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Der Israelit · 1933-12-29 · Heft 52 (29.12.1933) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 52 (29.12.1933)
Date
1933-12-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Ä 29. Dezember 1933 Der Israelit Nr. 52 Seite 5 «irische Schüler und Schülerinnen verliehen werden. Es ist selbstverständlich, daß im nationalsozialistischen Staat öffentliche Mittel nur an Volksgenossen gegeben werden könnten, insbesondere, wenn es in öffentlichen Belangen wünschenswert erscheint, unbemittelten Schülern und Schülerinnen mit besonderer Begabung den Weg zu einer höheren Ausbildung zu bahnen. wegen Vergehens gegen das Schächtverbot Verurteilt. Wiesbaden, 27. Dez. Die Kleine Strafkammer in Wiesbaden hatte sich mit einem schweren Verstoß gegen das Schächtverbot zu befassen. Um den Vorschriften . ihres Glaubens nicht untreu zu werden, wurde nach Inkrafttreten des Reichsgesetzes über das Schlachten von Tieren vom 21. April 1933 vom Frankfurter Viehhof aus rituell geschlachtetes FleifchQ, das aus Dänemark bezogen wurde, für die hiesige Gegend , verteilt. Durch die hohen Zölle aber wurde das Fleisch sehr teuer. Aus diesem Grunde drängte die jüdischeQ Kundschaft ihre Metzger, billiges Fleisch zu beschaffen. Trotz des gesetzlichen. Verbotes schachtele der jüdische Metzger Frohwein in Hochheim a. M. unter Hilfeleistung seines Vaters Salomon noch bis Mitte August 1933. Wegen dieses schweren Verstoßes gegen die gesetzlichen Bestimmungen erhielt Frohwein einen Strafbefehl über' zwei Monate Gefängnis und fein Vatere. inen solchen über sechs Wochen Gefängnis. Auf den Einspruch derAn geklagten setzte das Amtsgericht Hochheim die Strafen auf einen Monat bezw. 400 Mark Geldstrafe herab. Gegen dieses Urteil legte die Staatsanwaltschaft Wiesbaden Berufung ein, ebenso Frohwein, da er eine Freiheitsstrafe nicht für angebracht hielt. In der Hauptverhandlung vord er Kleinen Strafkammer suchten die Angeklagien ihre Handlungsweise mit ihrer streng mosaisch-religiösen Einstellung zu entschuldigen und damit, daß sie von ihrer jüdischen .Kundschaft zur Lieferung koscheren Fleisches gedrängt worden seien. Der Staatsanwalt betonte demgegenüber, daß sich die Angeklagten eines schweres Verstoßes gegen das Gesetz schuldig gemacht hätten, da sie ein fremdes Recht, nämlich den Talmud, über deutsches Gesetz gestellt hätten. Er beantragte gegen Ludwig Frohwem drei Monate Gefängnis und gegen Salomon Frohwein sechs Wochen Gefängnis. Das Gericht verwarf die Berufung des Ludwig Frohwem und änderte auf die Berufung der Staatsanwaltschaft das Urteil des Amtsgerichts Hochheim dahin ab, daß Ludwig Frohwein zwei Monate Gefängnis erhielt und Salomon Frohwern an Stelle -einer an sich verwirkten Gefängnisstrafe von einem Monat in eine Geldstrafe von 600 Mark genommen wurde. (Weitere Korrespondenzen siehe Seile 10 und 11.) Personalien. Heinrich Levy Hamburg, 18. Dez.. In Hamburg starb kurz vor Vollendung seines 80. Geburtstages Herr Heinrich Levy. Er war seit Jahr? zehnten im Vorstand der Deutsch-Israelitischen Gemeinde und hatte nach dem vor kurzem erfolgten Rücktritt des Vorsitzenden in Stellvertretung den ersten Vorsitz der Deutsch-Israelitischen Gemeinde übernommen. Seit 1926 war Heinrich Levy, nachdem er über 25 Jahre dem Vorstand des liberalen Tempelverbandes an gehört hatte, dessen erster Vorsitzender; ebenso stand er auch dem Verein der „Freunde der jüdischen Mädchenschule" als erster Vorsitzender länge Jahre vor, Heinrich Levy hatte ein Menschenalter hindurch seine ganze Arbeitskraft in den Dienst der Hamburger Jndenheit gestellt. Buchen. 26. Dez. In der Zeit vom 23. bis 25. ds. Mts. fanden in den Gemeinden Buchen, Hainstadtl und Hardheim Veranstaltungen, sogenannt Feier- WT^ Weihestunden statt, die alle gut besucht waren und allseitigen ungeteilten Beifall fanden. Im Mittelpunkt dieser Feiern stand ein Vortrag über „Erez Jisroel" mit Lichtbildern von Tel-Awiw und der Orangenküste, gehalten von dem die oben angeführten Kleingemeinden betreuenden Lehrer W. Wertheim er, der die zahlreich Erschienenen zur Mitarbeit am Palästinawerk aufforderte, — Ein kleines „Chanukähspiel" von den Kleinen der Religionsschulen und das Stück einer Frankfurter Schriftstellerin Irma Dresdner „Drei treffen sich vor dem Jugendheim", von Iuendlichen aufMührt, lösten bei der Zuhörerschaft großen Beifall aüs. Eine Reihe Gedichte, darunter ein historisches „Rafchi und Gottfried von Bouillon" mürben geradezu künstlerisch oorgetragen. — Die Herren Synagogenräte der einzelnen Gemeinden sprechen Allen, die zu den glänzend verlaufenen Beranstaltungen beigetragen, haben,, den Dank aus mit dem Wunsche, in' nicht allzülanger Zeit wieder Naw deren ähnliche Abende zu veranstalten. — Eine Sammlung für Erez Jisroel brachte ein recht befriedigendes Ergebnis. Das Amksjubiläum des Herrn Rabbiner Dr. Klein , in Nürnberg. Nürnberg, 26. Dez. Der „Festtag der thoratreuen Judenheit", der Tag, an welchem 25 Jahre gesegneten Wirkens sich vollendeten. wurden der Nürnberger Adaß Jisroel und ihrem zu unvergeßlichem Erlebnis, zu einem beson- Fest gegenseitigen Gebens und Nehmens. Die Woche. Berlin. Einer Meldung des „Berliner Bör- , sen-Eourier" hat die sächsische Kirchenregierung mit Verordnung das Niederländische D a n k geb e t als „jüdisches" Produkt ab gelehnt. Wien, In den letzten Tagen haben jugendliche Antisemiten mehrere Träneng a s - A t t e n t a t e Tn jüdischen Warenhäu- ' fern verübt und auf diese Weise die Kundschaft vertrieben. Einige der Attentäter, deren die Polizei habhaft werden konnte, wurden zu vier bis sechs Wochen Gefängnis bei sofortigem Sträfantritt verurteilt: diejenigen, die mit Sprengkörpern operierten, werden überdies dem Strafgericht übergeben werden. — Die . unlängst ab geh altem Führerberatung der , l „Katholischen Aktion" gab gemäß dem Refei 'rat des Professors Pater Schmidt die. Parole aus, daß die christliche Bevölkerung bei den Werhnachtseinkäufen christliche Geschäfte 1 aufsuche. Pater Schmidt tadelte die christliche Presse, weil sie Inserate jüdischer Firmen zu Weihnachten aufnimmt. Budapest. Die Tech- ' Nische Hochschule wurde nicht wieder eröffnet, weil sich die Studentenschaft weigert, die zirkulierenden Garantiebogen, die zu Ruhehaltung verpflichten, zu. unterfertigen. An der Universität Debreczen wurden mehrere jüdische Hörer am Betreten des Univerfitäts gebäudes verhindert. London. Im Hasen von Southamp to n ist der Handelsdampfer „Emanuel" mit Getreideladung unter jüdischer Fahne eingelaufen. Der Dampfer gehört einer jüdischen Reederei und beschäftigt ausschließlich jüdische Mannschaften. — Oberst Sir Levis Nathan, der Ehrenkommandant der jüdischen Jugendbrigade, ist im Alter von 72 Jahren gestorben. Rom. Unter dem von Mussolini ernannten fünfzehn Senatoren befindet sich auch der jüdische Industrielle aus Turin, Jfajah L e v i. Levi ist der erste Jude im italienischen Senate seit Einführung der faschistischen Nogierungsform. Jerusalem. Die wachsende Prosperität Palästinas kommt darin zum Ausdruck, daß die Regierung sich genötigt gesehen hat, den Geldumlauf um eine weitere Million Pfund zu erhöhen. Die in England geprägten neuen Münzen lagern im Tresor der Zentrale der Barclay's Bank in Jerusalem. Newyock. Zwischen Harry Mottsman, Vertreter der Destillateur- , und Brauereigenossenschaft Amerkas, eines -Konzerns mit einem Kapital von 15 Millionen Dollar; Gustav Wilder, Vertreter des Vex- , bandes der amerikanischen Weinhändler, >nüd der Verwaltung der Rothschild-Weinkeller in Rischon le Ziön ist ein Vertrag über Einfuhr von einer Millionen Flaschen Palästina-Wein nach den Vereinigten .Staaten, lieferbar innerhalb dreier Jahre, abgeschlossen worden. Die erste Schiffssendung Palästina-Amerika, enthaltend 5000 Kisten Palästina-Wein und 1500 ftiften $aläftina- Liköre, ist bereits unterwegs. — Für die in Amerika wohnenden Mitglieder der Jüdische n Legion, die seinerzeit unter General Allen by bei der Eroberung Palästinas .mitgekämpft haben, soll eine Kolonie Zn Palästina gegründet werden, für die eine PhilaNtröpin aus Texas als erste 40.000 Dollar gestiftet hat. Bierteljahrhundort, da er das Werk von Rabbi Schlomo Ansbacher sortführte und ausbaute, eins Gemeinde schuf, in der man nun lernt, miasr übt und anon mV«*- verwirklicht. Als Leiter der Jüdischen Volksschule unterstrich Herr Dr. I. B a m b e r g e r die Fürsorge des Raw für diese wichtgste Institution, die er vor 15 Jahren selber ins Leben gerufen hatte. Tiefergriffen dankte der Raw den beiden Rednern, wies alles ihm gespendete Lob weit von sich und betonte, daß das, was er wirken konnte, ihm nur möglich war, weil Vorstand und Mitglieder seiner Gemeinde ihm allezeit, und auch unter schwersten Opfern, Treue bewiesen und bewahrt haben. Jin Namen des Gemilus Ehefed-Vereins brachte Herr Ludwig Schwarz dem mustergültigen Vorbild echter Liebesleistung die Glückwünsche dar, während Herr Dr. Gustav Münz für die Ortsgruppe der Agudas Jisroel, Herr Felix Gelernter für die Jugendgruppe, Herr Markus Lange für den Esra dankten und huldigten. Für den Geschäftsausschuß der A. J.-Weltorganisation un die Landesorganisation der A. I. übermittelte Herr Wolf S. Jacobson, Ber-lin Dank und Wünsche. — Auch diesen Rednern gegenüber bezeichnete der Raw seine Leistung als gering und das Geringe als heilige, froh geübte Pflicht. Der nar-Vormittag in festlich geschmückter überfüllter Schul wurde uns durch bk Ansprache des Raw — jede feierlichere Gestaltung des G'ttesdienstes hatte er strengstens verboten — zu einem G'ttesdienst von erschütternder Wirkung. — Zur Stunde der Nacht gehörte der Raw der Jugend, die sich die Gunst erbeten hatte, ihren über alles geliebten Führer zu einer rrnyo bei sich zu sehen. Es war eine Stunde der innigsten Verbundenheit zwischen dem Raw und der Agudo- und Esrajugend. Adolf Kohn und Felix Gelernter sprachen es aus, daß der Nürnberger Raw der Nürnberger Jugend nicht nur der Führer und Lehrer ist, er ist vielmehr der Vater jedes Einzelkren, der in wahrhaft väterlicher Fürsorge und mit verstehendem Herzen die Nöte der Jugendlichen zu empfinden versteht und ihnen immer liebend zur Seite steht. So unlösbar, wie die Bonde zwischen Vater und Kindern, so unlösbar ist die Verknüpfung zwischen dem Raw und seiner Jugend. Wunderbare nun-Worte, die der Raw an uns richtete, geben diesem Festessabbat den herrlichen Ausklang. Am n3V ->kxto fand auf Einladung des Gemeindevorstandes eine Zusammenkunft statt, an der die Vorstände der verschiedenen Vereine, die Beamten und Lehrer und die Rabbiner der Nachbargemeinden teilnahmen. Es ist unmöglich, auch nur andeutungsweise wicderzugeben, 'was an diesem Abend an herrlichen Thoraworten gesprochen wurde. Die Herren Rabbiner Dr. Kohn, Ansbach, Dr. Mannes, Schwabach, Dr. Breslauer, Fürth, Dr. Munk, Ansbach, die Herren Bernhard Münz, Dr. B a m b e r g e r, Sichet, Klugmann, Jacobson und Schwarz sprachen Worte der Treue und der Freundschaft, Synagogenchor, Herr Kantor K a tz und Herr Dr. Wolfsberg erfreuten durch Gesänge, alle wetteiferten in dem Bestreben, den Mann zu ehren, der vor der Ehrung ftiehtl Zwei Reden seien besonders erwähnt: die unseres Herrn Frankfurt, welcher es als das Glück seines Lebens bezeichnete, nun schon 25 Jahre einen Raw rwvv sein'zu dürfen, der wie Dr. Klein nie an sich und stets nur an andere denkt, und die Schlußrede unseres Parnes, Herr Goldberg, der die vielen Versuche der Vorredner, für die Feier des 25jährigen Jubiläums einen t»“i in rde min zu finden, als nutzlos ablehnte, weil eine Gemeinde, die die '"2, hat, Dr. Klein als Raw zu besitzen, eigentlich die Pflicht hätte, ihren Raw jedes Jahr zu feiern, fo daß der Festabend nur etwas längst und oft Versäumtes nachholen wollte. Diesem vielstimmigen Chor der Liebe und Treue dankte der Jubilar in einer großangelegten Schlußrede, indem er in Anlehnung an das Wort: >n ni-rr oi»a rrb — 13 nimm'. nV’jj den Sinn der Feier und des Feierns darin suchte und fand, daß das große Erlebnis der festlichen Tage in den Dienst von frapn gestellt werden soll. Die Tage des Feierns sollen eine neue Periode der Arbeit für nun nud nxi'. der Arbeit für und vio einleiten. Kitzingen, 21. Dez. Am 1. Januar 1934 kann Herr Isidor Ullmann von Kitzingen auf eine 40jährige ununterbrochene Amtstätigkeit in der. Verwaltung der Israelitischen Kultusgemeinde Kitzingen, feiner Heimatgemeinde, zurückblicken. Nachdem er sich zuerst 15 Jahre als Kassier betätigte, war er anschließend 13 Jahre lang Kollegiumsmitglied und seit 1921 betteibet er das Amt des 1. Vorstandes. Seiner Rührigkeit verdankt die Gemeinde eine Reihe gemeinnütziger Einrichtungen und die Verschönerung der Synagoge. Sein Ansehen in der Israelitischen Gemeinde, so wie in der ganzen Stadt _hat auch durch die Umwälzung nicht gelitten. In seiner. : ——? ' ~~ | Bescheidenheit und auch in Anbetracht der Zeitöerhalt- Äm Donnerstag, den 3. Tewes, abends versammel-1 tetynk Ullmann jede Ehrung, die er wohl len sich im Haus des Raw Ky, Verwaltung und Finanzj ^^ient hat, ab. Möge '•>» seine schützende Hand aber kommission der Adaß Jisroel'mit den Vorständen der ' ihurdigen Jittrllar halten zum Segen seiner Familie m der Gemeinde wirkenden Derbände und Organisation junö dankbaren Gemeinde. -«rrmy nen. Nach einem Vortrag des mm p’ix durch Herrn' - Kantor Katz ergriff der., erste Vorsitzende der Ge- * meinde, Herr Nathan G o ld b e t g e r, das' Wort. Er führte aus, daß der Raw sich zwar Ehrungen verbeten habe, -daß die Gemeinde aber nicht darauf verzichten könne, ihrem Führer einen schwachen Ausdruck der Verehrung und Liebe zu-bekunden. In Worten voller Liebe schilderte er die Tätigkeit des Raws in einem Spende Briefkasten. A. H. in Str. fs. 100.— eingegangen Und Abonnement verbucht. , für

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