Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 5 (1.2.1934)
- Date
- 1934-02-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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1. Februar 1934 Der Israelit Nr. 5 Seite 11 regt. Die Lage verschärft sich immer mehr und wirkt sich auf die gesamte zionistische Arbeit aus. Angesichts der Tatsache, daß bei den in der gegenwärtigen Exekutive nicht vertretenen Parteien kein Einwand gegen unsere religiösen Forderungen erhoben wird, scheint es, daß der einzige Widerstand gegen die Erfüllung unserer Forderungen von Ihnen ausgeht. Wir halten es nicht für notwendig, einen Kongreß einzuberufen, um diesem unsere Forderungen vorzulegen, und wenden uns daher angesichts der die zionistische Bewegung bedrohenden Gefahr an Sie, um die Exekutive aufzufordern, unsere religiösen Forderungen bei der riächstmöglichen Gelegenheit zu erörtern und eine positive Lösung für sie zu sinden. Sechs von diesen Forderungen waren obigem Schreiben in einer besonderen Liste beigefügt. Sie lauteten: 1. Sabbattage und jüdische Feiertage gelten als Ruhetage für den gesamten Jischuw; an ihnen ist keinerlei Arbeit, Handels- oder Geschäftstätigkeit zulässig. 2. Diesem Grundsatz entsprechend obliegt es dem Jüdischen Nationalfonds, in seine Verträge mit Siedlern auf Nationalfondsboden eine Klausel aufzunehmen, in der als Vertragsbedingung festgelegt wird, daß der Sabbat einzuhalten ist und jegliche Arbeit in Feldern und Weingärten an Sabbattagen und jüdischen Festtagen als verboten gilt. 3. Der Kongreß soll alle zionistischen Parteien, die in Stadt und Dorf öffentliche Küchen und Gaststätten erhallen, sowie die von ihnen erhaltenen oder ihren Namen tragenden Kibuzzim verpflichten, dafür Sorge zu tragen, daß die Kaschruth-Gesetze in diesen Einrichtungen eingehalten werden. (Anmerkung: Die die Beobachtung des Sabbat und der jüdischen Fest-, tage sowie die Führung der Koscher-Küchen betreffenden Forderungen gelten auch für die Ausbildungsgruppen sämtlicher Parteien in der Diaspora.) 4. Der Kongreß soll allen zionistischen Parteien und Organisationen verbieten, an Sabbat- und jüdischen Festtagen Versammlungen, Ausflüge und öffentliche Spiele zu veranstalten. 5. Der Kongreß beauftragt die Exekutive, von der Palästina-Regierung zu verlangen, daß sie alle im Regierungsdienst oder bei öffentlichen Arbeiten beschäftigten Juden von der Dienstleistung an 'Sabbat- und jüdischen Feiertagen befreie. 6. Der Kongreß beauftragt die Exekutive, von der Palästina-Regierung die Erfüllung der Forderung des Jischuw nach Ratifizierung einer Sabbat-Schutzverordnung für jüdische Siedlungsgebiete zu verlangen." Auf das Schreiben der Misrachi-Leitung hat die Exekutive der Jewish Agency am 8. Januar 1934 mit folgender vom stellvertretenden Generalsekretär S. Eisenberg unterzeichneten Erklärung geantwortet; ,.a) Der Inhalt des ersten Absatzes Ihres Briefes ist unzutreffend. Die Ihrem Briefe beigefügten Forderungen sind von einer Mehrheit des Kongresses nicht abgelehnt worden, obwohl es ein Recht der Mehrheit ist, Vorschläge abzulehnen, die sie für unannehmbar hält. Wahr ist vielmehr, daß Ihre Vorschläge von dem inzwischen verstorbenen Vorsitzenden des Kongresses Leo Motzkin überhaupt nicht zur Abstimmung gebracht wurden, weil sie während des Kongresses von Ihnen keiner der zuständigen Instanzen vorgelegt wurden, wie es dem Ihnen wohlbekannten legalen Vorgang entsprochen hätte, obwohl Mitglieder Ihrer Fraktion den betreffenden Kongreßkommissionen angehört haben und es Ihnen zweifellos möglich gewesen wäre, jeglichen Antrag innerhalb der vorgeschriebenen Frist und entsprechend dem geschäftsordnungsmäßigen Vorgang zur Diskussion' und zur Abstimmung zu bringen. Der Antrag wurde dem Kongreß im Zeitpunkt der Neu^ wähl der Exekutive am Schluß der Tagung ohne Einhaltung des geschäftsordnungsmäßigen Weges vorgelegt. b) Der zweite Absatz Ihres Briefes- — betreffend Mißstimmung und ihre Ursachen — ist nicht vollständig zutrefend. Die Mißstimmung, die zu unserem Bedauern in einigen Lagern des Zionistenkongresses bei Kongreßschluß und nachher entstanden ist, ist nach den Informationen .der Exekutive nicht auf Differenzen der religiösen Auffassung, sondern auf Meinungsverschiedenheiten politischer Natur und bezüglich der Zusammensetzung der Exekutive zurückzuführen. Jene Kreise, von denen Protest erhoben wurde, einschließlich Ihrer Partei, waren in der vorhergegangenen Exekutive vertreten und der vorige Kongreß, der jene Exekutive gewählt hatte, hatte über die Vorschläge keine Entscheidung getroffen; die Aenderung, die auf dem letzten Kongreß vollzogen wurde, war bloß eine Aenderung betreffend die Zusamensetzung der Exekutive, keineswegs aber hinsichtlich der Stellung der Zionistischen Organisation zu religiösen Fragen. c) Die Exekutive hält es für richtig, darauf hinzuweisen, daß die Behauptung von einer alarmierenden und bedrohlich wirkenden öffentlichen Sabbatentweihung und ähnliche Erklärungen den Tatsachen nicht entsprechen. Gewiß hat in Palästina jeder Jude die Freiheit, in religiösen Dingen und Glaubenssachen seinem eigenen Gewissen entsprechend zu handeln. Es ist aber eine Tatsache, daß in keiner jüdischen Gemeinschaft der ganzen Welt der Sabbat als Tag nationaler Ruhe so gewissenhaft eingehalten wird wie in unserem Lande. . d) Die zionistische Exekutive und die Leitung der Fonds sind nicht berechtigt und haben nicht die Macht, sich in Fragen der Religionsübung seitens der Siedler einzumengen, aber die Sabbatruhe und die Einhaltung der jüdischen Festtage haben allgemeine nationale Bedeutung und Sie wissen zweifellos, daß die Jewish Agency gemeinsam mit den Leitungen von Keren Hajessod und Keren Kajemeth beschlossen hat, in ihre Kontrakte mit Siedlern eine besondere Klausel einzuführen, in der die Siedler verpflichtet werden zu „Einstellung jeder Arbeit und Tätigkeit in der Bau-, Feld- und Gärtenarbeit, in Industrie und Handel an Sabbat- und jüdischen Feiertagen." e) Die Exekutive würdigt und schätzt die Gefühle jedes Juden gegenüber Angelegenheiten, die ihm kostbar und heilig sind. Aber sie hält es für eine Beeinträchtigung und Gefährdung der Ruhe des Jischuw und der Bewegung, des Friedens im zionistischen Werk und der der Gesamtbewegung gemeinsamen Aspirationen, wenn der Versuch gemacht wird, moralische Dinge dem Herzen und Gewissen irgend eines Juden aufzuzwingen. Gegenseitige Duldung und gegenseitige Ehrfurcht aller Parteien gegenüber dem Denken und Fühlen jeder einzelnen sind geeignet, jene Einigkeit, Einheit und nationale Disziplin zu fördern, die für die uns allen so teure Sache notwendig sind." Eine agudistische Frauengruppe in Tel-Awiw. T e 1 - A w i w , 28. Jan. In einer gut besuchten Versammlung gesetzestreuer Frauen hielt Herr M. Zarenski ein Referat über die Notwendigkeit eines Zusammenschlusses der gesetzestreuen Frauen in Tel-Awiw in einer Agudaorganisation, um die religiösen Belange wie Töchtererziehung, Familienreinheit usw. zu übernehmen. Nach einer ausgiebigen Diskussion wurde eine Resolution gefaßt, die erste Agudas Jisroel- Frauengruppe in Tel-Awiw zu gründen, in der Hoffnung, daß die Neugründung im ganzen Lande Nachahmung findet. Dieser Tage hatte nun das gewählte Komitee eine öffentliche Versammlung einberufen, in der Frau P. H a 1 p e r n , Professor Dr. Samson Breuer, die Herren Israel Meiir und Meier Zarenski über die verschiedenen Aufgaben der gesetzestreuen Frauen referierten. Die Beteiligung war sehr stark und traten gleich hundert Mitglieder der Agudas Jisroel-Frauengruppe bei. Mehrere Schiurim und Kurse wurden eingerichtet und sofort in Angriff genommen. Griechenland. Judenieindliche Angriffe im griechischen Parlament. Athen, 25. Jan.. In der griechischen Kammer erklärte der Abgeordnete Apostolon im Laufe der Debatte, die Juden seien in Griechenland Fremde. Diese Bemerkung wurde vom Ministerpräsidenten Tsaldaris sofort zurückgewiesen, der von der Ministerbank aus die Erklärung abgab, die Juden seien friedliche und loyale Bürger, die die gleichen Rechte hätten wie alle anderen Griechen. Einige venizelistische Abgeordnete benutzten den Zwischenfall zu einer judenfeindlichen Kundgebung, indem sie den Ministerpräsidenten wiederholt durch Zurufe unterbrachen. Australien Keine Möglichkeit für Massenkolonisation in Australien. Melbourne, 16. Jan. Die australische Bundesregierung veröffentlicht in Beantwortung eines von dem bekannten jiddischen Dichter und Sekretär des jiddischen PEN-Klubs Melech Rawitsch in Brisbane gemachten Vorschlags, betreffend die Erleichterung jüdischer Einwanderung nach Australien, eine Erklärung über die Grundsätze ihrer Einwanderungspolitik. Rawitsch, der sich im Zusammenhang mit einer Aktion zugunsten des jiddischen Schulwerks in Polen gegenwärtig in Australien aufhält, hatte angeregt, es möge die Ansiedlung von 30.000 jüdischen Emigranten aus Deutschland in dem bisher wegen der dort herrschenden klimatischen Verhältnisse nur ganz dünn und von Europäern fast gar nicht besiedelten Nordterritorium Australiens gestattet werden. In der nunmehr veröffentlichten Regierungserklärung wird betont, daß die australische Bundesregierung nicht beabsichtige, die bestehenden Einwanderungsbestimmungen zu ändern, und daß sie, abgesehen von anderen. Erwägungen, nichts unternehmen wolle, was die Beziehungen zwischen Großbritannien und Deutschland stören könnte. Einer Maßnahme der Bundesregierung, durch die Masseneinwanderung von Ausländern nach Australien ermöglicht werden könnte, stehe auch das Problem der im Lande herrschenden Arbeitslosigkeit entgegen. (I.T.A.). Amerika. Der Protest der amerikanischen Judenheit gegen Einschränkung der Palästina-Einwanderung. Washington, 26. Jan. Eine jüdische Abordnung hat dem englischen Botschafter in Washington, Sir Ronald Lindsay, die vor kurzem von einer gemeinsamen Konferenz der amerikanischen Repräsentanten der Jewish Agency und von Delegierten der Zionistischen Organisation Amerikas! und der großen Organisationen des amerikanischen Judentums gefaßte Entschließung überreicht, in der die amerikanische Judenheit gegen die Maßnahmen der Palästina-Regierung zur Einschränkung der jüdischen Einwanderung protestiert. In der Resolution wird an die Mandatarmacht der Appell gerichtet, die größtmögliche Zahl von Juden, die Palästina wirtschaftlich zu absorbieren vermag, zur Einwanderung zuzulassen. Dadurch würden die großherzigen Sympathiekundgebungen britischer Staatsmänner für die leidende Judenheit einen Ausdruck in praktischer Tat finden und die Bemühungen des vom Völkerbund eingesetzten Kommissariats um Unterbringung von Emigranten aus Deutschland gefördert werden. Familien-Nachrichten. Barmizwoh: Moritz, Sohn des Herrn Joachim Kurz und Frau geb. Groß, Sandweg 88, Synagoge Friedberger Anlage, 10. Februar, n'üStftt 'fl nstf. — Josef, Sohn des Herrn Gustav Ansbacher, St. Gratien (S. et O.) 27 Bd. de la Republique, D'üDffa 'Q nntf. Verlobte: Gustel Samuel. Freudenburg, Bez. Trier mit Hermann Kahn, Esch/Alzette, Luxemburg — Betty Ansbacher, Nürnberg, Leo Ansbacher, Frankfurt a. M. — Bruxelles-Woluwe St. Pierre. Vermählte: Heinrich und Hedwig Leisten geb. Lewkowilz, Regensburg. 25. 1. 34. Briefkasten. L. R. in K. M. 10.— für angegebenen Zweck verbucht. J. M. in St. Abonnementsgebühr für ein halbes Jahr eingegangen. 1000 Schweden. M. 4-— für Abonnement eingegangen. — Spenden nimmt die Palästina Zentrale der Agudas Jisroel, Frankfurt a. M., Schwanenstr- 12 entgegen. Fr. N. K. in M. Jhre Ausführungen sind zu unklar, um den Zweck zu erfüllen.