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Der Israelit · 1934-01-25 · Heft 4 (25.1.1934) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 4 (25.1.1934)
Date
1934-01-25
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Nr. 4 Der Israelit 25. Januar 1934 sehen Büros zur Ansiedlung deutscher Juden, Dr. Arthur Ruppin, mit, daß bisher fast 8000 deutsche. Juden nach Palästina gekommen sind. Für die Kolanisierung deutscher Juden stehen außer den von den Einwanderern mitgebrachten Investierungssummen der Ansiedlungsabteilung 125.000 Pfund zur Verfügung. Dr. Ruppin erörterte vor den Pressevertretern ausführlich die von seiner Abteilung entworfenen Pläne zur Ansiedlung deutscher Juden auf dem Lande. Arbeitskonflikt in Haifa. Jerusalem, 16. Jan. Der Konflikt zwischen Revisionisten und Arbeiterparteilern in Haifa dauert seit einigen Tagen und hat seine Ursache darin, daß eine revisionistische Baufirma sich weigerte, ein von 32 jüdischen Unternehmern in Haifa unterzeichnetes Arbeitsabkommen mit zu unterfertigen. Dem von der Histadruth proklamierten Streik in dem Unternehmen dieser Firma schlössen sich die Revisionisten nicht an, sondern erklärten, sie hätten ausschließlichen Anspruch auf diese Arbeit und hätten nur fünf Histadruth-Leuten erlaubt, offene Arbeitsstellen zu besetzen. Die Revisionisten zogen Verstärkungen von außen heran und demonstrierten in der Hauptstraße von Hadar Hakarmel. Dabei kam es zu Zusammenstößen mit Arbeiterparteilern, wobei Adv. Meyerowitsch verwundet wurde. Es folgten mehrere weitere Zusammenstöße, namentlich mit Streikposten der Histadruth, wobei 58 Verhaftungen vorgenommen wurden. Sämtliche Unternehmer in Haifa unterzeichneten eine Protesterklärung gegen die revisionistische Firma. Waad Leumi vermittelt im Konflikt. Die Churwa-Synagoge. Jerusalem, 10. Jan. Als die offizielle Hauptsynagoge in Jerusalem gilt die Churwa-Synagoge im jüdischen Teil der Altstadt Ihre Geschichte ist interessant. Die Juden in Jerusalem waren lange Zeit fast ausschließlich Sefardim, d. h, orientalische Juden. In den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts hatten sich aber die Aschkenasim aus Mitteleuropa bereits so vermehrt, daß sie daran denken konnten, eine eigene Synagoge zu errichten. Einen geeigneten Bauplatz hatten sie nahe dem Terrain des einstmaligen heiligen Tempels und der jetzigen Omarmoschee. Ohne besondere Erlaubnis der Regierung in Konstantinopel durften jedoch keine Bauten errichtet werden, und diese Erlaubnis war trotz Geldopfer nicht zu erreichen. Da kam Ende Tischri 1855 der englische Gesandte in Konstantinopel, Lord Naphir, nach Jerusalem. Er besuchte auch einen G'ttesdienst zu Ehren Englands in der sefardischen Synagoge „Rabbi Jehuda-hechassid". Bei dieser Gelegenheit fiel ihm der wüste, des-, halb Churwa(-Ruine) genannt, Platz auf. Als er hörte, daß die Bauerlaubnis für eine Synagoge nicht erlangt wurde, setzte er beim Sultan die Erlaubnis durch. Sir Moses Montefiore, der um diese Zeit gerade sich in Konstantinopel aufhielt, nahm das Dokument des Sultans nach Jerusalem mit. Die Familie Sassor'. in Kalkutta spendete 3400 Goldstücke für den Bau. Außerdem flössen aus allen Teilen der Welt Spenden. Der Bau wurde von einem Regierungsarchitekten unternommen. Er stellt architektonisch eine hervorragende Leistung dar. Ganz in weißem Sandstein ausgeführt, hat er eine Höhe von 45 Ellen. Die Decke hat die Form einer Halbkugel und liegt ohne Säulen nur auf den Wänden. Der Fußboden ist aus Marmor. Der Bau wurde 1864 beendet. Die heilige Lade, ein in Rußland gearbeitetes Holzschnitzwerk — sie stand vorher 12 Jahre in Cherson in der Synagoge — erreicht eine Höhe von 25 Ellen. Das Dach gewährt den Blick auf die Stätte unseres einstigen heiligen Tempels. Es besteht der Brauch, jeden Jomtow auf das Dach zu steigen und dort die n^sn: "irKon •>itmv z'u sagen. Der prächtige Bau kommt nach außen nicht zur Wirkung. Alte, häßliche Häuser halten ihn in Umklammerung. Am Jaffator vorbei und dann durch enge Bazare durchschreitet man in der gleichfalls engen Jüdischen Straße einen niedrigen Hausbogen und steht dann gleich vor dem Aufgang zur Synagoge. Bedeutet diese Unmöglichkeit, sich frei auszustrecken, nicht noch Galuth? S. G. Regen in Palästina, Tel-Awiw, 10. Jan. Der seit Wochen ersehnte Regen ist endlich in Fülle eingetroffen. Seit fünf Tagen regnet es mit kurzen Unterbrechungen. Wirtschaftlicher Aufstieg in Palästina. Tel-Awiw, 21. Jan. Die industrielle Entwicklung der Stadt. Tel-Awiw hat im Jahre 1933 einen bedeutenden Aufschwung genommen. Es wurden im Gebiet der Stadt und ihrer Nachbarschaft in diesem Jahre 63 neue Fabrikations- . betriebe mit einem Grundkapital von über 100.000 Pfund errichtet. Davon entfallen auf die Textilindustrie 13 Betriebe, und zwar 11 in Tel-Awiw selbst und 2 in Ramat Gan, mit einem Kapital von über 25.000 Pfund. 20.000 Pfund wurden in. 17 Metallverarbeitungsbetrieben investiert, der ungefähr gleiche Betrag in chemischen Betrieben. Neugegründet wurden ferner neun Fabriken für Baumaterial mit einem Kapital von über 12.000 Pfund. 4500 Pfund wurden in Papier- und Druckereiwerkstätten investiert, 4000 Pfund in drei Holzverarbeitungswerkstätten. Ferner wurden neun Fabriken für verschiedene Arten von Baumwoll- und Schnittwaren mit einem Kapital von 14000 Pfund eröffnet. Durchschnittlich entfiel auf jeden Betrieb ein Grundkapital von 1700 Pfund. Die Mindestinvestie- ■ rungssumme betrug 500, die. Höchstsumme 8000 Pfund. Das tatsächliche Betriebskapital war bedeutend höher als das Gründungskapital. Von den 63 Neugründungen haben 61 Betriebe ihre Produkte bereits auf den Markt gebracht. * * Wie der ITA. aus Industriekreisen mitgeteilt wird, sind in den letzten sechs Monaten über 100 neue Fabriken und Werkstätten eröffnet worden. 35 weitere große Betriebe stehen vor der Vollendung. Zu den Erzeugnissen, die binnen kurzem von den neuen Unternehmungen auf den Markt gebracht werden sollen, gehören Bier, Eisenwaren, Textilien und Fertigkleidung. Es wird erwartet, daß tausende jüdische Arbeiter in den neuen Unternehmungen Beschäftigung finden werden. Der Citrusexport aus Palästina hat in dieser Saison bis zum 7. Januar die Höhe von 1.603.372 Kisten erreicht. Der Hauptteil des Exports betraf Apfelsinen. Außredem wurden 115.500 Kisten Grape Früits und 13.200 Kisten Zitronen verladen. In einer einzigen Woche, vom 30. Dezember bis zum 6. Januar, wurde über eine Viertel Million Kisten exportiert. Der Hauptteil des Exports ging über den Hafen Jaffa. Aus- England wird berichtet, daß die Januarsendungen auf dem dortigen Markt bessere Preise erzielen konnten. Eine zu. gleichen Teilen aus jüdischen und arabischen Teilhabern bestehende Autobusgesellschaft eröffnet demnächst einen direkten Verkehr zwischen Jerusalem, Tel-Awiw und Beirut. Durch die Eröffnung der neuen Linie werden die Kosten des Personenverkehrs zwischen Beirut und Jerusalem um über 50 Proz. gesenkt. Statt wie bisher ein Pfund wird die Reise nur noch neun Schilling kosten. * Die Tageszeitung „Doar Hayom" erfährt, daß die Jewish Agency mit der Bank Zerubabel, dem zentralen Finanzinstrument der jüdischen Kreditkoope-. rativen Palästinas, und mitder Bank des Industriellenverbandes in Tel-Awiw eine Vereinbarung gef troffen hat, dahingehend, daß besondere Mittel zur Gewährung von Aufbaukrediten an deutsch-jüdische Einwanderer zur Verfügung gestellt werden. Kredite werden nur zum Zwecke der Errichtung neuer Fabriken und Werkstätten, gegeben. Für ihre Rückzahlung wurden günstige Bedingungen festgesetzt. Vermischtes. Hannover, 10. Jan. Ueber die Lage in Palästina sprach am 10. Januar im überfüllten Saale der Aula des Gemeindehauses Herr Dr. Leo Deutschländer, Wien. Nach einem einleitenden .'Gesang des Kinderchores f begrüßte; der/: Vorsitzende j der Ägudas Jisroel, Hannover, Herr. Julius .Löbensteint' die Erschienenen. Herr, Dr.' Deutschländer führte u. a. aus: Nur wenn Palästina dem; ganzen jüdischen.. Volk, gehört, nicht einer Partei, kann es seine Aufgabe erfüllen. Wenn man'mit der Bibel in der Hand die Stätten betritt, so wird alles wieder lebendige- Gegenwart. " Aber." nur,' wenn man das Alte mit dem Neuen verbindet, kann uns Erlösung werden. Was sind uns diese Stätten gegenüber auch den erhabensten Schönheiten der antiken Kultur! Wir brauchen keine Reisebücher; denn in Jerusalem und all den anderen historischen Stätten spricht zu uns, was. seit je Schmuck und .Zierde unseres Volkes ist,, die reiche jüdische" Geschichte. Und dann gibt der Redner einen begeisterten und begeisternden Bericht von seiner Reise und all dem, was~ er sehen durfte. Nun kommt er zu wirtschaftlichen;Dingen.. Welche Faktoren haben das Erez Jisroel geschaffen; Zahlen: Von 9 Millionen Dunam ist eine Million jüdischer Bodenbesitz geworden. Am Bodenerwerb müsse jeder Anteil haben, er dürfe nicht Alleinrecht oder Alleinbesitz einer Partei sein. .Die Arbeit der Zionistischen Organisation auf dem Gebiet des- Boderika'ufs müsse von Freund und . Gegner anerkannt werden^ Man solle auch nicht vergessen, daß ein einziger die doppelte Anzahl erworben habe, ,,der Baron",, durch die von ihm ins Leben .gerufene Organisation. Aber hier sei noch viel zu tun, drum müsse jede Gemeinde in ihrem Budget einen Posten für Erez Jisroel haben.' Redher schilderte dann die wirtschaftlichen: Zukunftsaussichten des Landes. Er bewunderte den Mut der Siedler und den Unternehmungsgeist der Industriellen. Man dürfe aber über den Aufbau nicht die Frage der Erziehung vergessen. Der Schabbos müsse dort wieder zu seinem Recht kommen, er dürfe nicht mit wilden politischen Debatten verbracht werden. Die Kinder müßten so erzogen werden, daß das National-Kulturelle in den Vordergrund trete. Auch beim Arbeiter müsse ■■ das religiöse und geistige Fundament neu gestaltet werden. Alles müsse zur Rettung des Schulwerks getan „ werden. Wenn das in ihm wurzelnde Gesetz zur Durchführung komme, so sei das die wahre Eroberung des Landes. Diesem Ziele solle uns nicht die Not des Tages näherbringen, sondern der Sieg der Ewigkeit. — Mit großem Beifall wurden die Ausführungen Dr. Deutschländers aufgenommen. In der Aussprache unterstrich Herr Landrabbiner Dr. Freund einige Punkte des Referats. Mit einem Gesang des Chors schloß der eindrucksvolle Abend. - Aschaffenburg, 20. Jan. Am 16. Januar sprach in der gutbesuchten Synagogn anläßlich des 2. Jahrzeittages für Bezirksrabbiner Dr. Raphael Breuer b'tit auf Einladung der Kultusverwaltung der langjährige Freund und Weggefährte des Verstorbenen, Rabbiner Dr. Pinchas Röhn, Ansbach über das Thma „Ein Gang durch die jüdische Geschichte." Der Redner beschäftigte sich in seinem Vortrag mit dem Verhältnis zwischen Judentum und Umwelt in der Geschichte. Er wies auf, daß dieses Verhältnis stets durch zwei entgegengesetzte Pole bestimmt war; entweder die Welt warb um das Judentum, oder sie wies es zurück. Ein Drittes, ein gleichgültiges Verhalten habe es nie gegeben. Durch Beispiele, schon aus der ältesten jüdischen Historie belegte Rabbiner Dr. Kohn seine Auffassung, wie auch die Behauptung, daß. das Judentum sich nicht in den Zeiten, in denen die Welt lockte, sondern im Gegenteil gerade dann, wenn sie es zurückstieß, wahrhaft stark und 'gefestigt erwiesen habe. Diese Tätsache Heß den : Redner zum Schluß auch gläubig die Wahrheit der Worte: „Laßt uns Optimisten sein" anerkennen, mit denen Rabbiner Dr. Breuer eine seiner letzten Predigten geschlossen hatte und an die Dr. Pinchas Kohn bereits zu Beginn"' seiner Darlegungen angeknüpft hatte; Dankbar für die trefflichen, klar aufgebauten Ausführungen verließen die Zuhörer das G'tteshaus. Bezirksrabbiner Dr.v Blochhatte den Abend' mit Erinnerungsworten für seinen Amtsvorgänger eingeleitet, Kantor Seif ihn mit einem El mole rachamim beschlossen. Montreux, 19. Jan. Der Leiter der Jeschiwoh hielt einen tiefbewegten Hseped auf die zwei Größen des Judentums,, die nach Chofez Chajim im besten Mannesalter , abberufen wurden: den Lubliner Raw, Rabbi Meier Schapiro und Rabbi Mosche Mordechai Epstein. Nach genauer Schilderung des Lubliner Raw (in diesen Blättern bekannt), kam er auf den Gaon der Gaonim, den Lehrer der Rabbiner, Rabbi Epstein, zu sprechen. Still und zurückgezogen, dem politischen Leben abho'ld, widmete sich Rabbi Mordechai Epstein seinem Lebenswerke, der großen Jeschiwoh in Slobadka. So wurde er der Lehrer fast sämtlicher in Litauen und Amerika lebenden Rabbiner. Wohl mehrere tausend Rabbiner dürfte der gewaltige Erzieher in seiner 40jährigen Wirksamkeit belehrt haben, und sein Standardwerk „Lewusch Mordechai" wird in jeder . Jeschiwoh eifrig gelernt. Schwere Schicksalsschläge verfinsterten das Leben des großen Rabbi. Der Tod nahm ihm seinen berühmten Kollegen,: „den •. Alten", und seinen großen Schwiegersohn, Rabbi Finkel s. A. Redner schilderte dann die Tragödie von Hebron. Ergreifende Mussarworte schlössen die Hespedreden ab.

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