Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 2 (11.1.1934)
- Date
- 1934-01-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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11. Januar 1934 D e r I s r a e 1 i t Nr. 2 Seite 7 scher Abstammung ist, zur Tätigkeit bei den reichs- ' gesetzlichen Krankenkassen nicht neu zugelassen werden. Es handelt sich hierbei um eine vorläufige Maßregel. Die endgültige Regelung wird voraussichtlich ■ bei der Schaffung der neuen Aefzteordnung' erfolgen. Auf Grund der Verordnung vom 20. 11. können danach keine Maßnahmen vorgenommen werden, die der endgültigen Regelung vorgreifen würden. Die Verordnung läßt ihrem klaren Wortlaut nach die Bestimmungen über das Aerzteregister unberührt. Insbesondere ist es danach nicht zulässig, daß die Verordnung vom 20. 11. zum Anlaß einer Streichung im Aerzteregister genommen wird. Ferner ist nach wie vor § 7 Abs. 2 der Zulassungs- ' Ordnung durch die Sperrverdrdnung nicht berührt worden, wonach die Eintragung eines nicht zugelassenen jüdischen Frontkämpferarztes in mehreren Arztregistern zulässig ist; Hierdurch haben diese von der, Großstadtsperre betroffenen Aerzte die Möglichkeit, sich gleichzeitig in verschiedene Arztregister eintragen zu lassen und sich um die Zulassung in verschiedenen Städten unter 100.000 Einwohnern zu bemühen. Eine Streichung in dem bisherigen Register ist hierfür nicht erforderlich. Nichtarier und akademische Prüfungen. Berlin, 8. Jan. . Der Amtliche Preußische Pressedienst teilt mit: „Zur Klärung von Zweifeln, die darüber entstanden sind, ob die zum weiteren Studium zugelassenen Studierehden nichtarischer Abstammung ohne besondere Bedingungen auch zu den akademischen Prüfungen (Diplomprüfungen — Doktorprüfungen usw.) zugelassen werden dürfen, hat der preußische Kultusminister R u s t einen Erlaß herausgegeben, der auch über andere mit den Prüfungen nichtarischer Studierender zusammenhängende Fragen Bestimmungen trifft. Nach diesen Bestimmungen wird zukünftig folgendermaßen verfahren werden: Zu den Prüfungen sind diejenigen Reichsdeutschen nichtarischer Abstammung unbeschränkt zugelassen, deren Väter im Weltkriege an der Front für das Deutsche Reich oder seine Verbündeten gekämpft haben, sowie Abkömmlinge aus Ehen, die vor Inkrafttreten des Reichsgesetzes gegen die Ueberfüllung deutscher Schulen und Hochschulen vom 25. April 1933 geschlossen sind, wenn ein Elternteil oder zwei Großeltern arischer Abkunft sind. Ferner sind zu den Prüfungen zugelassen diejenigen Studierenden nichtarischer Abstammung, die entweder zum Studium selbst zugelassen sind, oder denen das weitere Studium gestattet ist, und zwar auf Grund des Ausführungserlasses des preußischen Kultusministers vom 16. Juni 1933 zur Ausführung des Gesetzes gegen die Ueberfüllung der deutschen Schulen und Hochschulen vom -23. April1 1933." Keine Erweiterung der Arierbestimmungen. .;..; . B.e.rlin,.. 8.- Jan. Ein Berliner Arbeitsgericht...hatte; kürzlich: einen nichtarischen Syndi k.u s als,. Vertreter eines. Arbeitgeberverbandes' mit der Begründung abgewiesen, daß die Arierbestimmungen für Rechtsanwälte sinngemäß auch gegen ihn, den nichtarischen Verbandsvertreter, anzuwenden seien, so" daß er nicht vor Gericht auftreten dürfe. Das Landesarbeitsgericht weist das Arbeitsgericht an, den Syndikus als Prozeßvertreter des Arbeitgeberverbandes zuzulassen; so lange er Angestellter seines Verbandes sei und so lange nicht ejne entgegenstehende Anordnung einer behördlichen Verwaltungsstelle vorliege. In1 der Begründung zu dieser Entscheidung wird u. a. auch auf Ausführungen des Staatssekretärs im preußischen Justizministerium Dr. Freister verwiesen, nach denen die Gerichte sich ^nicht an die Stelle des Gesetzgebers setzen" dürfen. Es gehöre also nicht zu den Befugnissen der Gerichte, die vom Gesetzgeber eingeführten Arierbestimmung eh. im Wege der R e c h t s p r e c h u n*g noch zu. erweitern, ' ( , Noch immer Boykottbestrebungen. B erlin; 28. Dez. Die in Regensburg erscheinende „Bayerische Ostwacht" brachte am 18. 12. einen Artikel „Wer macht in Neumärkt das beste Weihnachtsgeschäft?", der folgenden Wortlaut hatte: „Es ist eine Sünde, wie an den Markttagen die Landbevölkerung die Judengeschäfte aufsucht. Unser Führer sorgt Tag und Nacht für dein Wohlergehen und du trägst deinen Dank ab, indem du deinen ärgsten Feinden, die auch dich an den Rand des Verderbens brachten, dein Geld bringst. Weißt du, daß du Die Woche- Berlin. In Breslau ist Joseph Z i p p e s an den Folgen einer im Kriege erlittenen Verletzung gestorben. Zippes hatte sich im Alter von noch nicht vierzehn Jahren dem deutschen Heere an der Palästinafront zur Verfügung gestellt und dürfte wohl der jüngste Freiwillige der deutschen Armee gewesen sein. Er war zuletzt, obwohl er beide Beine verloren hatte, nach vollendetem Studium als Gewerbeoberlehrer tätig. Stettin. In Treptow (Pommern) hatten 26 nichtjüdische Geschäftsleute einen Boykottaufruf gegen die vier am Orte ansässigen jüdischen Einzelhändler ^erlassen. Der Zentralverein erreichte, daß der Polizeipräsident auf Grund der bekannten Erklärungen des Reichswirtschaftsministers die Abfasser des Boykottaufrufes verwarnt und auf das unzulässige ihrer Handlungsweise verwiesen wurden.. Wien. Das Begräbnis Jakob Wassermanns fand auf dem Friedhof auf Alt-Altaussee im engsten Kreise der Familie und einiger befreundeter Schriftsteller statt. Die Gedenkrede hielt der Grazer Oberrabbiner, Professor Herzog, der auch die Gebete sprach. Amsterdam, Unter der Redaktion von Dr. Nathan Birnbaum im Haag, und Aime Palliere, Paris u. a. wird in Rotterdam eine unabhängige jüdische Halbmonatsschrift unter dem Titel „Der Ruf" erscheinen, die „fern von aller Politik ein Mahner zur Tat" sein will. Warschau. Im Januar 1933 sind mit Hilfe des Warschauer Palästina-Amtes 11.915 Juden' nach Palästina ausgewandert. London. Anläßlich des Jahreswechsels wurden viele bekannte Juden mit hohen Orden ausgezeichnet. D'Avigdor Golds chmid erhielt die Baronettwürde. Saloniki, Wegen Nichtzuteilung eines Palästihazertifikates hat eine Frau in Saloniki, die seit Monaten vergebens darauf wartete, zu ihrem in Palästina arbeitenden Manne zu gelangen, Selbstmord begangen. Der Fall hat in der Städt große Erregung hervorgerufen. Jerusalem. Die vom Gerichte über die Araber Achmed Galjani und Mustafa Ali wegen Ermordung des Kolonisten Jakobi. und seines neunjährigen Sohnes in Nahalal verhängte Todesstrafe wurde nun vom Obergerichte bestätigt. Es ist erwiesen, daß der Mordplän von einer arabischen T e rroristenbande ausgegangen war.. — Eine Beduinenbande überfiel bei W a a d i H a ä w r i t h jüdische Landarbeifen Die Angegriffenen setzten sich kräftigt zur Wehr, doch: wurden zwei von ihnen ernstlich verletzt und nach Chederah zur Behandlung gebracht,,;, Eine Polizeiabteilung nahm die. Verfolgung der Beduinen auf. — Südlich' von Jerusalem auf der Straße nach Hebron unweit der „Teiche Salomos"t wurde von'Juden ein Gebiet von 5000 Dunam erworben, auf dem 200 Familien Obstbau, für den sich der Boden glänzend eignet, betreiben sollen. Eine ähnliche kleine Siedlung wurde auch in Ras e 1 Ain in der Nähe von Petach Tikwah ins Leben gerufen. Tel-Awiw. Zur Errichtung von A u s s t e l,J;u ixg-s b a u.t e n für die Levantemesse in Tel-Awiw würden 140.000 Pfund bewilligt. Schon jetzt sind auf dem Messegelände 500'Arbeiter und Angestellte beschäftigttüNewyork. Henry Ford, der früher als;.Führer des amerikanischen Antisemitismus galt, (seit 1927 aber von,, der Bewegung abgerückt ist, äußerte in einem Interview, er, habe nie einen Cent für antisemjtische Zwecke beigesteuert. Er habe jüdische Geschäftsfreunde und beste Beziehnungen zur jüdischen finanziellen Körperschaft und möchte nicht als Judenhasser gelten; — Nach kurzer Krankheit verstarb der jüdische Gelehrte George Alexander Kohut im 60. Lebensjahre. Er war der Sohn des ' durch seine Schriften allbekannten Bibliographen Alexander Kohut. ein Deutscher bist und du an Markttagen in der Stadt des großen Dichters weilst? Denke an den von ihm geprägten Kampfruf: „Deutschland erwache". Wenn du, vom unteren Tor die Stadt betrittst, dann siehst du den Fahnenschwenker mit der Hakenkreuzfahne und darunter in goldener Inschrift die Worte: „Deutschland erwache". Solange du dein Geld zum Juden trägst, bis du noch nicht erwacht. Mit diesem Tun besudelst du dich, deine Fahne und deinen toten Landsmann Dietrich Eckart. Kannst du die Judengeschäfte nicht meiden, dann bist du kein Deutscher und noch viel weniger ein Nationalsozialist. Ein Sprichwort sagt: „Sage mir, mit wem du umgehst, dann will ich dir sagen, wer du bist!" Im „Eschweger Tageblatt" vom 18. Dezember ist in der Rubrik „Braunes Brett" eine Bekanntmachung des dortigen Kreisleiters der NSDAP, veröffentlicht, in der es u. a. heißt: „Von jüdischer Seite wird der Schwindel verbreitet, daß die NSDAP, und die NS-Frauenschaft, sowie einige andere der NSDAP, angeschlossenen Organisationen ihren Mitgliedern gestattet hätten, in jüdischen Geschäften zu kaufen und mit Juden zu handeln. Wer als Mitglied unserer Bewegung in jüdischen Geschäften kauft oder mit Juden handelt, wird wegen parteischädigenden Verhaltens aus der Bewegung ausgeschlossen. Nationalsozialisten kaufen, insbesondere zum deutschen Weihnachtsfest, nur in deutschen Geschäften." Unzulässige Adoptionen. Berlin, 7. Jan. Hinsichtlich der mißbräuchlichen Annahme an Kindesstatt hat der preußische Minister des Innern die Regierungspräsidenten angewiesen, der Bestätigung von Annahmeverträgen im öffentlichen Interesse zu widersprechen, wenn der Vertrag zwischen einem arischen und einem nichtarischen Vertragsteil geschlossen werden soll; desgleichen dann, wenn der Anzunehmende qiner körperlich, geistig oder moralisch minderwertigen Sippe entstammt. Schweiz. Angebliche Steigerung der Arbeitslosigkeit in Palästina. Genf, 7. Jan. Das letzte Vierteljahrsbulletin des Internationalen Arbeitsamtes über die Weltlage auf dem Arbeitslosenmarkt enthält die überraschende Angabe, ,daß die Zahl der Arbeitslosen in Palästina von 15.120 im November 1932 auf ca. 18.000 im November 1933 gestiegen ist. Diese Feststellung ist um so auffallender, als die Arbeitslosenziffern fast aller übrigen angeführten Länder niedriger sind als vor einem Jahre. Hierzu ist zu bemerken, daß die statistischen Angaben des Internationalen Arbeitsamtes bezüglich Palästina sich auf die in regelmäßigen Zeitabständen in der „Official Gazette" veröffentlichten offiziellen Schätzungen' der palästinensischen Regierung -stützen. Die Art, wie die Palästina-Verwaltung den Begriff des Arbeitslosen. auffaßt — ,.es werden Kleinbauern, die sich in der landwirtschaftlich töten Saison zu..Gelegenheit s a r b e i t e n verdingen, als arbeitslos registriert, wenn sie eine solche Nebenbeschäftigung aufgeben — und die Methoden, nach denen die Schätzung der Zahl sogenannter Arbeitsloser durchgeführt wird, wurden wiederholt nicht nur jüdischerseits, sondern auch durch Mitglieder der Mandatskommission des Völkerbundes beanstandet. M Oesterreich Zahlenmäßiger und wirtschaftlicher Niedergang der Wiener Judenheit. Wien, 4. Jan. .Der von der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde veröffentlichte statistische Ausweis für die Zeit von Anfang Januar bis Ende November .1933 zeigt eine erschreckende Abnahme der jüdischen Bevölkerung. In den erwähnten elf . Monaten wären unter den Wiener Juden 2534 Sterbefälle und 690 Austritte zu verzeichnen; dem stehen im ganzen 857 Geburten und 336 Eintritte bezw. Wiedereintritte gegenüber. Die Abnahme macht also gut 65 Proz. der Zunahme aus.