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Der Israelit · 1934-02-15 · Heft 7 (15.2.1934) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 7 (15.2.1934)
Date
1934-02-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr: 7 Der Israelis 15. Februar, 1934 mission, nachdem inzwischen wieder hunderte Schiffe Einwanderer gelandet haben, eines Tages irgendwelche Beschlüsse gefaßt haben, — Wirklich, nichts ist bisher seitens der Orthodoxie an Propagierung geleistet worden. Es bestehen' im Land einige Mischmereth- Sabbat-Vereine, In jedem dieser Vereine arbeiten nur wenige Menschen. Die Masse der Orthodoxie hat sich nicht einmal zur Mitgliedschaft und zu einem geringen Beitrag verstanden, damit wenigstens auf diesem Gebiet die Orthodoxie nach außen zahlenmäßig als Einheit dastehe und durch diese Einheit ideelle und materielle Kraft bestätigen könne. Die Masse derer, die dem Sabbat die Treue bewahren, weiß nur über die Entweihungen des Sabbat zu klagen. Aber nicht allein dies, — es ist vielmehr noch die weit traurigere Tatsache festzustellen, daß ein großer Teil aus diesen Kreisen der Sabbat-Untreue in der eigenen Familie fatalistisch zusieht. Wieviele versäumte Gelegenheiten, wieviele Verluste an Seelen hat der Sabbat zu verzeichnen, weil die für ihn Verantwortlichen — und jeder Sabbattreue trägt die Verantwortung — sich gleichgültig verhalten! Eine ganze Reihe Jeschiwoth in Erez- Israel verelendet mit Lehrein und ' Schülers. Die Weltkrise hat die Bc-Hräge des Auslandes Dem „heidnisch-religiösen Ringen unserer Tage" war eine Tagung gewidmet, die die Gesellschaft für germanische Ur- und Vorgeschichte, die mehr und mehr der Sammelplatz der Anhänger einer „nordisch-germanischen Religion" geworden ist, in den letzten Tagen in Berlin abhielt, und auf der die bekanntesten Vorkämpfer dieser Bewegung zu Worte kamen. Als erster Redner sprach der aus der Sportpalastversammlung . der „Deutschen Christen" bekannte Dr. Krause über „Das Ringen um den arteigenen Glauben". Er gab eine Darstellung der Strömungen innerhalb der deutschen Geistesgeschichte, in denen nach seiner Ansicht am stärksten die Sehnsucht des germanischen Menschen nach einer arteigenen Religiosität verkörpert werde. Professor Ernst Bergmann (Leipzig), d?r bekannte Verfechter der deutschen Nationalkirche, stellte seine Ausführungen unter das Motto „Heidnische Theologie" und erhob damit den Begriff „heidnisch" zu einer offiziellen Selbstbezeichnung der nordisch-germanischen Religionsgruppen. Der christlichen Theologie setzte er die heidnische, die deutsche Theologie entgegen, und behandelte dann ein besonderes Kapitel aus dieser: . das G'ttesproblem- Die Lösung der G'ttesfrage, wie sie im Theismus und im Pantheismus gegeben werde, lehnte er als nicht dem germanischen Wesen entsprechend ab. Die deutsche Theologie vertrete einen Antropotheismus, dessen Schöpfer Meister Eckehart sei. Das Geheimnis der deutschen G'tteslehre sei folgendes: G'tt ist als Urgrund alles Seins unerkennbar, aber er zeigt sich uns in unserer Seele. G'tt und die Seele sind wesensgleich. Aus dieser Lösung der G'ttesfrage folgert Bergmann eine heroische Ethik, die sich auf der Willensfreiheit des Menschen aufbaut. Diese Ethik nimmt dieselbe Stellung ein, wie die Erlösungslehre in der christlichen Theologie. Den Hauptvortrag hielt Professor Hauer (Tübingen) über das Thema: „Der Kampf der vorderasiatisch-semitischen mit der indogermanischen Glaubenswelt", Er ging aus von der Unterscheidung zwischen religiösem Urphänomen und religiösem Seelentum, Dieses Urphänomen, das allem religiösen Erleben gemeinsam sei, sei das Ergriffenwerden der zentralen Kräfte im Menschen von einer letzten Wirklichkeit, die uns unmittelbar trage und verpflichte. Sobald das stark' eingeschränkt..Doch in Ereztlsrael .herrscht, in den letzten Jahren auch für eine beträchtliche Anzahl sich orthodox wähnende FamilienJ eine Zeit der Prosperität, — und gerade diese; Familien. verhalten sich meist passiv,,; Ihnen scheint es zu genügen, inmitten so vieler Un^ jüdischkeit Sabbat und Kaschruth für ihre Person zü wahren. Würden sie den Interessen der' Orthodoxie nur die Aufmerksamkeit und Hilfe zuwenden, wie sie es für ihr Geschäft tun, es wäre um vieles besser bestellt. Groß ist sicherlich die Schuld gar mancher sogenannter Frommen, denn ihr Verhalten trägt zu den Schädigungen der Orthodoxie bei. Auch gesellschaftlich läßt Zusammenhang, freundschaftlicher Verkehr, gegenseitiges, Verpflichtungsgefühl in den Kreisen der Orthodoxie zu wünschen übrig. Wie selten finden sich Familien mit dem Streben, daß „die G'ttesfürchtigen sich miteinander beraten", daß ihr Haus dem Mitmenschen für Rat und Tat geöffnet ist. Die: Heiligkeit des Bodens von Erze-Israel verlangt von jedem besondere Lebensweihe, — doch nur" wenige tragen dieses Bewußtsein in sich. Die Zeiten sind heute zu ernst, zu verantwortungsvoll, um rücksichtsvoll zu schweigen, Wenn man in seinen eigenen Reihen Mißstände zu sehen glaubt. Möchten doch die vorstehenden Worte als ein Weckruf wirken! Urphänomen Gestalt gewänne, werde es durch das jeweilige rassische Seelentum . geformt und weitergebildet. Es gibt kein absolutes G'tterleben, sondern nur ein rassegebundenes. Nach einer Darstellung seines Bildes von vorderasiatisch-semitischem und germanischem Seelentum wies der Redner dann auf den immerwährenden Kampf beider Teile in der Geschichte hin. Dieser Kampf sei schon in der Geschichte von David und Goliath allen sichtbar, in der der vorderasiatisch-semitische David mit List aus dem Hinterhalt den starken, sich offen zum Zweikampf stellenden Goliath besiegte,*) Jede Rassenseele gehe ein in die Geistgestalt, die aus ihr geboren werde und könne aus ihr nicht mehr vertrieben werden. Dr, Johann von Leers, der Leiter der Tagung, sprach in seinem Schlußworte der Tagung über „Wandlung und Untergang der Weltreligionen — Die große Heimkehr". Zum Ausgangspunkt seiner historisch eingestellten Ausführungen macht er eine strenge Unterscheidung zwischen den drei großen Weltreligionen, die einmalig, missionarisch und übernational "seien und den nicht missionierenden Natiönalreligionen. Während um 1800 etwa die national bestimmten Religionsformen durch die Weltreligionen immer mehr verdrängt worden seien, habe das letzte Jahrhundert in allen Teilen dre Erde eine Krise der angenommenen Weltreligionen gebracht., Bei uns sei die entsprechende Auseinandersetzung; vorwiegend an der Judenfräge orientiert. Es; sei inkonsequent,., den jüdischen' Einfluß politisch' zu beseitigen,; ihm aber im Christentum ein breites E'i n f a 11 s t o r z u b e 1 a s s e n. Die Frage, in welchem Geist unser Volk leben soll, sei als fruchtbare Spannung unter uns aufgebrochen. Bei der Vielgestaltigkeit des deutschen Geistes würden voraussichtlich die verschiedenen Möglichkeiten zunächst noch nebeneinander hergehen: es würden die christlichen; Kirchen einen Teil ihrer Gefolgschaft behalten, - deren Rassenbewußtsein an dem jüdischen Gedankengut keinen Anstoß nehmen würde. Ein anderer Teil werde den allerdings problemati- *) Woher Prof. Hauer diese tendenziöse Darstellung des Zweikampfes zwischen David und Goliath hat, bleibt sein Geheimnis!. In den biblischen Quellen (Sam. 17) ist davon für den objektiven Historiker keine Spur zu finden. Red. . s. sehen-Versuch ^machen,; das Christentum zu? germanisieren, und 'schließlich werde sich;das ^nordisch-germanische \. Denken, die rassenhafte . Religiosität als kulturschaffend und ireligionsbildend erweisen müssen. {•> ' Die anschließende . Aussprache v bestätigte in manchen Einzelzügen die. These des; Vortragenden über die zu erwartenden Germanisierungsversuche im Christentum, Sie stellte als Ergebnis der Tagungheraus, daß ein Gespräch in Gang gekommen sei, das unbedingt in gegenseitiger Achtung, aber ohne Verwischung der Grenzen fortgeführt werden müsse,! ' Korrespondenzen. Deutsches Reich. Vom jüdischen Viehhandel. Frankfurt a. M., 12. Febr; In einer Generalversammlung der Viehverw e r tun g s g e n o ss e n s c h a f t von Butzbach und. Umgebung in Oberhessen wurde, nach Mitteilung, der „Bauernzeitung Rhein-Main-Neckar" bekanntgegeben, daß den Mitgliedern der Genossenschaft strikte verboten sei, Schlachtvieh an Juden zu. verkaufen. Wer gegen dieses Verbot verstößt, wird aus der Genossenschaft ausgeschlossen unter Verlust seines Geschäftsanteiles. Ausgefallene Arbeitszeit an jüdischen Feiertagen , muß entlohnt werden. Berlin, 9, Febr. Die „Deutsche Handelswacht", Hamburg, vom 26, Januar berichtet über ein Urteil des Berliner Arbeit-s gerichtes, das sich mit der Frage der Bezahlung der an den vergangenen hohen jüdischen Feiertagen ausgefallenen Arbeitszeit beschäftigt. Das Gericht hat folgendermaßen entschieden: „Im Gesetz findet sich keine Bestimmung, wonach die bei einem jüdischen Arbeitgeber tätigen Arbeitnehmer verpflichtet sind, an jüdischen Feiertagen die Arbeit ohne Bezahlung ruhen zu lassen. Die beklagte Firma übersieht auch, daß sich die politischen Verhältnisse gegenüber dem Vorjahr grundlegend geändert haben. Das Rechtsempfinden des Volkes würde verletzt werden, wenn das Gericht dem Ansinnen, an jüdischen Feiertagen die Arbeit ohne ' Bezahlung auszusetzen, deshalb entsprechen würde, weil dies in früheren Jahren unter anderen Verhältnissen zwischen der Beklagten und ihrer Belegschaft vereinbart worden ist. Die Beklagte war verpflichtet, entweder an den jüdischen Feiertagen arbeiten zu lassen, oder, wenn sie das nicht wollten, ihren Betrieb ruhen zu lassen, aber ihre Arbeitnehmer vollzu entlohnen. Da sie die ihr angebotenen Dienste nicht angenommen hat, ist sie'gemäß § 615 des Bürgerlichen Gesetzbuches in Ännahmeverzug gekommen, und der Kläger war berechtigt, den Lohn für die'hier in Betracht kommenden drei Tage zu erlangen." (Das Urteil hätte früher auch nicht anders ausfallen können; , es besagt Selbstverständliches. Red.), Das Recht zur Ueberprüfung der Rassenzugehörigkeit. Berlin, 9. Febr. In dem Bericht des Vorstandes der Berliner Anwaltskammer über das Jahr 1933 wird eine Entscheidung des Kammergerichts bekanntgegeben, durch die festgestellt wird, daß der Vorstand eines öffentlichrechtlichen,. Organs wie der Anwaltskammer zur Nachfrage nach der Rassenzugehörigke i t eines Mitgliedes berechtigt ist. Ein Rechtsanwalt1 hatte auf die Aufforderung des Vorstandes der Anwaltskammer, einen Fragebogen zur Prüfung der arischen Abstammung und politischen Betätigung' auszufüllen und Personenstandsurkunden beizufügen, mit dem. Hinweis geantwortet, daß er seiner Aus-: Heidnische Theologie,

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