Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 4 (25.1.1934)
- Date
- 1934-01-25
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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25^ Januar 1934 D e r; : I s r a e I i t Nr. 4 Seite 7 führte der Berichterstatter Abg. Stronski übecldie Berücksichtigung -der Belange., der; jüdischen :Religion seitens "der , Regierung u. a. aus: Die Regierung, hat eine Wahlordnung für die jüdischen Gemeinden' und Rabbinatei ferner Verordnungen über die. Finanzwirtschaft und den Budgetaufbau der jüdischen Gemeinden erlassen, wodurch eine Durchführung der Gemeindewahlen in den Ost- und Südprovinzen möglich geworden ist. Auch die Vorschriften betreffend Anstellung von Rabbinern sind fertiggestellt. Der riesige Komplex, von Angelegenheiten, die mit der normalen Entwicklung der jüdischen Gemeinden zusammenhängen, ist juristisch in dem Gesetz vom Oktober.-• 1927 betreffend die Organisation des jüdischen Religiösen- Lebens ausgearbeitet--und bereits . im ganzen Reiche in Geltung. "' ,. >■■■'■< •..: ' , Ministerpräsident Jedrzejeyicz sprach als Minister für Volksbildung und Kulte von der Notwendigkeit, die Psychologie der Jugend zu ändern und bei derselben ein Gefühl solidarischer Verantwortlichkeit ' für dem ' Staat zu wecken. Die Regierung, die nach den unerhörten "Unruhen.an . der Warschauer Universität diese kurzweg geschlossen hat, wird auch in Zukunft nicht wanken, wo . es um die Erhaltung der Ordnung; gehen wird. Bei Besprechung der Beziehung der Regierung zu den einzelnen Konfessionen sagte der Ministerpräsident, die Regierung widme ihre ständige reale Sorge der Schaffung eines gesetzgeberischen Rahmens für die jüdische Religion, damit die jüdische Bevölkerung ihre; religiösen Bedürfnisse auf breitester Grundlage'befriedigen könne. Es sprach ' dann Abg. Sommerstein im Namen des Jüdischen Klubs, (ITA.) Frankreich:" Jüdisch-soziale Hilisarbeit in Frankreich. . Paris, 19. Jan. Die ostjüdischeh Gemeinden Frankreichs hielten in Paris eine Delegiertenkonferenz ab, in der beschlossen .wurde, einen Appell an alle in Frankreich lebenden Ostjuden zur Aufbringung von mindestens einer Million Francs für Hilfe an die deutschen Juden zu richten. Baron Robert de Rothschild unterstützte als Gastredner diesen Appell und teilte mit, daß die französischen Juden bis heute neun Millionen.. Francs für Hilfe an die deutsch-jüdischen Emigranten aufgebracht haben. Er tadelte mit schaffen Worten jene reichen Emigranten, die sich ihren notleidenden Brüdern gegenüber gleichgültig verhalten, fügte aber hinzu, er könne mit Genugtuung mitteilen, daß sich bereits eine Gruppe bemittelter deutscher Juden gebildet hat, die sich die Unterstützung armer Landsleute zum Ziel gesetzt hat. Nach Rothschild sprachen der Präsident der russisch-jüdischen Gemeinde von Paris, Baron Alfred Guntzböürg, J. Jeffroykin u. a. m. England. Aus der Tätigkeit der englischen Agudas Jisroel. ..-London, 10. Jan, In den letzten Monaten* entwickelt: die englische Agudas Jisroel: eine lebhafte Tätigkeit. Nachdem das auf der Anfangs November 1933 stattgefundenen Jahreskonferenz gewählte Komitee seine Arbeit mit Energie aufgenommen hat, darf man hoffen, daß sich recht bald der Erfolg bemerkbar machen wird. Zur Zeit wird eine sehr großzügig durchzuführende Propaganda-Aktion des Keren-Hataurph in-Angriff genommen. Man hat beschlossen, im ganzen Lande einen von den meisten englischen Rabbonim unterschriebe-?; nen Aufruf,zu verbreiten, in dem auf die großen Ziele des Keren;Hataurph hingewiesen wird, ferner en den . großen jüdische^ Zentren wie. Manchester,:, Liverpool, Glasgow usw. . Versammlungen zu veranstalten,'. um die englische Judenb,eit mit den großen heiligen Aufgaben des Keren Hatauroh, vertraut zu. machen. Die;. Propaganda-Aktion steht unter der Leitung des Chair- . man des Keren HataurohrKpmitees Rabbi TwerskY. : Durch einen mit der .Jiagle Star Insurance Company" abgeschlossenen Vertrag hat diese große Ver- ., sicherungsgseeilschaft eine separate Filiale unter dem Namen „Keren Hatorah" erofnet, die sich mit der Bearbeitung der jüdischen Kundschaft befaßt. Verbunden mit dem Büro der „Eagle Star" ist auch das Büro der Agudas Jisroel, das in der letzten Zeit eine sehr,, lebhafte- Tätigkeit, entwickelt. Außer den vorkommenden, lauf enden/Aufgaben wird dieses. Büro von. den verschiedensten-■ Kreisen der jüdischen i Bevölkerung, ^insbesondere der polnischen! häufig in Anspruch genommen.; Auch, unseren' hier sich aufhaltenden! deutschen Freunden steht das Büro mit Rat und Tat zur Seite,-sowohl in; Bezug auf | Zertifikate als auch in anderen aus ihrem hiesigen Aufenthalt sich ergebenden Fragen. Das unter Leitung von Rabbi Dr. Münk stehende E r e z. J i s r o e I - K o m.i t e e hat ebenfalls die Propaganda zugunsten des Keren H a j i s c h u w jetzt mit, Tatkraft: auf genommen, und'wird darüber später noch ausführlich, zu berichten sein. Die Woche. Berlin. Der ITA. wird geschrieben, daß zu■'• den 'Organisationen, die die Jüdische ■ Buch Bereinigung gegründet haben, nun auch die Jüdische Gemeinde , Berlin hinzugetreten ist. — Dr. Alfred Klee würde von der Repräsentantenversammlüng einstimmig zum Vorstandsmitglied;; der Berliner Jüdischen Gemeinde gewählt.: Paris. In der Nähe von Paris wurde ein Heim für junge Juden aus Deutschland eröffnet, in dem sie sich für die spätere Niederlassung in Palästina oder Argentinien landwirtschaftlich ausbilden. Die Eröffnungs- . anspräche /■ hielt; der ehemalige >. Minister Justin Bodard. — Am 18. Januar nachts sind die ersten 70 in Frankreich ausgebildeten deutsch-jüdischen Chaluz'im nach Palästina abgereist, wo sie . sich in die Arbeitsfront einreihen werden, um dann später zum größeren Teil auch als Kolonisten seßhaft zu werden. Das französische Komitee zur Unterstützung deutschjüdischer Emigranten, das für die Ausbildung der Chaluzim gesorgt hat, veranstaltete einen Abschiedsäbend für die jungen Palästinafahrer. Warschau. Zwei Revisionisten wurde wegen Angriffs auf das Gebäude der englischen Gesandtschaft zu je sechs Monaten Gefängnis verurteilt. — Drei junge Nationaldemokraten wurden wegen Verbreitung von Flugblättern mit dem Aufruf zum Judenboykott zu Gefängnisstrafen von acht Monaten bis zu einem Jahr verurteilt. In Lodz wurden junge Burschen, die jüdische Passanten überfielen, zu Gefängnisstrafen bis zu zwei Monaten verurteilt. Jerusalem. Der bekannte Juden- und Palästinafreund Abg. . Colonel Josia Wedgwood weilt zur Zeit in Palästina und ist Gegenstand vielfacher Ehrungen. Er sprach sich voller Bewunderung über das Aufbauwerk in Palästina aus. Tel-Awiw. Der zweite Histadruth - Kongreß, der eben in Tel-Awiw zu Ende ging, nahm u. a. Beschlüsse an gegen Einwanderungsbeschränkung und Aufbauhemmüng und für jüdisch-arabische Verständigung und Arbeitssolidarität. „Die ganze Arbeit der Agudas Jisroel wird geleitet., Von Mr. H. A. Goodman,, der seine ganze Kraft unermüdlich in den Dienst unserer Agudoh stellt und ihr. trotz seiner mannigfaltigen anderen Aufgaben im Interesse des Klall-Jisroel, Tag für Tag und. Woche für .' Woche einen großen Teil seiner Zeit gewidmet. Auch die Arbeit in der Zeire Agudas Jisroel --Noar Agudosi, ist seit den letzten Wochen wieder aufgenommen worden. Z. Zt. bestehen hier zwei Abteilungen der Aguda-Jugend, je eine im Osten tind im Norden Londons. Es finden in beiden Gruppen einmal : wöchentlich geschlossene Arbeitsgemeinschaften; statt, während :alle drei Wochen beide Gruppen, gemeinsam: - sich zu einem Vortrag zusammenfinden. Die Leitung der Zeire Agudas Jisroel besteht aus den Herren Rabbi R a p p a p ö r t und Albert Löwe m-< ' thal. ' ■ ' - Hinter den Kulissen der Baliourdeklaration. ...;i. L o n d o n , '18. Jan.! Professor. Temp re l li machte -in einem politi— sehen Vortrag Mitteilungen zur Entstehungsgeschichte: der B a 1 f o u r d e k l a r a t i o n ,'die in der englischen1 Oeffentlichkeit eine-gewisse Sensation hervorriefen.: Es ging im englischen Ministerium der Deklaration ein schwerer Kampf voraus, in dem sich besonders ein jüdisches Mitglied der Regierung mit aller Kraft gegen die zionistische Tendenz einsetzte- Andere machten geltend, daß das Klima, in Palästina — es war damals eine Zeit der Dürre---, eine landwirt- . schaftliche Entfaltung des Landes ausschließe. Ein glühender Freund des Mandates war Lloyd George, der Weizmann die Dienste, die .er ihmals Chemiker im Kriege geleistet hatte, nicht vergessen konnte. Als er Weizmann hohe Orden anbot, . erwiderte dieser: „Nichts für mich, aber eine Kleinigkeit für mein Volk!" Das nahm Lloyd George ganz für Weizmann; und die Zionisten ein. Ebenfalls iür die zionistischen Wünsche traten Lord Miliner, Lord Robert G e c i 1 und zuletzt auch Balfour ein. Dann, aber setzte scharfe Oppostion .von anderer Seite ein. Das Indien-Amt .und die englische Verwaltung in Indien stellten die kategorische. Forderung auf, den Arabern nicht nur in Indien und im Irak, sondern auch in Palästina alle denkbaren Konzessionen zu machen und sie nicht durch Begünstigung der Juden zu verärgern. Nach langem Kampfe setzten sich aber die von vielen Regierungsmitgliedern geltend gemachten Rücksichten] auf die öffentliche Meinung . und auf die Freundschaft des neutralen Europa durch. Solche Rücksichten waren damals entscheidende Und so. konnte am 2. November 1917 Lord Balfour den bekannten Brief an Baron Rothschild absenden, worin er ihm den Willen der britischen Regierung zur Errichtung ei'hes jüdischen Nationalheimes in Palästina kundtat. ... Griechenland. Die Salonikier Juden betrachten sich nicht als Minderheit. Athen, 21. Jan. Im Verlauf einer im griechischen Oberhause (Senat) stattgefundenen Aussprache wurde auch der Status, der Juden von Saloniki, erörtert. Der in Saloniki gewählte jiddische Senator. S c i a k i gab im Verlauf der Debatte folgende Erklärung ab: „Die Juden Salonikis betrachten sich nicht als Minderheit. Dies geht daraus hervor, daß sie wiederholt von den früheren Regierungen .durch Delegationen, Gesuche und Proteste die Aufhebung der besonderen jüdischen Wahlkurie, einer sie von der übrigen Bevölkerung unterscheidenden Institution, gefordert haben. In dieser Unterscheidung erblickten sie eine Beleidigung ihrer 'Eigenschaft als gleichberechtigte Bürger. Unsere Forderung, diese Einrichtung aufzuheben, hatte den klaren Sinn, daß wir nicht als Minderheit betrachtet zu werden wünschen. Wir wollen griechische Bürger sein und von den Regierungen als solche betrachtet werden. Wir Juden erklären, daß es Minderheitenrechte gibt, die wir nicht in Anspruch nehmen wollen," Palästina, Misrachi zieht seine Vertreter aus der vereinigten politischen Kommission des Waad Leumi zurück. ''■'•■:■< Jerusalem, 21, Jan. Auf der letzten Sitzung der Exekutive des Misrachi-Weltverbandes wurde najifr Entgegennahme von Berichten Rabbi:. Meir Berlins und H. 'Farbsteins über die ersten Beratungen des vom Waad Leumi geschaffenen außerordentlichen politischen Komitees des Jischuw beschlossen, zu den weiteren Sitzungen dieses Komitees solange keine Vertreter mehr zu entsenden, als nicht die Beteiligung aller Parteien der palästinensischen Judenheit an der Korn-- mission zugestanden und dieser das Recht, endgültige Entscheidungen zu treffen, eingeräumt werden würde. Bisher nur .8000 deutsche Juden in Palästina. : .!•»,; „Jerusalem,.).15. Jan. Die Exekutiveder Jewish Agency teilt :lmxt, daß 4ie Zahl der auf legalem Wege im Jahre* 1933 nach Palästina gekommenen,, jüdischen Einwanderer i.auf Grund: der bis Ende November vorliegenden offizielt len; Statistik, und zuverlässiger Schätzungen für Dezember, mit 30,000 angenommen werden kann.,Touristen, die ohne Erlangung einer Aufenthaltserlaubnis in Palästinatgeblieben;sindf'sind in,dieser Zahl nicht inbegriffen. In einer Pressebesprechung teilte der Vorsitzende der Palästina-Exekutive und Leiter des palästinensir