Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 6 (8.2.1934)
- Date
- 1934-02-08
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit.e 8 Nr. 6 D I 1 i t 8.. Februar 1934 Pinje Lewin, unter dessen Führung einige zwanzig agudistische Chaluzim hier eingetroffen sind, hat die Zentrale der Poale Agudas Jisroel die Verteilung der Chawerim auf Arbeitsplätze in Petach Tikwah, Kfar Saba und Bne Brak vorgenommen. Am 12. Februar soll von Warschau aus die zweite Gruppe von 20 jungen Leuten, am 19. Februar die dritte Gruppe von 40 Aulim nach Erez Jisroel ab fahren. Bericht über Ansiedlung deutscher Juden in Palästina. Jerusalem, 1. Febr. Der von der Je wish Agency veröffentlichte Bericht betont, daß Ueberführung und Ansiedlung deutscher Juden in Palästina nicht eine Totallösung der deutschen Judenfrage bedeuten könne. Der Bericht beruft sich auf das Referat von Dr. R u p p i n auf dem letzten Zionistenkongreß, wonach höchstens mit einer Einwanderung von 250 000 Juden im Laufe von 10 Jahren in Palästina zu rechnen sei, was im allerbesten Falle ja nur eine Verminderung der jüdischen Bevölkerungszahl in Deutschland — in einem Dezennium — um 50 Proz. bedeuten würde. Es komme noch hinzu, daß viele nach Palästina auswandern, die sich nach ihren physischen und psychischen Kräften für das Land nicht eignen. In erster Reihe kommen für Palästina in Betracht junge kräftige Menschen mit dem Willen und der Fähigkeit zur Umstellung und Anpassung. Für ältere Leute bietet Palästina nur dann eine Existenzmöglichkeit, wenn sie ein wirkliches Kapital, d. h. mindestens 3000 Lst. mitbringen und recht vorsichtig dieses Kapital in industriellen oder landwirtschaftlichen Unternehmungen investieren. Weniger Aussicht auf Fortkommen haben die sogenannten „Kapitalisten", die mit dem Minimum von 1000 Lst. ins Land kommen, aber zu alt sind, um sich auf die Landwirtschaft oder ein Handwerk umzustellen. Im Bericht nimmt die Frage der Ueberfüh-;• ng jüdischer Kinder aus Deutschland < rien großen Platz ein. Das Ressort wi^d in Jerusalem von Miß Henriette S z o 1 d geführt, und sind bereits 350 Visa für solche Kinder zugesichert worden, die ohne ihre Eltern nach Palästina kommen wollen und daher eine eigene Einreiseerlaubnis benötigen. Zusammen mit anderen Kindern deutscher Familien, die schon im Lande sind, oder noch mit ihren Eltern nachkommen, werden es mindsetens 700 jüdische Kinder aus Deutschland sein, die demnächst in das palästinensische Schulwesen eingeordnet werden. Ein Teil dieser Kinder wird in den bestehenden Schulsiedlungen Aufnahme finden, ein anderer Teil in den Siedlungen des Emek, während ein kleiner Teil vielleicht in Privathäusern untergebracht wird. Tausende junge Leute, am besten solche, die aus einer Hachschara kommen, könnten in den bestehenden Siedlungen Aufnahme finden, vorausgesetzt, daß es gelingt, ihnen dort die nötigen Unterkunftsräume zu schaffen. Für junge Mensjien zwischen 18 und 30 Jahren mit einem eigenen Kapital von Lst. 500 bis Lst. 1000 besteht — in beschränktem Umfange — sofern es sich um physisch geeignete Menschen handelt, sofortige Ansiedlungsmöglichkeit in einer Reihe von Emeksiedlungen. Sie können sich mit ihrem Geld dort ein Haus bauen und eine kleine Wirtschaft errichten, und sie werden von den dort ansässigen Siedlern in die Landwirtschaft eingeführt und in jeder Weise beraten. Auch in den Kollektivwirtschaften, Kwuzoth, besteht Aufnahmemöglichkeit für 200 bis 300 Siedler, sofern sie über ein eigenes Kapital von Lst. 400 bis Lst. 500 verfügen. Endlich gibt es für Leute, die über Lst. 800 bis Lst.. 1000 verfügen, die Möglichkeit der Ansiedlung auf Boden, der dem Keren Kajemeth Lejisrael bereits gehört oder mit Hilfe von Geldern des Zentralbüros erworben werden kann. Die folgenden Projekte und Siedlungsmöglichkei*erwerden von der Jerusalemer Stelle zur Zeit be^n^elt: 1. Auf dem Boden des KKL. in der Haifa Bay: 25 Siedlerstellen ä 20 Dunam, zunächst auf 20 Jahre Pacht; ferner vorstädtische Siedlungsstellen in vorläufig noch nicht begrenzter Zahl auf demselben Terrain, wobei ein Teil der Siedler ein Dunam, ein weiterer Teil zwei Dunam bekommen soll. 2. Wadi Hawarith: 50 Siedlerstellen auf Boden des KKL. für deutsche Juden, die über ein Eigenkapital von etwa je Lst. 500 bis Lst. 600 verfügen und deren Ansiedlung mit Hilfe der Hilfsgelder aus Aegypten durchgeführt werden soll. 3. In der Nähe von Haifa: 2000 Dunam KKL.- Boden, östlich von Jagur, 12 km von Haifa entfernt. 50 Siedlungseinheiten von 30 bis 40 Dunam. 4. In der Nähe von Rechoboth: Dort befinden sich bereits 90 neue Einwanderer aus Deutschland. Dieser Ort kann noch eine größere Anzahl von Einwanderern aus Deutschland aufnehmen, wenn der KKL. in den Stand gesetzt wird, eine sich zur Zeit bietende Gelegenheit auszunutzen und 250 Dunam für die Siedlung hinzuzukaufen. 5. In der Nähe von Petach Tikwah: Von einem Bodenkomplex von etwa 950 Dunam soll eine Fläche von 250 Dunam für Einwanderer aus Deutschland erworben und in keine Parzellen aufgeteilt werden. 6. In der Nähe von Chederah: Hier können 40 bis 50 Siedlungseinheiten eingerichtet werden. 7. In der Nähe von Rischon le Zion: 350 Dunam, die in Siedlungseinheiten von 5 und 10 Dunam eingeteilt werden können. Der erste Schritt auf dem Gebiete der landwirt schaftlichen bezw. vorstädtischen Ansiedlung ist vor einigen Monaten getan worden, als sich der KKL. bereit erklärte, von seinem Boden in der Haifa Bay einen Block von etwa 1700 Dunam für die Ansiedlung deutscher Juden zur Verfügung zu stellen Das Terrain liegt an der Straße von Haifa nach Akko, ^twa 5 km von Haifa entfernt in der Nähe der Schchunath Owdim, in der jetzt 200 Häuser stehen für 200 Familien, deren jede 10 Dunam auf Erbpacht erhält. An finanziellen Mitteln sind der Zentralstelle bis her folgende Beträge bereits überwiesen oder fest zugesagt worden, die ausnahmslos aus den Samm hingen des Jahres 1933 resultieren (Beträge in Pfun den): Central British Fund 50.000, Aegypten 23.000, USA. 14.600, Südafrika 11.750, Argentinien 7.700, Italien 6.400, Tschechoslowakei 5.000, Australien, Melbourne 2.000, Kai«da 250 und Mexiko 300; zusammen 121.100 Pfund. Die Zentralstelle hatte in den ersten sechs Monaten ihrer Tätigkeit einen Betrag von Lst. 125.000 zur Verfügung. Die Pläne für das neue Finanzjahr, das am 1. April 1934 beginnt, sehen ein Budget von Lst. 250.000 vor, wovon ein Dritte«''— also Lst. 80.000 — für Bodenkäufe, Lst. 60.000/bis 70.000 für landwirtschaftliche Siedlungen un< ungefähr Lst. 50.000 für vorstädtische Siedlunge/ (einschl. Industriekredite, Vorstadtsiedlungen And kleine kon^ukti^o Darlehen,) verwandt we/en sollen. Lst. 40.000 sind für die Ausbildung y^ger Menschen in Landwirtschaft und Handw-rk- und für di& Errichtung weiterer Wohnhäu»er im Anschluß an verschiedene Siedlungen notwendig. Der Rest wird benötigt für erste Unterbringung i/n lande und Verpflegung der Immigranten, sowie für medizinische und soziale Hil/e und Erziehung Um aber ein so/bes Budget sicherzustellen, heißt es in dem Bericht/zum. Schluß, ist es nötig, daß die Judenheit der gtfzen Welt in noch größerem Maße als bisher fortf#rt> die deutschen Juden zu unterstützen, und d<f vor allen Dingen die Hilfskomitees den versehenen Ländern, die die Verteilung der gesamme/en Hilfsgelder vornehmen, sich klar darüber sin/ daß Palästina unter den gegenwärtigen in immer stärkerem Maße in der ten, Australien, wie auch einige europäische Länder auch in diesem Jahre größere Sammlungen durchführen und einen angemessenen Teil des Ergebnisses für Palästina bestimmen werden. Personalien. Frau Dr. Henriette Lerner n^j;. Altona, 4. Febr. Am Sonntag, den 4. ds. Mts. verschied im 72. Lebensjahre nach kurzem Leiden in London bei ihren Kindern Frau Dr. Henriette Lern er. Als einzige Tochter des Kölner Seminardirektors Dr. Plato, genoß sie in ihrem Elternhause eine gediegene gründliche Erziehung. 1883 heiratete sie Rabbiner Dr. M. L e r n e r , der zuerst von 1884—1890 in Witzenhausen und dann in London bei der Federation of Synagogues als Rabbiner wirkte. 1894 wurde Dr. Lerner als O b e r r a b b i n e r in Altona gewählt und kam sie mit ihrem Manne und ihrer in London geborenen Tochter Mirjam nach Altona. In allen Wirkungskreisen Dr. Lerners war sie die treue und fürsorgende Gefährtin und Fördererin seiner hohen Ziele. Als Vorsitzende der verschiedenen Frauenvereine erwarb sie sich besonders in der Kriegszeit, die ja an alle große Anforderungen stellte, durch ihre Umsicht, Klugheit und Hilfsbereitschaft große Verdienste. Sie übte ihre Wohltätigkeitsakte mit soviel Zartsinn und Feingefühl, mit soviel ängstlich Schonender Rücksicht, daß den Empfangenden jedes Gefühl der Beschämung und Demütigung erspart blieb. — Als ihr Mann Anfang des Krieges erkrankte, wachte sie unermüdlich und unverdrossen wie eine wahre stille Heldin über das teure Leben ihres Mannes, stets bemüht, seinen Lebensmut zu erhalten und zu erhöhen. Was sie ihrem Manne war, hat Dr. Lerner in der Einleitung seines Responsenwerkes „Hadar Ha-Karmel" mit den Worten „von den Frauen, die im Zelt gepriesen sind, sei gesegnet meine Lebensgefährtin die sittenhohe vollkommene Frau, die Krone meines Hauptes, Frau Jettchen usw." und die Worte, die Dr. Lerner in einer andern Schrift dem Andenken seiner Schwiegermutter, Frau Dr. Jul. Plato, widmete, können auch auf ihre Tochter Henriette Lerrier im vollen Umfang angewendet werden. Dort schreibt er ,,der beglückenden Freundin und Stütze ihres Mannes, der Leuchte ihrre Kinder, deren Lebensweg sie erhellte, gewidmet. Tätigkeit war Dein Lebenselement, Wohltun Deine Freude, Weisheit leuchtete aus Deinen Augen, unendliche Hingebung aus Deinem Herzen, Deine Hand schuf rastlos, Dein Schritt blieb rüstig, bis der Abend Deines Lebens hereinbrach. Namen verklingen, aber Du, edle Entschlummerte, die Du Viele zu einem g'ttgefälligen Lebenswandel angeleitet, wirst wie ein Stern beständig leuchten am Himmel der jüdischen Glaubenstreue und als leuchtendes Vorbild Deinen Kindern und Enkeln."' E. D. n"333JV Hettenhausen (Rhön), 31. Jan. Am 13. Schwat wurde Markus Tannenwald, einer unserer Besten, zu Grabe getragen. Ein treffendes Charakterbild entwarf an Hand der vorwöchentlichen Sidra Herr Rabbiner Kunstadt, Fulda, in geistvoller Rede. Viele Jahre ist der edle Mann selbstlos, wie er war, Ehrenvorbeter und Kassierer der Gemeinde gewesen. Seine Söhne, von denen einer Mitglied der Israelitichen Religionsgesellschaft zu Frankfurt a. M. ist, leben in seinem Geiste. — Mögen seine Enkel, von denen einer vor kurzem in den Bund Abrahams eingeführt wurde und den Namen des bescheidenen Großvaters erhielt, sich dereinst desselben würdig zeigen! rraxan Vermischtes. gen Umstä/1 Lage sein/^r<*' den größten Teil zur konstruktiven Lösung c8 Problems der Unterbringung der deutschen j/en beizutragen. ^v/^noffen, daß auch im kommenden Jahr der C«**tr/british Fund einen wesentlichen Beitrag ge- Den jnd\ wir hoffen ferner, aus dem United Pa- Ustifi Appeal in Amerika, wo ein Abkommen zwisch/n dem Keren Hajessod und dem Zentralbüro get-o/fen wurde, weitere Lst. 100.000 zu bekommen; rjr hoffen endlich, daß sowohl eine Reihe außereuropäischer Ländre, wie Südafrika, Kanada, Aegyp- Berlin, 4. Febr. Die Vereinigung gesetzestreuer Lehrer und Lehrerinnen Berlin hält am Sonntag, den 11. Februar, er. 5 Uhr nachmittags in der Aula der Adaß-Schule Sigmundshof 11 eine Sitzung ab mit einem Vortrag des Herrn Rektors Max S i n a s o h n über das Thema „Unsere Stellung zu den Richtlinien und ihre Verwirklichung in der Adaß-Volksschule." Gäste sind willkommen. Berlin, 5. Febr. Die Berliner Zionistische Vereinigung veranstaltet in der Zeit vom 4. bis 11. Februar in sämtlichen Räumen des Berliner Logenhauses unter der Devise „Erez Israel, das Land der Juden" eine Palästina-Ausstellung, die einen Ueberblick über den Aufbau des jüdischen Palästina und der Bewegung, auf die sich der Aufbau stützt, vermitteln soll. An der am 4. Februar stattgefundenen Eröffnung der Ausstellung begrüßte der Vorsitzende der Berliner Zionistischen Vereinigung, Rechtsanwalt Dr. Benno Cohn, die zur Eröffnungsfeier geladenen Gäste. Hierauf hielt Kurt Blumenfeld eine Ansprache, der eine Rede des Vertreters Palästinas, Herrn S c h k o I n i k (in hebräischer Sprache) folgte. Nach einer Begrüßung des Direktors Stahl im Namen der Jüdischen Gemeinde fand eine Führung durch die Räume statt.