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Der Israelit · 1934-01-18 · Heft 3 (18.1.1934) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 3 (18.1.1934)
Date
1934-01-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Nr. 3 D I 1 18. Januar 1934 INTERNATIONALE SPEDITION Frankfurt a. M. Telelon 30576 iutleutsfr. 31 Lagerung, Verpackung, Umzüge, Gepäck, Versicherung Sammelladungen innerh. Deutschi. u. nach d. Ausland PALÄSTINA-TRANSPORTE lungen über die angeblich luxuriöse Lebensführung der Familienmitglieder. Die Förderung Israel Friedmanns durch die öster; eichischen Behörden war nicht ,.Liebesgaben an den Bezirkshauptmann", sondern dem religiösen Verständnis Kaiser Franz Josephs zuzuschreiben." Nach Abfassung dieser Zeilen kommt uns die neueste Ausgabe der J. R. in die Hand, die neben der hier zitierten Entgegnung Hornsteins noch einen Artikel von Dr, L. Margulies, Mannheim zur Aufklärung über den Chassidismus und Czortkcw bringt und dazu noch eine neue Vorbemerkung der Redaktion, mit der die erste in wesentlichen Punkten desavouiert werden soll. Daß mit solcher „Wahrung der Parität" jene lieblose Verunglimpfung eines der vornehmsten Chassidimführer nicht aus der Welt geschafft ist, muß nicht erst gesagt werden. konferenz s Jisroel in Warschau, 12. Jan. Die vierte Landeskonferen z der A g u - das Jisroel in Polen hatte schon Monate und Wochen vorher so viele Strahlen vorausge- 4 schickt, daß am Tage der Zusammenkunft, am 7. Januar, sich die Sache zu einem großen Erleben für die gesamte Thorajudenheit von Polen gestaltete. Achthundert Delegierte und viele Tausende von Gästen füllten den Saal, und man sah alle bekannten Charakterköpfe im polnischen Rabbinerstande in den Ehrenreihen und auf dem Podium versammelt. In einer geschlossenen Sitzung des Rabbinischen Rates waren 40 Chassidimrabbis und 30 Ortsrabbiner versammelt. Er beschäftigte sich mit der Frage eines Zusammengehens mit M i s r a c h i im Rahmen eines ^Weltkongresses orthodoxer Verbände für Palästina und Thora" und kam, wie man hört, zu dem Beschlüsse, der Leitung der Welt-Agudo die Ablehnung des Gedankens zu empfehlen, solange Misrachi seine Abhängigkeit von der zionistischen Organisation nicht aufgibt. Das Plenum wurde eröffnet mit einer Rede des Vorsitzenden der Tagung, Oberrabbiner Aron L e w i n , die die ganze materielle und geistige Krisis des polnischen Judentums in kurzen Sätzen umreißt. Es folgten Begrüßungen, an erster Stelle eine Begrüßungsansprache des G e r e r R e b b e n , sodann solche vom polnischen R a bbinischen Rat der A. J., dem polnischen Rabbinerverbande, der Stadt und der jüdischen Gemeinde in Warschau. Von den Gästen begrüßten mit herzlichen Reden Deputierter D u b i n , Riga und Rabb. Dr. Carlebach, Baden bei Wien. Darauf folgte der vom Präsidenten I. M. L e w i n erstattete Tätigkeitsbericht und das. politische Referat des Dep. M i n z b e r g. Am zweiten Verhandlungstage lebten nach einer Reihe von weiteren Begrüßungen und Referaten in einer alle Herzen aufwühlenden Rede von Oberrabbiner Lewin noch einmal die Lichtgestalten der in letzterer Zeit in kurzem Zeiträume nacheinander heimgegangenen großen Führer vor dem Geistesauge der Versammlung . auf. Auch die Not der litauischen Jeschiwoth kam zu Worte durch Rabbi S o r o k i aus Sluck. Großen Eindruck hinterließ die Rede eines Jüngers von L u b 1 i n über die V*7P rn'W'Man sprach über Erziehungswesen und Chedarim und man gelobte, von Seiten der Aguda mit allen Kräften ein Wiederaufbauwerk in Palästina nicht mit Staatspolitik, Militarismus oder sozialem Radikalismus, sondern im Geiste der Thora zu stärken. Die Generaldebatte,' die von Montag abend bis zur späten Abendstunde des Dienstag sich hinzog, war ein schweres ernstes Ringen um alle vitalen Probleme, die heute das Judentum in Polen und in Palästina bewegen. Sie brachte in ihrem Verlaufe auch ausgezeichnete Reden und wertvolle Anregungen. Daß dabei sich, besonders von Seiten der Z e i i r e - und P o a 1 e Agudas Jisroel (letztere hatten 80 Delegierte geschickt) gelegentlich auch starke Opposition regte, ist natürlich" und wirkte erfrischend. Die Jugend wie die Arbeiterfront wünscht rascheres Tempo und vor allem intensivere Arbeit an und für Erez Israel. Die Schlußsitzung begann am Dienstag abend und erreichte zuletzt ein so hohes Niveau, daß ihr Eindruck noch lange unverwischt bleiben und über alle Rhetorik hinaus der Agudaarbeit in Polen den gewünschten neuen Auftrieb geben wird. Zunächst werden vom Permanenzkomitee die Resolutionen der verschiedenen Kommissionen verlesen und von der Versammlung angenommen. Nocheinmal werden einige Klagen und Anklagen gegen Ortsgruppen und auch gegen die Führer laut, die nicht genügend zur Prop: gierung des Thoragedankens im Rahmsn der Aguda im Volke arbeiten. Auf der anderen Seite kann die Versammlung erfreuliche Berichte über die orthodoxe Bewegung in der Jugend und auch unter den Jüngsten entgegennehmen. Sodann folgt die erste Schlußrede des Präsidenten I. M. L e w i n , der in meisterlicher Weise ein Resümee aller Verhandlungen und Debatten gibt und die Wichtigkeit einiger gefaßter Beschlüsse besonders hervorhebt. Herr Benjamin Minz, der bekannte Mitarbeiter des „Jiddischen Togblattes", eben aus Palästina angelangt, erstattet einen kurzen Bericht über die Dinge in Erez Israel und die orthodoxe Arbeiterorganisation „Poale Agudas Israel" im Lande. Es folgen dann Schlußreden von Rabbiner Kalmano witsch, Ratmann Hendeles, des Präses der Lodzer Kehilla, Dep. Minzberg, der u. a. mit einem bedeutsamen Thoraworte von S- R. Hirsch b'"X7, die Versammlung begeistert. Im Namen der Warschauer Kehilla spricht noch ihr Präses Eli M a s u r. Den letzten Abschiedsgruß entbietet Oberrabbiner L e w i n mit einer längeren inhaltsvollen Rede, die ein Spiegelbild der ganzen Konferenzarbeit wie auch die Inhalte der Agudas Jisroel-Bewegung im Ganzen in klarster Weise bietet und in einem Treugelöbnis gegenüber der Leitung der Welt-Agudo gipfelte. Damit war die vierte Landeskonferenz der polnischen Agudas Jisroel in einer Hochstimmung, wie sie kaum noch überboten werden kann, beschlossen. Die Wahlen ergaben, daß Herr I. M. L e w i n als Präsident der polnischen Agudaorganisation wiedergewählt wurde. Präsident des Zentralrates ist Abg. Oberrabb. Aron L e w i n. Das Resultat der Wahlen wurde mit rauschenden Jechi-Rufen begrüßt. Lebhaft begrüßt wird die' Schaffung besonderer Ressorts für die vielverzweigte Agudatätigkert. So sind sechs autonome' Komitees mm 3? Die Sidrah spricht zu uns .. „ ,,Und es spricht G'tt zu Moses: Gehe hin zu Pharao, denn ich habe sein und seiner Diener Herz schwer gemacht, um diese meine Zeichen in seiner Milte aufzustellen, und damit du deinem Sohne und Sohnessohne erzählen kannst, was ich in Mizrajim vollführt habe und meine Zeichen, die ich unter ihnen gestiftet, so daß ihr erkennt, daß ich G't t b i n!" Drei Generationen. Vater, Sohn und Enkel, werden hier genannt, „Wo die Thora," so sagt Talmud, ,,in drei Geschlechtern ihren Platz hatte, da wird sie aus dem Kreise nicht mehr weichen," Wie es geschrieben steht: „Dies mein Bund mit G'tt, mein Geist, der in dir ist und meine Worte, die ich in deinen Mund gelegt, sie weichen nicht aus deinem Munde und aus dem Munde deiner Nachkommen und aus dem Munde der Nachkommen deiner Nachkommen bis in Ewigkeit . . ." Bedürfte es noch eines Beweises für die G'ttlichkeit des Thorabuches, diese Verbindung der drei Generationen würde ihn erbringen.» Erlebten wir es nicht in der sogenannten großliterarischen und hochkünstlerischen Produktion der letzten Jahrhunderte, wie alle Geisteserzeugnisse, bewegten sie sich auf naturwissenschaftlichem oder künstlerischem Gebiete, ja nur Modeartikel für eine kurze Spanne geblieben sind. Sie eroberten im Fluge die Welt, um eine Zeitlang die Köpfe zu erleuchten oder zu verwirren, und mußten schon nach kurzer Zeit anderen Ideen, den „neuesten" Errungenschaften Platz machen. Wo sind die Bühnenstücke, die noch vor zwei oder drei Jahrzehnten alle Geister bewegten, alle Herzen aufwühlten? Selbst die „ewigen" Klassiker ruhen in ihrem Prachteinband im Bücherschranke, vom Sohne kaum beachtet. Gar nicht zu reden von den „letzten" Ergebnissen der Wissenschaft, die nicht zu kennen, einmal größte Schande war, die zu kennen, heute aber als sehr rückständig gilt. Es ist einmal so, daß die Lektüre aus der Großvaterzeit dem Vater nicht mehr behagt, das Buch aber, das der Vater noch zur Hand nimmt, dem Sohne nichts mehr besagt, und umgekehrt der neueste Prophet des Enkels dem Vater und Großvater vollkommen fremd und unverständlich bleibt. E i n Buch gibt es, über das Großvater, Vater und Sohn gebeugt sitzen; in dem jede Generation das findet, was sie sucht und ihr nottut, jede nach ihrer Zeit, ihrer Kraft und ihrem Geschmack. Aus dem gleichen Buche der Thora, aus dem das jüdische Kind in der Kleinkinderschule seine erste Zauberwelt mit den herrlichen Vätergeschichten gewinnt, aus dem gleichen Worte, das dem jüdischen Schüler erst den einfachen Sinn der G'ttlichkeit vermittelt, haben Hilel und Schammai und die späteren Schulen die tiefsten Geheimnisse für Welt und Leben und die jüdische Bestimmung herausgeholt. Der Text ist der gleiche. „Die Thora ist für Alt und Jung in siebzig Sprachen verkündet worden, für jeden nach Maßgabe seiner Kraft . . ." „Und du wirst erzählen ins Ohr deines Sohnes und Sohnessohnes ... und daß ihr — alle — erkennet, daß ich G'tt bin! . . ." * Die Finsternis als vorletzte Plage war so geartet, daß im gleichen Räume der Jude ins helle Licht schaute, während es dem Mizri stockfinster vor Augen war. In Sifri kommt es auf die Frage, woher G'tt die Finsternis geholt hat, zu einer Meinungsverschiedenheit. Die einen sagen: aus dem Abgrund kam sie heraufgeklettert. Andere meinen: von höchster Stelle unter dem Ehrenthrone G'ttes wurde sie herabgeschickt. „Ein höheres besseres Licht leuchtete in der Welt nach dem ersten Schöpfungstage; so stark war das Licht, daß es das Menschenauge nicht ertragen konnte. So versteckte G'tt dieses höhere Licht unter Seinem Ehrenthrone für spätere, bessere Zeiten und gab dem Menschen das kleinere Ersatzlicht, dessen wir uns heute noch erfreuen." Soweit Midrasch. Diese Tradition gibt einem Erklärer Veranlassung, das Wesen der ägyptischen Finsternis sinnreich zu deuten. Es war keine gewöhnliche Finsternis, sie kam — nach der Ansicht der Einen — von höchster Stelle unter dem Throne G'ttes, also war sie gar nicht Finsternis, sondern in Wahrheit das höhere Licht, das dort G'tt am ersten Tage versteckt hatte. Und dieses höhere Licht, das dem nunmehr geläuterten, geulahreifen Israel erträglich war, blendet die Mizrim, bedeutet für sie Nacht und Finsternis, Wir erleben es im Geistigen oft genug, daß das, was für den Bevorzugten und Geläuterten höchst e s L i c h t ist, für den^Anderen, der in der Niede-

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