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Der Israelit · 1934-01-25 · Heft 4 (25.1.1934) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 4 (25.1.1934)
Date
1934-01-25
Page
– (sequence 13)
Language
German
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17 " Erzi uns* und Lehre Pädagogische Beilage zum „Israelit" Organ des Bundes gesetzestreuer jüdischer Lehrer Deutschlands H H H ItsHHoT°^[M°i[ö][ H Verantwortliche Schtiftteitung: L. Kaufmann, Sprendlingen (Kreis Offenbach) Die Neujahrsbotschaft der Bäume, Chamischo-Osor-Predigt für die Jugend von Hauptlehrer Nathan Adler. Der Fünfzehnte — ein Zauberwort! Sei es der fünfzehnte Nissan, der fünfzehnte Tischri oder — der fünfzehnte Schewat. Wenn in diesen Zeiten der Vollmond vom Frühlings-, Herbst- oder Winterhimmel in die Erdennächte leuchtet, dann jubeln und jauchzen die Bäume darüber, daß wieder die Knospen singend springen, die Palmen, Myrthen und Weiden im Hallel rauschen oder neue, frische Kräfte in der jahrtausendalten Mutter Erde rege werden. Warum rauschen die Bäume des Feldes und Waldes? Fühlen sie vielleicht ein Klingen und Singen aus überirdischen Höhen? Gewiß muß es so sein. Es erbraust ja auch ein gewaltiges Lied aus dem Drängen der Meereswogen, die Himmel freuen sich und es frohlockt die Erde. Warum? Denn der Herr aller Welten schreitet einher, die Mutter Erde zu richten mit Gnade und Liehe. Der Neujahrstag der Bäume ist ein Tag des Gerichtes über sie selbst. •D'»n by \>i-\vi anai »iwann bv nosa :pTJ obiya o'pns njmita >bbn nvj nana ]b->nb tnvn wawa nw? neranai Am Pesach spricht G'tt das Urteil dem Getreide. Am Suckausfeste werden die Wachstumsbedingungen der Pflanzenwelt beschlossen. Und am 15. Schewat beschließt G'tt das Jahresschicksal der Bäume in Feld und Wald. Dann geht ein Rauschen durch die Kronen, sie neigen und beugen sich vor G'tt. Und das Händeklatschen der grünenden Blätter, das Lispeln und Flüstern der Zweige, der Reigen der mächtigen Stämme wird akkordiert vom Chor machtvoller Wasser und über all diesem — D">»!?n wa»» das strahlende Lachen des Himmels. „Nehmt hin die Welt! ruft G'tt von seinen Höhen den Menschen zu, nehmt, sie soll euer sein. Euch schenk' ich sie zum Erb; und ew'gen Lehen; Doch teilt euch brüderlich darein." (Schiller.] Auch dem israelitischen Volk verlieh G'tt einst ein Land, fließend von Milch und Honig. Und er nahm -es ihm wieder. Wenn das gläubige Israel nun seinen G'tt fragt: „Was willst Du mir geben?" antwortet die Thora: „Euer Land ist jenseits der Erde." Mit allem unserem g'ttgefälligen Tun und Lassen, mit allen unseren nach G'ttes Willen gefügten Werken erkämpfen und erringen wir uns — das Jenseits d^W Es ist aber auch uns im zweiten Abschnitt des Sch'ma die Güte des Himmels und die Fruchtbarkeit der Erde verheißen, wenn wir in G'ttes Wegen wandeln und seinen Befehlen unser Ohr schenken. Wofür dies? Das Wörtchen tti. mit dem die Parscho von nnxa bt7 eingeleitet wird und das überall im Gegensatz zu dem Wort 'VPl steht, gibt über diese prinzipielle Frage Aufschluß, "tpi deutet stets etwas Frohes und Freudiges an. '»ni setzt voraus, daß wir alle von der Jugend bis zum Alter uns mit den Gesetzen G'ttes leicht und freudig verbunden fühlen, daß wir G'tt dienen ab aioai nnapa, dann sind wir moralisch zu unserer irdischen Existenz berechtigt, „Wollt Ihr einen lachenden Himmelsstrich über Eurem Haupte besitzen," spricht die g'ttliche Vorsehung, „dann habet Sonne im Herzen bei der Uebung meiner Befehle. Wenn Euer Geist sich leicht beschwingt zum Studium der Thora, Euer Arm fröhlich sich regt und Euer Fuß zum Dienste G'ttes . schwebt — dann wird sich Euer Dasein in langer Dauer erhalten." ivx bsi Via1 «b mV»! lnya ]n> via -iek t^a ->ibs bv bvw f jo n'm •('8 wbnn) n^s' nsre* „Fröhlich werdet Ihr sein, wie der Baum, mit Auswahl gesetzt an Wasserbäche, der seine Frucht gibt zu deren Zeit und dessen Blatt nicht welkt und alles, was Ihr wirket, wird gelingen." Da pflanzen wir einen Baum in einen glücklichen Raum, er grünt, er wächst und breitet seine Aeste schattenspendend aus. Aber seine Blüte kann ersticken, wenn sie nicht zeitig von den Strahlen der Himmelssonne wachgeküßt wird. Und wenn er auch im schneeweißen Blütenschmuck unser Auge und Herz erfreut — der Reif einer einzigen Maiennacht kann ihn versehren, kalter Regen seinen Blütenstaub und Nektar wegschwemmen. Nur der Strahl menschlicher Liebe und g'ttlicher Freude, nur die Sonne eines jugendlich schlagenden Herzens weckt als Widerschein die Sonne des Himmels — -psn itivn -piPin nsa •nbia' nana px oba D'ay thv Erntedankfeste feiern alle G'tt huldigenden Nationen. Davon weiß schon der 67. Psalm einen Vers zu singen. Uns, dem jüdischen Volke, wird die G'tteshuldigung nicht so leicht gemacht. Wir wissen dafür aber, daß wir unter dem Segen des Himmels stehen, ij'pto* D'pVx «ana1 unter der wvid nruiwv Wollt Ihr Früchte essen? So leset mit Verständnis die Mischna: san Qbwb nwp ppm nrn oi>iya nrnns 5»aiK mx*? n>*m i^k eman /ra naap.n C •D->ton mV'BVi ('-' -dxi a« iiaa 0 :]n iVx •nbo noiam (G •mVin -npai (° -dtttik noaani C1 ■n'aiyi rrinp •nanV ms pa -bv nsani C!1 -nbsn psn C -nan n'i^ni (7 •aVa 1533 min na^ni 0° Ehret Vater und Mutter! Erfüllet euren kindlichen Sinn ganz mit dem Inhalt des 5, Gebotes! Die g'ttliche Feuerschrift hat diese großen, goldenen Worte in leuchtendes Gestein gebrannt für die Ewigkeit. Ehre deinen Vater, deine Mutter! so heißt es. Es heißt aber nicht; Ehre deinen Sohn und deine Tochter! Liebe jüdische Jugend, Ihr versteht wohl, was ich sagen will. Gewiß gab es keinen liebevolleren Sohn als Josef. Weil er es aber zuließ, daß seine Brüder ihm gegenüber den Vater als seinen Diener auch nur bezeichneten, kürzte G'tt sein Leben um zehn Jahre. Auch bei seinen Lebzeiten spricht die Thora von der hohen Person Josefs im Sinne von „Gebeinen". Wer in den Wegen G'ttes wandeln will, vergegenwärtige sich den Inhalt der ersten drei Segenssprüche der Schemone Esre. Dort rühmen wir G'tt, weil er der D'aia onon bau ist, der die Fallenden noch im Falle stützt, die Kranken heilt, die Toten belebt. Durch sein eigenes Beispiel lehrt uns G'tt die Kranken zu besuchen und die Trauernden zu trösten. Die Erzählungen der Thora beginnen und schließen mit g'ttlichem non niV'aa. wie G'tt die nackten ersten Menschen bekleidete und den größten Menschen selbst begrub. Das Frühaufstehen zum Gebet bei Abraham und Moses rühmt die Schrift mit den Worten: npaa omaK oaiP'1 oder npaa ne^a oap'v sie weckten den Morgen. Die Einkehr fremder Wanderer in das gastliche Zelt des Stammvaters ist jedermann bekannt. Dieses otitir noaan blieb seitdem der Grundzug des jüdischen Hauses. G'tt war auch Adams Brautführer, als er Eva mit „geflochtenen Haaren" unter das Trauzelt führte. In Beziehung zu nbsn spricht König David: riban 'asv ich kann ganz Gebet sein. Das den Lippen wohlvertraute Gebet soll inwendig gesprochen werden, eine Ermahnung, die im Satze aus Esther: njnn inasrna aw ->son os? -\bm 122b nsaav eine sinnige Andeutung findet. Wenn man vor den König aller Könige mit dem Buche tritt, weichen die störenden Gedanken zurück. Das Friedenstiften zwischen Menschen kann auch zu einem Baum mit herrlichem Fruchtansatz werden. Manchmal glaubt man dem Freund oder der Freundin den besten und aufrichtigsten Dienst zu erweisen, wenn man sie in ihren Feindschaften noch bestärkt. Mit einer gewissen Variation spricht oder denkt man wohl: Deine Freunde sind meine Freunde, deine Feinde sind meine Feinde. Ist das Friedfertigkeit 'tfW rUflN? Haben wir den historischen Grund für die Einäscherung des zweiten Tempels ganz und gar vergessen? Habt Ihr aus dem tragischen Massentod der Schüler R. Akibas in den Omertagen nichts gelernt? Nur wegen der Avero von ojn ntuv ist Israel seit zweitausend Jahren unerlöst. „Wer ist der Mann, der das Leben will, der die Tage liebt, das Gute zu sehen? Der hüte seine Zunge wohl vor Bösem und seine Lippen, um in anderen trügerische oder deprimierende Suggestionen erzeugen zu wollen." Denn G'ttes Auge prüft Herz und Nieren und zahlt jedem heim nach der Frucht seiner Taten. Als Kinder lernten wir schon Abrahams Friedensliebe kennen, die er in einer mutig e n persönlichen Aussprache mit Lot durch die Worte bekundete: „Laß' doch keinen Streit zwischen mir und dir sein, denn wir sind doch brüderliche Männer!" Wer aber der Stimme abrahamitischen Blutes nicht zugänglich ist, der greife zu Talmud Tauroh, um feindselige Stimmungen und Anwandlungen zu bekämpfen. Bescheidenes Versenken in die heilige Schrift ist schon Teschuwo, Rückkehr zum Guten. T a u r o h und A w a u d o bringen in unser Dasein eine feste Lebensordnung, erfüllen uns mit dem richtigen Zeitbewußtsein und in diesem Sinne fassen wir die Forderung auf:?nina DV>y nyap, Wir festigen unsere Zeit mit der Thora. Noch einmal kehrt die Zahl 15 bedeutungsvoll wieder, nämlich in den 15 Schir hamaalaus des Psalters, die den 15 Stufen entsprachen, die zur ^snt7' rnry führten, auf denen die Leviten- Chöre standen, um während des Opferns Lieder zu Ehren G'ttes zu singen. So sind die Stufengesänge mit Chamischo osor aufs engste verknüpft und lehren uns den Satz begreifen nnatfa "\ rat nay-' Am Schlüsse dieser Gedankengänge werden wir auch an das zweite Chamischo osor des Jahres im Monat A w erinnert, an dem die Trauer über den Weg der Tröstung sich in Jubel verwandelt, in jene echte Jugendfeier, die sich einst auf den von reifen Trauben rot erglänzenden Rebenhügeln des heiligen Landes abspielte. In leuchtendes Weiß gekleidete Jungfrauen sangen im Rebengelände: „Jüngling, erhebe bei der Wahl deines Herzens dein Auge zur Familie! Falschheit ist die Anmut, Schönheit — ein vergehender Hauch, der Furcht G'ttes rühme sich ein Weib. Ihm reichet die Früchte der rührigen Hände, und in den Toren mögen es preisen seine Taten." Religiöse Atrophie- Von Lippmann Kurzweil in Kopenhagen. Die Religiosität, die Verneinung unserer Abhängigkeit von einer höheren Macht, schwillt in unseren Tagen zu einer nie gekannten Dimension an. Die Bekenner der organisierten Religionsgemeinschaften werden — als natürliche Folge der umsichgreifenden Epidemie — von ihren Führern ermahnt und ermuntert auszuharren, um sich nicht in die Fangarme der Religionslosigkeit locken zu lassen. Es erhebt sich für uns Lehrer die Frage, ob wir diesen gemeingefährlichen Bazillus unschädlich machen können. Erst wenn wir diese Aufgabe gelöst haben, kommen wir zu unserer positiven Arbeit, wie wir unsere Kinder für die Tauroh gewinnen können. Diese methodische Folge schreibt uns einer der bedeutendsten jüdischen Pädagogen vor, König Dawid: (n"b 'bnrd aits npyi sn» tid „1. halte dich fern von Schlechtem, 2. und übe Gutes." Aufgabe der religiösen Therapie wird es nun sein, Ursache und Wesen der Krankheit zu erfassen. Soweit es der Rahmen eines Zeitungsartikels erlaubt, möchten wir Mittel und Wege finden, die vielleicht geeignet sind, die Irreligiosität mit Erfolg zu bekämpfen. Zu diesem Zwecke wollen wir die vielumstriltene Frage anschneiden, ob jeder Mensch eine religiöse Anlage besitzt. Die zwei extremen Anschauungen gehen dahin, daß viele Menschen meinen, sie seien jeder religiösen Grundlage bar, während die andere behauptet, man könne einen religiösen Standard aufstellen, und ->das > Resultat dieses Standards nicht nur für das diesseitige, sondern auch für das jenseitige Leben als das Integral unseres Daseins fixieren. Diese Auffassung dürfte sowohl unpsychologisch wie auch unbiologisch sein. Unpsychologisch: Die Tatsache, daß es keine zwei Menschen gibt, die körperlich Ulld S e Q I 1 S C h Völlig gleich sind, läßt auch auf eine Verschiedenheit in religiöser Hinsicht schließen. Diese Differenzierung offenbart sich qualitativ in der Mannigfaltigkeit der Völker und Rassen. Diese zerfallen — außer Farbe und Form — in Religionstypen (Juden, Lutheraner, Quäker, Missionare usw.). Man kann noch weiter zergliedern: Die Wirkung eines religiösen Erlebnisses (G'ttesdienst) in ein und derselben Religionsgemein-;r- >es ieier ntun-

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