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Der Israelit · 1934-01-11 · Heft 2 (11.1.1934) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 2 (11.1.1934)
Date
1934-01-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr. 2 Der Israelit ,1t. Januar 1934 Schuljahres waren es bloß vier Volksschulen und ein Gymnasium mit hebräisch-tschechischer Unterrichtssprache in Munkacs (ausgerechnet in — Munkacs!). Dazu kamen in den letzten Wochen, wie wir berichteten, weitere drei Völksschulen. Den Unterricht an diesen Schulen erteilen nicht ausgebildete Lehrer, sondern zumeist Maturanten des Munkacser Gymnasiums, Ihre Gründung und ihren Bestand verdanken diese Schulen keineswegs irgend einem tatsächlichen Bedürfnis der jüdischen Bevölkerung, sondern ausschließlich dem Zionismus, dessen politischer und „kultureller" Propaganda allein sie dienen. Die judische Bevölkerung des Landes wurzelt in ihrer überwiegenden Mehrheit im glaubenstreuen Judentum und will ihre Jugend ebenfalls im gleichen Geiste erzogen wissen. Trotz der furchtbaren Armut, die in der jüdischen Bevölkerung seit Jahren herrscht und trotz allerlei materieller Vorteile aus Volksküchen, Wohltätigkeitsgeldern uswM mit denen die armen, hungernden Kinder in die zionistischen Schulen gelockt werden, entschließen sich orthodoxe jüdische Eltern nur in äußerst seltenen Fällen, ihre Kinder diesen Schulen anzuvertrauen, oder sie nehmen sie bald wieder heraus, wflnn sie noch rechtzeitig merken, wo der Geist der Schule hinstrebt. Selbstverständlich stehen die religiösen Leiter der Gemeinden diesem ganzen zionistischen Schulwerk durchwegs und ausnahmslos ablehnend gegenüber. Selbst die Gründung von jüdisch-konfessionellen Schulen wurde in den meisten podkarpatskarussischen Gemeinden von seiten der jüdischen Bevölkerung abgelehnt, weil man es im früheren Ungarn nicht verstanden hat, religiös qualifizierte und religiös vertrauenswürdige Lehrer in ausreichender Zahl heranzubilden. Diesen Mißstand machte sich seit der staatlichen Neuordnung die religionswidrige zionistische Propaganda zunutze und stellte ihren Agitatoren auf Jahre hinaus reichende Geldmittel zur Verfügung, um ihre eigenen Schulen in das jüdische Gemeindeleben hineinzuschieben. Den staatlichen Behörden, denen die „hebräische" Schule begreiflicherweise als der Gipfel jüdischerzieherischer Vollkommenheit erscheinen muß, wurde — leider ohne wirksamen Widerspruch von seiten der vielfach selbst zionistisch infizierten offiziellen Körperschaften der Gemeinden — eingeredet, es sei im Interesse einer „kulturellen Hebung der in Finsternis und Fanatismus verkommenen Juden" notwendig, diese Schulen zu dulden und sogar mit der staatlichen Autorität zu decken. Den in den Stadtparlamenten sitzenden Vertretern der zionistischen „Jüdischen Partei" ist es in einigen Gemeinden, wie Uzhorod, Munkacs usw., sogar gelungen, aus den Steuergeldern der religiösen Juden für die zionistischen Schulen städtische Subventionen zu erwirken. Die Schuld an dieser moralischen Ungeheuerlichkeit trägt alerdings hauptsächlich, die Unbekümmertheit der orthodoxen Bevölkerung oder die Unfähigkeit ihrer Sachwalter, sich der ihnen schlau gelegten Fallstricke der zionistischen Agitatoren mit tauglichen Mitteln zu erwehren. Dessenungeachtet will es den zionistischen Anstrengungen nicht recht glücken, diesen ausgezeichneten Instrumenten zur Entfremdung der gegenwärtigen jüdischen Jugendgeneration von den religiösen Idealen der Väter eine dauernde finanzielle Basis zu schaffen. Die Geldquellen der Prager und Brünner Gesinnungsgenossen währen auch nicht ewig. Manchem der irregeführten Geldgeber erscheint es mit der Zeit vielleicht denn doch edler und rechtschaffener, jüdische Kinder nicht gewaltsam, ihren Eltern zum Trotz, dem jüdischen überlieferten Leben zu entziehen. Die Kenntnis der jüdischen allgemeinen Not bringt auch manchen auf den Gedanken, entbehr-: liehe Geldmittel dringenderen Zwecken zuzuführen als der zionistischen Parteipropaganda unter Schulkindern. Die Folge davon ist, daß die zionistischen Schulen immer mehr ihrem wohlvejr-; dienten Schicksal zu verfallen drohen. 1 In dieser Situation sind die Lenker der zionistischen Geschicke in unserem Lande auf einen recht originellen Gedanken gekommen. Sie haben ein Mittel gefunden, um die Juden dieses Staates zu zwingen, gegen ihren Willen und ohne sie auch nur zu befragen, zur Erhaltung der zionistischen Propagandaschulen beizutragen. Sie. wollen nämlich, wie jetzt bekannt wird, diese Schulen mitr Umgehung und Ausschaltung der berufenen konfessionellen Vertretungskörperschaften des Judentums als nationale „Minderheitsschulen" der Juden „verstaatlichen" lassen, d. h. die Kosten ihrer Erhaltung der gesamten Bevölkerung aufhalsen. Es ist noch ungewiß, ob unsere Regierung auf diesen Plan eingehen werde, namentlich ob sie entgegen ihrer bisherigen Praxis in einschneidenden Fragen des jüdischen kulturellen Lebens und der Jugenderziehung auf Vorschläge eingehen werde, die nach den Feststellungen der maßgebenden Autoritäten des traditionellen positiven Judentums mit den Interessen des Judentums unvereinbar sind. Wenn es aber Wortführern der zionistischen „Jüdischen Partei", die in dieser Sache seit längerer Zeit Schritte unternehmen, allen Erwartungen der religiösen Juden dieses Staates "entgegen, dennoch gelingen sollte, ihren Willen: durchzusetzen, so wäre das ein Schlag gegen die geistigen und religiösen Lebensinteressen des religiösen Judentums, wie er in diesem Lande seit einem Jahrhundert nicht geführt wurde. Denn damit würde ein ganz neuer Typus „jüdischer" Schulen von Staats wegen geschaffen werden, der mit der historischen und wahren Bedeutung der Bezeichnung „jüdisch" noch unvergleichlich weniger gemein haben würde, als es anno dazumal die Schulen wareni die von den assimilatorische Reformjuden mit Hilfe des Staates errichtet wurden und viele Generationen jüdischer Jugend dem Abfall in die Arme trieben. Diese jüdischen „nationalen Minderheitsschulen" auf Staatskosten wären absolut losgelöst von jeder konfessionellen Gemeinschaft Korrespondenzen- Deutsches Reich. Nur Arier als Leiter gewerblicher Privatschulen. Berlin, 28. Dez. In derselben Weise, wie schon der preußische Kultusminister die Erstellung von privatem Unterricht durch nichtarische oder national nicht zuverlässige Lehrpersonen verboten hat, ordnet nun auch der preußische Wirtschaftsminister in einem Erlaß an, daß Nichtärier 'oder national nicht zuverlässige Leute genehmigungspflichtige,,private Schui- und Unterri'chtsanstalten nicht leiten- und an ihnen nipht. lehren1} dürfen. Eine Ausnahme ist auch hier-wieder'gemacht —- wie im Beruf sb'eamtengesetz.'^- für Frontkämpfer und solche Lehrer _ und Lehrerinnen, ..deren Väter, Söhne oder Ehemänner im Weltkriege gefallen sind, oder die schon vor dem Kriege Privatunterricht erteilt haben. Nichtarier dürfen jedoch auch gewerblichen Privatunterricht an nichtarische Schüler erteilen. Die noch laufenden Schulkonzessionen sind bis 31. März 1934 nach diesen Richtlinien zu prüfen. Ariergrundsatz md Kreditwesen. ,: ' j '[ "'- B. erlin, 29. Dez. Der Central-Verein'' deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hätte' d'enr Reichs wirtschaftsminister Mitteilung davon gemacht, daß verschiedene Sparkassen und Genossenschaftskassen dazu übergegangen sind, ihren jüdischen Kreditnehmern die Kredite' zu kündigen. Daraufhin' ist dem Centrai-Verein ein Schreiben des Reichswirtschaftsministers zügegangen, in dem es heißt: , Am 8. September habe ich an den Deutschen Industrie- und Handelstag in Berlin 'das abschriftlich beigefügte Schreiben gerichtet, das den Regieruhgen der Länder zur Kenntnis zugegangen ist. Was in diesem Schreiben bezüglich der Unterscheidung zwischen arischen und nichtarischen Firmen innerhalb des Judentums und. von jeder religiösen Bindung: welcher Art immer. Sie wären auch irgend einer religiösen Beeinflussung durch die jüdischen Gemeinden und jüdischen Gemeinschaften nicht zugänglich. Denn die bisherigen jüdischen Gemeinden sind doch gedanklich, weltanschaulich und staatsgesetzlich Institutionen der jüdischen Konfession und nicht einer neuentdeckten und gesetzlich keineswegs geregelten „jüdischen nationalen Minderheit", die ein neuer leiser Wink auch, in der Politik wegzublasen vermag. Die staatliche außerkonfessionelle, areligiöse, hebräische, „nationale Minderheitsschule" wäre das Gegenstück zur konfessionellen jüdischen Schule und gegebenenfalls ganz bestimmt ein gefügiges Instrument in den Händen der fanatischen Zionisten zur völligen Umwandlung unserer in den Gesetzen unseres Staates unbestritten fest verankerten religiösen jüdischen» Gemeinschaften in eine modernistische, zionistische, nationale . Minderheitsgemeinschaft, wie sie selbst unter den Zionisten nicht viele wünschen. Darum müßten die religiösen jüdischen Vertretungskörperschaften unseres Staates auf der Hut sein und gegnüber den Aktionen der „Jüdischen Partei" ihre Anschauungen an zuständiger Stelle beizeiten zur Geltung bringen. Es wird von der „Jüdischen Partei" zunächst versucht werden, einen prinzipiellen Erfolg zu erzielen und mit der „Verstaatlichung" einer Schule, nämlich der zionistischen hebräischen Volksschule in Munkacs (seit der Abtrennung der Munkacser jüdischen Gemeinde von der alten offiziellen Landesorthodoxie ist Munkacs der geeignetste Brutherd für alle zionistischen Bestrebungen!) — wie jüngst ein Pressebericht ankündigte —, ein Präjudiz zu schaffen. Eine Unterlassung in diesem Moment wäre demnach eine Sünde für die Dauer. der Wirtschaft ausgeführt ist, gilt auch für die Belassung von zur Verfügung gestelltem Kredit und von der Gewährung neuer Kredite. 1934 keine privaten arischen Adreßbücher mehr. Berlin, 28. Dez. Der Reichsstand der Deutschen Industrie, der Reichsverband der Adreßbuch-Verleger, der Deutsche Industrie- und Handelstag, der Reichsstand des Deutschen Handwerks, der Centraiverband des Deutschen Bank- und Bankiergewerbes und der Reichsverband der Privatversicherung haben folgenden Beschluß gefaßt: Bis zum 1. Januar 1935 werden von den Mitgliedern der angegebenen Reichsstände und Spitzenverbände zur Wirtschaftswerbung für sogenannte nationale oder arische Adreßbücher, Bezugsquellenverzeichnisse, Firmenlisten, Handbücher und ähnliche Nachschlagewerke, Eintragungsaufträge und Inserate nicht mehr; erteilt;1 'soYern sie von privatwirtschaftlichen Verlagsunternehmungen herausgegeben werden. Diese Maßnähme hat5 sich als 'unumgänglich notwendig erwiesen, da nachweislich in einer Unzahl von Fällen Geschäftemacher und sogar Schwindler mit den Zielen und Ergebnissen der nationalsozialistischen Erhebung, oft unter Mißbrauch des Parteinamens und der Partei-Symbole, Privatgeschäfte machen. Im übrigen besteht Einigkeit darüber, daß wirklich zuverlässige, dem gedachten Ziele dienende Kontrolle und Unterscheidung durch den privaten Apparat und eine Unterscheidung durch' den privaten Apparat jedes einzelnen Verlagsunternehmens mangels jeder autoritären Voraussetzung unmöglich sind. ■ j Keine Sperre für Eintragung jüdischer Aerzte in das Aerzteregister. . Berlin, 28. Dez. Die Verordnung über die Zulassung von Aerztenr Zahnärzten und Zahntechnikern zur Tätigkeit bei den Krankenkassen vom 20. 11. 1933 (RGBl. I, S. 983) wird in der Praxis an manchen Orten irrig ausgelegt. Art. IV der Verordnung bestimmt, :da'ß" vorbehaltlich einer endgültigen Regelung bis auf weiteres in Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern Aerzte nichtarischer Abstammung sowie Aerzte, deren Ehegatte nichtari-

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