einer landwirtschaftlichen Winterschule pflegen sollte. Daß hierbei durch Fortfall der Naturalleistungen eine finanzielle Mehrbelastung eintreten würde, war anscheinend nicht genügend berücksichtigt worden. In einigen Hachscharoth ist durch Beschränkung der zur Verfügung stehenden Geldmittel eine starke Reduzierung der Ernährung eingetreten, so daß wir in dieser Beziehung starke und wohlberechtigte Klagen gehört haben. Diese Erfahrungen und die Erkenntnis, daß die wirtschaftlichen Verhältnisse in den Familien der meisten deutschen Muchschorim dauernde Eigenleistungen finanzieller Natur nicht gestatten, muß uns zu der Forderung veranlassen, daß jede Hachscharah von vornherein diese Schwierigkeit in Betracht ziehen und das gesamte Budget für das laufende Jahr sicherstellen muß. Wir wollen nicht unerwähnt lassen, daß es uns gelungen ist, durch die Bemühungen unserer Gesinnungsgenossen im Zentralausschuß des Londoner Komitees für drei Monate erhebliche Zuschüsse für verschiedene unserer Hachscharoth zu erhalten. Nach den Erfahrungen, welche die Hachscharahleitungen der einzelnen Länder in den vergangenen sieben Monaten sammeln konnte, dürfte es nun nicht schwierig sein, sich ein klares Bild über das finanzielle Erfordernis jeder Hachscharah zu machen und hiernach das Budget für das kommende Jahr aufzustellen. Wir glauben, daß es eine *;: ' Ehrenpflicht unserer verschiedenen Landes-Organisationen sein müßte, -.'t <, den Bestand ihrer Hachscharoth aus eigener Kraft zu sichern, selbstverständlich unter weitgehendster Inanspruchnahme der lokalen Hilfskomitees, ohne daß auf die materielle Beihilfe der deutschen Aguda bezw. der Palästina-Zentrale und auf die meist spärlichen Geldmittel der Muchschorim aus Deutschland gerechnet würde. Wenn wir auf die finanziellen Leistungen der Agudas Jisroel in den letzten 20 Jahren und speziell der Palästina- Zentrale seit ihrer Gründung von nunmehr genau .14 Jahren, zurückblicken, so glauben wir auf die Zustimmung aller Landes-Organisationen rechnen zu dürfen, wenn wir es als Tatsache registrieren, daß die geldliche Belastung der deutschen Aguda diejenige aller anderen Landes-Organisationen weit übertrifft. Berücksichtigen wir die allgemeine Lage z. Zt. in Deutschland und speziell diejenige der deutschen Aguda, die auch heute noch ihre Institutionen in Erez Jisroel zum größten Teil allein erhält, so ist unsere Forderung der Uebernahme des Budgets der Hachscharoth in den einzelnen Ländern durch die Landes-Organisation des Landes keineswegs als unberechtigt zu bezeichnen. (Schluß folgt.)

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