Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 52 (29.12.1933)
- Date
- 1933-12-29
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nr. 52 Der Israelit 29. Dezember '1633 Siedlungen der ILA, in denen 400 koloniftenfaini- lien wohnen, feien im Aufschwung begriffen. Durch die vor 'kaum ekttimllIHrlA erfolgteGrüjiKngddr, Lmica, einer neuen KolonifaüonsvereinigunK, in 6ßcsich die ILA miss der amerikanischen Gruppe des Emergencn Fund zusannnengeschloffenhat; würden zahlreiche weitere jüdische Familien -die Möglichkeit zur Niederlassung auf palästinensischem Boden erlangen. Auch in Brasilien schreitet die Sicdlungsarbeit vorwärts. Dort habe die ILA zahlreiche Siedlungsstellen geschaffen und das Entstehen jüdischer Gemeinden gefördert, die neue Zuwanderer freudig begrüßen würden; dasselbe sei in Kanada und in den Vereinigten Staaten der Fall, wo die ILA die jüdische Landwirtschaft von ihren Anfängcn an organisiert hat, aber auch in Luropa, wo die Siedlungen in Rußland, Polen und Rumänien eine wachsende landwirtschaftliche Bevölkerung beherbergen. Die Arbeit der ILA in diesen Ländern habe in hohem Maße zur Erneuerung des wirtschaftlichen Lebens der dortigen jüdischen Bevölkerung beigetragen; war es das Ziel der Arbeit in Osteuropa vor dem Krieg, in erster Reihe eine Aenderung der Berufsverteilung der Juden herbeizuführen, so werde heute neben voller Berücksichtigung dieser Aufgabe versucht, durch sie Lebensmöglichkoiten für Klenfchen zu schaffen, die sonst keine anderen hätten. I'n Rußland ist die Niederlassung von über 3 700 jüdischen Familien in den neuen Kolonien erntöglicht worden. 4000 weitere Familien werden von der IEA in Pol e n , B e ß a r a b i c n und in der Bukowina betreut, arbeiten auf ihrem Grund und Boden und werden so lange davon abgehalten, in die Städte abzuwandccn und das Peer der Arbeitslosen zu vermehren. Mit Krediten der IL2l ausgestattete Kooperativgesellschaften ermöglichten landwirtschaftliche Produktion unter besten technischen Bedingungen und vorteilhaftem Absatz der Erzeugnisse. wenn heute tausende von Juden den Beweis dafür erbracht haben, -daß sie sich durch landtvirtschaftiiche Tätigkeit ernähren können, so dürfe sich die ILÄ zu den Opfern beglückwünschen, die sie im Interesse landwirtschaftlicher Siedlungen -in Luropa gebracht hat. Zur Besprechung der Leistungen der Foundation auf dem Gebiet -der Kredithilfe übergehend, erinnerte Lohen daran, daß als 1952 auch die ö eutsche Iudmheit unter der Mirtschaftsnot schwer zu leiden begann, die Foundation ihre Tätigkeit auch auf dieses Land erstreckte. Die Zahl der dortigen jüdischen Kooperativbanken habe sich heute bereits vervielfacht. Ls foi zu hoffen» daß sie sich von dem gleichen wert erweisen werden wie die 700 Genossenschaftsbanken mit ihren 265.000 Mitgliedern, die von der Foundation in anderen Ländern begründet worden sind. Ihnen fällt die Aufgabe, zu, die jüdischen Massen den neuen Wirtschaftsbedingungen anzupassen, die Genossenschaftsbewegung zu propagieren, Handwerkern die Beschaffung von Werkzeug und Rohmaterial zu, erleichtern und die Einführung.. Moderner Arbeits- Methoden zu begünstigen. .. ,, Trotzdem dürfe in der gegenwärtigen tragischen Situation nicht außer Acht gelassen werden, daß gewisse Schwierigkeiten nur durch Auswanderung überwunden werden können. Lohen gab einen Ueberblick über die bisherige Arbeit von picein zur Unterbringung jüdischer Emigranten. Die Delegierten dieses Verbandes haben in der Tschechoslowakei, in Spanien, Aegypten, Marokko, Iugoslavien und anderen Ländern die Möglichkeiten der Errichtung neuer jüdischer Siedlungen geprüft. Gleichzeitig haben sich die überseeischen Komitees des Verbandes von Barcelona bis Chardin, von Montreal bis Santiago de Chile, feine Korrespondenten in Australien, Südafrika, Persien bemüht, die Aufnahmefähigkeit der betressenden Länder sestznfleilen und haben sich an die Regierungen um Erleichterung der Zuwanderung gewandt, hinderten nicht drakonische Cinwanderungsoinschränkungen den Zutritt zu fast jedem Lande, so hätten sich noch vielmehr Emigranten in den verschiedenen Ländern niedergelassen. Zum Schluß wies Sic Leonard Eohen nochmals darauf hin, daß die IEA in Argentinien, einem Laude, in dem Juden mit Hilfe dieser Organisation zu Zehntausenden sich niedergelassen haben und durch Fleiß, Intelligenz und Standhaftigkeit ihrer neuen Heimat als loyale Bürger Nutzen gebracht Haben, noch ungeheure Ländereien zur Verfügung : hat. warum sollte, fragtd Lohen, die Zahl dieser Siedler nicht vermehrt, werden? Die jüdische landwirtschaftliche Arbeit habe höchste Anerkennung in den führenden Kreisen der Länder gesunden, in denen sie getan wird. Es sei nicht nötig, die Arbeit zur Förderung des landwirtschaftlichen Genossenschaftswesens, die in den IEA-Kolonien durchgeführt wurde, im Einzelnen zu beschreiben, um die Vorteile darzulegen, die sie nicht nur den Juden, sondern auch ihren Landsleuten aller Bekenntnisse gebracht hat. Jedermann könne selbst sehen, daß der Eiuwanderungsslrom, der im Lause der Jahre von der IEA nach Brasilien, Kanada und anderen überseeischen Ländern gelenkt worden ist, unzweifelhaft sein bescheidenes Teil zum Aufschwung dieser Länder beigetmgen und ihrer Bevölkerung, wertvolle» untemehnrungsfceudige Elemente zugeführt hat. Es fei zu hoffen, daß die Würdigung der Leistungen jüdischer landwirtschaftlicher Siedlung einen Einfluß auf die öffentliche Meinung der genannten Länder haben und deren Regierungen veranlassen werde, die Einschränküngen zu mildern, die gegenwärtig die Entwicklung der, Arbeit hemmen. Wenn die Schranken, die den Zutritt zu diesen Ländern versperren, fallen würden, erklärte Sir Leonard, so würde die IE2l noch weit mehr leisten können. Sorgfältig ausgewählte Kolonisten könnten fruchtbaren Boden pflügen und sie würden ehrenwerte -und.friedliche Bürger Argentiniens oder Brasiliens werden. Präsident Eohen schloß: „Erleichtert unsre Aufgabe im Interesse aller Beteiligten! Mehr fordert und erhofft die Iewish Colonisation Association nicht." Korrespondenzen * Nachrichten Deutsches Reich Vertrauensmännerkonferenz der Palästina-Zentrale der „Agudas Jisroet". Frankfurt a. M., 27. Dez. Gestern und vorgestern fand hier eine stark besuchte geschlossene Konferenz der Vertrauensmänner der Palästina-Zentrale statt, die äüch noch heute und morgen durch mannigfache Kommissionsberatungen ihre Fortsetzung findet.!. r'-- Wir berichten darüber in nächster Nummer^ Bundestagung des „Esra". . - -Leipzig, 27. Dez: Nächsten Sonntag und Montag findet'hier eineBundestagung des ,Mra" statt,sch der übeb-die- Neugestaltung de? Beziehungen zur Agudab Jisroel-Jugendorganisation beraten werden-' soll: . . : widerruf von Einbürgerungen. '' ' - - ■ Berlin, 19. Dez. Nach Mitteilung der Regierung in Arnsberg wird zur Durchführung des Gesetzes über den Widerruf von Einbürgerungen und die Aberkennung der deutschen Staatsangehörigkeit allein im südlichen Westfalen ch 7200 Fällen die Einbürgerung nachgeprüft. Das Gesetz sieht bekanntlich die Möglichkeit vor, in der Zeit zwischen dem 9. November 1916 und dem 30. Januar 1933 erfolgte. Einbürgerungen, sofern sie nach, völkisch-nationalen, insbesondere rassischen, staatsbürgerlichen und kulturellen.Gesichtspunkten als nicht erwünscht anzusehen sind, zu wider-, rufen. Von der Ausbürgerung werden häufig Personen betroffen, die keineswegs erst nach dem Kriege erngewandert sind, sondern aus irgend einem Grunde erst in dieser Zeit die Aufnahme in den Staatsverbänd beantragt haben. So' wurde auf Grund dieses Gesetzes dieser, Tage, der aus Tauroggen stammende -Kaufmann D. Kaplan^ der feit 1902 in Friedland- - (Ostpreußen) wohnt, ausgebürgert. Ferner wurde der feit 35 Jahren in Deutschland -ansässige Mitinhaber der Firma Gebr. Löwenthal in Dresden, Karl Löwwenthal, von der Ausbürgerung betroffen. Zugelassene Nichtarier den arischen Studenten an den preußischen Hochschulen gleichgestellt. B e r l i n, 21. Dez. - Der preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung gibt dem. Central-Verein unter Bezugnahme auf feine Eingabe vom 25. November 1933 den nachstehenden Abdruck seines Erlasses vom 9. Dezember 1933 unter H. I. Nr. 1331 zur Kenntnis: „Wie mir mitgeteilt wird, find Studierende nichtarischer Abstammung, die nach Ziffer 8 des Nnnderlasses vom.. 11. Juni 1933 — U. I. 1331 — den Sonderbestimmungen für Nichtarier nicht unterliegen, oder die gemäß Ziffer 4, 1, und 2, a. a. O. zum Studium bzw. Weilerstudium zugelassen worden sind, bei der-Vergebung von Arbeitsplätzen, Praktikantenstellen usw. wegen ihrer nichtarischen Abstammung benachteiligt worden. Ich weise daraus hin, daß alle Studierenden nichtarischer Abstammung, die nach Durchführung des Runderlasses vom 16. Juni 1933 — U. I. 1331 zum weiteren Studium zugelassen find, im Lehr- und Lernbetrieb der Hochschulen den Studierenden arischer Abstammung gleichgestellt sind, sofern nicht, durch besonoere Bestimmungen eine anderweitige Regelung getroffen ist. Ich .verweise in diesem Zusammenhang auf den Runderlaß vom 22. April 1933 —- II. I. 21086 —, nach dem an jüdische Studenten Vergünstigungen nicht gegeben werden dürfen." Schriftleitergesetz tritt am 1. Januar in Kraft. V erlin, 20. Dez. Das vor einiger Zeit verkündete - Schriftleitergesetz tritt, wie die soeben veröffentlichten Ausführungsbestimmnngen besagen, am 1. Januar 1934 in Kraft. Die Hauptbestimmungen des Gesetzes sind die gleichen geblieben: Jeder, der nach dem 31. Dezember den Schrrftleiterberuf ausüben will, muß in die Berufsliste des für rhu zuständigen Landesverbandes des Reichsverbandes der Deutschen Presse eingetragen sein. Unter den 'Begriffner Schriftleiterarbeit fällt jede unmittelbare oder mittelbare Tertgestaltung durch Wort, Nachricht oder Bild. . Für Personen nichtarischer Abstammung kann eine Ausnahme nur im Sinne der Durchführungsverordnungen zu .dem Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsheamtentums gemacht werden. Personen also, die im Weltkrieg an der Front für Deutschland oder für seine Verbündeten gekämpft haben oder deren Väter und Söhne im Weltkriege gefallen sind,' haben beispielsweise Aussicht auf die Ausnahmebestimmungen.. Ebenso Personen, die den Schriftleiterberuf an einer jüdischen Zeitüng ausüben wollen. Der Leiter des Landesverbandes ist verpflichtet, in seinem Bezirk darüber zu wachen, daß niemand unbefugt die Tätigkeit eines Schriftleiters ausübt. Wer nicht in die Berufsliste eingetragen ist, darf sich nicht Schriftleiter nennen. Mit dem Inkrafttreten. des Gesetzes erlischt die Mitgliedschaft 'zum Reichsverband der Deutschen Presse für alle Personen,, dw nicht zu diesem Zeitpunkt in die Berufsliste eingetragen sind. : ' Ausschaltung der Rabbiner aus der preußischen Volksschulverwaltung. B e r l i n , 22. Dez. Das preußische Staatsministerium hat ein Gesetz verabschiedet, das bereits in Kraft getreten ist und das die Ausschaltung, der Rabbiner aus der - preußischen Volksschulverwaltung sestsetzt. . Bisher war im Bollsschnlunteihaltungsgesetz vom 26. Juli 1906, das in der Fassung vom 7. Oktober 1920 noch jetzt Gültigkeit besitzt, bestimmt, daß in allen Fällen, in denen in einer Stadt mindestens zwanzig jüdische Volksschulsinder vorhanden waren, zusammen mU anderen auch der dienstätteste.- Ortsrabbiner der- Schuldeputation anzugehören hatte. Ferner war die Einbeziehung des dienstältesten Ortsrabbiners in den Schulvorstand vorgesehen. Nunmehr hat das Kabinett Eöring alle Bestimmungen, die die Einschaltung des Judentums in die Volksschulverwaltung vorsahen, aus dem Volksschulunterhaltungsgesetz gestrichen. : i V Keine Freistellen an nichtarische Schüler. D a r m st a d t, 27. Dez. Mit Wirkung vom neuen Schuljahr an dürfen nach einer Verfügung der hessischen Ministerialabteilung für l Bildungswesen unter keinen Umständen Freistellen an nicht-