Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1934-01-25 · Heft 4 (25.1.1934) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 4 (25.1.1934)
Date
1934-01-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2450807-2450811--80145-2537942
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

25. Januar 1934 Der Israelit Nr. 4 Seite 3 Rasseiibewußtsein;...J" und Jtklentum/ (Fortsetzung von Seite 1.) .■ pel zu Jerusalem mit fürstlichen Weihegaben schmückten; rassisch standen uns ganz ferne die Chazaren in Südrußland, die, tartarischen oder finnischen Stammes, zum Judentum übertraten. Mehrere hundert Jahre dauerte das jüdische Ghazarenreich, bis es im Kampfe mit. russischen Eroberern unterging; sicher sind Spüren dieser Proselyten noch im ostjüdischen Volkskörper vorhanden. Alle diese Rassefremden hatten sich nur der Wahrheit des Sinaigesetzes ohne Nebengedanken an irgend einen irdischen Vorteil zu unterwerfen und waren dann Volljuden, mit allen Rechten, allen Pflichten eines Juden. Dem widerspricht nicht der harte Kampf Esras gegen die .Ehen mit moabitischen, ammonitischen und anderen fremden Frauen; denn diese verharrten ja in ihrem Heidentum. Ihre. Kinder kannten weder die hebräische Sprache, noch jüdische Art. Sie waren weder körperlich noch geistig. Juden; ohne Esras Strenge mußte das Judentum auf eigenem Boden zu Grunde gehen. Ehen "mit Moabiterinnen waren, wenn sie zum Judentum übertraten, nach dem Thoragesetz nicht untersagt. Die Moabiterin Ruth war die Urgroßmutter des königlichen Psalmsängers. Es ist sehr zu. beachten, daß die Ausnahmegesetze gegen gewisse Proselyten (Ammon, Moab, Edom, Mizrajim) sich fast nur gegen rassisch stammverwandte Völker richten: Tatsächlich ergibt ihre Begründung, daß nicht rassische sondern lediglich religiös-soziale Motive die Ausschließung rechtfertigen, daß eine gesellschaftliche Diffamierung, eine Geringerstellung' im Erwerbsleben strengstens untersagt war (^Söl 'ÖHK 33/fin kW« Uebrigens sind diese Vorschriften, seitdem alle diese Völker exiliert wurden, und sich mit anderen vermischt haben, als nicht mehr bestehend erklärt; Proselyten aus den damaligen Wohngegenden dieser Völker stehen allen anderen Proselyten gleich. Die Anwendung des halachischen Grundsatzes BPIS Nllia W*1DT *?> auf diesen Fall Wochenrundschau. •Emigranten und Flüchtlinge. Man hatte lange Zeit den Fehler begangen, Emigranten mit Flüchtlingen zu verwechseln, woraus nicht nur eine philologische Unzulänglichkeit, sondern auch eine verhängnisvolle begriffliche Verwechslung und Verwirrung entstand. In „Flüchtlingen" konnte man in Deutschland Menschen sehen, die irgend einen Grund hatten, sich vor dem Staatsanwalt in Sicherheit zu bringen, für das Ausland wiederum hatte das Wort den dunklen Klang einer Gefahr, einer Panik, vor der man Hals über Kopf flüchten müßte, und es trug einiges zur Schaffung der Atmosphäre bei, in der jene von uns allen gleich verabscheuten Greuelmärchen gedeihen. Eigene Schuld der Zehntausende, die mit schwerem Herzen die deutsche Heimat verließen, weil ihnen diese das Brot verweigerte, war es nicht, daß man sie diesseits der Grenze als „Gesetzesbrecher" stempelte und jenseits derselben als lebendige Zeugen einer Gefahr für Leib und Leben ansah, die in Wahrheit nicht bestand. Es. darf nun .als Symptom für eine Beruhigung der Gemüter und Klärung der Begriffe angesprochen werden, daß man nun auch in der Sprache der deutschen Gesetzesverordnungen mehr von Emigranten spricht und zur Aufstellung von ist das stärkste Argument gegen die derzeitigen Rassehanschauungen im- Völkerleben. Die im, Zusammenhang mit diesen Vorschriften in der Bibel vorangehenden Anordnungen (nS-ryISS usw.) könnten einen erbbiologisch-naturwissenschaftlich Denkenden veranlassen, eugenische Motive anzunehmen. Unsere anerkannten großen Bibelerklärer haben aber eine hygienisch-medizinische Betrachtungsweise der jüdischen Ehegesetzgebung (wie auch anderer scheinbar eugenischer Gesetze) immer zurückgewiesen; nichts berechtigt uns, an Stelle der von der Thora selbst angegebenen Gründe (d^vt &rr"m orwnpnni)» andere zu unterstellen. Wird doch selbst der Persönlichkeitswert des aus einer verbotswidrigen Verbindung entsprungenen Menschen trotz , vieler sonstiger Erschwerungen nicht berührt; vielmehr in vollem Umfang anerkannt: •rrsr )nsb onp rrn nran ' ' Es würde zu weit führen, wollte man hier alle die zahlreich auftauchenden Fragen behandeln mva yidn 'Kin ttin *wk t?» ua0. Immer' wieder würde sich ergeben! es sind nicht eugenische, erbbiologische, rassische Gedankengänge, die den Anordnungen zu Grunde liegen, und wir haben kein Recht, ausschließlich den Naturwissenschaften und ihrer praktischen Anwendung entlehnte Maßstäbe für Zugehörigkeit zur jüdischen Rasse anzulegen. Sie hätten ja auch keinen Zweck. Selbst -wenn man noch bis zu Großeltern oder Urgroßeltern und darüber hinaus zurückgreifen wollte, so werden nach den Mendel'schen Gesetzen in späteren Generationen vereinzelt immer wieder Rückfälle in die fremde Rasse sich ereignen. Die Assimilierung fremdartger Elemente ist im jüdischen Volke ebenso wie die Gewinnung des eigenen Nachwuchses für DTDin mW immer und je nur eine Frage der Erziehung. Wahrhaft jüdische Erzieher sind notwendig die auch aus dem widerstrebendsten Stoffe einen R. Akiba bilden können, der für sein Judentum schließlich noch einen seligen Märtyrertod zu sterben wußte. In solchem Sinne darf die jüdische Schule ihre Schüler das eigene geistige Erbgut respektieren lehren, soll sie das rassische Selbstbewußtsein des jüdischen Kindes heben und stärken. HHBnOBnHBMnBnDHnHnHBHBBBn Richtlinien für ihre Behandlung schreitet, wenn sie nach der deutschen Heimat zurückkehren sollten. Wir haben bereits in jüngster Nummer diese Richtlinien in, ihren Grundzügen wiedergegeben. Entscheidend ist die Bestimmung, daß solche Emigranten, die weder irgendwelche Straftaten zu verantworten haben, noch als marxistische Zersetzer und Verhetzer anzusehen sind und auch beweisen können, daß sie die Hetze im Ausland nicht mitgemacht haben, auf eine freundliche Wiederaufnahme in Deutschland rechnen können. Diese Voraussetzung wird für den überaus größten Teil der Zehntausende zählenden jüdischen Auswanderer aus Deutschland ohne weiteres zutreffen. Den Nachweis ihrer loyalen Gesinnung und ihrer loyalen Betätigung im Auslande zu erbringen, wird ihnen nicht schwer fallen^ Sie lehnen in ihrer überwältigenden Mehrheit das Treiben der sogenannten Emigrantenpresse ab, und schon im Heimweh, das sie zurück nach Deutschland treibt, ist ihre enge Verbundenheit mit dem Lande, das seit unzähligen Generationen die Heimat ihrer Väter war und von dem sie glaubten, daß es auch die Heimat ihrer Kinder sein wird, begründet. Man darf ohne weiteres erwarten, daß im Sinne der Verordnung bei der Erbringung des Nachweises jedes kleinliche Vorgehen vermieden wird. Daß die Verordnung sich nicht auch auf Emigranten nichtdeutscher Staatsangehörigkeit erstreckt, die in Deutschland eine zweite Heimat gefunden hatten, und sich hier redlich ernährten, bis sie ihre Existenz bedroht glaubten und die sich auch im Ausland gegen Deutschland nichts zuschulden kommen ließen, ist zu bedauernk Doch scheint man mit dem Hinweis darauf, daß die Zahl der Emigranten dieser Kategorie 16.000 betrifft, sagen zu wollen,' daß in dieser Beziehung mehr wirtschaftliche Rücksichten 'mitsprechen. Man darf der Hoffnung Raum geben, daß durch weitere Bestimmungen der Rückweg vieler. Familien, die man nun nicht mehr für Flüchtlinge hält, sondern als Emigranten erkannt hat, noch weiter geebnet wird. Hebräische Assimilation. Im neuesten Heft der Monatsschrift „Der Morgen" (Philo-Verlag) veröffentlicht Ignatz M a y b a u m einen kurzen, aber sehr beachtenswerten Aufsatz unter dem Titel: „Der jüdische Sinn des deutschen Judentums". Es wird darin die besondere geschichtliche Aufgabe zutreffend geschildert, die dem deutschen Judentum im Laufe des letzten Jahrhunderts zu lösen bestimmt War. Das europäische Ostjudentum habe den ganzen Reichtum des Geistes besessen, über den achter Glaube verfügt. Es war als erlebtes Judentum tief, auch wo es sein Judentum nicht o a g b a r machen konnte und ein Glaubensgespräch mit dem zeitgenössischen Heiden oder Christen zu führen nicht in der Lage gewesen wäre. Das Westjudentum Deutschlands ist das Judentum, das sich über seine Glaubensexistenz klar geworden ist, das seine Stummheit erlöste und zum Sprechen brachte. Im Zusammenhang mit dieser Gegenüberstellung von Ost- und Westjudentum stellt, dann der Verfasser nicht minderzutreffend den Charakter der in Palästina neu erstehenden jüdischen Kultur mit folgenden charakteristischen Worten fest: „Auch das neue, in Palästina entstehende Judentum ist viel mehr Westjudentum, als gewöhnlich geglaubt wird. Dieses palästinensische Westjudentum hat den Geist des Westens manchmal sogar in stärkerem Maße aufgenommen, als es einem wirklich echten Judentum zuträglich ist. Die hebräische Sprache erweist sich hier als kein entscheidendes Hindernis. Der in ihr sich ausbreitende westliche Geist ist nur gefährlicher. Das dem Judentum Widersprechende wird freundlich geduldet, weil es in der hebräischen Sprache auftritt. Damit ist die hebräische Sprache, die trotz allem als Sprache der Offenbarung die Rettungsmöglichkeit vor einer Alleinherrschaft des westlichen Geistes in sich birgt, zunächst selbst in den S c h m e 1 z t i e g e 1 der Assimilation hineingeraten. Es gibt ein hebräisch sprechendes Assimilantentum. Solchen Perspektiven gegenüber wird die Aufgabe des deutschen Judentums erst recht wichtig." Wir haben der Bekundung dieser bei einem zionistischen Autor um so erfreulicheren Erkenntnis nichts hinzuzufügen, als daß mit dieser Diagnose das eigentliche Grundmotiv des großen Kampfes offenbar wird, den das , gesetzestreue Judentum unter Führung der Agudas Jisroel im heiligen Lande zu bestehen in diesen Tagen gezwungen ist. Sammlung der Gesetzestreuen in Polen. Die vorige Woche in Warschau zu Ende gegangene vierte Landeskonferenz der polnischen Agudas Jisroel war mehr als eine Versammlung, sie bedeutete eine Sammlung der produktiv wirkenden gesetzestreuen Kräfte, wie man sie in dieser imposanten Form in Polen noch nicht erlebt hat. Wenn nach dem in kurzem Zeiträume erfolgten Heimgang der großen Führer in Trauer- und Gedenkreden immer gesagt wurde, daß nunmehr die Gesamtheit mit gemeinsamen Kräften das zu leisten suchen muß, was jene Begnadeten allein mit der ihnen von G'tt verliehenen Kraft des Geistes und des Willens zu erreichen vermochten, so war die Zusammenkunft in Warschau und die dort geleistete Arbeit eine Ehrenkundgebung für jene Großen, ins Tätige und Praktische übertragen. Drei Punkte treten aus der Fülle der Verhandlungen hervor, die, - weil -fürden Osten ein Novüm, besonders ins Au!g!e fallen und zukunftsverheißend wirken: Die T Ö c h t e r e r z i e h u n g ,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.