Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 7 (15.2.1934)
- Date
- 1934-02-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2450807-2450814--80198-2537998- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
15.; Februar 1934 De r Israelit Nr. 7 Seite 7 kunftspflicht durch; Einsendung. eines Formulars an den Landgerichtspräsidenten in Berlin bereits nachgekommen ■ sei. Der Vorstand ]- der Anwaltskammer erwiderte,. ihm obliege " die Aufsichtder von den Kammermitgliedern zu erfüllenden Pflichten, und zu den Pflichten' des Rechtsanwalts 'gehöre auch der Nachweis seiner rassenmäßigen Herkunft und die Anpassung an. den neuen nach Rassengesichtspunkten sich ordnenden Aufbau des deutschen Volkes. In einer Eingabe an den Kammergerichtspräsidenten beantragte! der Rechtsanwalt, die an ihn gerichteten Verfügungen des Vorstandes der Anwaltskammer; aufzugeben. Der erste Ferienzivilsenat des Kammergerichts billigte aber den Beschluß dse Kammervorstandes. Die Untersuchungen über die Zahl der im Weltkrieg gefallenen jüdischen Soldaten der deutschen;.-> ■■ 'y Armee. ■■• 1; , B'erlin,.:.-9. Febr. Bekanntlich wurde vor einiger Zeit in einer amtlichen Presseveröffeni'lichüng die Richtigkeit der vom Reichsbund judischer Frontsoldaten vorgenommenen Zählung, der jüdischen Gefallenen im Weltkrieg angezweifelt. Gleichzeitig war auf eine vom damaligen Preußischen Kriegsministerium veranstaltete Zählung hingewiesen worden. Hierzu stellt der Reichsbund fest, daß das angebliche Ergebnis jener Zählung, daß bis zum 1. November 1916 3411 jüdische deutsche Soldaten gefallen seien, nur in einer privaten Veröffentlichung bekanntgegeben wurde („Die Juden im Heer" von Otto Arnim). Es gehe also nicht an, in diesem Falle von einer amtlichen Statistik des Preußischen Kriegsministeriums zu sprechen. Der Reichsbund habe auf Grund der von ihm zusammengestellten Gefallenen-Liste, die bei jedem der vom Reichsbund bei der Behörde identifizierten Namen das Datum des Todestages trägt, eine Aufstellung über'die bis zum_l. November 1916 Gefalleneu gemacht und sei hierbei auf eine Zahl von 5734 bis zum 1, November 1916 gefallener jüdischen deutschen Soldaten gekommen.. Der Reichsbund richtet von neuem an diejenigen, die an der Richtigkeit seiner Gefallenen-Liste zweifeln, die Aufforderung, sich durch Stichproben davon zu überzeugen, daß in die Liste tatsächlich nur gefallene jüdische Soldaten aufgenommen worden sind. Das Ergebnis der in .den Jahren 1917 bis 1921 von den jüdischen Organisationen durchgeführten Zählung, die 12 000 jüdische Gefallene ergab, sei nur als Mindestziffer anzusehen. Sitzung _ des Beirats der Reichsvertretung der deutschen Juden.; Berlin, 12. Febr. Unter starker Beteiligung fand am Sonntag, den 11. Februar, eine Tagung des fünfziggliedrigen „Beirates der Reichsvertretung der deutschen Juden" statt. Es wurde zunächst so etwas wie ein Burgfrieden zwischen den verschiedenen Verbänden proklamiert und dann der Wunsch zum Beschlüsse erhoben, daß Aktionen einzelner der Reichsvertretung angehöriger Gruppen auf Gebieten, die die Reichsvertretung sich vorbehalten sehen will, vermieden bleiben möchten. , Aus den Verhandlungen sei folgendes wiedergegeben: Der Präsident, Herr Rabb. Dr. Leo B a e c k , eröffnete die Versammlung mit einer Ansprache, in der er all den Faktoren, die zum Gelingen der Arbeiten der R. V. beitrugen, Dank aussprach. Er mahnt, nicht kleinmütig zu verzagen, sondern in ruhiger Arbeit die Ergebnisse der Entwicklung abzuwarten. In einer Zeit, in der ein Monat in seiner Bedeutung fast einem Jahre gleiche, müsse die Arbeit eines Monats die, eines Jahres sein. Was das jüdische Ausland für die deutschen* Juden tue, tue es auch für sich selbst, da das Schicksal der deutschen Juden einst auch das Schicksal aller Juden Europas, vielleicht auch Palästinas, werden könne, sollten die deutschen Juden die innere Haltung verlieren. Eine Ueberschwemmung Palästinas durch kopflose Einwanderung könne dem Lande genau so schädlich sein, wie eine Austrocknung durch Sperrung der Zuwanderung. Nur . durch Zusammenstehen könne die deutsche Judenheit vor ihrem Schicksal bestehen. Die Woche- Berlin; Die vom Centraiverein deutscher Staatsbürger' jüdis%h$n Glaubens mit dem Deutschen Sprachverein geführten Verhandlungen haben zu dem Ergebnis geführt, daß der" Cehtralverein auch weiterhin die Möglichkeit hat, körperschaftlich dem Deutschen Sprachverein anzugehören. — Der Kulturbund deutscher Juden veranstaltet nur für seine Mitglieder am 1. März im Berliner Theater einen Purim- Abend, an dem Grillparzers dramatisches Fragment „Esther" unter der Regie Fritz J e ß n e r s zur Aufführung gelangt. Dresden. Auf Veranlassung des Vorbereitenden Ausschusses zur Gründung einer jüdischen Schule in Dresden hielt am' 27. Januar in der Synagoge Herr Dr. Friedrich. B r o dnitz, Berlin, der Reichsführer der jüdischen Jugend, einen Vortrag über „Die Aufgaben einer jüdischen Schule". Königsberg. In einem bestimmten Falle hat das ,0 b e rlandesge rieht in Königsberg entschieden, daß ein einem Juden gehörendes Unternehmen, das an eiri'en Nichtjuden verpachtet ist, nicht als ein jüdisches Unternehmen anzusehen sei. Amsterdam. Zu Ehren des 25jährigen Jubiläums des holländisch-jüdischen Journalisten Dr. M. van •Blankenstein als Redakteur der großen holländischen Tageszeitung „De Nieuwe Rotterdamer" fand im Haag eine Feier statt, an der führende Persönlichkeiten der diplomatischen, politischen, literarischen und journalistischen Kreise teilnahmen. Paris. Der nach den französischen Wirren mit der Bildung der Regierung betraute frühere Präsident der Republik, Gaston Doumerg u e , gilt als Freund der Juden, der auch mit größtem Interesse den Aufbau. Palästinas verfolgt, Zu Anfang seiner Laufbahn, als junger Advokat in der südfranzösischen Kleinstadt Mim es hatte er, um sich einen Nebenverdienst zu beschaffen, einige Jahre das Sekretariat der dortigen jüdischen Gemeinde versehen. Rom. Der neue Gouverneur von Tripolitanien, Marschall Italo B a 1 b o , hat den jüdischen Major Ivo L e v i aus Ferrara zu seinem Adjutanten ernannt. Major Levi gilt als hervorragender Kenner militärischer Kolonialfragen und hat sich auf diesem Gebiete große Verdienste erworben. London. Zur ausländischen Beteiligung an der bevorstehenden Tel-Awiwer Messe wird im englischen Unterhaus mitgeteilt, daß außer England bisher acht Staaten ihre offizielle Teilnahme angekündigt haben. Bukarest. Bei Zusammentritt von Kammer und Senat Rumäniens ergriff auch der Vertreter des jüdischen Kultus, Oberrabbiner Dr. J. N i emirower, das Wort, um dem ermordeten Ministerpräsidenten Ducas einen warmen Nachruf zu halten. Warschau. Das Warschauer Kreisgericht hat acht nationaldemokratische Studenten, die am Donnerstag im Anschluß an eine polizeilich aufgelöste nationaldemokratische Versammlung in den Straßen von Warschau an judenfeindlichen Ausschreitungen teilgenommen hatten, zu je 30 Tagen Gefängnis verurteilt. — Das Heim der zionistischen Arbeiterjugend „Haschomer Hazair" in Krasnik (Kreis Lublin) wurde von Revisionisten überfallen und wurde verwüstet. Libau. An der vom „Ort" ' erhaltenen jüdischen Gewerbeschule in Libau; wurde ein elektromech'ani- -scher Sonderkurs fürdeuts c h e Juden eingerichtet, an dem zur. Zeit 41 Jugendliche aus Deutschland teilnehmen. Jerusalem. Einer der 'zum Tode verurteilten Mörder des Kolonisten Jakob i und seines Sohnes in Nahalal, Achmed G a 1 j a n i s , wurde vom Hochkommissar zur fünfzehnjährigen Kerkerhaft begna- digt. Tel-Awiw. High Commissioner Sir Arthur Wauchope hat in Begleitung hoher Beamter das Gelände der Levante-Messe, die demnächst in Tel-Awiw eröffnet wird,' besichtigt. Er wurde ' vom Vorsitzenden der Messekommission, Bürgermeister Dizengoff, und von Mitgliedern der Messeleitung empfangen und durch das Ausstellungsgelände geleitet. Tel- Awiw. Soeben hat auch Schweden seine offizielle Beteiligung an der Levante-Messe angekündigt. Die allgemeine Exportvereinigung Schwedens, in der die wichtigsten schwedischen Industrien vertreten sind, hat Auftrag zur Errichtung eines schwedischen Pavillons erteilt. Es folgte Begrüßung ,durch Direktor Heinrich Stahl für die Berliner jüdische Gemeinde, worauf Ministerialrat a. D. Dr. Otto Hirsch den Bericht über die Tätigkeit des Ausschusses der' R. V. erstattete. Der Beirat habe eine dreifache Aufgabe: Gelegenheit zu bieten zur Ueberprüfung der allgemeinen Richtung der.R. V.-Arbeit,, die lebendige Verbundenheit der deutschen Judenheit mit der R. V. aufrecht zu erhalten und schließlich die Grundlagen für die Finanzgebarung der R. Vzu gestalten. Er bespricht die drei Punkte und schildert kurz die Entstehung der R. V. bis zu der Form, die sie heute angenommen hat. Es bestehe die Hoffnung, auch mit der heute der Reichsvertretung noch fernstehenden selbständigen Orthodoxie zu einer Verständigung zu gelangen, da sich die R. V. grundsätzlich von jeder Einwirkung in religiöser Beziehung fernhalte, um so mehr aber sich der Wirtschaftsfrage zuwende, für die ein besonderer Unterausschuß bestehe. Die deutschen Juden hätten als Deutsche wie als Juden alles Interesse daran, den Boykott deutscher Ware im Auslande zu verhindern. Bei aller Auswanderung bleibe doch die Regelung der jüdischen Wirtschaft im Lande das wichtigste Problem. Wenn aber Auswanderung, dann nur planmäßig und unter möglichster Wahrung der Interessen, die die Auswanderer an der Erhaltung ihres Deutschtums und Judentums haben. Neben Palästina sollen auch alle anderen Möglichkeiten für Niederlassung geprüft werden. Aufgabe der R. V. sei auch, bestehende Schulen zu erhalten und Neugründungen zu erleichtern. Die Schulen sollen „Einheitsschulen für alle Richtungen" (!J sein und von den Gemeinden verwaltet werden. Für die Lehrerausbildung scheine zunächst das L'e hrerseminar in Würzburg in weitem Umfange genügend. Nach einem I kurzen Ueberblick über die Finanzgebarung ruft Dr. Hirsch zur Solidarität und Mitarbeit auf; Direktor Borchhardt vom Zentralausschuß für Hilfe und Aufbau erstattet hierauf ein kurzes Referat über Aufgaben und Ziele der sozialen Arfreit. Auch er kommt zu dem Schluß, daß trotz der ausländischen Hilfe sich das deutsche Judentum darauf einstellen müsse, die Hauptlast des Hilfswerkes selbst zu tragen. Für den Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände spricht Dr. Friedrich Brodnitz der R. V. seine Sympathien aus. Dieser Reichsausschuß habe als erste Spitzenorganisation die Anerkennung der maßgebenden offiziellen Stellen erhalten. Die Jugend wolle mitarbeiten, wünsche aber zu den Gremien der jüdischen Gesamtarbeit stärker herangezogen zu werden. In der Debatte erklärte der Vorsitzende der „Liberalen Vereinigung", Dr. Heinrich Stern, es könne nur einen Burgfrieden der Form, aber nicht einen solchen der Anschauungen geben. Deshalb müsse er auch gegen eine absolut einheitliche Lehrerausbildung Stellung nehmen. Die Ausbildung von Lehrern religiös-liberaler Richtung müsse gesichert werden. Professor Martin B u b e r nenn!:: den formellen Burgfrieden einen „Notverband", es müsse darüber hinaus eine wirkliche Einheit des Judentums erzielt werden, die nur möglich sei als „erfülltes Judentum". Jede jüdische Schule sei gut, die eine „judentumserfüllte Schule" ist. Der Vorsitzende des R. J. F., Dr. Löwen stein, bekennt sich zur Einigkeit, bei Aufrechterhaltung der divergierenden weltanschaulichen Linien. Der R. J. F. will an der R .V. kräftig mitarbeiten, aber man solle die Ideologie aus dem Spiel lassen. Dr. Julius B r o d n i t z vom C. V. betont die. . Notwendigkeit eines Umbaus des ganzen Wirtschaftslebens der deutschen Juden unter Hintanstellung aller ideologischen Auseinandersetzungen. In einem Schlußworte spricht der Vorsitzende des Verbandes Bayrischer Israelitischer Gemeinden, Oberlandgerichtsrat Dr. Neumeyer, dem Präsidenten des R, V, und den Mitgliedern des Ausschusses den Dank des Beirates aus. In einem von der R. V. ausgegebenen Communique über die Verhandlungen werden unter den Mitgliedern des Beirats auch die Herren Rabb. Dr. K o h n und Jacob Rosenheim in Frankfurt a. M. genannt. Demgegenüber sei festgestellt, daß bisher