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Der Israelit · 1934-01-18 · Heft 3 (18.1.1934) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 3 (18.1.1934)
Date
1934-01-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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18. - Januar: 1934 I 1 i t Nr. 3 Seite 7 Bei .der Behandlung der meisten Länder wird die Schilderung :.der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Verhältnisse 'des jüdischen Bevölkerungsteiles «einen gewissen . Raum beanspruchen dürfen. Der .Palästina-Kunde ist besondere Beachtung zu schenken; ' '• - - " Der Zeichenunterricht hat seine Stoffe in allen Schuljahren auch aus dem jüdischen Lebenskreis des Kindes -zu;nehmen. Bilder .aus dem religiösen Familien- und Gemeinischaftsleben: Gegenstände des Kultus, biblische und andere, jüdische Stoffe finden, zeichnerische Darstellung.,. ... , ,| Bekleidungsindustrie und Ariergrundsatz. — Kennzeichen für Erzeugnisse arischer Fabrikanten. B e r 1 i n , 11. Jan. Vor kurzem .'haben sich arische Konfektionsfirmen in einer Arbeitsgemeinschaft deutsch-arischer Fabrikanten der Bekleidungsindustrie E, V. (Adefa) zusammengeschlossen. Ueber eine von diesem Verband , in Berlin eröffnete Ausstellung wird berichtet, daß für die Produkte der .<fe,r •Arbeitsgemeinschaft angehörenden Betriebe ein gesetzlich geschütztes Kennzeichen eingeführt wurde, (das der Kundschaft Gewähr dafür "biete, daß das "betreffende Kleidungsstück durch deutsche Arbeitshände und deutschen Unternehmergeist hergestellt wurde. Bei der von vielen Vertretern der '•:• .' --Iii-» :.' <\:! :-.:J;•({• . ' ' i- Reichs-, Staats- und Kommunalbehörden, besuchten Eröffnungsfeier hielt Landeswalter Spiewok eine Ansprache, in der er erklärte, diese Ausstellung sei ein hundertprozentiger Beweis dafür, daß auch deutsche Arbeit und nicht nur -die nichtarische, wie man früher meinte, das Konfektionsgewerbe aufbauen kann. Mit der Umstellung der Konfektion auf arische Volksteile müsse die unbedingte Ehrlichkeit des Verkaufenden gegenüber dem Käufer wiederkommen. Die Adefa habe die große Aufgäbe, daß bald von einer deutschen Konfektion gesprochen werden könne, die im Auslande als Zeichen für deutsche Arbeit, deutsches geistiges und handwerkliches Gut zu gelten habe. Oesterreich. Numerus clausus für den österreichischen Rechtsanwaltsstand. Wien, 10. Jan. Der „Verein der arischen Rechtsanwälte" schloß am Montag seine .Tagung, auf der u. a. die Einführung des Numerus clausus für den österreichischen Rechtsanwaltsstand verlangt wurde. Der Verein hatte vor einiger Zeit ein Schreiben an den Justizminister gerichtet, in dem gefordert wurde, die Mitgliederzahl des Rechtsanwaltsstandes besser dem Verhältnis der bodenständigen Bevölkerung anzupassen. Das Schreiben wurde vom Justiz - minister in dem Sinne beantwortet, daß er eine solche Forderung als annehmbar; ansehe; Auch das c-Justizministerium beschäftigt sich gegenwärtig mit Plänen zur Neuformung der-Advokatenordnung anscheinend in dem Sinne, daß zunächst ein Ernennnungsrecht des Justizministeriums für Rechtsanwälte festgestellt wer-1 den soll. f Schweiz* Züricher Kirchenrat gegen Antisemitismus. Zürich, 10. Jan. Der Züricher . Ref o r m ierte Kirchenrat hat an das Züricher Kirchenvolk einen Aufruf erlassen, in dem es, u. a. heißt'* ' "' , „.. . . Unter dem Eintiuß von Vorgängen, die sich unter wesentlich anderen Voraussetzungen in unserem Nachbarreich abgespielt haben, ist auch im Schweizerland und in unserem Züricher Volk eine judenfeindliche Bewegung entstanden.. Durch Verbreitung von antisemitischen Schriften, wie die längst als Fälschung erwiesenen „Protokolle der Weisen von Zion", und durch eine bedauerliche Hetze in judenfeindlich eingestellten. Versammlungen und Blättern will man unser Volk gegen die Juden mobil machen und den giftigen Samen der Zwietracht gegen eine kleine Minderheit in unserem Volke aussäen. . Der Kirchenrat des Kantons Zürich fühlt sich im Blick auf solche Versuche im Gewissen gedrungen, gegen alle derartigen Bestrebungen im Namen des Evangeliums Verwahrung einzulegen. Wir bestreiten nicht, daß Juden, namentlich solche, die dem Glauben ihrer Väter den Rücken kehrten, dazu beigetragen, haben, eine judenfeindliche Stimmung in gewissen Volkskreisen zu fördern. Um der Gerechtigkeit und Wahrheit willen aber müssen wir Protest erheben gegen die ungerechten und lieblosen Verallgemeinerungen und. Uebertreibungen, mit denen man kurzerhand „die Juden" verantwortlich machen will für alle Krankheitserscheinungen an. unserem Volkskörper. Die Woche. ■ Berlin. Der P reu Bische Landesverband jüdischer Gemeinden hat beschlossen, zum 1. April d. J. in.Berlin eine, jüdische Volksschullehrerbildungsanstalt liberaler Richtung zu eröffnen. Düsseldorf. Ein Ingenieur, der in einem Lokal einen chinesischen Gast beschimpft hatte, wurde vom Schöffengericht zu neun Monaten Gefängnis verurteilt. Der bayrische Staatsminister Esser knüpft an diesen Vorgang, eine Mahnung an alle, gegenüber volks- und rassenfremden Gästen bestmögliche Gastfreundschaft zu üben. Karlsruhe. Im Badischen. Gesetz- und Verordnungsblatt wird ein Gesetz verkündet; wonach in^ Zukunft die Rabbiner der'Israelitischen Landessynagogen und ebenso die freireligiösen Prediger keine staatlichen Aufbesserungszuschüsse mehr erhalten. Wien. In der Heilanstalt für Geisteskranke in Mauer-Oehling bei Wien ist im Alter von . 57 Jahren Baron Georg Rothschild, ein Bruder Baron Louis von Rothschilds, des Chefs des Wiener Rothschild-Hauses, gestorben. Geörg Rothschild war bereits seit mehreren Jahren interniert. Warschau. In Warschau hat sich ein polnisches Pro Palästina-Komitee konstituiert. Als Präsident wurde Fürst Lubomirski gewählt. Brüs- sei. Die belgische Regierung hat Max Gottschalk .zum Vizepräsidenten des beim Ministerium für Arbeit und Industrie g eingerichteten nationalen Krisenfonds ernannt.1 Gottschalk, eine im öffentlichen jüdischen Leben Belgiens tätige Persönlichkeit, ist 'auch Präsident des belgischen Hilfskomitees für die deutschen Emigranten. Belgrad. Die jugoslavische Regierung bewilligte 100.000 Dinar für einen Pavillon auf der Levantemesse in Tel-Awiw. — Im Laufe der vorigen Woche haben in Zagreb 21 aus Deutschland ein;- gewanderte Juden die Aufforderung erhalten, binnen acht Tagen das Land zu verlassen. Das Zagreber Hilfskomitee at sich an die Behörden in Zagreb und durch den Bund der Jüdischen .Gemeinden Jugoslaviens in Belgrad an die zuständigen Ministerien mit der Bitte gewandt, den Ausweisungsbefehl rückgängig zu mächen. Saloniki. Im P a V äs tina-Amt von Saloniki haben neuerdings stürmische Kundg e b u n g e n von Frauen, die keine Einreiseerlaubnis nach Palästina bekommen können, stattgefunden. Eine Gruppe von Frauen besetzte das Palästina-Amt und erklärte, nicht früher weichen zu wollen, als bis die Leiter die Zertifikate, die sie offenbar nur versteckt hätten, ausgegeben haben würden. Das Palästina-Amt mußte infolge der Kundgebungen auf einen Tag gesefflbssen werden.;«, Weder die Zahl noch die wirtschaftliche Stellung, noch; a'ueh der geistige Einfluß der Juden in; der Schweiz ist derart, daß man von einer drohenden Verjudung!unseres Volkes sprechen und daraus den Vorwand für einen Feldzug des Hasses und, der Verleumdung ableiten, dürfte gegenüber Menschen, die zum. ,'großen Teil unsere Mitbürger sind, die alle ihre Bürgerpflichten ebenste treu; und . loyal. erfüllen wie andere Schweizer und die uns Christen'in der Ehrfurcht und' Pietät gegen die Eltern und in der Fürsorgefüb ihre Armen, ihre. Alten und. Kranken gelegentlich' sogar beschämen.; Lettland. ,. Deputierter Dubia über die Lage in Lettland. Warschau, 12. Jan. Mordechai Dubin, einer der drei jüdischen Deputierten im lettlandischen Parlamente, weilte einige Tage in Warschau und mächte in einem Interview dem Vertreter des „Jüdischen Togblattes" interessante Mitteilungen über die Lage der Juden in Lettland. Ihre politische Lage, sagte Dubin, ist unter der gegenwärtigen Regierung, die von den Bauernparteien beherrscht wird, itn Gegensatz zu früher, eine durchaus ruhige.' Von den drei jüdischen Deputierten sind zwei, Dubin und Wittenberg, Führer der Agudas Jisroel, die politisch mit der Regierung gehen. Die antisemitische Bewegung ist im Lande sehr rege, sie geht in der Hauptsache auf die Einführung des Numerus clausus hinaus. Es ist aber im Parlamente gelungen, einen Beschluß 'durchzusetzen, wonach die antisemitische Organisation auf gelost wird. Die'jüdische kulturelle Autonomie war wiederholt bedroht, wird aber von der jüdischen Fraktion gehalten und geschützt. Im Bildungsministerium gibt es eine Abteilung für' jüdisches Schulwesen, die von Juden geleitet wird. Die Regierung gibt ungefähr eine Million Zloty jährlich für jüdische Schulen her. Die jüdischen philantropischen und sozialen Institutionen erhalten auf Dubins Einfluß, der auch Mitglied der Budgetkommission ist, " durchschnittlich 30 000 bis 40 000 Dollar im Jahre. Die Agudas Jisroel ist heute die führende jüdische Partei im Lande. Im letzten Parlamente war unter fünf jüdischen Deputierten nur ein Mitglied der Agudas Jisroelheute hat die Aguda die Majorität in der jüdischen Fraktion und alle wichtigen jüdischen Angelegenheiten in ihren Händen. Die Agudas Jisroel ist im Lande — besonders unter der Jugend — stark gewachsen und ihr Schülnetz unter dem Titel „Thora we derech-erez" sowie die B e s Jaköw-Frauenschulen zeitigen große Erfolge. «Neue Schulunternehmungen sind in Aussicht genommen. Die Gemeindeverwaltung in der Hauptstadt Riga liegt ganz in Händen der Aguda, in anderen größeren Städten ebenfalls. Die Lage der russischen Juden stellte der Deputierte als katastrophal hin und das Schlimmste dabei sei, daß die jüdische Welt in Europa gegen dieses wachsende Elend ganz abgestumpft ist. Aus der Annäherung Rußlands an Amerika könnte vielleicht eine kleine Erleichterung der Lage erwartet werden, was aber zur Zeit noch nicht in Erscheinung tritt. Tschechoslovakei. Die jüdischen. Kultusgemeinden in Böhmen, Mähren und Schlesien. : P r a g , 4. Jan. Der Oberste Rat .der jüdischen Kultusgemeinden- Verbände in Böhmen, Mähren und Schlesien; hat soeben einen Bericht über das siebente Jahr seiner Täv tigkeit fertiggestellt, der die Zeit vom 15. November 1932 bis 5. Dezember 1933 umfaßt,. Die Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1930, die soeben veröffentlicht wurden, zeigen eine weitere rapide Abnahme der jüdischen Bevölkerung in Böhmen und Mähren-Schlesien. In Böhmen sank die Zahl der Personen mosaischen Glaubens seit 1921 von 79.777 auf 75.301, d. i. um 3476 Seelen oder 4.36 Proz. Dabei stieg die Zahl der Juden in Groß-Prag um 3712 auf '35.463 Seelen. In manchen kleineren Gemeinden aber hat sich die Zahl der Mitglieder um 40 Proz. bis 50 Proz. vermindert. Auch in Mähren- Schlesien hält die abgleitende Tendenz an. Gegenüber 45.306 i. J. 1921 (davon 'in Mähren 37.989, in Schlesien. 7.317) wurden i. J. 1930 bloß 41.250 Seelen (in Mähren 34.632 und in Schlesien 6.618), demnach um 5.156, bzw. um ungefähr 9 Proz., weniger gezählt. Auf dem Gebiete der Sozialfürsorge hat der Oberste Rat als solcher nicht direkt gewirkt; die Verbände arbeiteten mit der jüdischen Fürsorgezentrale zusammen. Die Arbeit für die deutschen Emigranten belastet .Gemeinden und Einzelpersonen sehr. Im Vergleich , zu anderen Staaten leisten die Juden in der Tschechoslowakei relativ am meisten für das Emigrantenhilfswerk. ■

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