Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 6 (8.2.1934)
- Date
- 1934-02-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Nr. 6 Der Israelit 8. Februar 1934 in Jerusalem und Tel-Awiw befehligt, zugleich auch die Touristik heben. Noch nie haben sich die Gegensätze in einer Einrichtung und einem Menschen in so grotesker Weise berührt, wie in dieser Kommission mit ihrem obersten Leiter Mr. Hyamson. Um die Tragikomik ganz deutlich zu machen: Die gleiche Notiz, die uns die Meldung über Hebung der Touristik bringt, berichtet auch von 5 9 Touristen, die am 31. Januar im Jaffaer Hafen mit dem Dampfer „Patria" aus Konstanza eingetroffen sind, und von denen zehn von Herrn Hyamson auf schnellstem Wege wieder heimgeschickt wurden. Sie durften das gelobte Land nicht einmal von der Ferne schauen. Vom neuen Aufbau werden siev das Bild der 'Hafenbaracken von Haifa im Herzen mit nach Hause bringen, dazu aber ein Gefühl der Verbitterung wie es nur bei Kindern, die vom Vaterhaus verbannt werden, entstehen kann. Wir wollen nicht alle Schuld Mr. Hyamson, dessen Großvater wohl ein einfacher C h a j i m war, in die Schuhe schieben. Er ist eben ein pflichttreuer Beamter, der sich strikte an Gesetz und Verordnung hält und vielleicht das natürliche Bedürfnis hat, durch ganz besondere Strenge sich vom Verdachte der Rücksichtnahme auf seine Glaubensgenossen von vornherein zu reinigen. Eine andere Frage aber ist es, ob ein Jude sich überhaupt für ein solches Amt hergeben darf, das ihn zwingt (man hat es voriges Jahr erlebt) junge Juden, die mit schwellender Hoffnung ins Land der Väter gekommen sind, am Pessachfeste in Ketten durch die Straßen führen und nach dem Gefängnis zu Akka abtransportieren zu lassen. Außer Frage steht aber, daß der Name Hyamson zur Anregung und Hebung der Touristik wenig beitragen wird. Die Palästinaregierung möge die Aktion zur Förderung der Touristik damit beginnen, daß sie allen Touristen, die einmal im Lande sind und die durch die Begründung und Festigung ihrer Existenz bewiesen haben, daß die Aufnahmefähigkeit des Landes doch eben größer ist, als von ihr angenommen, ohne weiteres das Recht zum D a u e r a u f e n t h a 11 e erteilt, um sie der Pein und der ewigen Angst vor dem Spitzel zu entheben. Vielleicht geschieht auch das noch. Simon Bernfeld als Bekenner und als Warner. Eine nicht gerade erfreuliche Perspektive stellt Dr. Simon B e r n f e 1 d , der Senior und Die Sidra spricht zu uns ... D'BDP»n n^si „U n d dies die Rechtsverordnungen." Die Rechtsvorschriften der Sidra sind natürliche Fortsetzung der Gesetzgebung am Sinai. Wie wiederum jene Gesetzgebung schon in der vorhergehenden Sidra nbvi mit dem uswai pn I1? av ov, (Dort gab er dem Volke Satzung und Vorschrift) angekündigt wird. Es gleicht einer Königin, sagt Midrasch, die daher kommt und eine Ehrenwache ihr voranzieht und eine andere zu ihrem Schutze ihr nachfolgt. Königin Thora (in Hfl') zieht daher zwischen den zwei Ehrenwachen. Die Ehrenwache stellen die Rechtsverordnungen, wie sie in n^zo angedeutet und in D'l'sJD» im Einzelnen angeführt werden. Was wäre auch die Thora ohne ihre Auswirkungen im Leben in Form der Rechtsverordnungen, die Moses, statt zu lehren, ihnen stiftet, vorlebt: DnnaV d ■> v n- * „Wenn Feuer ausgeht und Dörner trifft und es wird Getreidehaufen oder stehendes Getreide oder der. Acker verzehrt, so zahlt vollen Ersatz derjenige, der den Brand angestiftet hat" (Kap. 22, 5). Nestor der hebräischen Haskalahliteratur, für die neuhebräische Kultur in Palästina und in der Gola. In einem Artikel der letzten Nummer des „Haolam", überschrieben: D'pa^öö (Aus der Tiefe) stellt Bernfeld wehmutsvolle Betrachtungen an über das Wesen der hebräischen Literatur von dazumal und heute. Früher waren Schriftsteller wie Leser, gründliche Kenner des ganzen alten Literaturschatzes. Bei solchem Leserpublikum durften die Schreibenden und Schaffenden soviel Kenntnis der klassischen Quellen voraussetzen, daß sie nur anzudeuten brauchten und im übrigen in der Beschränkung und Eindämmung der ihnen so naheliegenden biblischen und talmudischen Motive und Formulierungen den Meister zu zeigen hatten. Heute wird der hebräische Schriftsteller, der sich biblisch oder talmudisch ausdrückt, vom hebräischen Leser nicht mehr verständen. Dem Juden, der aus der hebräischen Schule hervorgegangen ist, sind Mikra, Mischna, Gemara wie die rabbinische und philosophische Literatur des Mittelalters Bücher mit sieben Siegeln. Man freut sich, ein neues Wort gebildet zu haben und merkt nicht, daß mit einer mehr oder weniger glücklichen Neubildung hundert altbewährte Worte für gute jüdische Begriffe verloren gehen. Bernfeld entwirft ein ergreifendse Bild aus seinen Erlebnissen mit Schülern im Neuhebräischen. Es drohe die Gefahr, daß wir die Fühlung mit Das „Weekblad voor Israel. Huizgez." in Rotterdam bringt ein Interview mit Universitätsprofessor Dr. D. Cohen, der von Holland in den Advice Council des Oberkommissars James Mac Donald delegiert wurde. Professor Cohen ist der Begründer des „Committee voor Byzondere Joodsche Belangen", dem u. a. auch Staatsrat Dr. L. E. Visser, das Kammermitglied S. v. d. Bergh und Professor Josephus Jitta angehören. Hilfe nach Deutschland wurde, wie Prof. Cohen ausführte, nicht geleistet, weil der „Zentralausschuß für Aufbau und Arbeit" und die „Reichsvertretung" die Organisierung von Hilfe innerhalb Deutschlands selbst in Händen nahm und weil die deutschen Juden für Hilfe in Deutschland selbst große Opfer brachten. In Holland wurden etwa 5000 Auswanderer gezählt. Unter diesen sind Leute mit Mitteln und Eine schöne Deutung im Talmud „Baba Kama" über den Wortsinn hinaus, der nichts hinzugefügt werden soll: xsn '2/ Bricht der Brand aus, sei er lokaler Natur oder ein Weltbrand, hksüi D^ip. so haben es in allen Fällen die Dörner, die „Bösen", die Brunnenvergifter und Brandstifter von Profession, verschuldet. Leider aber wna bsw> trifft es die Besten, zu allererst ,,die fertige, die heranreifende und stehende Frucht", die Edelblüte der Nation. (Man denke an den Weltkrieg.) Auch bei der Zerstörung des Heiligtumes und jüdischen Staates war es so. Dort wie immer gilt aber das Schlußwort: myan nx -rsaan abv abv-Volle und restlose Wiedergutmachung kann nur von Ihm kommen, der es — aus Verschulden der „Dörner" — zum Brande geführt hat. „Im Feuer habe ich das Heiligtum aufgehen lassen und im Feuer — aus dem Feuer der Begeisterung in uns — werde ich es wieder aufrichten." Und noch ein Wort über die jüdische Kraft nach der Lehre des halben Schekel. Zagend fragt Moses, in die Zukunft schauend: b&-\w> pp Dim nna, „wodurch wird Israels Glanz und Kraft erhöht, in einer Welt, die auf Macht und Gewalt aufgebaut ist?" *wn -oa, „Durch die Aufnahme und Zählung des halben Schekel", lautet G'ttes Antwort. Israels Zukunft ist nicht von Zahlen und Ziffern bedingt, sein Bestand und seine Entwicklung sind kein mathematisches Rechenexempel, das nach bestimmten Regeln gelöst werden kann. Darum schrecken uns die Statistiker nicht, die mit Zahlen und Daten genau an die Wand malen, wann „der letzte Jude verschwinden werde." Israel ergeht es wie jenen Patienten, den die Aerzte nach allen Reder Vergangenheit in unserem Geistesleben, und damit den festen Boden unter den Füßen verlieren. Eine Literatur mit einer Tradition von über dreitausend Jahren gerate in Vergessenheit und werde demnächst ihren Ehrenplatz nur noch in den Archiven haben. Man treibe dieser Entwicklung entgegen zum Teile bewußt, zum Teile unbewußt. Dem Rufe D^SH VDD '»na) („Allen anderen Völkern gleich") könnte, was G'tt verhüten mag, das Clan ^33 72X2 (Gleich den anderen verschwinden) folgen. Wenn Bernfeld nach Tradition und Vergangenheit ruft, so ist, es, wir wissen es, nicht gerade das, wonach wir mit Wehmut zurück- und mit Sehnsucht in die Zukunft ausschauen. Unser Ruf lautet: Zurück zur Seele, zum Geiste des Judentums, der mit den alten Quellen uns auch die Kenntnis der alten Form und die Liebe zu ihr naturgemäß wiederbringt. Immerhin sollte die warnende Stimme eines Klassikers der Haskalah, der die ganze Periode von Perez Smolenski bis zu Itamar ben Abi tätig und schaffend miterlebt hat, in den Kreisen nicht überhört werden, in denen man immer noch glaubt, man könnte mit einem neuen hebräischen Worte in den Straßen von Tel-Awiw all das ruhig zum Verstummen bringen, was uns aus den alten Gassen unserer jüdischen Literatur und Glaubenslehre als unser Eigenes und Heiligstes entgegentönt. ohne Mittel, Juden und Nichtjuden. Seit April 1933 sind beim Komitee 4025 Auswanderer registriert worden. Von den 4025 registrierten Auswanderern sind etwa 2500 weitergewandert, einesteils deshalb, weil sie in Holland keine Arbeitsgenehmigung erhielten,, zum Teil deshalb, weil sie anderwärts bessere Existenzmöglichkeiten fanden. 689 sind nach Deutschland wieder zurückgekehrt. Am 1. Januar 1934 befanden sich in Amsterdam noch 1379 registrierte Auswanderer, von denen der größet Teil von eigenen Mitteln lebt. Bis jetzt sind in Holland 400 000 Gulden für deutsche Auswanderer verausgabt worden und es werden z. Zt. allein in Amsterdam noch 7000 Gulden wöchentlich benötigt. Es wurde vom Komitee eine spezielle Kommission für intellektuelle Auswanderer gebildet zum Zwecke der sofortigen vorläufigen Hilfe und der Arbeitsvermittgeln der medizinischen Kunst aufgegeben haben. Er ist für die Wissenschaft tot, aber er lebt dennoch, und überlebt seine Aerzte. Zahlen und Daten? „G'ttes Buchführung hat ihre eigenen Zahlen und Posten "isoa ]'8 waianVv „In seinem Weltenplane gelten unsere Zahlen nicht," möchten wir das Wort frei nach S. R. Hirsch V'Xt übersetzen. Nicht gezählt, gewogen wird unsere Kraft — gewogen und nicht zu leicht gefunden — dies die Lehre der Schkolim. Kleines Feuilleton. Neue Verlagsbuchhandlung und Antiquariat in Jerusalem. Nach einer Mitteilung des ,,Haarez" wurde dieser Tage ein neues Verla gsunternehmen, verbunden mit Antiquariat, in Jerusalem eröffnet. Die Inhaber sind die Herren Bamberger und Wahrmann, beide aus Frankfurt a. M. Herr Bamberger war lange Jahre Geschäftsführer in der Weltfirma I. Kauffmann und gilt als großer Fachmann in Judaicis. Herr Wahrmann war in Frankfurt Besitzer der bekannten jüdischen Buchhandlung Wahrmann, die sich mit dem Vertrieb alter und neuhebräischer Literatur befaßte. In seinem Verlage erschienen u. a. das □'"ron ">sd, herausgegeben von Professor Freimann, ebenso oVpn p5nvn "'sc» herausgegeben von Philipowski. Auch eine Aus- Was Holland für deutsche Auswanderer tat.