Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 5 (1.2.1934)
- Date
- 1934-02-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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- Otwock 1× ep/1184560
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Seite 10 Nr. 5 Der Israelit 1. Februar.;1934 ' Maßnahmen des polnischen Rabbinerverbandes .- " ' ■ Warschau,.30. Jan I t-.: ■; ■.!' ' <■<: .-ff Das A.-C. der Agudath Harabbaninr hielt .eine Plenarsitzung ab, die sich im wesentlichen, mit der neuen P rpzeßyerordn ung befaßte, welche als Eingriff in die Gewissensfreiheit empfunden wird Nach dieser neuen Verordnung kann oder muß der Richter im Zivilprozeß auch in minderwichtigen Fäl len der einen oder anderen Partei einen Eid auferlegne. Da man in religiösen Kreisen sich gegen jeden Schwur, auch wenn er der Wahrheit entspricht sträubt, so wird die Verordnung zur Folge haben, daß ' viele jüdische Kläger auf berechtigte Forderungen verzichten und damit große Einbuße erleiden. E: wurde beschlossen, eine Denkschrift in dieser Sache auszuarbeiten und eine rabbinische Delegation zum Justizministerium zu entsenden. Der nächste Punkt der Tagesordnung betrifft den Kehillaetat. Der von der Regierung vorgesehene neue Modus bedroht den Bestand der Gemeinden und ihrer Institutionen. Auch darüber soll die Regie rung von der zuständigen rabbinischen Seite aufge klärt werden. Zum Schluß würden ■ Beschlüsse gefaßt ,zur Rege lung der Aufsicht über das Kaschruswesen. Eine Warnung wird ergehen vor dem Bezug der in Fabriken hergestellten Z i z i t h , die den Vorschriften, nicht entsprechen. In vielen Streitfällen innerhalb kleiner Gemeinden hatte das A. C. des Rabbinerverbandes die letzte Entscheidung zu treffen. Abschied der ersten agudistischen Olim-Gruppe. Warschau, 28. Jan. Die erste Gruppe der agudistischen Olim, 35 junge Menschen, darunter zehn Frauen, bekannte Na- - men aus der Bes Jakow-Bewegung, traten" gestern abend die Reise nach Erez Israel an. Der Abschied an der Bahn war so herzlich, daß sich die gewaltige Ansammlung zu einer Manifestation der Liebe zu Erez Israel auswuchs. Vertreter aller Instanzen, von der Kehilla der Präses, Herr M a s u r selbst, waren anwesend und hielten, herzliche Abschiedsreden. Beamte des Keren Hajischuw begleiteten die Gruppe bis zur Grenze. Auch auf der Fahrt war die Olimgruppe auf den größeren Stationen Gegenstand herzlicher Ovationen. Aus der Abschiedsrede des Vorsitzenden der polnischen Agudas Jisroel, I. M. L e w i n, seien folgende Worte registriert: „Einen Teil der Erez Jisroel-Leiden habt Ihr bereits auf Euch genommen, nun kommt die, Fortsetzung, die vielleicht den noch schwereren Teil bringt. Ihr seid eine kleine Zahl, aber aller Anfang ist klein und schwer. Ihr seid ausersehen, die ersten Pioniere zu sein, und Unzählige haben ihre Augen auf euch gerichtet. So klammert Euch mit aller Kraft < },6cü -die Agudas Jisroel, die Organisation -' und. ihre 'großen Ideen!" .!:, . Eine Faschistenpartei in Polen. _ | Warschau, 29, Jan. In Warschau wurde eine neue Partei der' pol.- naschen Fasc'M'iiten gegründet, die ihre Mit* glieder hauptsächlich aus den Reihen der von der Regierung aufgelösten antisemitischen Organisationen Rozwoj und Obwiepol rekrutiert. Wer die neue Partei, der anscheinend große Mittel zur Verfügung stehen und die im Zentrum der Stadt, in der Mar- Szalkowskastraße, luxuriös eingerichtete Parteiräume eröffnet, hat, finanziert, ist ein die polnische Oeffent^ lichkeit lebhaft interessierendes Geheimnis. \ Die neuen Maßnahmen der Regierung gegen 'die. Opposition haben die antisemitische nationaldemokratische Partei veranlaßt, ihr Hauptquartier von Warschau nach Lodz zu verlegen. Aber auch hier gehen die Behörden gegen die Rechtsradikalen schärf vor. Im Lodzer Bahnhof wurde eine Anzahl von Koffern, die regierungsfeindliche Literatur enthielten, beschlagnahmt. Im Zusammenhang damit wurde der Sekretär der nationaldemokratischen Partei, Wlädislaw Krzymuski, verhaftet. Es heißt, daß noch wei-. tere Verhaftungen führender Nationaldemokraten vorgenommen wurden. Die ursprünglich vor allem gegen die Regierung gerichtete Bewegung in den nationaldemokratischen Kreisen ist mancherorts in ausgesprochen antisemi tisches.; Fahrwasser geraten. In L e m b e r g überfielen Gruppen .nalionaldemokratischej^ Studenten, nachdem eine von ihnen veranstaltete Protestversammlurig gegen, die neue Verfassung polizeilich aufgelöst' wor den war, in den Straßen jüdische Passanten. Polizei vertrieb die Angreifer. In' dem bekannten Kurort Otwock sprengten antisemitische' Exzedenten eine Versammlung der dortigen Misrachi-Ortsgruppe und verwüsteten das Misrachi-Heim. Mehrere Misrachisten wurden verletzt. Die Session des Rabbinischen Rates der polnischen Agudas Jisroel. Warschau, 27. Jan An der Sitzung des Rabbinischen Rates, an der sich auch; mehrere Rebbes beteiligten, wurden''Belänge 'des C h i n u c h , von Erez Jisroel Und Organisation behandelt. Es wurde, die Notwendigkeit erkannt, Cheder und religiöse Schule gegen die neuen Schulverordnungen zu schützen. Scharf mißbilligt wird das Verhalten vieler frommer Familien, die ihre Kinder statt in die religiösen Schulen zu schicken, unjüdischen oder nichtjüdischen Lehranstalten anvertrauen. Bei dieser Gelegenheit wurden auch die Bes Jakauw-Schulen lobend hervorgehoben. Im weiteren wird beschlossen, alle Mittel zur Hebung des religiösen Lebens, besonders der Sabbatheilig ü'h g: zu ergreifen. '■ Es gilt, auch viel zu bessern in Bezug auf nnswnnrnnü- Periodische Schriften sollen in populärer Sprache die Männer und Frauen darüber aufklären. Außerdem soll ein Monat s -. journal in hebräischer- Sprache der religiösen' Aufklärung dienen. An die Gemeinden ergeht ein Aufruf, die ohnehin spärlichen Einkünfte der Rabbiner und Religionsbeamten wie 4die Ausgaben für die religiösen Institutionen nicht zu kürzen. Die Erez Jisroel-Arbeit gehöre in den Rahmen des mn pvn und habe im Mittelpunkte zu stehen. Allen obliege die Pflicht, außer den üblichen Spenden auch noch durch Bevorzugung der Früchte von Erez Jisroel die dortige Produktion zu unterstützen, und zwar durch Vermittlung. der Gesellschaft /nsw irxixidie die Garantie für Einhaltung der Terumah- und Schmitahgesetze übernimmt. , ',>'* In »Sachen der Organisation wurde e'in Rat1 von 50 Mitgliedern gebildet, der mindestens einmal im Jahr zusammentritt. Das A. C. besteht aus 15 ordentlichen Mitgliedern und 15 Vertretern und tritt alle drei Monate einmal zusammen. Ungarn- Generalversammlung der Pester neölogen; Religionsgememde. — Budget für 1934^ 4.091.000 . Pengö. B u d a p e s t,: 23.' Jan./,. Die Gemeinderepräsenfanz der .' Pester neblogen Religionögemeinde hielt ihre ordentliche Jahresgene-K ralversammlung ab. Hdfrat Stern berichtete aus--., führlich über verschiedene Phasen des konfessijönelr": len und Gemeindelebens. ■ Mit dem Ausdruck''tiejfeikj Bedauerns erwähnte er die unerfreulichen-^prkpmm1nisse an den Universitäten, wobei er die Hoffnung aussprach, daß. durch entsprechende Maßnahmen der kompetenten Faktoren die Ruhe wiederhergestellt werden könne. Im Tone tiefsten Mitgefühls skizzierte er die Lage der deutschen Juden und befaßte sich dann:, eingehend mit dem Problem der Unterbringung der - absolvierten. Hochsehuljugejnd. . :Der;iPräsident be-. tonte>; daß dieses Problem ohne Unterschied der Kqnrr• fessidäiffdie gesamte akademische' Jugend belaster,', wobei er den Wunsch ausdrückte, daß. Ungarn eine' Insel, des Friedens und der Verständigung• inmittei^; des europäischen- Chaos sein möge. Die üngärisqhfe' Judenheit wolle auf dem. Wege der traditionell^; Verbundenheit; . des Judentums . mit dem Ungärtum für die bessere, Zukunft tätig sein. |pr'berichtete sodann über -ote' finanzielle Lage, der Gemeinde und; m. - a ..; :i• teilte! mit, daß das Defizit von 100.000 Pengö1;iin., Spitalsbudget .'für: 1933 dank1 einer " neuen: Vereinbäruh^' in der1, Angelegenheit des englischen Darlehen^ ausgemerzt werden konnte. Für 1934 sind Ausgaben in. Höhe von 4.091.000 Pengö präliminiert. Das eigentliche Gemeindebudget ist somit auch diesmal defizitfrei, ein Ausfall zeigt sich, .wiederum^ j Spitälern, die in den .- heutigen -Zeiten'''ohne j;kpnfes-! fsionelle; Unterschiede t aücfij eine5?soziale -MissionI^Tn füllen. 40 Prozent der bettlä'gingeu;ün'd melir .''als' [W; ' 'Prozent der ambulantenI' Kränken**'' xel^tlexpn;j; i sich i aus nichtjüdischen Patienten.' Inn erhalb; Von; vj'er'jjah-:- ren konnten dank rationeller Sparmaßnahmen" die Gemeindeausgaben um 800.000 Pengö gesenkt werden, während im Hinblick auf die Wirtschaftskrise die Kultussteuer in derselben Zeit um 400.000 Pengö ermäßigt wurde. ' . U. . Litauen. Rabbinerversammlung in Kowno, Kowno, 30. Jan. Vom 15. bis 20. ds. Mts. fand in Kowno eine Rabbinerversamml u n g statt, bei der über 120 Rabbiner und etwa 30 Ehrengäste anwesend waren. Die Versammlung befaßte sich mit verschiedenen Fragen des jüdischen Lebens im Lande und in der Welt. Die Stadtverwaltung hatte Magistratsräume zur1 Verfügung gestellt und außerdem nahmen auch Vertreter der Regierung an der Versammlung teil. Der 'Bildungsminister wie der Innenminister'begrüßten die11' Versammlung, und,für die Stadtverwaltung begrüßte der Bürgermeister Merkis die Erschienenen. Eröffnungsreden hielten Oberrabbiner S c h a - pii,f(o?und 'sodann, der Vorsitzende: des. Rabbinerver-i barides' 'in' Litauen,; 'Öberrabbiher 'S. Rl Be n! g i s , '! Kalvarijä. Nach längeren Debatten wurden Kommissionen gebildet. In der Hauptsache wurde beschlossen, Thoralehre und Thoraleben zu fördern und die Jeschiwoth zu unterstützen. England. Das Programm der British Union of Fascists. London, 29. Jan. In der „Daily Mail" veröffentlicht der Führer' der British Union of Fascists, Sir Oswald Mosley, unter der Ueberschrift „Wofür wir eintreten" einen Artikel, in dem er seine Partei gegen den Vorwurf, sie treibe antisemitische Propaganda, in Schutz nimmt. Man klagt uns, schreibt Sir Oswald, des Antisemitismus und der Rassen- Und Religionsverfolgung an. Diese Beschuldigung is.t fajsch.: Unter einem Schwarzhemdenregime, in England ,wird niemand seiner Rasse oder seines- Glaubens wegen verfolgt werden. Andererseits werden wir gegenüber den vaterlandsfremden Interessen der Hochfinanz, die die Geldmacht Englands zugunsten seiner Feinde mißbraucht, angemessen, verfahren. Auch sie wird unter einem Schwarzhemdenregime den Grundsatz ,Vor allem England" befolgen müssen. ^Palästina, Die Forderungen des Misrachi an die Agency- ' -'Executive»; \;;;;' ^'S-' ■ v V! Ein'Briefwechsel. 1' j. -i ':•'.., :;: 1-M\.': 1: .'•■ '!.•.. . '; , .'.'■'.'■,'.." Jer u s a 1 e m ,i;16. j Jan"; J^ie vom- M i s r a c h i an die Leitung der. J e' wi s h A g e n c y gestellten religiösen Forderungen betreffend die Grundsätze, nach denen der Palästina-Aufbau geleitet werden soll, bildeten den Gegenstand eines Briefwechsels, zwischen der Hauptleitung des Misrachi-Weltverbandes - in Jerusalem und der Exekutive der Jewish Agency. Dieser Briefwechsel' ivurde der ITA. zur Ii Veröffentlichung;übergeben. . Am . 26. November. .'1933;^richtete -die5 Misrachi- Leitung an-die Agen^-Exekütive ein yon.Hi Färbst e in unterzeichnetes' Schreiben, in dem es heißt: „Obwohl Unsere'religiösen Forderungen vom letzten Kongreß dank der. „Aufgeklärtheit" der ihn beherrschenden Majorität nicht angenommen wurden, halte wir es doch im Interesse des Gedeihens der ^zionistischen Bewegung für angebracht, uns nochmals in - dieser Frage an Sie zu wenden: :> .; Die Ablehnung , unserer religiösen Forderungen durch den Kongreß ,hat in 'Anbetracht dessen, daß die im Lande öffentlich;r.geübte Entweihung des Sabbat und Verletzung der religiösen Vorschriften alarmierend und bedrohlich wirkt, in allen Teilen der orthodoxen Judenheit mit Recht tiefe Mißstimmung er-