Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 7 (15.2.1934)
- Date
- 1934-02-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2450807-2450814--80199-2537999- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 8 Nr. 7 Der Israelit 15. Februar 1934 weder diese Herren noch sonst Vertreter der selbständigen Orthodoxie in Deutschland diesem Beirat angehören. Die Orthodoxie ist aber weiterhin jederzeit bereit, in einer ihren Gewissensüberzeugungen entsprechenden Form mit der Reichsvertretung auf allen denjenigen Gebieten zusammenzuarbeiten, die den deutschen Juden wirklich gemeinsam sind. Sie hat dahingehende Vorschläge der Reichsvertretung erneut unterbreitet. Oesterreich. Christlich-arabischer Feldzug gegen Jüdische Einwanderung in Palästina. Wien, 5. Febr. . Das christlich-soziale Regierungsorgan "„Reichspost" meldet aus Jerusalem, daß dort ein Kongreß christlicher Araber und nichtarabischer Christen zur Schaffung einer organisierten christlichen Opposition gegen jüdische Einwanderung in Palästina vorbereitet wird. „Reichspost" gibt zu verstehen, daß die Jerusalemer Beratungen die Schaffung eines Feldzuges der Christenheil auf Weltbasis gegen die zionistischen Bestrebungen bezwecken. Das in Jerusalem gegründete Wochenblatt in englischer Sprache soll die Christenheit in Europa und in Amerika zur Parteinahme für die palästinensischen Araber aufrütteln. Hinter dieser Bewegung steht auch di Franziskaner- Kustodie „Terra Santa". Schweiz. Streit in der Baseler Gemeinde um den Keren Hajessod. Basel, 11. Febr. Wie der ITA. aus Basel gemeldet wird, ist in der dortigen Israelitischen Gemeinde anläßlich eines Antrages der zionistischen Vorstandsmitglieder auf Subventionierung des Keren Hajessod ein ernster Konflikt ausgebrochen. Der Antrag wurde in der letzten Vorstandssitzung mit 4 gegen 4 Stimmen abgelehnt, wobei die Stimme des Gemeindepräsidenten, des Herrn Jules Dreyfus-Brodsky, der Vertreter der Schweiz in der Jewish Agency ist, den Auschlag gab. Die zionistischen Mitglieder des Gemeindevorstandes haben für die am 4. März stattfindende allgemeine Gemeindeversammlung ein Minoritätsvotum angekündigt. Palästina. Einkommensteuer in Palästina. Jerusalem, 10. Febr. Zum Zwecke der Einführung der Einkommensteuer für die Bewohner Palästinas sind Vertreter des britischen Schatzamtes in Jerusalem eingetroffen. Die Einsetzung der Einkommensteuerkommission wird von der Palästinaregierung offiziell angekündigt. In jüdischen Kreisen ist man über diese Einrichtung geteilter Meinung. Der Waad Leumi ist der Meinung, daß das kulturelle Niveau und die wirtschaftliche Lage breiter Bevölkerungsschichten des Landes ein Hindernis für die Feststellung der Einkommenshöhe bilden, womit die Gefahr verbunden ist, daß die Einkommensteuer, anstatt zu einer gerechten Steuerverteilung zu führen, eine weitere Belastung derjenigen Bevölkerungsteile mit sich bringen wird, die weder gewillt noch in der Lage sind, ihr Einkommen zu verheimlichen, während es gewissen privilegierten Klassen möglich sein wird, sich der Steuerpflicht zu entziehen, Im Zusammenhang damit erklärte Professor Selig Brodetzky auf der Jahreskonferenz der English Zionist Federation: „Wir hoffen, daß die Regierung die Frage einer Einkommensteuer in Palästina nicht unter dem Gesichtswinkel theoretischer Wirtschaftsprinzipien betrachten wird, sondern unter Berücksichtigung der Tatsache, daß es sich um ein Land handelt, dessen Erschließung nur durch das Interesse der Juden an ihm ermöglicht wird, ein Interesse, das sich in dem Zustrom von Kapital aus allen Teilen der Welt und hauptsächlich aus Gebieten außerhalb des britischen Reiches kundgibt. Die Regierung hat nunmehr selbst zugegeben, daß die jüdische Bevölkerung Palästinas pro Kopf das Dreifache dessen zu den öffentlichen Einkünften beiträgt, was die nichtjüdische Bevölkerung leistet." 50 jüdische Familien aus Deutschland sollen in Metullah angesiedelt werden. Jerusalem, 7. Febr. In der nördlichsten jüdischen Kolonie Palästinas, in Metullah, sollen demnächst 50 jüdische Familien aus Deutschland angesiedelt werden. Die zur*Vorbereitung der Ansiedlung nötigen Verhandlungen sind im Gange. Es verlautet, daß den neuen Siedlern insgesamt 2500 Dunam zugewiesen werden sollen. Als wirtschaftliche Grundlage der Siedlung sind Viehzucht, Obstbau, Imkerei und Geflügelzucht in Aussicht genommen. Ausweisung einer orientalisch-jüdischen Familie aus Palästina zurückgenommen. Jerusalem, 7. Febr. Die „Palestine Gazette" veröffentlicht die auf besondere Anordnung des High Commissioner verfügte Zurücknahme eines gegen eine jüdische Familie aus Buchara erlassenen Ausweisungsbefehls. Dem Familienoberhaupt Jonah B a r u c h , seiner Gattin, seinen vier Söhnen und drei Töchtern wird weitere Aufenthaltserlaubnis gewährt. Eine Begründung für die Zurücknahme der Ausweisung wird nicht gegeben. Andererseits wird die Ausweisungspraxis gegenüber orientalischen Juden in Palästina fortgesetzt. Soeben wurde ein Ausweisungsbefehl gegen die .80jährige Schoschana Al-Yussef und ihre 35jährige gehörlose Tochter Mirjam, die mit ordnungsmäßig vidierten Pässen über Transjordanien aus Afghanistan nach Palästina gekommen sind, erlassen. Obwohl der Sohn, bezw. Bruder der Ausgewiesehen, Michael Al- Yussef, der seit Jahren in Jerusalem ansässig ist, und ein Vermögen von über 10.000 Pfund besitzt, sich verpflichtet hat, für den Unterhalt seiner Angehörigen zu sorgen, wurde der Ausweisungsbefehl mit dem Hinweis darauf aufrechterhalten, daß die beiden Frauen die ihnen gewährte Aufenthaltsfrist von drei Monaten überschritten hätten, Zulassung jüdischer Aerzte aus Deutschland zur Praxis in Palästina. Jerusalem, 7. Febr. In der „Palestine Gazette", dem Amtsblatt der Regierung, wird eine Liste von weiteren 63 jüdischen Aerzten veröffentlicht, die zur Ausübung der Praxis in Palästina zugelassen wurden. Die neu Zugelassenen, unter denen sich auch sechs Aerztinnen befinden, sind zum größten Teil aus Deutschland eingewandert. Die gleiche Ausgabe des Amtsblattes enthält eine Liste von 18 Zahnärzten, die in letzter Zeit Praxislizenzen erhalten haben. Auch sie stammen anscheinend durchwegs aus Deutschland. Mit der Ausgabe der neuen Lizenzen haben die für ärztliche Praxis die Zahl von 1424, die für zahnärztliche Praxis die Zahl 451 erreicht. Es wird erwartet, daß noch im Monat Februar eine vollständige Liste der gegenwärtig in Palästina praktizierenden Arezte, Zahnärzte und Apotheker veröffentlicht werden wird. (ITA.). 50jähriges Jubiläum der Anlage der ersten jüdischen Orangenpflanzung in Palästina. Jerusalem, 5. Febr. Das 50jährige Jubiläum der Anlage der ersten jüdischen Orangenpflanzung in Palästina wurde durch eine Feier begangen, in deren Mittelpunkt die Witwe des Pflanzers, der den Garten in Summeil, fünf Kilometer vor Jaffa, angelegt hatte, Frau Sara Ita F e 11m a n , stand, Ueber 300 Vertreter der verschiedenen jüdisch-palästinensischen Institutionen waren erschienen, um Frau Fellman, die, obwohl sie weit über 80 Jahre alt ist, sich ihre volle Rüstigkeit bewahrt hat, zu beglückwünschen. Ihr Gatte Dov Fellman, der vor 50 Jahren aus Meseritsch in Polen nach Palästina gekommen war, erlag schon ein Jahr nach seiner Ankunft einem Hitzschlag. Seine Witwe setzte das Werk in der damals noch wüsten Gegend, in deren Nachbarschaft sich nur ein Beduinenlager befand, mit außerordentlicher Tatkraft fort. So gelang es ihr, ihre sechs Kinder großzuziehen, für deren jüdische Erziehung ihr verstorbener Gatte dadurch gesorgt hatte, daß er einen Rabbiner aus Polen mit sich gebracht hatte, der in der später sich entwickelnden Siedlung auch als Lehrer und Schochet fungierte. Der heute fast 90 Jahre alte Rabbiner war bei der Feier, die die Greisin im Kreise ihrer Kinder, Enkel und Urenkel beginganwesend. Arbeiterkonflikt in Petach Tikwah durch Schiedsspruch beigelegt. Jerusalem, 5. Febr. Der in einem Petach Tikwaher Industriebetrieb vor kurzem wegen der Beschäftigung revisionistischer Arbeiter ausgebrochene Konflikt, der zu scharfen Zusammenstößen zwischen denjenigen Arbeitern, die Mitglieder der allgemeinen Arbeiterorganisation sind und den dem revisionistischen, Arbeiterverband angehörenden Arbeitern geführt hat, ist durch ein schiedsgerichtliches Verfahren beendet worden. Auf Grund des von beiden Teilen angenommenen Schiedsspruches sollen nunmehr 30 Proz. revisionistische Arbeiter sowohl in die Tagwie in die Nachtschichten des Betriebes aufgenommen werden. Die Arbeit in der Fabrik geht wieder ungestört weiter. Ursprünglich widersetzten sich die Vertreter des allgemeinen Arbeiterverbandes der Annahme des Kompromisses unter dem Hinweis darauf, daß ihnen der Anspruch zustehe, 95 Proz. der Belegschaft beizustellen. Konferenz des Verbandes der jüdischen Landwirte Palästinas. Jerusalem, 7. Febr. In Tel-Awiw fand eine Konferenz des Verbandes der jüdischen Landwirte Palästinas statt, der 50.000 iil den jüdischen Vorkriegskolonien wohnhafte Mitglieder, unter ihnen 15.000 erwachsene Arbeiter, umfaßt. Auf der von 180 Delegierten besuchten Konferenz wurden technische und organisatorische Angelegenheiten von 25 landwirtschaftlichen Siedlungspunkten erörtert. In seiner Eröffnungsansprache machte der Vorsitzende des Verbandes, der bekannte Landwirt und landwirtschaftliche Schriftsteller Mosche Smilanski, bemerkenswerte Feststellungen über die Beziehungen der jüdischen Landwirte zur Mandatarmacht und über die Vorteile, die die jüdische Kolonisation der arabischen Bevölkerung bietet. Smilanski wies darauf hin, daß in den von den Mitgliedern des Verbandes besiedelten Kolonien 5000 Araber ihren Lebensunterhalt verdienen. Während früher ein Dunam Land in Palästina zwei Araber ernährt habe, zögen jetzt von demselben Bodenausmaß infolge der durch die jüdische Landwirtschaft herbeigeführten Intensivierung 30 Juden und 5 Araber ihren Lebensunterhalt. Das heißt Kolonisation, das heißt Zionismus, rief Smilanski unter dem Beifall der Versammlung aus. In seinen weiteren Ausführungen wandte sich der Redner gegen die an seiner Politik geübte Kritik. Man habe behauptet, er hätte den Verband an die Palästina-Regierung verkauft und eine schwächliche Haltung angesichts der von den Behörden geübten Praxis gegenüber der sogenannten illegalen Einwanderung bewiesen. Wir sind englandfreundlich, erklärte Smilanski, weil wir der Ueberzeugung sind, daß, zum mindesten was unsere Generation betrifft, in Palästina vom jüdischen Volk nichts ohne englische Hilfe getan werden kann. Wenn auch die Landwirte für die von der englischen Verwaltung Palästinas begangenen Fehler und die Hindernisse, die dem jüdischen Aufbau in den Weg gelegt wurden, nicht blind waren, so könne er seine Haltung der Toleranz gegenüber den nichtjüdischen Faktoren des Landes doch durchaus rechtfertigen. Amerika- Orthodoxer Jude Oberstaatsanwalt von New Jersey. Newyork, 6. Febr. David T. W i 11 e n t z , ein führender Anwalt und demokratischer Politiker, ist zum Oberstaats ajiw a 11 des Staates New Jersey ernannt worden. Willentz ist 38 Jahre alt und wird als politischer Führer wie als Jurist sehr geschätzt. Auf der letzten Demokratischen Konvention war er Führer der Delegation des Staates New Jersey. Willentz ist orthodoxer Jude, Mitglied der Synagogengemeinde „Schaare-Tefiloth" und Vorsitzender der Young Men Hebrew Association (religiöser Verband der jüdischen männlichen Jugend) in New Jersey.) (ITA.).