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Der Israelit · 1934-01-11 · Heft 2 (11.1.1934) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 2 (11.1.1934)
Date
1934-01-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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11. Januar 1934 Der Israelit Nr. 2 Seite 5 Von auffälligen Razzias sieht man in Kiew, wo der Berichterstatter weilte, ab. Man holt die Dollarverdächtigen bei Nacht möglichst unauffällig ab. Auf dem Chmelnitzkiplatz — ein blutiges Symbol — befindet sich das Quartier, in dem die Inquisitoren alle bewährten Mittel besitzen und anwenden; um dem Beschuldigten Geständnisse abzupressen. Ist ein Geständnis erfolgt, dann wird kurzer Prozeß gemacht: Einziehung der Dollar, dazu noch empfindliche Geld- und Gefängnisstrafe. Ist ein Geständnis — wohl aus Mangel an Objekt —, nicht zu erzielen, dann weiß die Familie, daß sie auf ihren Ernährer, den Vater oder den Sohn, zuweilen sogar die Mutter, lange vergebens wird warten müssen. Das Ausland wird das, was sich in jenen Inquisitionsgewölben abspielt, nie erfahren, weil kein Jude es wagen würde, ein Wort über seine Erlebnisse im Lahde selbst zu verlieren, geschweige denn in die Welt jenseits der russischen Grenze hinauszuschicken. Wir wissen es, und wir ahnen es, mitten in der allgemeinen jüdischen Not, daß es Brüder gibt, deren Lage noch unsäglich kritischer ist und die auf unsere Hilfe angewiesen sind. Um so dringender erwächst aber den Brüdern in den Ländern, die sich noch eines relativen Wohlstandes erfreuen, die Pflicht, gesetzlich zulässige Mittel und Wege zu schaffen, den unglücklichen, im Lande selbst deklassierten und von den amerikanischen Verwandten getrennten russischen Juden die zur Stillung des Hungers nötige Hilfe zu reichen. Gegen unsachliche Polemik. Wir hatten nicht daran gezweifelt, daß die geschworenen Feinde der agudistischen Orthodoxie, die selbstverständlich nicht in den Reihen der assimilatorischen oder zionistischen Liberalen zu suchen sind, sondern im oder beim Lager des „Misrachi", die gute Gelegenheit der Gründung des „Noar Agudati" nicht würden vorüber, gehen lassen, um die Schale ihrer lieblosen Kritik über diesen neuen Sturmtrupp für eine thoratreue Jischuw-Arbeit auszugießen. Genau so wie es Herrn Dr. Oskar Wolffsb e r g Lebensbedürfnis war, Männer vom Range Dr. Moses Auerbachs, Dr. Leo Deutschland e r s oder Dr. Markus Elias in ihrer Ehre und ihrem Ansehen als Pädagogen von wahrhaft religiöser Gesinnung nach Kräften öffentlich herabzusetzen, — es schien uns s. Zt. nicht der Mühe wert, auf diese Anwürfe zu antworten —, so kann natürlich auch sein Gesinnungsgenosse, Herr Jeschaia Leibowitz, Erfüllung seines Willens, die Gewinnung seines Wohlgefallens und seines Beistandes anzustreben, ist unser ganzes Tun und Lassen wertlos und alle unsere Hoffnung eitel. 8. G'tt hat noch immer den durch besondere Führung und Fürsorge gekennzeichnet, der sich ihm ganz hingegeben. An dem Lebensgang und Geschick eines solchen ist es immer erkennbar gewesen, daß die gänzliche Hingebung an G'tt und das Vertrauen auf ihn kein leerer Wahn. ist. 9. Scheingrößen, wie stolz und herrlich sie sich auch darstellen mögen, vor G'ttes Augen haben sie keinen •Bestarid. Mögen Menschen gelungenen Gewaltstreichen zujubeln und sich mit ihnen befreunden. G'ttes Haß ist ihnen überall, in hohen und niederen Schichten gewiß. 10. Betrug ist G'tt wie Totschlag verhaßt. 11. Die Verachtung der sittlichen Pflichten ist ebenso Torheit wie die Verachtung der Weisheit. 12. Gewiß muß der Mensch zur Erkenntnis des Rechten selbst das meiste tun. Um aus dem in der Thora uns geöffneten Born der g'ttlichen Wahrheit für jeden vorliegenden Fall, für jeden zu tuenden Schritt das Rechte zu schöpfen, bedarf es des Aufgebots der ganzen eigenen geistigen Anstrengung. 13. Israel ist der Bote der Erlösung an die Menschheit, der Verkünder und der geschichtliche Beweis zugleich, daß es eine Wiedererhebung aus aller Gesunkenheit, eine Erlösung aus allem leiblichen, geistinicht dulden, daß die agudistische Jugend sich eine eigene, ihrer Geistesrichtung entsprechende Plattform für ihre Erez Jisroel-Arbeit schafft. Die Oeffentlichkeit kennt den religiösen Standpunkt des Herrn Leibowitz aus seinen Publikationen im Misrachi-Organ und in dem Korrespondenzblatt des ,,Brith Chaluzim Datiim". Ihm ist Nationalismus, Land und Sprache, zum mindesten das Primäre oder Zentrale im Judentum, das religiöse Moment, soweit es dogmatisch überhaupt in der überlieferten Form zu halten ist, eine wertvolle Nuance jüdischen Geistesguts. Herrn Leibowitz muß also die Gefühlswelt des alten Jischuw mit ihrer vorbehaltlosen Gläubigkeit, mit ihrer absoluten Einordnung des Landes, des Volkes und der heiligen Sprache in die Liebe zu G'tt und Seinem Gesetz ein Buch mit sieben Siegeln sein. Er kennt die Entrüstung, kennt die Verzweiflung nicht, die den ehrlichen Jehudi, mag er dem alten Jischuw angehören oder nicht, erfaßt, wenn er ohnmächtig, mit ansehen muß, wie der heilige Boden unter den Fußtritten sabbatschändender, Körper und Seele entweihender zionistischer Chaluzim erzittert. Wenn die ,,an der europäischen Kultur teilhabenden Wortführer der Aguda" sich in dieser Entrüstung über die zionistische Zerstörungsarbeit mit dem alten Jischuw identifizieren, dann hat Herr Leibowitz — weil ihm selber diese Gefühle fremd sein müssen — den traurigen Mut, den Agudaführern Heuchelei und Unehrlichkeit vorzuwerfen! Wenn die Aguda die Degradation des souveränen G'ttesgesetzes zu einem Fraktionsprogramm, wie sie der „Misrachi" vollzieht, „jahrzehntelang" als Versündigung wider den Geist des Judentums, , als Preisgabe der eindeutigen. ''öW DIDVö n^np durch das jüdische Volk gebrandmarkt hat, so weiß Herr Leibowitz davon nicht das Geringste; er unterstellt vielmehr frischweg, weil ihm das besser in den Kram paßt, man habe dem „Misrachi" nur vorgeworfen, „daß Von J. J. Braun in Bratislava. Angesichts der Bewegung und der Neugestaltungen im jüdischen Schulwesen Deutschlands scheinen uns die nachfolgenden Ausführungen für die verantwortlichen gesetzestreuen Schulpolitiker auch außerhalb der Slpvakei sehr beachtenswert. Red. gen, sittlichen und menschengesellschaftlichen Uebel, eine Auferstehung aus aller leiblichen und sittlichen Erstorbenheit gebe, und daß G'tt es ist, der die Bande des Todes und der Schuld löst und mit seinem Weckruf und seiner Allmachtsgnade in jedem Augenblick bereit ist, ein neues Lehen und eine neue Zukunft zu gewähren. 14. Das Sterben eines Menschen ist nur eine Folge der von G'tt einmal gegebenen Naturordnung, offenbart somit zunächst nur diese Naturordnung, deren Macht kein Mensch sich entzieht. Aber das Leben, vor allem die Wiederbelebung, die Neuverjüngung eines bereits verlorenen Daseins, sie ist der G'tt offenbarende Fingerzeig, sie zeigt G'tt, wie Er über den von Ihm geordneten Naturgewalten steht und ewig bereit ist, dem Menschen für sein künftig treues Schaffen, für seinen künftig pflichttreuen G'ttesdienst auf Erden neue Kraft und neues Leben zu spenden. 15. Dem heidnischen Gedanken zeigt sich die höchste G'ttesmacht in dem Darniederwerfen der höchsten Menschenmacht und Größe, in der zu fürchtenden, tötenden Gewalt, welcher alles Lebendige erliegt. Denn seine Götter sind ja eben nichts als die Gewalten der von G'tt geordneten Natur. Die jüdische Wahrheit aber spricht: So wahr ich lebe, spricht G'tt, ich finde meinen Willen nicht an dem Streben des Bösen, sondern an der Rückkehr des Bösen von seinem Wandel, auf daß er neues Leben gewinne. 16. Was von dem Menschen im Grabe liegt, zollt nicht mehr den Lebensdienst, in welchem der Mensch auf Erden die sittlich freie G'tteshuldigung nach g'ttlichem Willen betätigen soll. Was von dem Mener sich nicht als Fortführung des allein echt-jüdischen Alten Jischuw fühlte" und nur dasselbe getan habe, was jetzt der „Noar Agudati" tue! Während die deutsche agudistische Orthodoxie in ehrlichem geistigem Ringen um die erdrückende Problematik des Erziehungswesens in Erez Jisroel schon vor mehr als 25 Jahren mit ihren Schulen in Petach-Tikwah, Rechowoth, Ekron, Haifa den Versuch gemacht hat, die berechtigte Furcht vor der Assimilation (wie sie in dem sogenannten „Cherem" zum Ausdruck kommt), mit den Erfordernissen des Lebens in Einklang zu bringen, während auch heute für alle ehrlich Strobonden mit der Auseinandersetzung um dieses inzwischen noch viel brennender gewordene Problem die schwerste innere Tragik verknüpft ist — hat der leichtbeschwingte Herr Leibowitz in seiner Oberflächlichkeit nichts Besseres zu tun, als der Aguda das misrachistische Schulwerk vorzuhalten, obgleich er doch wissen müßte, daß dieses Schulwerk, grade, weil es ohne ernste Selbstprüfung über den alten Jischuw zur Tagesordnung überging, dem gesetzestreuen Judentum kaum eine ' Seele gewonnen und mit einem religiösen Fiasko ohnegleichen geendet hat. Was verschlägt's? Herr Leibowitz kommt es lediglich darauf an, „Frankfurt" zu verhöhnen, zu beleidigen und sich selber und seine engeren Gesinnungsgenossen auf dem Piedestal des Rechthabens in bengalische Beleuchtung zu setzen. Habeat sibi! Der „Noar Agudati"-Jugend selber möchten wir es überlassen, sich mit Herrn Leibowitz über den ihr gemachten Vorwurf des gedanklichen und wörtlichen Plagiats auseinanderzusetzen. Es kann nichts schaden, wenn diese Jugend in ihrem angeblich „zionistischen Elan" selber bald erkennt, wo ihre wahren Feinde hausen und wo die ehrliche Sorge um die Zukunft der Thora wohnt. Die verschiedenen zionistischen Organisationen erhalten — wie bekannt — in einigen Gemeinden von Podkarpatska Rus sogenannte „hebräische" Schulen und brachten auch bisher zumeist selbt die hiezu notwendigen Geldmittel im In- und Ausland auf. Ursprünglich gab es zehn bis zwölf solche Schulen. Am Ende des vorigen sehen im Grabe Hegt, folgt eben den Einflüssen der Naturgewalten, denen er verfallen ist. Der lebende Mensch hat durch die sittlichfreie Lösung seiner ihm von G'tt angewiesenen Lebensaufgabe G'tt zu huldigen. Nicht das vorzeitige Sterben, das ausdauernde G'tt huldigende Leben ist sein Wille. 17. G'tt stellt unser sittliches Wollen und unser sinnliches Begehren durch Leiden auf die Probe; Versuchungen, die ja selbst nur unsere Läuterung, unsere sittliche Kraft und Standhaftigkeit erhöhen, somit was sie an äußeren Annehmlichkeiten versagen, reichlich durch inneren Gewinnst aufwiegen. 18. Nicht erst an jenem großen einstigen Gerichtstag, an welchem alles Böse vor dem hervortretenden g'ttlichen Unwillen in Vernichtung sinkt, auch jetzt, in jeder Zeit läßt G'tt den schlechten, pflichtvergessenden Menschen seinen Unwillen fühlen. Es kommt dem Schlechten jeden Tag fühlbar zum Bewußtsein, daß G'tt ihm zürnt,- daß er nicht auf dem rechten Weg ist, und wäre es auch nur durch die innere Unruhe, die Stimme des Gewissens, diese G'ttesstimme im Menscheninnern, die ihn quält. 19. Bei der Verbreitung oder Nichtverbreitung der G'tteserkenntnis handelt es sich nicht um die G'tt nach Gebühr zu zollende oder zu versagende Huldigung; es handelt sich vielmehr um das gesamte soziale Wohl und Weh der Menschen, das in allererster Linie durch den lebendig wirksamen Einfluß bedingt ist, den der G'ttesgedanke auf die Gesinnung und das Verhalten der Menschen gegeneinander übt. (Gesammelt aus den Psalmen für die Hirsch- Jubiläumsnummer vom 27. Siwan 5668.) Minderheits-Nationalismus und jüdisches Schulwesen in der SlovakeL

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