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Der Israelit · 1934-02-01 · Heft 5 (1.2.1934) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 5 (1.2.1934)
Date
1934-02-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1. Febiruär 1934: Der Israelit Nr. 5 Seite'7 wäre es möglich, durch eine Besprechung zwischen einigen führenden Persönlichkeiten einmal einen rWaiffe^stillfetatid der erwähnten Art herbei- .£]} .y.j-<?yv?. ■> j" zuführen, der dann nach und nach zu einem besseren Verständnis und zur gemeinsamen Arbeit 'hinleiten.'könnte^ "•■ ' '• H' >l •-.!■■ -;. (.-;.,. it -. . ,i t. >> Von Abraham Wolfj Bundesleiter des „Esra" in Berlin. In dieser Zeit geistiger Umgestaltung tritt die Jugend, der: die; Anpassung leichter ist, naturgemäß mehr in Erscheinung., Das-Ringen der Jugend kommt in ihrer .Gemeinschaft, wo sich ihre Kräfte zusammenfinden, am elementarsten zum Ausdruck. ' Daher glauben wir, auf ein Interesse der orthodoxen Qeffenflichkeit an unseren Bestrebungen rechnen zu dürfen. , ,j; . Vom 30. Dezember 1933 bis zum 1. Januar 1934 fand in Leipzig ein Bundestreffen des E s r a statt Die Grundstimmung des Treffens war das Suchen nach neuen Wegen. Vqrnehmlich drei Fragen standen im Mittelpunkt. Der Esra hat stets in der Heranbildung der jüdischen Persönlichkeit sein einziges Ziel gesehen. Um dieses Ziel nicht durch Zwischenziele, zu trüben, glaubten wir, unsere organisatorische Selbständigkeit wahren zu müssen. Dieser Nichtanschluß an eine große Organisation mit geschichtlichem .Wirkungskreis machte den Esra aber gerade ungeschichtlich.' Einzelne verwirkf" lichten ihre Esra-ferziehung im Leben. Aber das, was wir als „Esräertum" uns vorstellen, nämlich die geistige und seelische wache Aufgeschlossenheit allen Fragen der Tauroh und des Lebens gegenüber, konnte nicht zu geschichtlicher Gestaltung kommen. Heute aber sind wir uns darin einig, daß unseren Menschen etwas an ihrer jüdischen Geschlossenheit fehlt, wenn in ihnen, nicht das Bewußtsein von eine r tatfordernden Verantwortung für die große jüdische Gemeinschaft lebt. Dennoch bleibt der Esra in seiner organisatorischen Struktur unverändert; denn in einer organisatorischen Einordnung erblicken wir auch heute noch eine Gefahr für die ungetrübte jüdische Charaktererziehung. Vornehmlich im Hinblick auf Erez Jisrael sind wir zu einer Verwirklichung unseres Bewußtseins von geschichtlicher Verantwortung gelangt. Denn in Verbindung mit der Organisation der Weltorthodoxie, an deren weltanschaulicher Grundlage wir teilhaben, haben wir einen Chaluzimbund begründet: den Noar Agudati. Wir err warten von ihm, daß hier das Esräertum mit agudistischer Weltanschauung eine geschichtliche'Verbindung eingeht., Die Frage nach einer Teilnahme, auch nur indirekter Art, am jüdischöffentlichen Leben ä' u ß e r h a 1 b Erez . Jisr^els, wurde diskütiert,'aber noch nicht gelöst. Der zweite ^Ausdruck des Bedürfnisses nach geistiger Neuorientierung war die Behandlung des Ku 11 ur p r o b l e m s. Im Gegensatz zti manchen Auffassungen innerhalb des deutschen Misrachi (Neomisrachi) * sind wir uns darin einig, daß Hirschs Forderung, die Tauroh nur aus sich heraus zu erklären, für uns unbedingt gelten müsse. Weiterhin folgen wir Hirsch darin, daß alle Richtungen des menschlichen Geistes, Kunst, Weltwissenchaft, Wirtschaft usw., nach dem Willen der Tauroh zur Gestaltung ^langen sollen. Hirsch wies der ] Tauroh das Zentrum ' des jüdischen Menschen zu: seine Weltanschauung und seinen Charakter. Die anderen Triebkräfte des Geistes sollten aber in der Umweltskultur ihre Betätigung finden; denn „die Gemüter öffnet G'tt dem Jepheth", Aber angesichts der Gefahren, die, dann der Reinheit des jüdischen Charakters drohen, glauben wir, auch die Betätigung unseres Strebens nach Kunst und Wissenschaft Inn e r ha lb' der Tauroh verwirklichen zu sollen. Der Forderung von Hirsch, Tauroh mit Zeitkultur zu verbinden, halten wir den Ruf nach der Tauroh kultur entgegen. Die Möglichkeit der Durchführung besteht zwar erst m. G. H. im Dritten Jischuw. Aber die Tendenz, den uns n unserer Jugend«, zur Verfügung stehenden Produkten jüdischen Geistes, auch denen, die nicht gerade den Lehrinhält der Tauroh erforschen wollen, sondern ihn vielmehr künstlerisch gestalten, mehr Raum zu1' geben, diese Tendenz kann auch hier zur Verwirklichung gelangen. Hiermit soll gewiß" keine A b 1 e h n u n g der Zeitkultur ausgespro-" chen sein; Es gilt vielmehr zu-sondieren,-welche ihrer ' Elemente aus den ewigen Quellen' J der menschlichen Seele gespeist Werden 'ürid darum Ewigkeitswert haben. Nichtsdestoweniger bedeu-;5 ^tet uns die Zeitkultür nicht mehr so viel, wie der : älteren .Generation und wie sie wohl auch Hirsch tbedeutet hat; ••■ 1 'Die dritte Grundfrage•■ unseres Treffens lautete: : gibt es für uns einen Weg zum N u r - j ü - l d i s c h s ein? Können wir uns von der teilweisen Assimilation, in die auch wir hineingeraten sind, befreien? Auf diese Frage wurden zwei Antworten erteilt. Abraham Wolf als Referent forderte: Zurück zu T'nach! T'nach schildert uns den Kampf der Tauroh um-die Verwirklichung im jüdischen Volke zur Zeit des jüdischen Staates. Der Staat ist aber stets das: komplizierteste Gebilde irdischen Daseins überhaupt. Nie kann daher der Kampf der Tauroh am! ihre Erfüllung ein so hartes Ringen sein, wie zu iZeiten, da das jüdische Volk ein Staatsvolk ist. Dieser härteste Kampf der Tauroh wird uns in T'nach von Newiim geschildert; also von Menschen, die Einblick haben in die tiefsten Geheimnisse des grandiosen Kampfes der Tauroh um den jüdischen Charakter. Wenn heute eine Aufgeschlossenheit füri die politischen und wirtschaftlichen Probleme der Zeit überall anzutreffen ist, wenn also das Denken über. die'höheren Formen der materiellen Existenz heute stark betont ist, so ist-, unsere iLage ähnlich der .zur Zeit des T'nach, .-.Darum fühat für uns der-Weg zum Nur- Jüdischse'in über T'nach. . r < Wenn auch vieles aus der Tradition ergänzt werden muß, wenn auch unser Denken sich stets an den Chachomim prüfen muß, SO gilt es dennoch, T'nach zum Bildner unserer jüdischen Persönlichkeit werden; zu lässen. Es gilt, alle" Teile des T'nach und alle Probleme und alle seine Wert-haltungen stets im Zusammenhang mit dem fingen der Tauroh um .den jüdischen Charakter 'zu schauen, ,. > : ' Hingegen1 fürchtete Fredy Lustig, daß ein Studium des T'nach, losgelöst — sei es auch nur Vorläufig — .yon den Chachomim, zum Mißvers te he n des T'nach führen müsse. T'nach ist in einem. Lebensmilieu geschrieben worden, das von unserem wesensverschieden ist. Um die Verständlichkeit des T'nach. zu ermöglichen, haben die Chachomim uns zu dem .mißverständlichen Teüenj.des T^'nachi die notwendigen Ergänzungen überliefert. Es ist also unmöglich und gefahrvoll, T'nach, auch nur zunächst, „an sich" zu nehmen. Darum stellte Fredy Lustig dem Ruf: „Zurück zu T'nach" den anderen Ruf entgegn: „Zurück z u den Quellen". Denn wie Hirsch zur,,,Zeit einer geistigen Umlagerung von neuem seine Anschauung aus den Quellen heraus bildete, so muß diese Methode auch für unsere Neuorientierung gelten. Denn in der Grundstimmung stimmten alle überein, daß wir uns heute im Anschluß an alles Tradierte und vor allem an die lebendigen Träger des jüdischen Geistesgutes den Weg zur jüdischen Neuorientierung suchen müssen. Um richtiges Gelingen bitten wir Den, der den Menschen mit Erkenntnis begnadet. Wird die englische Judenheit dem Zusammenbruch der deutsch-jüdischen Kulturstätten tatenlos zusehen? Von Edgar M. Stern in London. ist Vor uns liegen zwei Zeitungen. Die eine Nr. 1 des „Israelit" und die ander ist die vorletzte Nummer des „Jewish Chronicle". In einem „Deutschjüdische Schulsorgen" überschriebenen Artikel, in dem .auch dem englischen Leser die zermürbenden Sorgen und die niederschmetternden Nöte der um ihre wirtschaftliche Existenz ringende deutsche Judenheit mit plastischer Deutlichkeit' zum Ausdruck kommt, macht der „Israelit" die beschämende! Feststellung, daß von den 2 Millionen Pfund, die für die deutschen Juden gesammelt werden sollten und von denen beträchtliche Summen für deutsche Kulturinsti- 'tutionen und für Wohlfahrtszwecke" bestimmt worden seien, noch kein Penny zu sehen sei. Demgegenüber fordert er, daß in D e u t s c hland jüdische Erziehungsmöglichkeiten in weitestem Umfange geschaffen werden. Und danii lesen wir den Leitartikel des „Jewish Chronicle" („Problems of German-Jewish Relief") urid! merken ■ da'! den krassen Gegensatz, der darin' eindeutig zwischen der deutschen und der ausländischen Judenheit' über die Art, wie die für1 die deutschen Juden gesammelten Beträge Verwendung finden sollend zum Ausdruck kommt. Der zionistische „Jewish Chronicle" vertritt die Meinung/ die auch wir teilen; daß k o n s t r u k t i v e ' A u f b a up 1 ä n e für Ansied 1 un g e n außer ha 1 b D e u t s c h'l a n d s v e r w i r k 1 i c'Wt un'd'unt e r s t ü t z t w e"r d e n 's o 11 e n', daß - aber — und hier ist jder gefährliche, für die zionistische Auffassung über das Wesen des Judentums wieder charakteristische Punkt — von den Hilfsgeldern nichts, oder fast nichts, nach Deutschland selber gehen dürfte. Es ist dies ein Standpunkt, der bereits schon vorher auf der letzten Jahreskonferenz der englischen zionistischen Föderation zum Ausdruck kam und der den verschiedenen deutsch-jüdischen Institutionen den letzten Todesstoß versetzen würde, wenn die anderen englisch-jüdischen Führer insgesamt derselben Meinung wie die zionistischen Parteigänger wären, die das jüdische Volkstum nur von, , seiner natipnal-biologischen Seite her kennen wollen, ,ohne scheinbar zu wissen, daß es immerhin noch so etwas wie eine jüdische. Kul-; tur und eine jüdische Religion gibt, Dinge, über die man mit Und ohne Makkabi- und Hatikwahi, ,.,*;, , ■; hymnen niemals wird zur Tagesordnung übergehen können, solange es noch ein Volk gibt, das sich I s r o e 1 nennt. Daßskfi aber1 die deutschen Juden die allergrößte Mühe geben ' müssen, um sich selber, so weit es unter den heutigen Umständen menschlich möglich ist, zu helfen, ist eine banale Selbstverständlichkeit, ja, eine Binsenwahrheit, die man in Berlin, Hamburg und Frankfurt wahrlich nicht vom „Jewish Chronicle" erst zu erfahren hat, der obendrein die Bemühungen der deutschen Juden, ohne Hilfe auswärtiger Glaubensgenossen den Haushalt zu führen, nicht für.« ausreichend hält. So ist dort zu lesen: „Wir haben noch nicht den überzeugenden Beweis gesehen — obwohl er vielleicht zu erhalten ist — daß ihre (der deutschen Juden) Selbsthilfe-Bemühungen innerhalb des Reiches erschöpft worden sind." Und dann weiter: „Es gibt nicht wenig darüber zu sagen (über das gesamte Problem), deshalb muß in der Hauptsache betont werden, daß alles, oder fast alles, das in Deutschland ausgegeben wird, von unseren deutschen Glaubensgenossen selber zu kommen hat und daß der Rest der Judenheit ihre Hilfe — die jedenfalls große Opfer

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