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Der Israelit · 1934-02-01 · Heft 5 (1.2.1934) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 5 (1.2.1934)
Date
1934-02-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 5 DIE PAROLE FÜR SIE ELLHORN STEINWEG 9 Strümpfe, Handschuhe, Tricotagen, Modewaren Strickmoden, Blusen, Kurzwaren stets preiswert Nachdem bei den in der Exekutive nichtvertretenen Parteien ein Widerstand gegen die religiösen Forderungen des Misrachi nicht bestehe — so schreibt Farbstein am 26. November 1933 — scheinen die Widerstände gegen diese von der Exekutive auszugehen. Da nun die Misrachi-Forderungen vom letzten Kongreß abgelehnt worden seien, hält Misrachi es im Interesse der gesamten zionistischen Arbeit für erforderlich, daß die Exekutive sich bei nächster Gelegenheit mit diesen beschäftigt. Alsdann werden sechs Forderungen aufgestellt, welche sich mit der Behütung des Sabbats und der Speisegesetze im neuen Jischuw befassen. Auf diesen Brief erfolgte am 8. Januar eine Antwort seitens der Exekutive der Jewish Agency, in der darauf hingewiesen wird, daß die religiösen Forderungen des Misrachi auf dem letzten Kongreß nicht abgelehnt worden seien, daß über sie vielmehr gar nicht abgestimmt ..wurde, weil sie während des ganzen Kongresses nicht der zuständigen Instanz, in der auch Misrachi vertreten war, vorgelegt, vielmehr erst am Schluse des Kongresses bei Neuwahl der Exekutive beantragt worden seien. (!) Ferner wird in dem Schreiben festgestellt, daß wohl die Zusammenseztung der Exekutive eine andere geworden sei, nicht aber deren Stellung zu religiösen Fragen, die voll und ganz derjenigen der früheren Exekutiven entspräche, in denen ja auch Misrachi vertreten war, und daß es jedem Juden anheimgestellt sei, nach eigenem Gewissen zu handeln. Alsdann wird klargelegt, daß weder Exekutive noch die Leitung der Fonds berechtigt seien, sich in Fragen der Religionsübung seitens der Siedler einzumengen, und daß die Einführung der Sabbatschutz-Klausel von der Agency und den Fonds-Leitungen aus nationalen (!) Gründen bereits in Aussicht genommen sei, was dem Misrachi zweifellos bekannt sei. Und schließlich wird dem Misrachi bedeutet, daß die Exekutive es als Gefährdung des Jischuw und des Friedens im zionistischen Aufbauwerk betrachte, wenn der Misrachi den Versuch mache, moralische Dinge (und wohl auch religiöse, denn um solche handelt es sich ja bei den Misrachi-For- Der Israelit derungen) dem Herzen und Gewissen irgend eines Juden aufzuzwingen. Gegenseitige Duldung und Ehrfurcht gegenüber dem Denken und Fühlen aller Parteien in der zionistischen Organisation seien für die Einigkeit,* Einheit und nationale Disziplin erforderlich. Aus diesem Briefwechsel geht hervor, daß es unrichtig ist, im Zusammenhang mit der Einführung der Sabbat-Klausel (die gewiß( von allen religiösen Juden freudig begrüßt wird, welchen Motiven immer sie entspringen mag) vom Durchsetzen oder Anerkennen irgendwelcher misrachistischer (religiöser) Forderungen zu sprechen, da die Exekutive der Jewish Agency in ihrem Schreiben nicht nur die Sabbat-Klausel n a t i on a 1 begründet, sondern es ausdrücklichst ablehnt, sich in religiöse. Angelegenheiten der Siedler einzumengen, und eine solche Zumutung als Friedensstörung und Disziplinlosigkeit betrachte. Es ist nur zu hoffen, daß der mutige Brief des Rabbi Levinsohn in misrachistischen Kreisen die Beachtung findet, ^die er verdient, und daß die Kreise im Misrachi, die schon heute die Zwecklosigkeit eines weitern Kampfes für die Tauroh inerhalb der zionistischen Organisation einsehen — auch wenn die Leitung des Misrachi diese Konsequenz zu ziehen sich weiter weigert — durch ihren Anschluß die Front der selbständigen Orthodoxie stärken, denn diese wartet ja auf ihre Mitarbeit. Nachdem Agudas Jisroel wahrlich gezeigt hat, daß ihr der Aufbau Erez Jisroels nicht minder ernst ist als dem Zionismus, dürfte nach der völligen Aussichtslosigkeit, unsere gemeinsamen religiösen Forderungen innerhalb der zionistischen Organisation zur Anerkennung zu bringen — wie es die Absage an den Misrachi wiederum aufs neue beweist — der Anschluß nicht schwerfallen!" Soweit die Einsendung. Von einem anderen Standpunkte aus gelangt auch ein in dieser Nummer veröffentlichter Aufsatz von Rabbiner. Dr. Unna in Mannheim zur Forderung des Zusammenschlusses von Aguda und Misrachi, wobei jedoch nicht der Austritt des letzteren aus der zionistischen Organisation ■ ins Auge gefaßt wird, sondern nur eine Art Waffenstillstand im Kampfe der Ideen zugunsten praktischer Zusammenarbeit für ein thoratreues Erez Isroel. Leider scheint uns dieser letztere Vorschlag zur Zeit keinerlei Aussicht auf Erfolg zu haben. Er unterschätzt die tief im Innersten der Seele verankerte weltanschauliche Tragweite der agudistischen Ueberzeugung, wie sie namentlich die führenden Rabbinen des Die Sidra spricht zu uns *.. 11 h r o bringt Mosche guten Rat: Er möge sich zur eigenen Entlastung tapfere Männer wählen, die das Volk, statt seiner in minder wichtigen Angelegenheiten lehren und richten. „Du aber mache ihnen klar die Gesetze und die Lehren und tue ihnen kund den Weg, in welchen sie eingehen und das Tun, das sie vollbringen sollen" (Kap. 18, 20 nach S. R. H.) Talmud, Tr. „Baba Mezia" deutet: „Und tue ihnen kund" — das heißt, lehre sie, daß sie sich Lebensexistenz errichten (on"n nii) Der „Weg" — führt zur Wohltat. „Daß sie in ihn eingehen" — d. h., daß sie Kranke besuchen. „Das Tun" — es ist das-"Recht. „Das sie vollbringen" — es ist damit das gemeint, was man über die Pflicht hinaus aus freien Stücken tut. (r"7'"1 niiff» B'JSW-" „Thora Tmima" sucht diese Deutung auch sprachlich zu stützen und damit zu zeigen, wie wenig unsere weisen Erklärer etwas in den Worttext hineinzwängten, was ihm nicht innewohnte. 1"n weist sinngemäß auf rrnj hin, weil echte Wohltat, die wir „Chessed" nennen, soziale Aufbauhilfe, dem Dürftigen ja nur den Weg zeigt, auf dem er selbst wieder zur alten Höhe kommen kann. Krankenbesuche erfordern oft weite schwierige Gänge, darum deutet la?1 auf Krankenbetreuung. na „darin" erweckt den Gedanken an den Menschenbruder, den man der Erde übergibt, spricht also von der letzten Liebespflicht der Totenbestattung, n^ya ist die Rechtstat, die gerechte Handlung. Wenn aber dann ]1W steht, mit hinzugefügtem „Nun", so bezeichnet das ein Mehr, das, was man über die Pflicht tut. (vwjsM. Zur Sache selbsi. Hatte erst Ithro, der Nichtjude, Mosche und Israel das Gut der Nächstenliebe in diesen fünf Ausstrahlungen offenbaren und lehren müssen? Mit nichten. Liebe in all ihren Ausdrucksformen war Erbgut des jüdischen Volkes seit Vater Abraham. Das in der Mischna „Bikkurim" aufgeführte Zehngebot der jüdischen Ethik, das mit jedem seiner Postulate uns Früchte auf dieser und Grundkapital in der künftigen Welt sichert, ist so alt wie der Urstamm unseres Volkes. Freilich gab und gibt es bei uns keine vom G'ttesgedanken losgelöste menschliche Ethik, als bloße Humanitätsduselei, die sich nach Zeit und Geschmack ändert. „Erweise Liebe deinem Nächsten" ist des Satzes ein Teil, der lehrt: „Fürchte deinen G'tt". Das schönste Buch der Ethik, das je Menschen besessen, „Die Vätersprüche", hat die Feststellung zur Einleitung: „Moses empfing die Thora am Sinai usw." Jede Tat der Güte, der Liebe, des Anstandes ist Thora, und diese kann nicht erst Ithro Israel gebracht haben. Im Zusammenhange stellt sich die Sache darum so dar: Ithro lernte diese Ausstrahlungen jüdischer Liebe erst in Israels Lager kennen und war begeistert. Nur gefiel ihm nicht, daß Moses selbst und ganz alleine sich auch in der Kleinarbeit für diese großen Ideen aufrieb. Darum riet er weise: ~rimnim es genügt, wenn du ihnen diese herrlichen Prinzipien im Ganzen, auf großer Linie zeigst. Ausführen im __1, Februarv1934 Ostens, aber auch die Massen und die Jugend der östlichen Länder beherrscht. Wohl scheint es uns denkbar, daß bei ganz konkreter Zielsetzung im Einzelfall eine agudistisch-misrachistische Zusammenarbeit zuwege gebracht werden könnte — so z. B. in der Fürsorge für die Jeschiwos oder in der Frage der Unterbringung deutscher Kinder in Erez Isroel —, allein im übrigen steht zwischen Aguda und Misrachi das Ringen um die rechte Organisationsform. für das jüdische Volk, grade auf dem Boden des heiligen Landes, der historische Kampf um die Frage, ob die Thora Herrscheria sein muß im nationalen Leben oder ob sie sich. — provisorisch — mit der Rolle einer von Mehrheitsabstimmungen abhängigen fraktionellen. Konfession begnügen darf. Jugend-Problematik, Wenn man die Fülle der Farben-Nuancierüngen überblickt, die die religiöse Jugend in Deutschland organisatorisch heute aufweist, wird man schon von einer Krankheitserscheinung sprechen müssen. Da sind wenige Tausend junge Menschen, die samt und sonders prinzipiell die Thora als gegebene Richtschnur für Volk und Individuum anerkennen und es doch nicht fertig, bringen, sich in eine Organisation einzufügen und, in naturgemäßer Unterordnung unter die praktische Führung des Alters, die Synthese zwischen Persönlichkeitsbildung, Milieu-Schöpfung und wirtschaftlich-politischer Basis für ihre Zukunft, zu finden! Auf der Rechten beginnt das Farbenspiel mit der Agudas Isroel -Jugendorganisation, an die sich dann der schon mit etwas individualistisch-revolutionärem Oel gesalbte ,, Noar Agudati" (zu Deutsch: ,,Agudistische Jugend" — das ist also etwas anderes als schlechtweg „agudistische Jugend" mit kleinem Anfangsbuchstaben) anschließt. Es folgt der — von seinen misrachistisch gewordenen Gruppen befreite '■—■ Esra, über dessen derzeitigen Standpunkt ein an anderer Stelle dieser Nummer wiedergegebener Artikel des Bundesleiters orientiert. Man liest darin neben vielem Erfreulichem und wirklich Lebensnahem mit Erstaunen, daß zwar zu jüdischer Geschlossenheit auch das Bewußtsein tatfordernder Verantwortung für die große jüdische Gemeinschaft gehöre, daß aber sofort eine Gefahr für die „Charaktererziehung" entsteht, wenn diese Tat für die Gesamtheit nun praktisch werden .soll durch vorbehaltlose Einordnung in die von den minn "^"m geführte Thora-Organisation der jüdischen Gesamtheit. Kleinen und im täglichen Leben werden sie diese Grundsätze selber — mit Hilfe der Unterführer, die du ihnen nach meinem Plane einsetzest." Kleines Feuilleton. Persönliche Erinnerungen an den „Czortkower Rebben" ^''ST* Von Rabbiner Dr. Hermann Klein in Berlin. Der Heimgang des „Czortkower Rebben" b"tl> hat mich, abgesehen von dem großen Verluste, den ich mit der ganzen thoralreuen Judenheit tief beklagte, auch persönlich sehr ergriffen und erschüttert. Der Tod dieses Großen Heß vor meinem Auge die Zeit neu erstehen, in der ich ihm persönlich nähertreten durfte und einen Blick werfen konnte in die heilige Seele eines ganz großen Menschen und Jehudi, die in des Wortes wahrster Bedeutung aufging in der Liebe zum jüdischen Volke. Wie die Davidsharfe ward auch seine Seele von der rauhen Mitternachtsluft, die das jüdische Volk umwehte, zum Tönen gebracht und jeder Schmerz eines Jehudi löste auch eine Klage bei ihm aus. Es war in der Zeit des großen Weltkrieges, so ungefähr vor den heiligen Feiertagen des Jahres 1916, als eine ganz große Schar der polnisch-jüdischen Flüchtlinge, es waren einige tausend Familien, auch in unser Komitat Oedenburg und in meine Gemeinde Eisenstadt kam. Diese galizischen und polnischen Juden sind die wahren Opfer des Weltkrieges. Die galizischen und polnischen Juden wur-

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