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Der Israelit · 1933-12-21 · Heft 51 (21.12.1933) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 51 (21.12.1933)
Date
1933-12-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 51 D >e r- Israelit dem, oder vielleicht ebendeshalb weil unorganische Ilusgleichsexperimcnte vermieden wurden,- kam in ihrer neuen Heim-at das hebräische zu ungeahntem neuen Leben, ja wurde dortselbst zum einzigen Verständigungsmittel zwischen den hispanisierten Einwanderern. und den arabisierten Alteingesessenen, — und wer die Renaissance des hebräischen im heiligen Lande ditbvrambjsiert, sollte nicht vergessen, das; die hebräische Umgangssprache schon einmal solche Ueubclebung in einem blühenden jüdischen Willen erfahren hatte, — und zwar als Umgangssprache bis aus den heutigen Tag sich sieghaft gegenüber Indes, und Inden-Arabisch behauptete, ja sogar gegen den assimilatorischen Ungeist der Allianceschulen. Alan kann gespannt sein, ob sich ein solcher Vorgang in Erez Iisroel heutzutage wiederholen kann. Je weniger gewaltsame Vorbereitungen dazu unternommen werden, desto eher möchte man daran glauben. Es herrscht zwischen den Einwanderern weniger klangliche Uebereinsiimmung als damals in Uordafrika. Eine numerisch starke Urbewohnerschaft fehlt gleichfalls. (6b die europäischen Juden sich zu guten Palästinensern durch Zersplitterung ihres heimischen Svnagogcnritus und/Religionsunterrichts ausbilden können? ^Schließlich ist Aussprache —, wie in Wirklichkeit Sprache überhaupt, — nur ein Symptom für viel tiefer fundierte Eharaktereigcnhciten. Der Vorzug des sefardischen hebräisch dürfte wohl allgemein darin gesehen werden, das; es die grammatische Wortgliederung leichter als andere Aussprachen erkennen lässt. Das ist wohl eine der Ursachen, weshalb es bei den außenstehenden Erforschern des hebräischen (Humanisten, Reformern) Vorliebe fand und stveshalb cs auch sich zur Verständigung'in gegenwärtigen Sicdlerkreiscn am leichtesten eignet. Zweifellos kommen, insbesondere soweit sie religiös verfallenem Gemeindemilieu entstammen, auch diese Siedler vielfach ganz von außen an Judentum und ssudenheit bcvan. Deshalb taugt für ihr Palästina-Leben das Sefardische ganz vorzüglich. Und dennoch scheint es, als entstamme seine Eigenheit einem im vergleiche mit der Gegenwart viel ausgeruhteren und daher innerlich formbewussteren Zeitalter. Die sturmbewegte Gegenwart fordert so wenig Formdenken und sö erdrückend viel Uachdenken, daß die Rückwirkung davon aus die Aussprache nicht ausbleiben kann: Die sefardische Formbetonung wird aschkenasischer Stammbetonung weichen. Wan könnte diese Voraussage ruhig An präsensform ausdrücken. Denn der Beginn ist längst geworden. ' m ■ Geworden, nicht gemacht. Gemacht werden weder lebende Sprachen noch lebende Aussprachen. pGeist und Leben entfliehen hurtig dem rohen Skalpell." Ebenso wie in den deutschen Synagogen nach dem Auftreten S. R. hirschs eineneue, früher unbekannte Aussprache-geworden ist, die ihrer Zeit und' ihrem personenkreise, entsprach: Aschkenasisch mit sefaröischer Formbetonung. Fern sei es uns, den für manchen Einwanderungslustigen nötigen und schweren Hebräisch-Unterricht noch durch aussprachekundliche Exkurse erschwert zu wünschen. Aber an diejenigen unserer äschkenasischen Brüder, welche in der glücklichen Lage sind, ihre Ueberstedlung ohne hast in die Wege zu leiten und so, wie es auch sonst bei Auswanderung Geistiger zu geschehen pflegt, auch das Schrifttum der neuen Heimat studieren zu können, sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, außer dem Klange auch den Geist des Afchkenasifchen (und des Sefardischen) zu erforschen. Denn nur dann ist seine Einwanderung auch über die Konjunktur hinaus ein geistiger Gewinn des Landes. - Und vor allem sollte die in Europa fungierende Religronslehrerschaft einmütig der Versuchung widerstehen, durch Ausspracheexperimente in der Heimat ihre geistige Vorarbeit zur Geulla zu gefährden und die erwähnte Bereicherung des heiligen Landes durch aschkenasischen Geist unmöglich zu machen, der ja entfliehen und schwinden mußte, sobald man.ihm den Atem seiner Sprachform raubt. Eine lehenche Gemeinschaft der.Stämme Israels kann im heiligen Lande nur erstehen, wenn sich die Häupter und Lehrer des Volkes um G'ttes Königtum in Iefchurun scharen und als erhabene Bürde das Wort vom Sinaj tragen (Deut. 53, 3—6), auch den Dienst an der heiligen-S p ra che als erhebende Bürde ansehen. Rur-dann ist die Gewähr'gegeben, daß rwnp h>a l'l e r Stämme hehrer Wert in Einer Hand geeinigt werde, inder Hand dessen, der über dem Geschehen der Völker und dem Werden ihrer Eigenheiten liebend wacht. Korrespondenzen * ßacbrfcbten. Deutsches ReLM Gegen die Benachteiligung jüdischer Geschäfte beim Wcihnachtsverkauf. ' Berlin, 13. Dez. Die Tagespresse hat eia- Schreiben des Reichswirtschaftsininsters an die Landesregierungen und die Spitzenrerbände. veröffentlicht, denk wir folgendes entnehmen: Die ungestörte -Abwicklung des Weihnachtsgeschäftes wird vielfach örtlich durch Maßnahmen zugunsten einzelner Gruppen des Einzelhandels gefährdet. Sonderattioncn gehen dahin, die anderen Gruppen, insbesondere die Großuntcrnehmnngen des Einzelhandels, die Waren- und Kaufhäuser, Einheitspreis- und Filialgefchäfte usw. sowie nichtarische Einzelhandelsgeschgste von dem- Verkauf von Weihnachtsartikeln und Christbaumschmuck auszuschließen und ihnen die weihnachtliche' Ausschmückung ihrer Geschäftshäuser, ihrer /Schaufenster und Waren, z. 23. mit Lametta, Tannengrün usw. zu untersagen. Zugleich sehensich diese Unternehmungen in der Benutzung der üblichen, ihren Wettbewerbern zugänglichen Werbenrittel beschränkt und zudem der Tatsache gegenüber, daß die Bevölkerung durch Warnungen, Flugblätter, ‘ Postcnstchcn, Verlchrskontrolle oder anderen Belästigungen von einem Einkauf bei ihnen - abgeschreckt wird. Ich bitte dringend, Bestrebungen und Maßnahmen dieser Art ohne"Verzug wirksam entgegenzutreten und insbesondere die ungestörte Verwendung weihnachtlichen Schmuckes, eine ungehinderte Werbung in dem Rahmen und in den Formen, wie sie für den Weihnachtsverkauf hergebracht sind;/ebenso sicherzustellen wie den freien Verkauf von Weihnachts- und Christbaumschmuck sowie von Weihnachtsgeschenken: Wo eine Abschreckung der Kundschaft u. a. durch Belästigungen irgendwelcher Art versucht wird, sind darauf zielende Maßnahmen schon aus dem Grunde als unzulässig zu bekämpfen, weil sie ersahrengsgemäß die Kaufwilligkeit und Kauflust allgemein Herabdrücken. Es ist auch dahin zu wirken, daß der Erfolg der einheitlichen Weihnachtswerbung, die vom Werberat der deutschen Wirtschaft ausgehti nicht, durch örtliche Sonderveranstaltungen beeinträchtigt wird. Oessentlich - rechtliche Körperschaften, wie Kommunalbehörden, Handelskammern und andere Stellen, die einer Staatsaufsicht oder einer staatlichen Einflußnahme unterliegen, bitte ich ausdrücklich anzuweisen, sich' oou Maßnahmen fernznhalten, die hiernach der Wirtschaftspolitik der Reichsregierung nicht entsprechen. Für die jüdischen Arbeitnehmer. Berlin, 15. Dez. Die Reichsvertretung der deutschen Juden teilt mit: Unmittelbar nach Ausschluß der jüdischen Arbeitnehmer aus den Angestelltenverbänden haben Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Reichsbund jüdischer Frontsoldaten und Zionistische Vereinigung für Deutschsttird gemeinsam mit der Wirtschastsstelle der Berliner Jüdischen Gemeinde bei der R e i chs v e r tr e tu n g d er deutschen Juden einen Ausschuß gebildet,, um alle Möglichkeiten zur Bildung, einer jüdischen Arbeitnehmerorganisation gemeinsam zu verfolgen. In der ersten Sitzung des um einige Einzelpersönlichkeiten erwellerten Ausschusses wurde die Lage der jüdischen Arbeitnehmer ausführlich erörtert. Es bestand Uebereinsiimmung darüber, daß im Augenblick -die Gründung einer besonderen Arbeitnehmerorganisation nicht in Betracht gezogen werden kann, daß vielmehr die weitere Entwicklung der Deut- 21. Dezember 1935 scheu Arbeitsfront zunächst-abgewärtet, werden muß. Diese abwartende Haltung istder Organisationsfrage schließt aber keineswegs aus, daß alle Maßnahmen getroffen werden, die geeignet sind, die Lägeder jüdischen Arbeitnehmer zu verbessern. Hierzu gehören: Rechtsberatungj, Rechtsschutz und Rechtsvertretung, Sicherung der vorhandenen Arbeitsplätze, Schaffung netter -Arbeitsmöglichteiten für die Erwerbslosen sowie Umschulung derjenigen!, die in ihren bisherigen Berufen nichtverbleiben können. Die . Tätigkeit des Arbeitsn ach weise S fand bei der Besprechung besonderes.Interesse.-''Es wurde beschlossen, die nächste -Zusammenkunft ausschließlich der Frage der Arbeitsvermittlung und Arbeitsbeschaffung zu. widmen. In den größeren jüdischen Gemeinden . mit erheblicher Arboitnehmerzahl sollen ähnliche Ausschüsse unter- Mitwirkung der Reichsregierung gebildet, werden.. Zur Unterrichtung der jüdischen Arbeitnehmerschaft, insbesondere auch der Erwerbslosen, sollen zu Beginn des, nächsten Jahres Zusammenkünfte mit einem -größeren Kreis, von Arbeitnehinern ftattfinden. Einzelaktionen gegen jüdische Geschäfte verboten. ... Berlin, 14. Dez. Wie das, in Wriezen erscheinende „Oberbarnimsche Wochenblatt" mitteilt, hat der Treuhänder der. Arbeit für das. Wirtschaftsgebiet.Brandenburg im einem Schreiben an .dir Wriezener Polizeiverwaltung eindringlich darauf hingewiesen, daß Emzelaktioneu gegen jüdische Geschäfte, Filialgefchäfte und dergleichen unerwünscht und unzulässig sind. „Der Betätigungsdrang allzu eifriger. neuer oder jugendlicher Parteimitglieder", heißt es in dem <3äymben, „muß unbedingt gezügelt werden, soweit Anordnungen des Führers oder seiner engsten und vertrautesten Milarbeiter ihm entgegenstehen. Andernfalls - erscheint es nicht, ausgeschlossen, daß die Strafgerichte sich mit Fälleu dieser Art beschäftigen müssen, was in jeder Beziehung unerwünscht - wäre." -■ ■ Im Amtsblatt des Bezirksamts Hersbruck wird bekanntgegebeu: „Es besteht Veranlassung, erneut darauf hinzuweisen, daß gemeindliche Beschlüsse, nach denen Juden allgemein zu Messen und Märkten nicht zugelassen werden, dem bisher nicht aufgehobenen Grundsätze der Marktfreiheit, (Paragraph- 64 RGO,), nach dem der Besuch von Messen, Jahr- und Wochenmärkten, sowie der Kauf und Verkauf, auf denselben einem jeden mit gleichen Be>-' fugnissen freisteht, widersprechen und deshalb . gesetzlich unzulässig sind. Sie stehen außerdem im direkten Gegensatz zu den strikten Weisungen des Fü.Hrers> jede Beunruhigung in der Wirtschaft durch irgendwelche Eingriffe zu vermeiden. Soweit derartige Beschlüsse nochbestehen, sind sie sofort aufzuheben. - Ein allgemeiner Ausschluß jüdischer' Geschäftsleute aus Gründen der öffentlichen .Rühe und Sicherheit läßt sich heute keinesfalls rechtfertigen. Derartige.Gesichtspunkte dürfen unter teinen Umständen dazu mißbraucht werden, die ausdrücklichen Anordnungen der Reichs- und.. Staatsregierung zu umgehen." / Entgegen gewissen Bestimmungen der letzten Zeit weist die „C.-V.-Zeitung" auf den Erlaß des Neichsjüstizministers vom 1.. Oktober 1933 hin, in dem bestimmt wird, daß . die auf' Grund'der Gesetze vom 7. unb 22. April in ihrem Beruf verbliebenen Rechts--und Patentanwälte nicht nur im vollen Genuß der Berufsrechte bleiben, fondern auch Anspruch auf die Achtung haben, die ihnen als Angehörige ihrer Staatsgemeinschaft zutommt. Die „C.-V.-Zeitung" stellt fest, daß Nichtaufnahme -in das offizielle Anwaltsverzeichnis und Nichtbelieferung mit den offiziellen Zeitschriften für die betroffenen Anwälte eine berufliche Beeinträchtigung .darstellt, und fragt/ wie sich Nichtaufnahine in die amtlich allein anerkannte..Standesorganisation mit der Achtung vereinen läßt, die. im 7 Erlaß des Reichsjustizministers auch für die nichtarischen Anwälte gefordert wird.. Doktordiplome für nichtarische Wcdizin-Studicrcndc. . B e..rl in, 19. Dez. Vom Rektor der Universität Berlin würde unlängst, wie jetzt mitgeteilt wird, folgende Bekanntmachung veröffentlicht: , „Das preußische Ministerium für Wissenschaft, -Kunst und Volksbildung hat mitgeteilt,-. daß nichtarische Medizinstudierende mit der Erteilung der Approbation nicht rechnen können. Da.das medizinische und zahnmedizinische Doktordiplom nach den bestehenden Vorschriften nur Reichs-Ausländern ohne Rücksicht darauf, ob.und-

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