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Der Israelit · 1934-01-18 · Heft 3 (18.1.1934) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 3 (18.1.1934)
Date
1934-01-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 3 Der Israelit 18. Januar 1934; Delegiertentagung des Jüdischen Frauenbundes. Berlin, 16. :J'an. Am 9. und 10. Januar tagte in Berlin der Jüdische Frauenbund. 150 Delegierte. aus allen Teilen Deutschlands nahmen an der Tagung teil. Zum Bundesvorsitzenden wurde Frau Ottilie Schönwald, zur zweiten Vorsitzenden Frau Professor Dr. Cora Berliner gewählt. Frau Hanna Karminski erstattete den Geschäftsbericht, woran sich eine längere Aussprache knüpfte. Insbesondere wurde gewünscht, daß der J. F. B. zu einer besseren Interessenvertretung für berufstätige Frauen übergehe, Hand in Hand mit der Konferenz ging auch eine Fachtagung über hauswirtschaftliche; Ausbildung vor sich. Man sprach auch viel über Schulwesen und Familienerziehung, wor bei der Frauenbund in erfreulicher Weise den Standpunkt vertritt und verteidigt, daß Kinder von Eltern nicht getrennt werden dürfen. Es dürfen,; keine „Massenverschickungen von, schulpflichtigen Kindern" stattfinden. Von weiteren Beschlüssen sei eine Resolution genannt, die sich gegen Veranstaltung von Festlichkeiten durch Organisationen und Vereine wendet. An Stelle von Festveranstaltungen müssen mit Hinblick auf den Ernst der Zeit Vorträge, Lesestunden usw. treten. Auch wirtschaftliche Vorteile seien ,keine Entschuldigung für Festunternehmungeh, die aus Gr;'inden der Selbstachtung besser unterbleiben. Außerhalb der Tagung erstattete noch Frl. Berta Pappenheim ein Referat über die „Entwicklung des Isenburger Heimes und seine Bedeutung als Lehrmittel." Die neue Arbeit des Jugendverbandes. B e r 1 i n , 10. Jan. Am 6. und 7. Januar 1934 fanden sich in Berlin die Leitung des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands und die Vertreter der Landesverbände zu einer grundsätzlichen Beratung über die Zukunft des Verbandes zusammen. Zwei richtunggebenden Referaten von Fritz Schwarzschild und Dr. Paul Eppstein folgte eine Aussprache und die Annahme folgender für die künftige Verbandsarbeit maßgebender Entschließung: Der Verband bekennt sich erneut zur jüdischen Schicksals- und Kulturgemeinschaft. Der Verband als Träger der gesamtjüdischen Haltung tritt eindeutig für das Primat des Jüdischen ein, das ihm als Wert- und Wissenserlebnis gilt. Der Verband > ist eine Erziehungsgemeinschaft. Er erstrebt die Erziehung jüdischer Menschen, die in der Galuth ein vollbewußtes jüdisches Leben führen. In der Arbeit des Verbandes haben über den selbstverständlichen Besitz deutschen Kulturgutes hinaus alle auf Erez Israel zielenden und dorther kommenden jüdischen Lebensäußerungen besonderes Gewicht für die Gestaltung einer Lebensform innerhalb der jüdischen Gemeinden in lebendiger Wechselwirkung zwischen Erez und Galuth. Der Verband fordert von den Mitgliedern seiner Bünde die Verpflichtung zu unbedingter sozialer Verantwortlichkeit der gesamten persönlichen Lebensführung. Die Erziehungsarbeit des Verbandes erfaßt die berufliche Existenz, die wirtschaftliche Daseinsform, die religiöse, geistige und kulturelle Lebensgestaltung seiner Menschen. Diese Arbeit leistet der Verband im Sinne seiner gesamtjüdischen Haltung mit und über den anderen jüdischen Bünden. Anstaltsausschuß bei der Zentralwohlfahrtsstelle. Berlin, 12. Jan. VT Die außerordentliche Beschränkung der für die jüdische Wohlfahrtspflege zur Verfügung stehenden Mittel und die gesteigerten Anforderungen zwingen gebieterisch zu stärkster Planwirtschaft in der Gesamtarbeit, vor allem aber auf dem Gebiet des Anstaltswasens. Es ist deshalb in Gemeinschaft mit der „Reichsvertretung der deutschen Juden" und dem „Zentralausschuß der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau" ein mit weitgehenden Vollmachten versehener Anstaltsausschuß bei der „Zentralwohlfahrtsstelle der deutsohen Juden" gebildet worden. Der Ausschuß trat,: in diesen Tagen unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Seligmann zu seiner ersten Beratung zusammen. Als .'nächste ^Aufgaben wurden sofort in Angriff genommen: die Aufstellung von Richtlinien für die planwirtschaftlichen Vereinfachungen und Zusammenlegungen im Anstaltswesen und die eingehende Durcharbeitung der verschiedenen Arten von Anstalten zur Prüfung der Frage der Notwendigkeit und Möglichkeit ihrer Aufrechterhaltung, Der Anstaltsauschuß, dessen Geschäftsstelle sich bei der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, Berlin-Ch. 2, Kantstr. 158, befindet, richtet an die Landes- und Provinzialverbände und Anstalten der jüdischen Wohlfahrtspflege die dringende Bitte, ihn bei seinen, im Interesse der Aufrechterhaltung der unbedingt notwendigen Einrichtungen geplanten Arbeiten verständnisvoll und bereitwillig zu unterstützen. Der Anslaltsausschuß wird im Bedarfsfalle weitere sachverständige Organisationsvertreter zu seinen Beratungen hinzuziehen. Richtlinien zur Aufstellung von Lehrplänen für jüdische Volksschulen in Deutschland. Berlin, 12. Jan. Die Reichsvertretung der deutschen Juden veröffentlicht „Richtlinien zur Aufstellung von Lehrplänen für jüdische Volksschulen", die folgenden Wortlaut haben: 1. 'Die jüdische . Schule . erfährt . ihre besondere Prägung aus dem doppelten Urerlebnis, das jedes in Deutschland lebende jüdische Kind in sich trägt: dem jüdischen und dem deutschen. Diese beiden Grunderlebnisse sind gleichmäßig zu entwickeln und ins Bewußtsein zu heben; sie sind in ihrem Neben- und Miteinander wie auch in ihrer Spannung fruchtbar zu machen und zu entfalten. ' 2. Die Schule soll von einem sich selbst begreifenden jüdischen Geiste durchdrungen sein.' Das heranwachsende Kind soll seines Judeseins in gesundem Bewußtsein sicher werden; es soll sich des Namens freuen lernen, mit allem Stolz und aller Entbehrung, die damit verbunden sind. Zur Erreichung dieses Zieles ist das Jüdische in den Mittelpunkt aller dafür, in Betracht kommenden Unterrichtsfächer zu stellen. Lebendiges Verständnis für die Ewigkeitswerte der jüdischen Religion und für das jüdische Leben der Gegenwart, insbesondere für das Aufbauwerk in Palästina, sollen im Kinde geweckt und gepflegt werden, damit es seine Aufgaben in Haus und Synagoge, in der Gemeinde und der jüdischen Gesamtheit zu erfüllen in den Stand gesetzt wird. 3. In Ergänzung der staatlichen Richtlinien für den Deutschunterricht soll all das, was jüdisches Sein und Denken dem deutschen Geiste zu danken hat, wie umgekehrt das, was jüdischer Geist und jüdische Arbeit zum Aufbau der deutschen Kultur beigetragen haben, in seiner Wechselwirkung aufgezeigt werden. - .. . . ' 4. Unbeschadet der Ausbildung aller intellektuellen Fähigkeiten ist stets im Auge zu'behalten, daß die gesamte Erziehung auf die Erzielung willensstärker und in sich gefestigter jüdischer Charaktere abgestellt sein muß. Von allem . anderen abgesehen, mahnen hierzu die dringenden Notwendigkeiten der Gegenwart: das jüdische Kind muß fähig gemacht werden, den seiner wartenden besonders schweren Lebenskampf aufzunehmen und zu bestehen. 5. Daher wird eine sorgfältige körperliche Erziehung, insbesondere die. Pflege, von Turnen und Sport, zu den wichtigsten Aufgaben der Schule gehören. Der notwendigen Berufsumschichtung wird durch die Pflege manueller Ausbildung (Zeichnen, Nadelarbeit,' Werkunterricht) < die Bahn bereitet werden.. Um der besonderen Situation der deutschen Judenheit gerecht, zu werden, soll den Volksschülern auch die Möglich-, keit geboten werden, «mindestens eine moderne westeuropäische Fremdsprache sowie ganz besonders auch das Neuhebräische zu erlernen. Die Erhöhung der. für Religion und Hebräisch vorgesehenen Stundenzahl von 4 bis 6 Stunden ist zu erstreben.' .' Dem hebräischen- Unterricht fallt die Aufgabe zu, das Kind für die Teilnahme am häuslichen und öffentlichen G'ttesdienst vorzubereiten. Darüber hinaus soll das Kind befähigt werden, religiös und kulturell" bedeutsames Schrifttum zu erarbeiten und den Zutritt zum gesprochenen lebendigen Hebräisch; zu finden. Der Unterricht muß nach den Prinzipien des modernen Sprachunterrichts erteilt werden. In . der Grammatik soll das Verständnis der Wortformen, insbesondere des Verbs und Substantivs erreicht werden. Der Befestigung dieser Kenntnisse dienen die auf allen Stufen vorzunehmenden Sprechübungen und Uebungen im schriftlichen Ausdruck. Im Mittelpunkt des hebräischen-Unterrichtssteht die Lektüre biblischer Bücher; aus'der nachbiblischen und modernen hebräischen Literatur sollen Werk© jüdisch-religiöser Grundhaltung ergänzend hinzutreten,;.. Der Unterricht in der Biblischen Geschichte und der jüdischen Geschichte bildet ein untrennbares Ganzes.; , Die Unter- und Mittelstufe vermittelt die Kenntnis der Biblischen Geschichte in der für Volksschulen •üblichen Auswahl. 'Die Darstellung des religiösen Ideengehalts erfordert einen nochmaligen Gang durch die Biblische Geschichte auf der Oberstufe (Bibellesen), wobei die Behandlung der gesetzlichen Teile der Thora sowie der Psalmen und Propheten im Vordergründe ' steht. Das Lesen geeigneter' Bibelstellen soll möglichst im Urtext erfolgen. Auf der Oberstufe bildet der Unterricht in der Jüdischen Geschichte die natürliche Fortsetzung des Bibelstoffes. Die Geschichte der Juden in Deutschland ist besonders ausführlich darzustellen. Der Aussprache über" jüdische Gegenwartsfragen ist breiter Raum zu gewähren. Das jüdische Kalenderjahr mit seinen Festen und Halbfesten, religiöse Vorschriften, Sitten und Bräuchen sollen systematisch behandelt werden. Um zu vermeiden, daß die Unterrichtspensen in allgemeiner und jüdischer Geschichte in einem Jahrgang verschiedene Zeiträume umfassen, soll die Stoffverteilung so erfolgen, daß» in allgemeiner und jüdischer Geschichte Stoffe desselben Zeitraums, aber in getrennten Unterrichtsstunden, zur Behandlung kommen. Eine Konzentration von allgemeiner und jüdischer Geschichte (Vereinigung in der Hand eine's Lehrers) oder der Fächer Biblische Geschichte bezw. Jüdische Geschichte und Hebräisch ist anzustreben. Das allen deutschen Volksschulen gesteckte Ziel der sprachlichen Schulung muß auch an der jüdischen Schule erstrebt werden. Ebenso soll auch dort der Deutschunterricht die Kinder in das ihrer Altersstufe entsprechende deutsche Schrifttum einführen. Außer Prosa und Gedichten aus dem deutschen Kulturkreis sollen jüdische Lesestoffe behandelt werden, seien es Werke deutscher Dichter oder aber wertvolle Uebersetzungen. aus dem Schrifttum biblischer und nachbiblischer Zeit. Dieses in Inhalt und Form bedeutsame Schrifttum kann nach Art der Lesebogen ergänzend neben das Lesebuch oder die etwa eingeführten Ganzschriften treten. Heimatkunde will den Standpunkt schaffen helfen, von dem aus das. Kind die ..Welt erfahren soll,: Daher muß neben t dem ,.deutschen auch das jüdische. .Heimatserlebnis in:;deri heimatkundlichen Gesamtanschauungsunterricht einbezogen werden, um. das, Kind durch- Vertrautwerden mit allem Jüdischen der; näheren und weiteren Umgebung für eine bewußte Erkenntnis des Judentums vorzubereiten. Das jüdische Familien- und Gemeinschaftsleben soll Gegenstand ungezwungener Aussprache sein und durch jede im heimatkundlichen Unterricht übliche Art der Darstellung lebendig gemacht werden. Die Feier der Feste soll immer wieder zu erlebnisfreudiger Gestaltung von Höhepunkten im Leben des Kindes, führen. Stätten, mit denen Erinnerungen an unsere Vergangenheit verknüpft sind, oder die noch heute Bedeutung für das Gemeindelebeh haben, werden auf Spaziergängen besucht. Im vierten Schuljahr ist die Behandlung von Sagen und der Geschichte des Heimatsgebietes durch Stoffe aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde und einzelner jüdischer Persönlichkeiten zu ergänzen. >; Auch der Musikunterricht ist möglichst mit dem jüdischen Unterricht in Verbindung zu bringen. 1; Neben der Pflege des deutschen 'Liedes steht die * des liturgischen Gesanges und des hebräischen Liedes, wobei namentlich auf eine Veredlung des häuslichen G'ttesdienstes hingearbeitet werden kann.

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