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Der Israelit · 1934-01-25 · Heft 4 (25.1.1934) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 4 (25.1.1934)
Date
1934-01-25
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 Nr, 4 Der Israelit 25. Januar 1934 Kinderecke. Am Feste der Bäume. Ein Fest der Bäume feiern wir mitten im Winter. Einmal weil wir mitten in der Winterkälte das Keimen und Treiben unter der starren Erdkruste ahnen und empfinden und bei Genuß und Segensspruch Ihn loben, der „Schnee wie Wolle gibt, Reif wie Asche streut." Dann aber denken wir dabei an die alte und künftige Heimat, an Erez Jisroel, wo unter milder Sonne am 15. Schwat schon das Frühlingserwachen sichtbarlich zu spüren ist. Die erste Quelle für das Schwatfest der Pflanzen ist in Mischna Rosch Haschana 1, 1 enthalten, wo die Schulen von Schammai und Hillel darüber uneins sind, ob die Zeitgrenze (Rosch Haschana) für Bäume und Pflanzen der erste oder der fünfzehnte Schwat ist. Letzterer Stichtag entspricht der Ansicht von Beth Hilel, die für uns entscheidend ist. Tatsächlich wurde die Zeit vom 15. Schwat bis zum 15. Adar in Palästina zur Anlegung von Pflanzen benutzt. Aus alten Schriften ist zu ersehen, daß man früher, im Orient heute noch, den Brauch pflegte, sich in der Nacht zum 15. Schwat in Synagogen und Lehrhäusern zu versammeln und bei Gebet und Genuß von verschiedenen Früchten, ähnlich wie am Schwuoth und Hoschana rabba, zu wachen. Bei diesem Anlaß wurden besonders alle Psalmen, Gebete und Talmudstellen vorgetragen, die von den Bäumen und der Pflanzenwelt handeln. Ein solches Tikkunbuch für die Nacht zum 15. Schwat wurde 1732 in Livorno unter, dem Titel Tin "ns gedruckt, das in alten Bibliotheken noch zu finden ist. Auch Lu nz in seinem bekannten Erez Jisroel- Almanach(^K'W p^K flV7) weiß von diesem Brauche unter den Sefardim in Jerusalem zu berichten. Im neuen Palästina ziehen am 15. Schwat die Lehrer mit den Schülern in die Kolonien hinaus, um dort junge Bäume zu pflanzen. Uns grüßt Erez Jisroel an diesem Tage der Bäume mit den köstlichsten Palästinafrüchten, die am 15. Schwat in keinem jüdischen Hause fehlen sollten. Im neuen Heim, Von Heinrich Einstädter.*) In einer Großstadt bewohnte eine jüdische Familie bis vor wenigen Monaten ein großes Haus, und sie „führte auch ein großes Haus." Die Einrichtung war prunkvoll. Es gab häufig Gesellschaften, Das Personal war erlesen, und den Kindern fehlte es nicht an schönen Kleidern, guten Speisen und allerhand Vergnügungen. Plötzlich wechselten diese Verhältnisse. Die Familie verlegte ihren Wohnsitz, und erst nach Wochen größter Unruhe ließ sie sich in einer fremden Stadt in einer kleinen Wohnung nieder. Alle Lebensverhältnisse änderten sich von Grund auf. Die Mutter besorgte die Küche und kümmerte sich um die Schularbeiten der Kinder. Ein einziges Mädchen versah die Hausarbeit, und der Vater mußte während der ganzen Woche seinem Geschäft nachgehen, das ihn zu größeren Reisen zwang. Meistens war er nur über Schabbos zu Hause. An Bekannten und Schulfreunden fehlte es natürlich in der fremden Stadt, und erst nach und nach knüpften sich einige Bekannt- *) Diese Erzählung konnte in der Chanukahnummer keine Aufnahme finden und wird unsere jungen Leser und Leserinnen auch noch zu Chamischo ossor interessieren. Red. schaften an. Aber.(an gesellige Veranstaltungen war'in der engen Dreizimmerwohnung natürlich nicht zu denken; So kam Chanukah,, ohne daß die Kinder sich sehr darauf freuen könnten. Noch im Vorjahre waren sie bei Freunden eingeladen gewesen und hatten auch selbst an einem Abend die Kinder ihres Bekanntenkreises um sich versammeln dürfen. Diesmal war nichts derartiges zu bewerkstelligen. Doch wollten sie unter sich fröhlich sein. Sie suchten unter ihren Büchern ein Bändchen mit jüdischen Gedichten hervor und wählten einige geeignete aus, die sie auswendig lernten, um sie vortragen zu können. Die ersten Abende vergingen recht still. Mutter war ernst und fühlte sich einsam. Ihre Freundinnen fehlten ihr doch gar sehr. Desto sehnlicher wünschte sie den Schabbos herbei, an dem sie wenigstens ihren Mann zur Gesellschaft erhoffte. Freitag kam der Vater heim und sichtlich in guter Laune, Er entzündete mit den Kindern zusammen im Wohnzimmer, das ja zugleich Speisezimmer war, und deutete schon an, daß heute ein recht gemütlicher Abend folgen müsse. Jetzt freuten sich die Kinder. Gleich nach Beendigung des G'ttesdienstes sängen sie mit den Eltern Moaus zur, und auch der Kleinste, ein zweijähriger Knabe, der auf des Vaters Knie nach der Melodie einen lustigen Ritt machte, schaute dabei ständig nach den vielen Lichtern und stellte sie 3 mit Bewußtsein in den Mittelpunkt der Feier. Aber als nach Schluß des Abendessens der Tisch abgeräumt war und die ganze Familie im Kreise saß, da begann erst recht die Freude. Schüchtern hatte «Us älteste Töchterchen gewagt, ein Chanukah-Gedicht vorzutragen. Mit heller Freude war es von Vater und Mutter aufgenommen worden, und jetzt, nachdem das Eis gebrochen ist, folgt eine kindliche Darbietung der andern. Liedchen, die in der Schule eingeübt worden waren, werden gemeinsam gesungen und ein kleines dramatisches Spiel bildet schließlich den Höhepunkt. Die Eltern sind sichtlich überrascht. Sie erkennen erst heute, was für schöne Anlagen in ihren Kindern schlummern, und* das Glück, so gute und warmherzige' Kinder zu besitzen, leuchtet ihnen aus den Augen. Dieses Glücksbweußtsein wirkt aber wunderbar auf Kinderherzen, und Vater und Mutter, die bisher durch ihre mannigfachen Verpflichtungen so viel ihren Kindern entzogen waren, fühlen jetzt, wie von Stunde zu Stunde die Kleinen sich ihnen inniger und vertrauter geben. Einen so schönen Abend haben sie alle schon lange nicht mehr erlebt. Es ist spät, sehr spät, als Vater und Mutter von den Kinderbetten, aus denen ihnen immer noch „Gute Nacht"-Wünsche und Dankesbezeugungen zugerufen, werden, zurücktreten. Als sie sich dann im stillen Wohnzimmer tief in die Auge schauen, eint sie der Gedanke: „Alles, was uns G'tt schickt, ist zum Gute n." Bar Mizwa. Von Karl DarmstädteT. Heute wird ein Knabe zum ersten Mal aufgerufen. Schabbos um Schabbos, immer, wenn die Thora geöffnet, aus ihr gelesen wird, werden Männer aufgerufen. Wie so häufig, verlieren Worte ihren großen Glanz. Abgegriffen und unscheinbar werden sie im häufigen Gebrauch. Aber eines Tages leuchten sie auf, als sei ein neuer Glanz in sie hineingekommen, als ginge von ihnen ein Licht aus, so schön, so gewaltig, daß die Menschen sich staunend fragen, was denn nun geschehen sei. Seht, ein Junge von dreizehn Jahren wird aufgerufen/ Er geht durch die Reihen. Greise und Junge, Alle schauen nach ihm. „Jaamod!" wird ihm zugerufen. Vor die Thora stellt er sich. Ein Aufruf, der nur ihm gilt, ergeht an ihn. Bist du nicht noch im Lande deiner Kindheit, Knabe? Wirst du nicht aus Träumen wachgerüttelt? Dringen nicht schwere Lasten aüf; dich -ein? .1 Wie dem auch sei, deine Jugend erliegt nicht-unter dem, was von dir gefordert ist. Du wirst es zwingen. Was der Alltag verlangt vondir, du junger jüdischer Knabe, spielend bewältigst du es, Helfer genug gibt es, die rechts und links von dir stehen,; dir den Weg zu weisen; Aber das Aufgerüfensein ist etwas viel Größeres, etwas viel Schöneres als alle anderen Dinge des Tages, die nun beginnen. Weißt du, wer dich anspricht, wer dich ruft? Die Thora ruft dich, die :deine Väter, deine Ahnen, die glücklichen und die leidgeplagten, die an Namen Großen und die Schlichten, je und je aufgerufen hat zum heiligen^ Dienste. Das jüdische Volk, dem du angehörst, seit ,die Seele dieses Volkes im Abrahamsgeschlechte, in der Jaakobfamilie, in den Sinaizeugen, in allen, in allen, in unzähligen Geschlechtern, heimisch War, — das jüdische Volk ruft'dich. Die Brüder im heiligen Lande, die die Flammen der Thora dort wieder entzünden wollen, rufen dich, weil sie wissen um jedes Kind, das eintritt in die Gezählten der Gemeinde. So wenige sind es, die an den Schabbostagen zum ersten Mal hintreten, zu künden, was. vor ihnen steht im heiligen Zeichen. Klein wird ihre Zahl. . Gemeinden gibt es, wo sie. sich kaum mehr erinnern, daß Knaben zum ersten Male aufgerufen Wurden. Darum ist es ein großes Fest, das Fest des Hintretens vor die Rolle der Thora. Eine gewaltige Schar schaut auf dich, wenn du deinen Platz verläßt, hinschreitest durch die Reihen, hinaufsteigst zum Almemor, laut verkündest, was dir zu sagen obliegt. Und dein Vater und deine Mutter, deine Brüder und Freunde, deine Gefährten und alle, die dich sehen und hören an diesem Tage, in dieser Stunde, sie sagen es sich und flüstern es sich zu, oder sie fühlen es im Tiefsten, sie ahnen, was so viele nicht ahnten und nicht wußten vor unserer Zeit: Ein Knabe wird aufgerufen, die Mizwoth zu erfüllen, in den, Reihen zu stehen, der Lehre zu dienen, dem Volke Gefolgschaft zu leisten, Jude zu sein. -— Knabe, horche, wie es von Fernem und Weitem, aus geheimsten Tiefen und weitesten Höhen an dich herandringt und dich umrauscht. —r Aber vielleicht ist das alles in dieser Stunde noch schwer und noch fremd und noch seltsam für dich. Es mögen Stunden und Monate und Jahre vergehen. Dann kommt ein Tag, da leuchtet neu das Wort auf vor deiner Seele. Die Erinnerung schwillt an, und vor dir steht es und sagt dir den Sinn deines jüdischen Lebens, den Sinn unseres Lebens: Wir werden aufgerufen ... Rätsel. Ol' "I 3 Das erste Wort von. dreien mußt du teilen! Die jetzt in pR weilen, Sind von der ersten Hälfte bald verbrannt. Die zweite Hälfte ist die jüdische Frau. Doch acht darauf genau: Laß' ihren Kopf nicht am gewohnten Ort, Dann hast du rasch das Wort. Das zweite Wort ist schön. Damit kann man viel sehn. Für manchen ists 'ne Qual — — Doch lies es jetzt als Zahl! Das dritte ist der Herrschaft Zeichen. Läßt du die Vokale weichen, Ist es — mit andern — schon verwandelt. Worum es sich beim Ganzen handelt? Ach, bau ein Häuslein noch vor's Dritte, Dann feiere es nach alter Sitte! Magisches hebräisch. QuadraträtseL __l. | | f ^ie Wörter sind in )(I | die Quadrate so hinein- | I zusetzen, daß sie wage- 1 I I recht wie senkrecht gleich ' l_ , I lauten: Die Bedeutung der Wörter ist folgende : 1) Buch, 2) Blume, 3) Waschen. " ' 2- | Anfang wie oben - . , U Die Bedeutung d. Wörter ' . ist folgende: 1) Lokomotive, 2) „bevor", 3) Die ..248 Gebote" der Tauro, die wir befolgen sollen. Anfang wie oben . . . Die Bedeutung d- Wörter ist folgende: 1) Ein Edelmetall, 2) Preisgesang, 3). Verwirren.

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