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Der Israelit · 1934-02-08 · Heft 6 (8.2.1934) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 6 (8.2.1934)
Date
1934-02-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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8. Februar 1934 Der Israelit Nr. 6 Seite 3 Berufsumschichtung und jüdische Sozialethik. (Fortsetzung von Seite 1.) ten unserer Weisen lauschen, die uns jene wahre, g'ttgewöllte Wirtschaftsverfassung gelehrt haben, damit auch wir durch sie das wahre Ziel des Berufes zu erkennen vermögen, und wir, aus unserer Mitte jene Wahnvorstellung aus-i merzen, die die gesellschaftliche Stellung eines Menschen abhängig macht vom Geldsäckel und Beruf. IL „Jeder Mensch ist verpflichtet, einen Beruf zu haben, um sich und die Seinigen ernähren zu können. -Man darf sich nicht auf G'tt allein verlassen, G'tt schickt nur dann seinen Segen, wenn der Mensch seinerseits bereits alles ihm Mögliche getan hat!" So sehr Thoralernen im Mittelpunkte des Lebens und Wirkens eines jeden * Juden stehen muß, weil es eben die Voraussetzung ist für die Gestaltung . eines wahrhaft jüdischen Lebens, soll man dennioch, selbst unter teilweiser Vernachlässigung des Lernens einen Beruf ausüben, weil wir, als gewöhnliche Menschen, sonst überhaupt nicht in der Lage wären, leben zu können. Sehr bekannt ist der Streit zwischen Rabbi Simon ben Jochai und Rabbi Ischmoel inn"V'3*n Rabbi Simon ben Jochai, der große Zaddik, der abgeschlossen von der übrigen Welt, sich unter den größten Entsagungen dem Thoralernen hingab, verlangt das Gleiche auch von jedem Anderen, denn nur dann werden wir der Thora gerecht werden können. Aber Rabbi Ischmoel, der im Leben des Volkes steht und die seelischen Kräfte eines Jeden kennt, mutet im Interesse seiner sittlichen und jüdischen Entwicklung keinem Menschen dieses einseitige Leben zu, sondern verlangt auch die Ergreifung eines Berufes. Der Talmud fügt dem einen Erfahrungssatz hinzu: „Viele haben getan wie Rabbi Ischmoel und großen Erfolg erzielt, Viele haben getan wie Rabbi Schimon ben Jochai und es ist ihnen mißlungen." ..•<-..• Darum auch eine andere Mahnung der Weisen: ,,Schön ist Thorastudium verbunden mit bürgerlichem Beruf,. ,.das Abmühen mit bei dem hält von Sünde zurück;' Thora ohne Arbeit hat keinen Bestand, ja führt zur-Sünde." In Konsequenz dieser Auffassung gebieten die Weisen jedem Vater, sein Kind. ein Handwerk erlernen zu lassen. „Wer sein Kind kein Gewerbe lehrt, der, lehrt es das Räüberbandwerk." Der Mensch hat darüber hinaus die sittliche Pflicht, durch seine Arbeit'zur Erhaltung und Gestaltung der Welt das Seinige beizutragen. In den Sprüchen der Väter wird uns ein Ausspruch überliefert, der uns ein rechtes Bild von der Einstellung des Judentums zur Arbeit zeigt: „Liebe die Arbeit und hasse die Herrschaft." Es heißt hier -nicht, ,Du bist zur Arbeit verpflichtet, sondern liebe sie, nicht nur der Not gehorchend,' wegen der Aussicht auf Lohn,. sondern wegen der A r b e i t selb er! Folgerichtig führen; unsere;, Weisen ,aus; „Siehe, wie hoch';G'tt (die Ar.beit Schätzt, daß Er am Anfang seiner Thora yonj seiner Arbeit, von der Schöpfung spricht.. Als der . Mensch erschaffen wurde, wurde er auch zur Arbeit bestimmt: Er setzte ihn ins Paradies, es zu bearbeiten und zu behüten. Für alle Zeiten hat der Mensch daher die sittliche Pflicht, diese Welt durch seine A r b e i t weiter zu erhalten. G'tt hat seine „Schöpfung" vollendet, und nun soll sie sich durch die'-jn^W — die Arbeit des Menschen — weiter forterhalten. Mit Recht bemerken daher die Weisen, daß der Mensch nur dann ein Recht auf Nutznießung der Erzeugnisse dieser Welt jjhat, wenn .er durch seine Arbeit zu ihrer Forterhaltung , beigetragen hat, denn erst nach iTIÖ^VViTny1? erhielt der erste Mensch das Recht, die Früchte des Gartens zu genießen: Die Form dieser Arbeit fassen die Weisen nicht etwa ganz allgemein auf, vielmehr verlangen sie, daß sie im wahrsten Sinne des Wortes, durch handwerkliche Tätigkeit geschehen soll: Rabbi Jehuda, der Sohn Betheras, sagt: „Wer., keine Arbeit vorliegen hat, was soll er. tun? Wenn er einen großen Hof hat oder ein Feld in der Nähe, so gehe er hin und betätige sich dort, denn es heißt; „Sechs Tage sollst Du arbeiten und all Dein Werk vollenden.". Was bedeutet das, daß hier hinzugefügt ist: „Und all Dein Werk vollenden? Das will eben den einschließen, der Höfe oder Felder besitzt, daß er hingehe und sich dort praktisch betätige. (Abot di Rabbi Nathan.) In dem Tnjjn Ü'a* nw liegt eben die Verpflichtung, durch Arbeit im engsten Sinne des Wortes zur Erhaltung und Gestaltung der Welt das Seinige beizutragen, gemäß der Bestimmung des Menschen, mawVi rmyS Während die frühere nichtjüdische Umwelt verächtlich auf die Arbeit schaute, und in ihr nur eine Aufgabe für Sklaven sah, die des freien, und ganz besonders des gelehrten Mannes nicht würdig sei, haben unsere Weisen, beeinflußt von den hohen sittlichen und sozialen Idealen der Thora, die Arbeit als solche hochgeachtet und sind uns auch mit bestem Beispiel vorangegangen. Die griechischen Philosophen haben durch ihre Verachtung der Arbeit den philosophischen Unterbau für die Zerklüftung und Zerfleischung der Menschheit geschaffen, sie haben sehr viel zur Bildung des Kastenwesens und Klassenkampfes beigetragen. Unsere Weisen aber, indem sie. die Arbeit verehrten, haben die Gleichberechtigung aller Menschen, weil sie alle im gleichen Ebenbilde G'ttes erschaffen wurden, dokumentiert. Die Forni der Arbeit darf keine Rolle spielen, jede Möglichkeit, auf redlichem Wege sein Brot zu verdienen, und damit zur Erhaltung der Welt beizutragen, ist auszunutzen. Im letzten Abschnitt von Pessachim belehrt Raw seinen Schüler Raw Kahana: „Mißachte keine Arbeit, selbst wenn sie in den Augen der Menschen als schändliche erscheint, selbst, die Arbeit des Schinders,,!.der ,den, gefallenen Tieren die Haut abziehtj ist nicht zu verachten, schändend ist nur der Müßiggang!" .Einen ähnlichen Ausspruch bringt uns auch der Midrasch: „Vielleicht wird jemand sagen, ich bin ein Kind großer Vorfahren, einer vornehmen .Familie und bin daher nicht geeignet, Arbeiten , zu verrichten, um mich dadurch zu schänden," so soll man ihm antworten ^ViDu,, Narr! Bereits ist dein Schöpfer dir Zuvorgekommen, ' der auch Arbeiten verrichtet hat, bevor du noch erschaffen warst!" Aus dieser Einstellung heraus , verstehen wir einen auffallenden Ausspruch der Weisen , in Berachoth 8, der besagt, daß jeder, der sich durch seiner Hände Arbeit redlich ernährt, höher zu! bewerten ist, als ein G'ttesfürchtiger.\i| „Groß ist , der, der sich von seiner Hände Mühej ernährt, größer noch, als der bloß G'ttesfürchtige. Denn beim G'ttesfürchtigen. heißt es, „Heil dem Manne, der G'tt fürchtet" und von dem, der sich von seiner Hände Mühen ernährt, sagt das 'Psalmwort: „Wenn Du die Mühen Deiner Hände genießest, dann heil Dir und wohl Dir. Hej.l-r.Dir in dieser Welt und wohl Dir in der kommend e n Welt," während bei dem G'ttesfürchtigen die verstärkende Bezeichnung „wohl Dir/'-, nicht hinzugefügt ist." Auch die ehrliche Ausübung eines jeden Berufes ist G'ttesdienst! Wir wissen, daß unsere Weisen berufliche Handwerkefjjjwaren, Rabbi Jochanan war Schuster, Rabbi Izphok Schmied, der große Hillel sogar Holzhacker usw. R. Schimeon nahm eine große Last auf seine Schotter und rief stolz aus: „Groß ist die Arbeit, sie ehrt denjenigen, der sie ausübt!" (Nedarim 49.) Damals "ist auch jenes herrliche Sprichwort entstanden rD^a-riDKVa daß in der handwerklichen Arbeit „königliche Würde" liegt. So denkt die jüdische Ethik von der handwerklichen Arbeit. Solange wir als seßhaftes Bauern- und Arbeitervolk im eigenen Lande wohnten, haben wir auch in diesem Sinne gelebt. Wie aber ist es. heute bei uns bestellt?! Es ist leider eine der "traurigsten Goluserscheinungen, daß sich in unsere Reihen eine unnatürliche wirtschaftspolitische Einstellung eingeschlichen hatte, indem die handwerkliche Arbeit nicht genügend geachtet, und der Handwerker und Bauer daher gesellschaftlich als nicht gleichberechtigt angesehen wird. Mögen die Ereignisse des letzten Jahres ihre erzieherische Wirkung auf uns auch in dieser Beziehung ausüben. Und noch eins! Wir wissen, daß das soziale Problem heute in der Jugend im Mittelpunkte ihres Denkens steht. Die Poale-Zionistische Bewegung zieht die Jugend an sich heran, und beeinflußt sie im Sinne ihrer g'ttesleugnerischen Einstellung. «> Wer die Poale-Zionistische Bewegung und die Mentalität ihrer Menschen kennt, der weiß, daß es weniger kulturelle, als vielmehr soziale Fragen waren, die diese Jugend in das Fahrwasser des Radikalismus brachten. Die jüdischen Arbeitermassen des Ostens, aufgehetzt durch die allgemeine sozialistische Bewegung, waren empört über die gesellschaftliche Minderachtung des Arbeiters und die Verachtung der Handarbeit schlechthin. Sie machten hierfür die Rabbonim, als Träger der Thora, haftbar, und in ihrem Radikalismus verwarfen sie mit den Trägern der Thora die Thora selbst. Die Poale-Zionistische Organisation beherrscht heute förmlich Palästina und versucht mit allen ihren propagandistischen Kräften und Machtmitteln auf dem Wege über ihre Unterorganisationen wie „Hechaluz" usw. auf die gesamte jüdische Jugend der Welt Einfluß zu gewinnen. Pflicht der orthodoxen Oeffentlichkeit ist es deshalb, um der Thora willen, auf die Menschen unseres Kreises einzuwirken, damit eine grundlegend veränderte Einstellung zur handwerklichen Arbeit und zum Arbeiter selber, sich vollziehen soll. Darum begrüßen wir die Poale- A g u d i s - tische Bewegung und den mit ihr in Zusammenhang stehenden „Noar Agudati". Pflicht der Gesetzestreuen ist es, sie mit allen Kräften zu unterstützen und in ihnen nicht nur Organisationen zu sehen, die bestimmt sind, die Interessen der Arbeiterschaft zu wahren, sondern das, was sie sein wollen und auch sollen: Vortruppen, die dahin wirken wollen, daß die g-'tt gewollte-jüdische Sozialethik Gemeingut des gesamten jüdischen Volkes werden soll. Wochenrundschau. __j_ Man verschließt sich den Touristen und hebt die Touristik. i Es hört sich beinahe wie ein verfrühter Purimscherz an, daß just zur Zeit, da zwar die Menschenjagd nach Touristen in den Straßen der palästinensischen Städte ein wenig nachgelassen hat, aber immerhin noch unzählige Touristen in: Angst und Bangen ihrem Laufpaß entgegensehen, und in den Häfen jeder Einwanderer, sofern er nicht mit dem Sesam-öffne-dich des Zertifikat versehen ist, siebenfach auf Herz und Nieren geprüft wird, — daß in gleicher Stunde die Palästinaregierung eine Kommission zur Förderung der Touristik einsetzt und mit deren Leitung gerade den Mann betraut, dehijman, mit Recht oder Unrecht, für das neue i Tourist angesetzt j j in'.; j seiner ' 5 j&jlj^iij j I u^Kei^öll'en: Handhabung. , und ' Auswirkung!!!jj^e^r^Hi^^i-tlich macht, nämlich den Einwanderungskommissar H y a m s o n. Also soll der Mann, der mit unerbittlicher Strenge das Heer der Menschenjäger

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