Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 4 (25.1.1934)
- Date
- 1934-01-25
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Nr. 4 Der .Israelit 25. Januar 1934'* Geist und den Ideen des überlieferten Judentums gestalten. Wir begnügen uns nicht mit einigen nachträglichen Hinweisen auf den allgemein sozialen Charakter der Thora. Ueberhaupt ist uns das Wesentlichste und das Zentrum allen Denkens die Thora und die Beziehung zu G'tt. Deshalb fühlen 'wir uns so stark verbunden mit den Massen der Thoratreuen und besonders der großen Mehrzahl der Rabbanim und auch — trotz aller Unterschiede — mit dem Alten Jischuw. Dieser ganze Ideenkomplex, in dem wir uns beileibe nicht von allen Misrachisten, aber leider von einigen offiziellen Wortführern des Misrachi unterscheiden, wird von uns als sehr wesentlich angesehen und Herr Dr. Leibowitz hatte nicht das Recht, darüber hinwegzusehen. Wir sprechen dabei von der Bereitstellung des ganzen, geistigen Menschen für die Thora, . von der Totalität der Weltanschauung der Thora. Wenn wir weiterhin von der Totalität der Thora im jüdischen Volk sprechen, so dient uns dies nicht allein dazu; unsere Verantwortung für die Teschuwah der abgefallenen Juden auszusprechen und gegebenenfalls aus diesem Grunde ein Zusammengehen, mit ihnen, zu rechtfertigen, sondern wir sind auch gewillt, das Opfer der Isolierung auf uns zu nehmen, wenn das Zusammengehen mit. den Th»trauntreuen nicht nur ein bloßes Zusammengehen, sondern zugleich eine Leugnung der alle, Juden verpflichtenden Gesetzeskraft der Thora ist. , Ebenso haben wir. nicht etwa deshalb so stark die Notwendigkeit betont, daß der ganze. Bereich des jüdischen Lebens, in dem unsere Thoratreuen in Erez; Jisrael leben, thoragemäß sein soll, um nun das Volksleben in Erez Jisrael so zu nehmen, wie es durch den Zionismus ist, also unthoragemäß. Wir sind bereit, gerade aus der Erkenntnis, daß die Thora, sobald das jüdische Leben ein Volksleben ist; Herrschaft über die ganze Weite dieses Lebens fordert, die neue notwendige Iso lierung, wie sie im Plan des Pritten Jischuw zum Ausdruck kommt;" auf uns zu nehmen. Wir finden, daß die rechte. Konsequenz aus der Idee der Totalität, der Thora im Volks leben, die Herr Dr. Leibowitz als seine Idee proklamiert, ganz und gar nicht der misrachistische Weg der vollen Teilnahme am Volksleben des zionistischen neuen Jischuw ist. Im Uebrigeh sind wir der festen Ueberzeugung, daß die Erkenntnis der Wahrheit und die unerbittliche Ziehung der praktischen, Folgerungen aus den gewonnenen Erkenntnissen, mögen sie uns noch so schwere Opfer auferlegen, sich allen erstarrten Denkformen und allen bequemen Konsequenzen zum Trotz durchsetzen wird. Agudas Jisroel hat bewiesen, daß sie nicht .erstarrt ist, daß. sie beweglich genug ist, in der heutigen Situation das zu tun, was die Thora von uns heute fordert. Agudas Jisroel gibt dem Noar Agudati eine Chance. Wir wissen, daß es, auf Seiten des Misrachi,Menschen genug gibt, die ebenso beweglich sind, die Fehler des bisherigen misrachistischen Weges einzusehen und der Wahrheit die Ehre zu geben. Die aus der Unterwerfung unter den dreifachen Anspruch der Thora auf den Geist, des Einzelmenschen, auf das jüdische Volk und auf das Leben des jüdischen Volkes geborene Idee des Jischuw Hasphlischi, des Volkslebens der Thora auf dem Boden von Erez Jisrael wird das gemeinsame Ziel sein, das alle wahrhaft thoratreuen und g'ttesfürchtigen Juden in Frieden und ganzer Kraft und mit Vertrauen auf die Hilfe des Himmels, zu erreichen streben werden. ' F. L. £p m Korrespondenzen. Deutsches Reich. Der Mut zur Umkehr Berlin, 19. Jan. Im überfüllten großen Saal des Musikervereinshauses zu Berlin fand am 17. Januar eine von der Berliner Ortsgruppe der Unabhängigen Misrachi- Organisation.Deutschlands einberufene Kundgebung statt, auf der das Vorstandsmitglied der Reichsvertretung der deutschen Juden, Rabbiner Dr. Jakob Hoffni-änn, Frankfurt,a. M., und Professor Hermann Pick, Berlin das Thema „Der Mut zur Umkehr" . behandelten. Rabbiner Dr. Jakob Hoffmann sagte u. a.: Der Thora-Vers: „Ihr sollt mir heilig sein, denn heilig bin-ich, der Ewige, Euer G'tt, und ich sondere Euch ab von den Völkern, mein zu sein" zeigte die Seinsgrundlage und geschichtliche Aufgabe des jüdischen Volkes auf. Die Gebundenheit an G'tt sei die Seinsgrundlage des jüdischen Volkes. Die deutschen Juden, erklärte er, tragen mit Ernst und Würde, was ihnen auferlegt ist, aber die Auswirkungen auf die Lebensgestaltung fehlen. Die Ansätze zu einer Rückkehr zum'Judentum sind schwach. Die Teschuwah, die wirkliche Neuorientierung, fehlt. Es fehlt der Mut zur Umkehr. Schließlich wandte sich Rabbiner Dr. Hoffmann gegen einen in dem Buche von Dr. Prinz „Wir Juden" enthaltenen Satz: „Wir'wissen, daß auch ihiml'f Menschen nach drüben gehen werden, die mit sich die Riten und Zeremonien tragen wollen. Die Jugend aber wird selbstverständlich . . . den Weg der freien Religiosität gehen." Dr. Hoffmann wies auf den Widerspruch hin, der darin liegt, daß Rabbiner Dr. Prinz in anderem Zusammenhang die große volkserhaltende Bedeutung des jüdischen Gesetzes betont und es ihm zugeschrieben hat, daß sich das Judentum bis heute erhalfen* konnte, während die freie Religiosität zu den jetzigen Zuständen geführt habe. Wie könne in Erez Israel ein Judentum geschaffen werden durch einen Schritt, der in allen anderen Ländern aus dem Judentum herausgeführt hat. Wir. brauchen, schloß Dr. Hoff mann, jüdische Menschen, die den Mut zur Umkehr haben, und solche Menschen sind insbesondere aus Deutschland zu erhoffen. Aus Deutschland kommt die Jugend, die die Früchte der Assimilation gesehen hat, die Folgen mangelnder jüdischer Kultur. Sie soll den Mut zur Umkehr haben. Der junge Mensch soll Mut und Konsequenz zeigen, dann wird erfüllt werden, was Misrachi in seinem Programm fordert: Erez Israel l'Am Israel al pi Torat Israel. Das Mitglied der Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde Berlin, Professor Hermann Pick, nahm zu Fragen Stellung, die die Situation in Deutschland und in der Gemeinde betreffen. Auch hier müsse der Mut zur Umkehr vorhanden sein. Insbesondere die Frage der jüdischen Schule erfordere den vollen Einsatz jüdischer Menschen. Schließlich richtete der Redner an die . Versammlung, den Appell, durch Bei-,, tritt zur Organisation des gesetzestreuen Zionismus dessen Werk in Palästina zu fördern.1 1 Beschäftigung zur Rechtsanwaltschaft, nicht zugelassener Rechtskundiger in Anwaltbüros unzulässig. :— Richtlinien der Reichsrechtsanwaltskammer. Berlin, 16. Jan. Das Präsidium der Reichsrechtsanwaltskammer hat folgende ergänzende Richtlinien über den Verkehr mit Rechtsanwälten, deren Zulassung zurückgenom-■ men ist, beschlossen: ■ •■.-.< \>< 1. Unzulässig ist jede irgendwie geartete berufliche Verbindung mit einem Rechtskundigen,: dessen Zulas-r: sung zur Rechtsanwaltschaft versagt oder zurückgenommen ist, oder dessen Zulassung nichtarische-Abstammung oder kommunistische Betätigung entgegen-. steht. Als berufliche Verbindung gilt auch eine Bürogemeinschaft sowie ein Mietverhältnis über Büroräume, welche mit Büroräumen, des nicht zugelassenen Rechtskundigen räumlich zusammenhängen. Als berufliche Verbindung gilt ferner die Anstellung, oder Beschäftigung eines Rechtskundigen als Hilfsarbeiter oder Angestellten. Hierunter fällt nicht eine ahwaltliche Tätigkeit für den Rechtskundigen in dessen'eigenen Rechtsangelegenheiten. 2. Unzulässig ist jede Handlung, die einem Rechtsanwalt, gegen den ein Vertretungsverbot besteht, eine Umgehung dieses Verbots ermöglicht, •■ sowie:; die' Uebernahme und Führung von . Mandaten unter Be-v teiligUng des :mit dem Vertretungsverbot belegten An-' walts. . '•: : v '.. " . 3. Unzulässig ist die Eingehung einer'Sozietät oder-' Bürogemeinschaft zwischen . AnwältenK arischer undr nichtärischer Abstammung, sowie die Aufrechterhai-- tung einer Bürogemeinschaft oder einer nach dem 14. September 1930 begründeten Sozietät zwischen. Anwälten arischer und nichtarischer Abstammung. Die Vorstände der Anwaltskammer können im Einzelfall Ausnahmen gestatten. 4^ Unzulässig ist die Verwendung einer Bezeichnung;auf.den Schildern oder Briefköpfen; 1 die kenn-:' zeichnet, daß der betreffende . Anwalt . arischer oder* nichtarischer Abstammung ist (z. B. die Bezeichnung; „Deutscher!Anwalt"). ■ t'-r ... 'V Oesterreich. * Kein Staatsbeitrag für den jüdischen ,K.ultus . .in Oesterreich. .; .Wien,; 16. Jan. Im Budget der Bundesregierung für 1934 sind für den katholischen Kultus 14.545.000, fürden evangef lischen Kultus 566.800 Schilling eingesetzt,* 'für den jüdischen Kultus ist nichts bewilligt worden, obwohl die Regierung hierzu verfassungsgemäß und nach den Friedensverträgen verpflichtet ist. Die Wochenschrift „Die Stimme"- erinnert daran, daß zahlreiche Regierungen bisher der Wiener Kultusgemeinde' die Berücksichtigung ihrer Wünsche : im jeweils ' nächsten Budget zugesagt, nie aber das Versprechen eingehalten haben. Die Zeitung schreibt: Wir werden darauf beharren müssen, daß. auch unseren :Gemeinden eine Art Kongrua bewilligt wird, wie es schon heute beispielsweise in der Tschechoslowakei der Fall ist. Gewiß wird die' Kultusgemeinde darauf dringen, daß endlich in das Budget Oesterreichs neben den Ansätzen für den katholischen und protestantischen Ritus ein ausreichender Betrag für den jüdischen Ritus eingesetzt wird." Polen. Schulforderungen der Aguda in Polen. — Agudaführer beim Innenminister. Warschau, 12. Jan. Im Auftrag. des Zentralkomitees der Agudas Jisroel-Organisation in Polen haben die Abgeqrdneten Rabbiner Lewin und Minzberg beim Innenminister Pieracki vorgesprochen und ihm eine ausführliche Denkschrift übergeben, in der die Schwierigkeiten dargestellt sind, die auf Grund des neuen Schulgesetzes für das jüdische religiöse .Schulwesen und. die weitere Erhaltung der Chadarim und Religionsschulen sich ergeben, Minister Pieracki erklärte der . Abordnung, er werde, den Inhalt der Denkschrift studieren und den in ihr enthaltenen Forderungen v^ohlwöll'ende Aufmerksamkeit schenken." J Karäer wollen nach Palästina auswandern. 1 ' Warschau, 17. Jan. Im Warschauer Palästina-Amt der Zionistischen Organisation ist eine Abordnung w o 1 h y nischer JC a r ä e r unter Führung ihres Chachams erschienen, um die Zuteilung von Palästina-Einwanderungszertifikaten, Unterstützung bei der Errichtung von Ausbildungsstätten für Karäer-Chalüzim 'und deren Unterweisung in der hebräischen' Sprache zu erbittert. Die Mitglieder der Delegation, die infolge "ihrer großen Armut gezwungen wa'reni 'die Reise vön Wolhynien rjach Warschau zu1 Fuß zurückzulegen,' erklärten, es g!ebe ini Wolhynien einige hundert karäischer Landarbeiterfamrlien, die in größer Nbtfr'seieri' und" den Wunsch hatten; sich''.'in Palästina! rilederzulässenV Diec Leiter des Wärschauer Palästina-'Amtes' haben verr sprechen, die Bitte'der Karäer an die Exekutive' der Jewish A'gency' weiterzüleiteTV ^- '<- iW gesetziiehe Regelung der jüdisch-religiösen; V.„ ]. . "Vcriialtnis^.'""v" ,•''** W ä r s c h a u , 21. Jan. Während der Behandlung des Kultus- und Erziehungsbudgets in der, Budgetkommission des Sejm