Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 52 (29.12.1933)
- Date
- 1933-12-29
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Nr. 52 Der Israelit 29. Dezember 1^3 Vermischtes. Berlin, 19. Dez. Der Reichs ansschuß der jüdischen Iugendverdände hat in seiner letzten Führerratssitzung beschlossen, einen Fachausschuß für Berufsumschichtung und Berufsberatung einzusetzen, der die bisher auf diesem Gebiete von den Jugendorganisationen geleistete Arbeit weitestgehend fördern und die Forderungen der jungen Generation gegenüber den zentralen zuständigen Organisationen herausarbeiten soll. Der Ausschuß, bih: unter Leitung von Fritz Schwarzschild steht, umfaßt Menschen der jungen Generation aller Richtungen der jüdischen Jugend, die, in der Praxis der Berufsumschichtungsarbeit stehen. Berlin, 24. Dez. Die Schulverwaltung der Adaß Jisroel in Berlin, an deren höheren Schulanstalten auch in Zukunft das Abiturientenexamen abgelegt werden kann, bringt zur Kenntnis, daß sie beschlossen hat, soweit Plätze verfügbar sind, auch auswärtigen Schülern und Schülerinnen in allen Klaffen der Volksschule, des Realgymnasiums und Oberlyzeums Aufnahme zu gewähren. Zu näheren Auskünften, auch über Unterkunftsmöglichkeiten, ist die Schulleitung bereit (siehe Inserat!) Das Patenschaftskomitee für das Adaß Schulwerk hat es sich zur Aufgabe gemacht, weiterhin um Gewährung von Schulgeldstipendien und um Einrichtung von Freiplätzen besorgt zu sein. Gesuche um Schulgeldermäßigung oder -Befreiung für neu aufzunehmende Schüler sind sofort an das Patenschaftskomitee, Siegmundshof 11 zu richten. Meldungen für die Grundschulklassen Artilleriestraße, die Volksschulklassen Siegmundshaf und besonders für die Oberstufen des Realgymnasimns und Oberlyzeums haben günstige Aussichten. Aurich, 25. Dez. Am Sonntag, den 3. Dezember veranstaltete die Agudas Jisroel-Ortsgruppe Aurich einen Werbevortrag zur Gründung einer Frauen- Arbsitsgemsinschaft. Als Referentin war Frau Max v. der Walde gewonnen worden. Die Rednerin verstand es in glänzender Weise, die Problematik des jüdischen Frauenlebens im Sinne der Agudas. Jisroel darzustellen. Der Vorsitzende der Aguda Aurich?' Herr Simon Samson, trug durch seine ausgezeichneten Worte dazu bei, daß die Veranstaltung einen interessanten Verlauf nahm. Herr Kurt L y p o l d> Emden entwickelte sodann die organisatorischen Seiten der Arbeit, so daß sich etwa 40 Frauen zur Mitarbeit an dieser Arbeitsgemeinschaft verpflichteten. Gleiwih, 20. Dez. Im Dezember fand eine Tagung des Verbandes der Rabbiner Oberschlesiens in Gleiwitz statt. Der Vorsitzende, © o I i n s fi, Beuthen, eröffnete die Sitzung mit ehrenden Gedenkworten für den Heimgegangenen Senior des Verbandes, Rabbiner Ellguther, Neiße. Darauf erstattete er einen eingehenden Bericht über die gegenwärtige Lage des deutschen Judentums und besonders der oberschlesischen Juden. An diesen Bericht schloß sich eine eingehende Aussprache. Der Vorsitzende widmete dann dem bisherigen Schriftführer Melchior, Beuthen, der Oberschlesien verläßt, um ein Amt in Kopenhagen anzutreten, Worte des Dankes und des Abschiedes. An seine Stelle wird Viclor, Hindenburg zum Schriftführer gewählt. In dem wissenschaftlichen Teil erstattete Golinski ein Referat über das Thema: „Wie predige ich der heutigen Zeit?" Im Anschluß daran wurden von dem Referenten sowie von Kaatz, Hindenburg und K r e n g e l, Ratibor entspre-' chende Predigten vorgelesen. Der Vorlesung folgte eine. Diskussion.. Darauf hielt Kaatz einen wissenschaftlichen Vortrag über die Geiger'sche Theorie „Aeltere und jüngere Halacha". Den Schluß der Sitzung bildete die Besprechung interner Fragen. Groß Skrehlih '(O.-S.), 19. Dez.. Am 19. ds. Mts., abends T Uhr, wurde Hierselbst, in der Synagoge im Rahmen einer kleinen Feier eine „Wintersynagoge" eingeweiht. Bisher war die große Synagoge ohne Heizung; deshalb war sie wegen der großen Kälte in den Wintermonaten nur spärlich besucht. Diesem Uebel wurde durch Schaffung eines schönen, geheizten Betraumes in der Synagoge Abhilfe geschaffen. In einer würdevollen Feier wurde dieser Vetraum eingeweiht. - Fast sämtliche Gemeindemitglieder waren hierzu erschienen. Nachdem der 'Repräsentantenvorsteher, Herr Rechtsanwalt Naumann, einleitende Worte gesprochen und allen hochherzigen Spendern den Dank ausgesprochen hatte, wurden die drei Thorarollen unter mehrmaligen Hakofaus in die neu errichtete Thoralade eingebracht. Alsdann wurden — es war der letzte Chanukahtag — durch den Herrn Gemeindevorsteher, Herrn Dr. König, jij' Chanukahlichter augezündet, woran sich eine tiefschürfende, historisch gut fundierte Einweihungsrede des Bezirksrabbiners, Herrn Dr. Feinberg, anschloß, in der er zum Schluß betonte, daß das G'tteshaus Jedem, weß' Volkes und weß' Religion er auch feinmag, offen stehe. Mit dem Maariwgebet schloß die erhebende Feier. Waldenburg (Schles.), 25. Dez. Am 17. Dezember fand in der Synagoge in Waldenburg eine größere Veranstaltung statt, die zu Ehren einiger scheidender Mitglieder einen besonders festlichen Rahmen hatte. Im Mittelpunkt des Abends stand ein tiefdurchdachter, klar, ohne Pathos und doch sehr wirksamer Vortrag von Herrn Dr. Franz Meyer aus Breslau über „Wirkliche oder scheinbare Erneuerung". Umrahmt war der eindrucksvolle Vortrag von musikalischen Darbietungen des be kannten Baritonfängers Leopold Alexander, Breslau und des Pianisten Egmont Pollak, Breslau. Namens des Gemeindeoorstandes dankte Herr Rechtsanwalt Dr. Georg C y h.n den-Breslauer Gästen für ihre vollsndsten Darbietungen und würdigte die besonderen Verdienste des 86jährigen Privatgelehrken, Jacob Bornstein, der nach 13jährigem Aufenthalt in Waldenburg nach Berlin zieht und die Leistungen des nach Palästina ziehenden Herrn Hans Holzsr, der viele Jahre dem Gemeindevorstand angehört hat. Prediger Wieser zeichnete Herrn Bernstein als besonderen Schmuck unserer Gemeinde, und Herrn Holzer als den tatbeflissenen Juden, den sein warmes jüdisches Herz dazu trieb, auf allen Gebieten des Gemeindelebens tatkräftig mitzugrbeiten. Er bat alle Mitglieder, durch reges Interesse die empfindliche Lücke auszugleichen. Alsdann sprachen noch mehrere Abschiedsredner. H. W., Landeshut (Schles.), 26. Dez. Als würdige Nachfeier des von seiner Gemeinde, von den Verbänden, Vereinen, von der Lehrerschaft und Freunden hochgeehrten Jubilars Falken st ein, wurde ein Gemeindeabend in. der Synagoge einberufen. Trotz der Kälte waren fast alle Gemeindemitglieder und Gäste erschienen. Bei dem erhebenden Maariw-Gebete, das Herr Oberkantor W e i s, Breslau, mit seiner herrlichen Stimme zu einem Jomtow-G/ttesdienst gestaltet hatte, wurde es den Erschienenen bald warm. Als dann Herr Dr. Wilh. Frey- Han, Breslau über „Unsere jüdische Seelennot und die daraus erwachsenden Aufgaben" sprach, wobei er die Geschichte als Lehrmeisterin unserer Zeit vorführte und als Mittel zur Behebung der inneren Nöten das Bewußtsein des gemeinsamen Erlebens, die hebräische Sprachkenntnis, die auflebende Liebe nach dem heiligen Lande unserer Väter, das Heranführen der Jugend zu den alten aber niemals veraltenden religiösen Gebräuchen und Sitten, und vor allem das feste G't'tverH-aueN zeigte, da stieg die Wärme zu heißer seelischer Begeisterung. Sie bewies, daß das alttraditionelle ’ Judentum dauernd zeitgemäß bleibt und. feine Werbekraft keineswegs einbüßt, wenn es, wie hier, aus so überzeugtem Herzen kommt. — Nachdem Herr Oberkantor Weiß mit seiner klangschönen Baritonstimme die Anwesenden noch mit einigen Liedern erfreut hatte, nahm Prediger Falkenstein Gelegenheit, den Vortragenden für die herrlichen Darbietungen zu danken. Im Anschluß an das letzte Lied „Zur Jisroel", wies er mit beredten Worten nach, daß der »Zur Jisroel" zu allen Zeiten, wenn wir auf Ihn vertraut haben imt ganzem Herzen und ganzer Seele, uns auch schließlich ein „Goel Jisroel" geworden ist. Herr Voreher Dr. Zöllner schloß dann mit dem Dank der Gemeinde für die Breslauer Gäste den schönen Gemeindeabend. FamMennachrichkey. Barmizwoh: Lothar Ludwig, Sohn des ,Herrn Jakob Blümenthal. Fulda rnv, 6.1. 34. —. ..Moses, Sohn des Herrn Albert Jacobson, Berlin NW 87, Alto» naerstraße 25, mni? 'b mv, Synagoge Adaß Jisroel Siegmundshos. Verlobung: Roste Medcm, Berlin, Kl. Hamburgerstr. 5 .mit Henry Löwy, Berlin, Artilleriestraße 13. Goldene Hochzeit.: Siegmund Rinds berg und Ehefrau Nonette geb. Ledermann, Neumarkt:.t,; Opf,- 31. Dezember 33. Gestorben: Frau Rosine Rapp, Groß-Umstadt, 79 Jahre. : j Die Woche. Eindrücke einer ehemaligen Schülerin von der Chanukahfeier der S. R. Hirsch-Schule. Es ist etwas Eigenes um die S. R. Hirsch-Schule, sie hat ihre ganz besondere Anziehungskraft. Höher schlägt uns früheren Schülern das Herz, traute, heimatliche Gefühle steigen in uns auf, jedesmal, wenn wir die uns lieben, alten Räume!wieder betreten; man glaubt sich zurückversetzt in die sorglose Schulzeit, man möchte am liebsten gleich durchs ganze Schulhaus stürmen, die alten Klassen wieder sehen, in,,denen man sich so wohl fühlte. ’ / Am Chanukahabend war dies jedoch nicht möglich; freundliche Schüler geleiteten uns zum festlich erleuchteten Turnsaal. Dort tteß ich mit großem Interesse die bunten Bilder des reichhaltigen Programms an meinem Auge vorüberziehen. Hier war pulsierendes Leben. Fröhliche Kinder, denen man den Stolz auf ihre Schule und die Freude an dem -Feste auf den Gesichtern erstrahlen sah, heiterten uns aus und ließen uns für einige Stunden die Nöte des Alltags vergessen. Wie leuchteten die Augen der Kleinen, wie glänzten die Gesichter der Mitwirkenden, und mit welcher Ruhe und Ordnung spielte sich alles ab! Ob auch das Licht einmal nicht funktionierte, die Schauspieler waren. so hineingewachsen in ihre Rollen, daß nichts Aeußeres sie stören konnte. Dem nachdenklichen Beobachter blieb es nicht verborgen, welche Fülle von Kleinarbeit, welches Zusammenwirken harmomscherKräste notwendig war, um solch, einen Abend zustande zu,-bringen. Und man steht voller Bewunderung da vor dem Leiter und den Lehrern, die trotz der Ueberlastung durch ihre tägliche Berufsarbeit sich mit Begeisterung für die -Vorbereitung des Festes einsetzten. - Manchmal haben wir ehemaligen Schülerinnen uns gefragt: "Gehtunsere S. R.. Hirsch-Schule mit der Zeit, wird sie den Anforderungen, die in den letzten Monaten erneut hinzugekommen sind, gerecht? Auf diese. Frage gab mir der zweite Teil des Abends Antwort. Hier hörten wir Kinder mit einem Verständnis Neuhebräisch sprechen, mit einer Selbstverständlichkeit, die uns zeigte, daß die Schule mit erstaunlicher Geschwindigkeit der notwendigen Umstellung Rechnung getragen hat. Auch der heute sö dringend nötigen manuellen Betätigung schenkt die S. R. Hirsch-Schule große Beachtung, wurde uns doch erzählt, daß der weitaus größte Teil der für die Ausstattung und Kostüme erforderlichen Dinge von den Schülern in der Schule hergestellt worden war. Der Zeichens«! war in den letzten Wochen förmlich in eine Werkstatt verwandelt worden, in der emsige Hände Schwerter und Schilder; Speere und Lanzen, Kronen und Szepter, Umhänge, Chanukahspiele, Schausoraus und Fähnchen anfertigten. Reicher, nicht endsmvollender Beifall wurde den Kindern und Veranstaltern des Festes zuteil, dem sich jedoch der Leiter der Schule, der besonders viel aus den Kindern herausgeholt hatte, in seiner Bescheidenheit möglichst schnell entzog. Ihm ist es nicht um den Erfolg zu tun, er wollte nur den Kindern und ihren Eltern Freude bereiten. Alles in allem genommen — darüber herrscht nur eine Meinung — war der Abend ein voller Erfolg. Alle unsere Erwartungen wurden übertroffen, in gehobener Stimmung gingen wir nach Hause, von Dank erfüllt für die herzliche Einladung der Schule.und des Vereins Ehemaliger/ die uns diese Feierstunden geschenkt hatten. Lhanukah-Aeier des Henriette Besthoff-hortes für jüdische Mädchen. Reges Leben und Treiben entfaltete sich in den Nachmittagstunden des 2. Chanukahkages in der Turnhalle der Israelitischen Volksschule. Hier hatten unsere Hortkinder, unter der bewährten Leitung der Hortnerinnen, sich und anderen ein Fest bereitet, das in seinem Verlauf Freude und Bewunderung bei Groß und Klein, auslöste. In Vertretung der Vorsitzenden, Frau Paula Vreuer- Vesthoff, begrüßte Frau N u ß b a u m die zahlreich Erschienenen und dankte allen, die sich für unsere Hortkinder bemüht haben. Viele alte und junge Freundinnen des Hortes hatten sich eingefunden, um dem vorzüglich vorbereiteten Spiel der Mädchenschar zu folgern Eingeleitet wurden die Darbietungen durch ein entzückendes Kinderorchester, ihm folgten Bewegungsspiele mit hebräischer Gesangbegleitung. Die Wullegänschen machten graziöse Tanzschritte, holländische Blumenmädchen schlangen sich kunstvoll im Reigen, Pyramiden wurden präzis ausgeführt und den Clou bildete ein ausgez'eichnet vorgetragenes Stück jüdischen Inhalts.-Inder Pause gab es eine Lotterie, die selbstangefe'rtigte Gewinne brachte, bei der es munter und guietfchlebendig, herging. In ihrer mühevollen Arbeit wurden unsere Hortleiterinnen in diesem Semester durch die Hilfe der Schülerinnen unterstützt, die ihnen vom Städtischen Kin-- dergärtnerinnen-Seminar zur praktischen Ausbildung überwiesen wurden. Einer der Lehrer des Seminars war anwesend und folgte mit Interesse den Darbietungen. Am nächsten Tage fand eine Wiederholung statt für Elternrund Geschwister der Hortkinder, und am Dienstag, daraus wurden sie mit'-Kakao und Kuchen bewirtet und mit v inhaltsreichen Paketen beschenkt. Wie.alljährlichhatte eine liebevolle, alte Hortfreu,ndiyFülle von Pullovern,, Mützchen und Westen Zn,> -entzückenden Mustern und in gechmackvoller Ausführung'gestrickt; ihr hatten sich zwei andere Damen zugesellt, die gleichfatls reizende Stricksachen...ablieferte,n. Auch die Nähstuüen -hatten gewetteifert uüd schöne. Kleidchen, Nachthemdchen, Hemdchen, Schlüpfer gearbeitet. Reichlich waren wieder die praktischen Geschenke aus den verschiedensten Geschäften gekommen, so daß wohl viele Wünsche der Hortkinder befriedigt wurden. Auch an dieser Stelle danken wir allen Damen, diesich für das Fest der Kinder so sehr bemüht haben, allen Geschäften für ihre Spenden und Isst not lesst den Hortleiterinnen, die in -unermüdlicher Arbeit sich den Kindern widmen und erzieherisch Großes leisten. Unsere Gönner , aber bitten wir, nach wie vor unserem Horte ihr Interesse zu bewahren. General-Bersammlung im Verein Wekor Chajim E. B. Wir weisen unsere verehrten Mitglieder -auf die am Sonntag, den 31. Dezember 1933, nachm. 4.45 Uhr im Vereinslokal Hans Handwerkstr. 18, stattfindende Generalversammlung unseres Vereins hin und bitten um recht zahlreiche und pünktliche Beteiligung. Evtl. Wünsche und Anträge bitten wir in der G. V. persönlich vorzubringen. Anschließend an die General-Versammlung findet ein Vortrag des Herrn Rabbiner H. Meyer stat^, a-uf den wir auch an dieser Stelle, aufmerksam machen. Georgine Sara v. Rolhschild'sches Hospital. Wie wir hören, ist Herr Dr. Menny Rapp, als beratender Chirurg an das Georgine Sara von Rothschild'sche Hospital berufen worden.