Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 5 (1.2.1934)
- Date
- 1934-02-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite. 6 < Nr, 5 Der Israelit 1. Febrüän.1.934 / J eine Erklärung abgegeben, wonach sich die Juden Salonikis nicht als nationale Minderheit betrachten, vielmehr als eine rGruppe vollberechtigter Bürger alle kommunalen und; staatlichen Rechte ohne Einschränkung: verlangen und erwarten. Salonikis Judenheit verlangeauch keine besondere Wahlkurie mit eigenen Wahllisten, sondern es sei jedem Juden zu überlassen, nach seiner politischen Einstellung der einen oder der anderen Partei seine Stimme zu leihen. Selbstverständlich,sind es. die Zionisten, die in ihrer Presse und auch im ^Parlament gegen die Erklärung des. jüdischen Senators Front machen. Unter Geltendmachung aller biologischen und rassischen Gründe, wie man sie allüberall oft' genug gegen uns zu hören bekommt, bestehen; sie auf dem Minderheitsrechte. Daß gewisse griechische Kreise sich ' diese Anschauung ohne weiteres zueigen machen, ist; verständlich. Der ITA. wird sogar berichtet, daß Venizelos, der Ministerpräsident selbst, dem Senator Sciaki geraten habe, auf eine Wiederherstellung der erst 1933 aufgehobenen gesonderten jüdischen Wahlkurie, hinzuarbeiten, da sonsti eine Beruhigung in der Judenfrage kaum zu erzielen wäre. Es ist schwer,. von hier aus zu den Dingen Stellung zu nehmen. Allein der Meinungsstreit zwischen Zionisten und Antizionisten in dieser Frage mutei nicht gerade neu an. Die zionistische Taktik in Saloniki ist gewiß nicht aus der Eigenheit der Verhältnisse in Griechenland geboren, sondern stellt die z i o n istische Doktrin schlechthin dar. Grotesk genug wirkt es da wie dort, daß die Nationalen die Sache so hinstellen, als sei die nationale Minderheit das einzige Mittel, das jüdische Schulwerk zu retten und wirksam gegen die Assimilation anzukämpfen. Daß jüdischer Nationalismus, im Rahmen einer Autonomie geborgen, kein Schutzmittel, ja nicht einmal ein Gegensatz gegen Assimilation ist, dieses zu beweisen, müßten wir alles wiederholen, was wir seit Jahr und Tag über diesen Casus schrieben, machten nicht die Dinge in Palästina alle Beweise überflüssig. Die Schule in Saloniki könnte daher unseres Erachtens am besten als jüdische Schule gedeihen, wenn die dortige Judenheit nicht als politische und nationale Minderheit ihre „nationale Schule", sondern als eine Religionsgemeinde die religiöse Schule fordert und die Mittel zu erlangen sucht, die der jüdischen religiösen Gemeinschaft, so gut wie allen anderen Konfessionen zur Erhaltung ihrer religiösen und kulturellen Institutionen zustehen. verursachte ihm in späteren Jahren der günstige Fortgang der' Arbeiten der Beth-Jaakauwschulen> wie er überhaupt ein tiefes Verständnis für das Wesen der westeuropäischen Orthodoxie und ihrer Bestrebungen hatte. Als Zeichen kann sein bekannter Brief dienen, den er an die amerikanische Judenheit richtete, um sie aufzufordern, das orthodoxe Schulwerk : der, Adath Jisroel zu' unterstützen. Dieser Brief ist ein Zeugnis für seine Güte und für seine stete Hilfsbereitschaft. Mögen seine Worte auch nach seinem Ableben wirken, um in allen Kreisen Verständnis für die Belange der deutschen Orthodoxie zu wecken. Ein Großer und Heiliger ist von uns gegangen, der ganz bxiw in sein liebendes Herz geschlossen hatte und in dem auch Raum'war für die einzelnen Menschen, die seiner Meinung nach das Gute wollten und erstrebten. Daß er auch mich zu diesen zählte, bleibt das Glück und der Stolz meinest Lebens.! ii3*ia"? p'Tt ist t .:l Wochenkalender. Vom 3. — 10. Febr. 1934 / Vom 18, — 25. Schebat 5694 ■ 'nr tjt* D'*na : Samstag 3 18 KS Sonntag 4 19 33 Montag 5 20 AS Dienstag 6 21 IQ Mittwoch Fcb. 7 13357 22 HD Donnerstag 8 23 13 Freitag 9 24 TS Samstag 10 25 ns Tin'' Um die Zukunft desthoratreuen ■ :L ' '".''•.1 in ■uminiiKjimni*&'W'\&:r:ry a">b9V 'Q o'cspn ennn i'anaa Mauled: Mittwoch vorm. 8 Uhr I5*k Minuten Von Rabbiner Dr. Unna in'Mannheim. Im Februar 1919, kurz vor der Züricher Agüda-Konferenz, habe ich im, „Israelit" .eineri ^rtikel veröffentlicht: „Ein Wort zur Verständigung", Ich erwähnte .darin die Tatsache* daß Aguda undj-.Misrachi sich gegenseitig mit einer Leidenschaftlichkeit bekämpften, wie sie kaum gegenüber den Feinden des traditionellen Judentums zutage; stritt, und ..knüpfte daran die Bemer- .kung:. ".-»Diese* gegenseitige^, Bekämpfung von Gruppen, denen beiden ,die-Thora. höchstes Heiligtum ist, ist eine der betrübendsten, Erscheinungen des jüdischen Lebens. Es werden durch sie wertvolle Kräfte, im nutzlosen Wortkampf verbraucht, und es wird eine Atmosphäre des Hasses geschaffen,, die eine ernste Gefahr bedeutet, namentlich im Hinblick, auf die praktische Arbeit in Palästina, wo das Zusammenwirken aller thoratreuen Juden eine Lebensfrage für das jüdische Volk und seine Zukunft sein wird," Ich habe dann'weiter ausgeführt, daß: über die Frage, was. Judentum ist, doch kaum eine Meinungsverschiedenheit zwischen Aguda; und Misrachi besteht, daß beide die Anerkennung des schriftlichen und mündlichen Gesetzes fordern, beide auch die Ansicht vertreten, daß im Judentum Religion und Nationalitätsbegriff untrennbar verbunden sind. Nur halten die Wortführer :der Aguda den Eintritt in .die zionistische Organisation für eine Anerkennung des Prinzips des reinen Nationalismus und deshalb für eine Gefährdung der Reinheit der überlieferten Lehre, während, der Misrachi glaubt,., daß es taktisch richtiger sei, den Zionismus, der doch nun einmal ein Machtfaktor von höchster Bedeutung ist, von innen heraus in religiösem Sinne zu'^beeinflussen. Ich sagte dann zum Schluß: .; „Ich meine, auf der Grundlage der* gegenseitigen Anerkennung der Ueberzeugung müßte sich ein stillschweigendes Abkommen erzielen lassen, daß die gegenseitigen Angriffe unterbleiben und daß jede Gruppe durch positive Arbeit die Richtigkeit ihres Prinzips erweist. Die Aguda soll ihre positiven Leistungen denen des Zionismus gegenüberstellen und dadurch ihre Werbekraft erhöhen, und der Misrachi soll zeigen, daß er wirklich imstande ist, bei der praktischen Gestaltung der zionistischen Ideen die Grundsätze der Thora zur Geltung zu bringen. t Ueber die Berechtigung der beiden Methoden wird die Geschichte entscheiden. Für das Judentum aber wäre es der größte Segen, wenn der Bruderkampf eingestellt und die künftige Zusammenarbeit im heiligen Lande nicht von vornherein erschwert ,. j »>' ■ '■• - wurde, Seitdem sind 15 Jahre verflossen, Jahre, die für eine Umwälzung bedeuteten. Aber keine der beiden gegnerischen Parteien hat ihr Ziel erreicht. Der Misrachi hat zwar an selbständigen Leistungen Wertvolles aufzuweisen: er hat einige religiöse Siedlungen gegründet — vor allem den Kibbuz Rodges .—, die in der Vereinigung von Thora und , praktischer Arbeit vorbildlich sind und sich auch die Anerkennung der Gegner erzwungen, haben, und auch sein Schulwerk ist trotz aller Mängel einer der wichtigsten Aktivppsten des traditionellen. Judentums. Seine A,ufT gäbe, den Zionismus religiös zu beeinflussen, hat* er aber nicht zu lösen vermocht; das haben die Verhandlungen des .letzten Kongresses bewiesen, wo seine durchaus gemäßigten religiösen Forderungen abgelehnt; wurden. Daran kann auch die erfreuliche Tatsache nichts ändern,, daß die Verwaltung des Keren Kajemet die Aufnahme d,er Sabbatklausel in ihre Verträge bewillijgt hat. Auf der anderen Seite hat die Aguda zwar die Forderungen des traditionellen Judentums in Wort und Schrift unablässig betont, ihre praktischen .. ir- I; i;\y<{' Leistungen in t»x sind aber bis jetzt minimal geblieben. Der Misrachi hat zweifellos infolge der Bindungen, die ihm seine Zugehörigkeit zur Organisation auferlegt, nicht mit der5 Energie auftreten können, die zur Durchsetzung seiner Forderungen notwendig gewesen wäre; zugleich aber war err behindert .durch' 'de\n'* Zwang, sich auch gegen die Gegner,, von rechts zu verteidigen. Die Aguda aber hat infolge' derzahlreichen Aufgaben, die sie außerhalb zu erfüllen hat — denn sie kann sich nicht wie der Misrachi auf ■wr beschränken..— nicht die Kraft besessen, dort so zu wirken," wie "sie es sicher gern getan hätte. Der leidenschaftliche Kampf aber ist geblieben; die Polemik hat, wie die Auseinandersetzungen der letzten Wochen beweisen, an Schärfe nicht das geringste verloren! ' Sollte "sich jetzt, angesichts der ungeheuren Gefahren, die unsere Ideale bedrohen, nicht die Erkenntnis durchsetzen, daß die Zukunft des thoratreuen Judentums in '"K von der Zusammenarbeit der Orthodoxen aller, Schattierungen abhängt5? Der, Abfall in nimmt'immer 'schlimmere Formen aii; es'sind nicht nur die Arbeiter, die hier vorangehen, es ist auch ein großer Teil der Intelligenz in den Städten — und die deutsche Alijah hat die Sache nicht verbessert —, es sind vor allem die breiten Schichten der Jugend, deren Stellung zu den schwersten Besorgnissen Anlaß gibt. Dabei sind die Gesetzestreuen zahlenmäßig' auch heute noch eine Macht; aber ihre Kräfte können nicht zu politischer Wirkung; kommen, weil sie getrennt sind, und weil sie ihre Angriffe gegen einander und nicht gegen den gemeinsamen Gegner richten. Durch eine Verbindung mit den Kräften des alten Jischuw würde der Misrachi eine außerordentliche moralische Stärkung erfahren, und die Zusammenarbeit mit dem Misrachi würde, der Aguda ganz andere Möglichkeiten in v'K eröffnen. So. würde die Vereinigung beider Richtungen der Orthodoxie eine Stoßkraft verleihen, die das ganze Kräfteverhältnis im Lande wesentlich verändern würde, nbwb nwm nnb nxjn d^hxV ou> Wenn auch eine enge Zusammenarbeit nach den vorausgegangenen Auseinandersetzungen vorläufig nicht möglich sein wird, so sollte man sich doch zunächst auf einen Waffenstillstand einigen, sollte die gegenseitige Bekämpfung unterlassen! Man kann seine Ideale verfechten,, ohne deh| Gegner gehässig anzugreifen; und man kann sogar die Leistungen des Gegners anerkennen, wenn man auch sein Prinzip "ablehnt".' Damit allein wäre schon vpl gewonnen.* "Wenn aber der gegenwärtige' Zustand fortdauert, dann muß man für die Zukunft des Landes die schwersteh Befürchtungen hegen. Durch Djn'hiW ist nach den Worten unserer Weisen der zweite Tempel zerstört worden. Auch dort war es der Kampf der Parteien, die in sinnloser Selbstzerfleischung die ungeheure Gefahr nicht sahen, die alle von außen her. bedrohte. Soll der ganze religiöse Aufbau,, und das ist in Wirklichkeit der Aufbau überhaupt, dadurch gefährdet' werden, daß die Wortführer die Notwendigkeit der Verständigung nicht einsehen wollen? Ich bin nur, ein Einzelner, aber ich glaube, daß viele mit mir die gleiche Empfindung haben. Und vielleicht kann auch die Mahnung eines Einzelnen in der Stunde der Gefahr gehört werden, o^apy i'yawj o^rranw *mn Es geht heute um das Ganze. Daß der Aufbau nur gelingen kann, wenn die Forderungen der Thora' berücksichtigt werden, ,ist unsere 'Ueberzeugung^ Und daß für diesen Zweck alle Kräfte zusammengefaßt werden müssen, "ist eine so elementare Forderung der Vernunft, daß man glauben, sollte, alle, denen die Zukunft des jüdischen Volkes am Herzen liegt, müßten sie verstehen. Vielleicht