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Der Israelit · 1934-02-08 · Heft 6 (8.2.1934) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 6 (8.2.1934)
Date
1934-02-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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8. Februar 1934 Der Israelit Nr. 6 Seite 7 tion mitgeteilt, daß die Garantie dse Palästina-Amtes an Stelle der grundsätzlich festgesetzten Barkaütion von 60 Pfund bei' Erteilung von Touristenvisen nach Palästina in Zukunft nicht mehr anerkannt wird. Jeder Tourist, der" sich aus Polen nach Palästina begibt, wird nunmehr beim britischen Konsulat den vollen Betrag, von 60 Pfund erlegen müssen, um das Visum zu erhalten. Bekanntlich wurde die Einführung einer Kaution bei Erteilung von Touristenvisen in einigen osteuropäischen-Ländern vom Ko-, lonialamt vor einiger Zeit als Vorbeugungsmaßnahme gegen illegale Palästina-Einwanderung beschlossen. In jüdischen Kreisen wird befürchtet, daß ,die strikte Durchführung der; neuen Maßnahme sich; höchst ungünstig auf die Touristenbewegung, aus Polen nach Palästina, mit deren wesentlichen Verstärkung anläßlich des Purim-Festes und der Levante-Messe gerechnet wurde, auswirken wird. Das Warschauer Palästina-Amt hat die Zionistische Exekutive in London ersucht, bei den maßgebenden Stellen zu intervenieren; um eine Zurücknahme der neuen' Einschränkungsbestimmung zu erwirken. Im Zusammenhang mit der Anordnung dse Warschauer englischen Konsulats wird darauf hingewiesen, daß in der vergangenen Woche die Frage des Kautionszwangs bei Erteilung von Palästina-Visen im englischen Unterhaus zur Sprache kam. Der konservative Abgeordnete Rankin hatte an den Minister für die Kolonien die Frage gerichtet, ob die Bestimmung, daß Palästina-Touristen zwecks Sicherung ihrer Wideerausreise eine Kaution erlegen müssen, auf alle Touristen-Kategorien Anwendung finden soll, und ob der Minister in diesem Zusammenhang eine Erklärung abgeben wolle, um eine Schädigung des Touristenverkehrs nach Palästina in den ersten Monaten dse Jahres zu verhüten. Für den Kolonienminister hatte Malcolm Mac- Donald die Anfrage folgendermaßen beantwortet: Es ist beabsichtigt, diese Bestimmung nur bei Palästina-Besuchern anzuwenden, die nicht 1. Klasse reisen und aus Polen, Deutschland, Rumänien, Bulgarien und einigen anderen Ländern in Osteuropa und Zentralasien kommen. Der Minister für die Kolonien hat keinen Grund,.daran zu zweifeln, daß der High Commissioner für Palästina die Bedeutung des Touristenverkehrs voll würdigt; er bezweifelt auch nicht, daß der High Commissioner von der Notwendigkeit dieser Maßnahme überzeugt ist, die darauf abzielt, der unerlaubten Einwanderung Einhalt zu gebieten. 1 Zur Lage der jüdischen Bevölkerung . in Ostgalizien. London, 3. Febr. Ein Berichterstatter des „Jewish Chronicle", der dieser Tage Ostgalizien bereiste, malt die Lage der dortigen ' jüdischen Bevölkerung in Farben aus, die an die Zeiten Chmelnitzkis erinnern. In den Dörfern Ostgalizien leben'76:000 Juden,-die. nachweislich seit dem 17. Jahrhundert sich ausschließlich mit Landwirtschaft beschäftigen oder eine sogenannte gemischte Wirtschaft betreiben, d. h. Bodenarbeit verrichten und zugleich keinem Handel nachgehen. Was die jüdischen Landwirte von ihren ukrainischen Nachbarn auszustehen haben, läßt sich kaum beschreiben. Die jüdischen Häuser werden sehr oft in Brand gesteckt und keiner von der Nachbarschaft legt mit Hand an, das Feuer zu löschen. Organisierte Banden schlagen1 bei Juden in den Lemberger, Stanislauer und Tarnopoler Bezirken die Fensterscheiben ein, was zumeist nur ein Signal für eine folgende Brandstiftung ist, wobei es. zuweilen auch Menschenopfer gibt. Die jüdischen Geschäfte werden streng boykottiert. Wehe dem Bauern, der es wagen wollte, einen jüdischen Laden zu betreten. Er ist dann Verfolgungen ausgesetzt, die bis zur Vernichtung seines Feldertrages und Vergiftung seines Viehstandes gehen. TschechoslovakeL Um die Zukunft der Jeschwabachurim. Bratislava, 1. Febr. Die wirtschaftliche Entwicklung, die mehr und mehr dazu geführt hat, daß die Existenzgründung tur die heranwachsende männliche Jugend zu einem schweren Problem wird, führt seit geraumer Zeit auch Die Woche. Berlin. Der verstorbene Professor Fritz Haber, der berühmte Entdecker des Verfahrens zur Gewinnung von Stickstoff aus der Luft, der in der wissenschaftlichen Welt als erste Kapazität seines Faches galt, war von Geburt Jude, aber von Jugend auf dem Judentum vollkommen entfremdet. Weimar. Nach einer neuesten Verordnung des Thüringischen Landesamtes müssen bei den Meldungen zum Eintritt in höhere 'Schulen und für die Abiturprüfung Ahnen- und Sippschaftstafeln beigebracht werden. Karlsruhe. Im Badischen Gesetz- und Verordnungsblatt wird ein Gesetz verkündet, wonach in Zukunft die Rabbiner der Israelitischen Landessyhagogen und ebenso die freireligiösen Prediger keine staatlichen Aufbesserungszuschüsse mehr erhalten. Wien. Die Oesterreichische Liga der Menschenrechte beschloß, einen Appell an die Regierungen und den Völkerbund zu richten, eine einheitliche Regelung der Staatenlosenfrage zu treffen. Paris. Die in manchen Zeitungen aufgekommene Vermutung, Staviski, dessen Betrügereien von so schweren politischen Konsequenzen waren, sei ein Jude oder von jüdischer Abstammung, ist vollkommen grund- 1 o s. Staviski ist ein rassenreiner Arier. Der „Pariser Haint" konnte seinen ganzen Stammbaum nachweisen, wobei mit Klarheit zu ersehen ist, daß keiner Seiner Vorfahren väterlicher oder mütterlicherseits jüdisch war. London. In Beantwortung einer Anfrage im Unterhause erklärte Sir Philipp Cunliffe-Lister, eine neue Regierungserklärung über Palästina würde nicht erfolgen, da keine neuen Entwicklungen eine solche rechtfertigen. London. Eine hohe Auszeichnung wurde dem Marquis von R e a d i n g zuteil. Der König ernannte ihn zum Lord Hafenmeister der „Fünf H ä f e n". Es ist im traditionstreuen England eines der höchsten Ehrenämter, das das Land zu vergeben hat. Riga. Der ehemalige Rabbiner aus Minsk, Rabbi Abraham Goldberg, ist hier eingetroffen. Er war von der Sowjetregierung für drei Jahre nach Sibirien verschickt worden, weil er angeblich gegen die Regierung gepredigt hätte, — Die Koalition der nationalen Letten und der Russen, die die Mehrheit im Studentenrat der Rigaer Universität bilden, hat beschlossen, mit Juden und Deutschen nicht zusammenzuarbeiten, und hat demgemäß nur Letten und Russen in die Leitung und die Kommissionen" gewählt-'"Wilna. Eine Anzahl von .Mitgliedern des Brith Trumpeldor hatte sich Vegen des vor 14 Tagen auf das Hechaluz-Helm in Wilna verübten Ueberfalls vor Geritht zu verantworten. Einer der Teilnehmer an. dem Ueberfall namens L e - w i c z wurde zp, zwei Monaten, zwei andere, H i r s z o it i c z und Dreczyn, wurden zu je siehsn Tagen Gefängnis verurteilt. — Anläßlich eines Empfanges der - Ehren P i 1 s u d s i { s jn Wilna veranstaltet w lud«*, wurde ^em Marschall mitgeteilt, daß das jüdische Krankenhaus der Stadt infolge "g,wisser behördlicher Maßnahmen vor der <">efanr stehe, geschlossen werden zu müssen. Marschall Pilsudski erklärte wörtlich: ,„D*^ Juden Wilnas soll, G'tt bewahre, kein Unrecht zugefügt werden." Dank den Eingreifen PÜsudskis wurde das Fortbestehen des Kra**- kenhauses gesichert. Lodz. Die älteste der in Polen erscheinenden jiddischen Tageszeitungen, das „Lodzer lageblatt", hat sein Erscheinen eingesteh; Lima. In letzter Zeit haben sich gew^e Möglichkeiten für die Einwanderung von JU(Jen nach Peru, hauptsächlich auf: trUn{J landwirtschaftlicher Kolonisation im Landesinnern, ergeben. Die Juden von L\m a haben Verhandlungen mit der Hicen£7.2ntraIe in Paris betreffend Gründung eineiH{cem. Zweigstelle in Lima aufgenommen. Cairo. Einer der hervorragendsten jüdisch* ]\j0_ tablen Aegyptens, der Bankier Josep\Bey M o s s e r e i ist im Alter von 64 Jahi\ jn Alexandrien gestorben. An seinem Beg^,. nis nahmen ein Vertreter des Königs, er Ministerpräsident und einige andere |M glieder des Kabinetts teil. Newyork. . D. Hilfs-Komitee für die aus Deutschland a<iu gewanderten Wissenschaftler teilt mit, daL 36 deutsche Professoren, davon 18 jüdische Gelehrte, an insgesamt 31 amerikanischen Universitäten eine Anstellung gefunden haben. auf dein Gebiete der- Thoräerziehung zu-^schweren Problemen, In den Gebieten' des! alten Ungarn, insbesondere' in der Slovakei, ist der ganze, geistige Bestand des orthodoxen Judentums auf den Jeschiwosfundiert. Es gibt kaum ein Land, in dem ein so beträchtlicher Teil der Jugend die Jeschiwos bevölkert und es ist hierzulande für den wahrhaft orthodoxen Familienvater, eine Selbstverständlichkeit, daß er seine Söhne nicht ins Leben entläßt, ohne daß sie eine Reihe von Jahren auf Jeschiwos zugebracht haben. Heir aber beginnt die Schwierigkeit. Solange es einen wohlhabenden Mittelstand gab, war der Jeschiwa-Bachur für jeden Vater, der eine heiratsfähige Tochter besaß, der begehrenswerte Schwiegersohn und der beste Bachur hatte sich um seine Zukunft keine Sorgen zu machen. Heute ist es anders geworden, was keiner Begründung bedarf. Aus diesen Erwägungen heraus ist nun' in Bratislava auf Anregung des Herrn Lazar K a t z ein Verein „Thora-im-Derech-Erez" ins Leben gerufen worden, der es sich zur Aufgabe macht, nichtbemittelten Bachurim, die voraussichtlich nicht für den Rabbinerberuf vorbereitet werden können, eine wirtschaftliche Zukunftsexistenz zu ermöglichen. Es soll zunächst eine kleine Musterfarm geschaffen werden, auf der Bachurim reiferen Alters mit der Herstellung von rituellen Lebensmitteln beschäftigt werden. Die jungen Leute sollen bei Fortsetzung ihrer Studien unter der geistigen Führung der Rabbinen theoretisch und praktisch für das werktägige Leben vorbereitet werden. Gleichzeitig wird durch die Wahl dse Wirtschaftsgebietes erreicht, daß die in Betracht kommenden Lebensmittel den höchsten Grad der rituellen Zuverlässigkeit haben und zu mäßigem Preise verkauft werden, so daß eine mittelbare Förderung des religiösen Lebens überhaupt dadurch erzielt wird. Die Initiatoren des Vereins hoffen, daß sie in ihren Bestrebungen von den führenden Instanzen der orthodoxen Judenheit in der Slovakei nachdrückliche Förderung erfahren werden. Palästina. Die verhafteten Araber durch Bestechung zu ihrer. Selbstbeschuldigung veranlaßt? Berlin, 1. Febr. Zu der im letzten Bericht über die Untersuchungsverhandlung im Mordprozeß Arlosoroff gemeldeten Beschuldigung zweier Araber, die selbst gestanden haben sollen, den Mord an Arlosoroff begangen zu haben, erhält das Berliner Palästina-Amt eine Darstellung, der folgendes zu entnehmen ist: Es handelt sich um zwei Araber" Abdul M e d - s c h i d und Issar Derwisch, die unter der Anklage eines im November 1933 an einem Araber in der Gegend bei Ludd begangenen Mordes im Gefängnis sitzen. Diese beiden haben der Polizei erzählt, daß sie an dem kritischen Tage am Strand von Tel-Awiw spazieren gingen und, als sie einen Mann mit einer Frau erblickten, den Mann um Angabe der Zeit baten. Der Betreffende erwiderte, er könne im Finstern nicht auf die Uhr sehen, worauf der andere Araber die elektrische Taschenlampe gehoben habe, um ihm zu leuchten/ Im selben Moment habe er in der Hand seines Begleiters einen Revolver erblickt. Issar Derwisch habe beabsichtigt, durch den Revolver den Mann zu erschrecken und zur Flucht zu veranlassen, tm sich dann der Frau zu bemächtigen. Als der Mann aber nicht floh, sei ihm nichts anderes übrig geblieben, als ihn zu erschießen. Bei diesen Angaben verwickelten sich die beiden Araber in Widersprüche, und bei einem weiteren polizeilichen Verhör gaben sie schließlich an, daß Rosenblatt, Stawsky und ein Araber namens Subchi, die mit den beiden erstgenannten Arabern zusammen im Gefängnis waren, Abdul Medschid unter Verheißung einer großen Geldsumme veranlaßt hätten, sich selbst des Mordes an Arlosoroff zu bezichtigen, da er ja ohnedies bereits eines Mordes überführt sei. (Von anderer Seite wird diese Darstellung entschieden bestritten. Red.). / f/?** **gBPn agudistischen Aulini aus-'Polen. .'•!'' T,„,; "?';/f;:* ^ej^wiw, 2. Febr.' in 'eine» gemeinsamen Sitzung" des Führers, der polnischen Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel,

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