Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 6 (8.2.1934)
- Date
- 1934-02-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Nr. 6 Der Israelit 8. Februar 1934 und Gebäude für eine Ausbildungsstätte für 3(X) Schüler, auf . landwirtschaftlich-gewerblicher Basis bereitgestellt. Eine kleine Zahl hättenin England und anderen Ländern Lehrstellen;in landwirtschaftlichen und handwerklichen Betriebe i gefunden. Der High Commissioner empfiehlt allen im Verwaltungsrat vertretenen Regierungen,. Möglichkeiten für die Anlern ung von Auswanderern; in Handwerksbetrieben zu schaffen. Der Bericht beschäftigt sich auch mit der Versorgung der brotlos gewordenen Akademiker und den für sie geschaffenen besonderen Einrichtungen. Ein wichtiges Gebiet der Fürsorge des. Hochkommissars ist die Versorgung ehemaliger deutscher Staatsbürger, die ihre Staatsangehörigkeit verloren haben, mit Pässen, ferner der zahlreichen Staatenlosen, deren Ausweis durch die Ausreise aus Deutschland seine Gültigkeit verloren hat. Es werde erwogen, vom High- Korrespondenzen- Deutsches Reich. Sitzung der Repräsentantenversammlung. Berlin, 1. Febr. Die letzte Sitzung der Repräsentantenversammlung beschloß, wie schon gemeldet, die Wahl von Dr. Klee in den Gemeindevorstand und brachte eine längere Aussprache über eine bessere Ausgestaltung des Gemeindeblattes. Für 1934 wird Herr Dr. Heinrich Stern zum Vorsitzenden der Repräsentantenversammlung gewählt. An Stelle des für längere Zeit beurlaubten Repräsentanten Dr. Alfred Wiener, tritt Herr James Goldschmidt ins Kollegium ein. Auf Antrag der Jüdischen Volkspartei wird beschlossen, am kommenden Pessachfeste in allen Stadtteilen öffentliche Sederfeiern zu veranstalten. Den Rest der Verhandlung nehmen Subventionen ein und eine weitere Auseinandersetzung mit der Fraktion der Volkspartei, die Verwaltungsmaßnahmen des Vorstandes angreift. 15 Jahre Reichsbund jüdischer Frontsoldaten. Berlin, 4. Febr. Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, der sich aus bescheidenen Anfängen zu einer der großen Organisationen des deutschen Judentums entwickelt hat, feiert in diesen Tagen sein 15jähriges Bestehen. Im Jahre 1919 von 40 Männern zur Erinnerung an ihr gemeinsames Fronterlebnis als kameradschaftliche Gemeinschaft gegründet, umfaßt er heute eine Kerntruppe von 30 000 aktiven Mitgliedern, durchwegs ehemaligen Frontkämpfern, an die eine besondere Gruppe von etwa 4000 Kriegsteilnehmern, die nicht Frontkämpfer waren, die aus Mitgliedern der früheren Kriegsopferverbände gebildete Gruppe der „Kriegsopfer" und der 98 Sportgruppen mit rund 10 000 Einzelmitgliedern umfassende Sportbund, sowie eine große Zahl von Nichtkriegsteilnehmern angeschlossen sind, die Gesinnungsgemeinschaft zum Reichsbund als „Förderer" geführt hat. Eine Anzahl von Aufsätzen in der letzten Nummer der Zeitschrift dse Reichsbundes „Der Schild" ist dem 15jährigen Jubiläum des Bundes gewidmet. An der Spitze der Nummer stehen ein Aufruf des Gründers und Vorsitzenden des R. j. F., Hauptmann der Res. a. D. Dr. Leo Loewenstein und ein Leitartikel „15 Jahre R. j. F.", in dem der Vorsitzende der Reichsvertretung" der deutschen Juden, Rabbiner Dr. Leo Baeck, der hiep.ials;,ehemaliger Feldrabbiner der Armee Kluck und Armee Scholz zeichnet,'die Bedeutung des/Bundes würdigt und dem Reichsbund und seinenV Führer Dr. Loewenstein Glückwünsche im eigenen Namen und im Namen der Reichsvertretung ausspricht. Commissioner aus ein neues 'Dok ument nach dem Vorbild der Nansenpässe zu schaffen. Schließlich verlas der Hochkommissar eine Reihe von Resolutionen, die ein stimmig angenommen wurden. Sie besagen, daß der Hochkommissar die von den verschiedenen Organisationen und lokalen Komitees energisch einzuleitenden Sammlungen durch seine Autorität in jeder Weise decken wird. In jedem Lande müssen die verschiedenen Organisationen und Ge Seilschaften eine Koordinierungskom m i s s i o n schaffen, damit die Einheitlichkeit der Arbeit gesichert bleibt. Jedes im Verwal tungsrat vertretene Land soll die Möglichkeit für die Schulung einer angemessenen Zahl von Emigranten in industriellen Unternehmungen des betreffenden Landes oder für ihre Unterbringung als Schüler an technischen Lehranstalten ge währen. Der Rat für Akademikerhilfe solle mit den übrigen Organisationen ähnlicher Art enger als bisher zusammenarbeiten. Eine jüdische Schule in Stuttgart. — Eröffnung am 1. April. Stuttgart, 4. Febr. Das jüdische Vorsteheramt in Stuttgart hat die Errichtung einer jüdischen Schule beschlossen, nachdem Unterhandlungen mit den staatlichen Behörden ergaben, daß Schwierigkeiten bei der Errichtung der Schule nicht zu erwarten sind. Die für den Ausbau des Gemeindehauses zu Schulzwecken angenommenen Kosten sind mit 22.000 Mark veranschlagt. Die Schule wird mit dem Beginn des neuen Schuljahres am 1. April 1934 eröffnet. Sie besteht aus vier Grundschulklassen, sowie der weiteren (nächsthöheren) Klasse. Die Fortsetzung der Klassen erfolgt im Jahre 1935 und den folgenden Jahren. Oesterreich. Oesterreichische Judenheit gibt ihre Rechte nicht preis. . _ Wien, 1. Febr. Zum Schlüsse der Budget-Debatte in der Plenarsitzung der Wiener Kultusgemeinde gab der Präsident der Gemeinde,. Dr. Desider F r i e d m atn n die Erklärung ab, daß in-dergegenwäYtigen schweren politischen Situation der Judenheit nur ein Weg offen bleibt: Die einheitliche Front zu bilden, die nicht gesonnen ist, auch nur den kleinsten Teil der jüdischen Rechte preiszugeben. Diesen Weg sei die Gemeinde auch im abgelaufenen Berichtsjahre unter zionistischer Führung gegangen. Er halte es darum nicht für notwendig, eine Erklärung über die Politik für die Zukunft abzugeben; die Politik wird iiident-gleichen Geiste wie im abgelaufenen Jahre fortgeführt werden. Holland. Ein Konflikt in der jüdischen Gemeinde Amsterdam. r Amsterdam, 1. Febr. Seit Monaten ist die Amsterdamer Gemeinde in Aufregung, hervorgerufen durch die Gründung einer ostjüdischen Gemeinde „Machasikei Hadaß", die einen eigenen ^Rabbiner anstellte, eigene Schechito einführen möchte (teilweise schon einführte) und ein eigenes Schulwerk für die ostjüdische Jugend aufbauen möchte. 1 i Die jüdischen Gemeinden Hollands sind in ihrer Struktur religiös völlig einwandfrei. In Holland gibt es innerhalb der Gemeinden keine Reform, neuerdings haben sich liberale Kreise zu einem Reformg'ttesdienst zusammengeschlossen, allerdings nur im Haag und Amsterdam, aber den Reformrabbinerj zur Zelebrierung des Dienstes mußte aus Deutschland importiert werden und im Großen und Ganzen dürfte die Reformbewegung in Holland, insbesondere auch durch das einmütige entschiedene Auftreten der holländischen Rabbinen, Schiffbruch erlitten haben — allerdings ist die Orthodoxie in einem ziemlich saturierten Zustande, sie ist größtenteils inaktiv. Also: zwar orthodoxe Gemeinden, aber ein großer Teil der Gemeindemitglieder (und mithin auch des Synagogenrats „Kerkbestuur" —) sind liberal ' gesinnt, zumindest an jüdischen Dingen nicht sehr interessiert." Der Konflikt in der Amsterdamer Gemeinde ist nun dadurch entstanden, daß eine ansehnliche Gruppe Ostjuden, an ihrer Spitze Rabbiner Halpern, Beschwerden auf dem so überaus schwierigen Gebiet des Kaschruthwesens geltend zu machen hatten und auch auf sonstigen religiösen Gebieten, sich aber anscheinend nicht an die dafür in Betracht kommenden Instanzen wandten, sondern eine eigene Kaschruthkommis- 'sion beriefen, einen eigenen Rabbiner ernannten, der Chuppo und Kidduschin gab —, was im Gegensatz zu den Statuten der Amsterdamer Gemeinde ist, — und damit die Gefahr einer Trennung Gesetzestreuer von einer an sich völlig gesetzestreuen jüdischen Gemeinde hervorriefen. Es scheint, daß nach scharfen Kontroversen, in denen von der Gruppe Machasikei Hadaß ein neutrales, nichtholländisches Beth ' Din verlangt wurde, jetzt neuerdings sich der Weg für einen Ausgleich anbahnt, was im Interesse der Orthodoxie sehr zu wünschen wäre. Das „Weekblad voor Israel. Huizgez." schreibt am 2. Februar u. a. wie folgt: „Es freut uns, daß trotz aller Vorkommnisse die Möglichkeit bestehen bleibt, die Einheit der Amsterdamer Gemeinde zu erhalten. Eine Einheit, die wir aus opportunistischen Gründen und aus Ehrfurcht vor dem historisch Gewordenen, trotz vieler Mängel, die sich uns aufdrängen, erhalten zu sehen wünschen. Was nun das Verlangen der Machasikei Hadaß betrifft: den Wunsch auf eine eigene Erziehungsanstalt, die imstande ist, den Kindern im frühen Alter schon größeres jüdisches Wissen zu vermitteln, so scheint uns dieser Wunsch nicht unmotiviert zu sein und falls die Schule unter die Aufsicht unseres Oberrabbiners kommt, auch erfüllbar . . . Eine sehr heikle Angelegenheit ist und bleibt die Kaschruth-Frage. Schon vor allem deswegen, weil die Machasikei Hadaß vorschlug, die Angelegenheit vor einem ausländischen Beth Din zu bringen. Wir halten dieses für nicht wünschenswert, ebenso sehr wie wir es bedauern, daß der , Name der Amsterdamer Jüdischen Gemeinde durch Versendung der Responsums des Herrn Halpern ins Gerede kommt. Denn Klagen über Kaschruth kommen ja nicht nur in Amsterdam vor. Wir erinnern uns, vor Jahren zwei Oberrabbinen — ein holländischer und ein ausländischer — über das Kaschruswesen sich unterhalten gehört zu haben und beide Herren erklärten, . daß das Kaschruswesen eine Quelle größter Schwierigkeiten und unangenehmster Erfahrungen sei. Wie dem auch ist Klagen .Amsterdam betreffend gehören vor das Amsterdamer Rabbinat und müssen hier gründlich untersucht werden. Kein ausländischer Rabbiner oder Gelehrter ist hier kompetent. Schließlich ist die Ernennung eines eigenen Rabbiners für die administrativen Behörden der Gemeinde angesichts der bestehenden Statuten und Gesetze kaum durchführbar. Nicht die Machasikei Hadaß, sondern nur der Synagogenrat und kein anderes Kollegium haben das Ernennungsrecht. Solange die heutigen Statuten in Kraft sind, ist daran nichts zu ändern. " Wir resümieren zum Schluß, daß für die Machasikei Hadaß keine Gründe zu einer Trennung vorliegen, aber daß .sie das Recht hat zu fordern, daß eventuelle Mißstände und berechtigte Klagen auf korrekte Weise erledigt werden. Dazu sind Zwischenpersonen nicht notwendig, sondern vonnöten ist, daß zwischen der Vereinigung Machasikei Hadaß (die endlich aufhören sollte, sich G e - m e i n d e zu nennen) und den Autoritäten direkter Kontakt zustande kommt. Daß die Machasikei Hadaß ein eigenes Bethaus mit eigenem Ritus einrichten, schadet nichts. Aber man sollte sich nicht nur proforma, sondern in der Tat unter das Oberrabbinat stellen." Polen. Schwerer Schlag gegen den Touristenverkehr aus Polen nach Palästina. W ä r's c h a u , 2. Febr. Die britische Gesandtschaft in Warschau hat dem dortigen Palästina-Amt der'! Zionistischen Organisa- I