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Der Israelit · 1933-12-21 · Heft 51 (21.12.1933) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 51 (21.12.1933)
Date
1933-12-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 51 Seite 3 21. Dezember 1933 D er Israelit Agudas Iisroel-Weltorgamsation ist älter als die Weltkrisis und die deutsche Iudennot in ihrem akuten Stadium von heute. Die Palästina-Ient r a l e tut mitten in den Wogen der Ereignisse alles, was sie im Rahmen ihrer leider nicht allzustarken Kräfte und Wittel tun kann. Manches ist geschehen, vieles ist in Vorbereitung. Aber es ist notwendig, daß die Freunde und die Arbeiter Zusammenkommen, sich über die Ziele wie auch über die Mittel und Wege zu denselben aussprechen, -auf daß aus gemeinsamem Tun und Wollen die weitestmögliche Hilfe entstehet ■yvv xnn nsnwm Darum ist es sehr zu begrüßen, daß die Palästina- Zentrale der Agudas Iisroel für die bürgerlichen Feiertage in nächster Woche eine Konferenz i h r e r M i t g l i e d e r u n d. G r u p p e n in Frankfurt a. M. einberufen hat. Aus dem uns vorliegenden Programm.ist ersichtlich, unter welchen Gesichtspunkten die Beratungen vor sich gehen sollen. Hachs charah ist eines der nächsten Ziele der orthodoxen palästinaarbeit. Das S ch u l w e r k in Palästina, bisher schon ein Ziel, aufs innigste zu wünschen, erhält ein neues vitales Interesse durch die gesteigerte Einwanderung gesetzestreuer Familien aus Deutschland. Die Organisation der p o a l e Agudas Iis - r o e l ist nicht minder eine Lebensfrage für das gesetzestreue Palästina. Daneben beschäftigen die Konferenz Fragen der Mittelstandssiedlung, industrieller Möglichkeiten und der Beschäftigung von Akademikern. Als Wege zu diesen ins Auge gefaßten Zielen, die gründlich auszubauen und zu ebnen sind, gelten Organisation und Propaganda, Fragen der Emigration mit dem damit verbundenen Zertifikatenproblem und insbesondere Alijah der Jugendlichen. Auch die geistige Rüstung zu geistigen Hochzielen findet ihre ausgiebige Behandlung durch Beratung über E h i n Nachfragen und eine Aussprache über den neugegründeten RoarAgudati. Schon die Registrierung dieser Punkte tut die dringliche und unaufschiebbare Notwendigkeit der Zusammenkunft und der Aussprache dar. Cs ist ein ganzer Komplex von Lebensfragen, die heute, von äußerer Rot und innerem Sehnen erzeugt, auf uns einstürmen. In der zuversichtlichen Hoffnung, daß es der Palästina-Zentrale der Agudas Iisroel befchieden fei, aus dieser Zusammenkunft neue Kraft für die Lösung schwerer Aufgaben in schwerer Zeit zu schöpfen, begrüßen wir die Konferenz aufs Herzlichste. Gin Festtag des thoratreuen Judentums. Den deutschen Juden steht der Sinn nicht danach, Feste zu feiern und Jubiläen zu begehen. Denn die Rückschau auf die abgelaufenen Jahrzehnte strömt Wehmut aus, und der Atem des gegenwärtigen Geschehens raubt die Rühe besinnlichen Stillestehens. ' Aber es gibt Feste, die Kraft auslösen und darum ihren Wert in sich tragen. Daß die deutsche Iudenheit sich ihres Besitzes an j geistigen Führern freue und sie ehre, ist grade heute I ein Gebot der Selbsterhaltung.! In diesem Sinne sei es gestattet, an dieser Stelle dem Amtöjubiläum Dr. Arnold Kleins in R ü c ni borg, des Rabbiners der Adaß Ieschurun-Gemeinde I und Mitgliedes des Rabbinischen Landesrates der deutschen Agudas Iisroel einige Worte zu widmen, i Fünfundzwanzig Jahre, ein halbes Iobel, wirkt! Dr. Klein in der fränkischen Hauptstadt, nachdem er vorher kurze Zeit am Würzburger Seminar lehrend j tätig gewesen war und nach langen, mühe- und enti sagungsreichen Lernjahren an den größten Ieschrwos seiner ungarischen Heimat, in Breslau und Berlin seine akademischen Studien vollendet hatte. Dr. Kleins äußere Wirksamkeit — von derjenigen im engeren Kreise seiner Gemeinde abgesehen — hat sich im Rahmen der . Organi-! sationen der unabhängigen Orthodoxie abgespielt, die in dem Jubilar einen ihrer hervorragendsten Führer erblickt; in den leitenden Körperschaften der „Freien Vereinigung für d i e I n t e r e s s e n des o r t b o d o x -e n' Judentums", des „Verbandes orthodoxer Rabbiner Deutschlands", des Halberstädter Gemeindeverbandes und in Landes- und Weltorganisation der „ Agu -- das Iisroel ". Die letztere insbesondere dankt dem Jubilar eine Fülle guten Rates, tatkräftiger Hilfe und propagandistischer Arbeit in den verschiedensten Zentren jüdischen Lebens, vor allem im Kreise der Jugend, die mit dem sicheren Instinkte der zur Ganzheit strebenden, „Persönlichkeit als höchstes Glück der Crdentinder" schätzenden Träger der Zukunft in Dr. Klein immer und überall ihren besonderen Vertrauensmann erblickt hat. Das ist kein Zufall. Denn nicht allzuoft finden sich in unsrer zerrissenen, veräußerlichenden Zeit die charakteristischen intellektuellen und gefühlsmäßigen Elemente zur harmonischen Einheit der Persönlichkeit zusammen, wie sie Dr. Klein auszcichnen. Zwei Grundprobleme haben Dr. Klein von dem Momente an, da er deutschen Boden betrat oder noch früher, mit beherrschendem Ernste erfaßt, und ihrer theoretischen und praktischen Klärung bat er drei Jahrzehnte ehrlichsten, die ganze Seele entsetzenden Wahrheitsstrebens gewidmet: die h a l a ch i s ch e u n d w e l t a n s ch a u l i ch e G e! t u n g der Hirsck- Hildesheimer'schen „Austritts" - Entscheidung für den Aufbau des jüdischen Gemeinschaftslebens und die Auseinandersetzung zwischen Thora-Wahrheit und moderner Kultur, wie fle in dem Schlagwort von „Thora im Derech Crez" zum Ausdruck kommt. Jedem Worte, das Dr. Klein in unzähligen Reden und Aufsätzen dem zentralen Problem seines Denkens, der Austritts-Entscheidung, gewidmet hat, ist der Charakter eines leidenschaftlichen Ernstes zu eigen, der deni ungekünstelt dahinströmenden, eigentlich mehr wie ein, belauschtes Selbstgespräch wirkenden Gedankengang das Siegel höchster Wahrhaftigkeit aufprägt. Man spürt: hier wird nicht Schüler-Tradition um der Tradition willen, nicht eine politische Theorie um des Rechtbehaltens willen begründet und verteidigt, sondern aus der Tiefe einer jüdischen Persönlichkeit, in der die Ehrfurcht vor G'ttcs hcllllpm willen jedes Wort der halachifchen Diskussion trägt und aoen, bricht die Sehnsucht nach Wahrheit hervor, die Sehnsucht nach einem reinen, auf dem goldenen Grunde dieser Wahrheit aufgebauten, wahrhaft jüdischen Gemeinschaftsleben. Die Aufsatzreihe, die Dr. Klein unter dem Pseudonym „Gabiab den Pesisa" vor nunmehr fast Jahren zur Verteidigung des Austritts-Pßaks S. R. Hirfchs gegen neue Cinwürfe an dieser Stelle veröffentlicht hat, sie reiht sich in ihrem Gedankenreichtum, ihrer logischen Schärfe, aber auch in ihrem feinen psychologischen Verständnis für die Beweggründe von Freund und Gegner den klassischen Austritksfchriften des Meisters selber würdig an und verleiht dem Verfasser für alle Zeiten Anspruch auf die Anerkennung aller derer, die in Hirsch und Hildesheimer auch auf dem Gebiete jüdischer Gemeinschaftsgestaltung wegweisende Führer der Zukunft erblicken. Etwas anders ist, wie uns scheint, die Stellung Dr. Kleins zum „Thora im Derech Crez"-Prinzip zu beurteilen. Hier erblicken wir eine Synthese der ungarischen Auffassung mit der weitergehenden S. R. hirfchs Diesem erschien die Einbeziehung, die o r g" a n i s ch e C i n s ch in e l z u n g der reichsten Fülle allgemeiner Kulturwerte (als „Hilfswissenschaften ") ins Judentum als eine g'ttgewolltc Bereicherung dieses letzteren, mindestens als ein Mittel zur tieferen Erkenntnis der Thorawahrheit. Diese Auffassung, auch wenn man sie als prinzipiell richtig anerkennt, birgt in ihrer praktischen Anwendung, wie die geschichtliche Erfahrung gezeigt hat, neben höchsten Cntwicklungsmöglichkeiten doch für den Durchschnittsjuden starke Gefahrenquellen in sich, und Dr. Klein hat außerdem geltend gemacht, daß die Thora im Grunde als offenbarter G'tteswille grundsätzlich keiner fremden C r k e n n t n i sm i t t e l — a u ch n i ch t a l s M i t t e l — bedürfe, daß vielmehr das Thora im Derech Crez-Prinzip ganz und gar auf das Bedürfnis der Berufsbildung gestützt und eingeschränkt werden müsse. Das ist auch der heute noch von den ungarischen cp^ru vertretene Standpunkt. INTERNATIONALE SPEDITION Frankfurt a. M. Telefon 30576 Gufleufsfr. 31 Lagerung, Verpackung, Umzüge, Gepäck, Versicherung Sammelladungen innerh. Deutschi. u. nach d. Ausland PALÄSTINA-TRANSPORTE Die Konsequenzen dieser Differenz müssen sich insbesondere in Crez Iisroel auswirken, wenn es dort gelten sollte, ein autonomes jüdisches Schulwesen orthodoxen Gepräges zu schaffen. Der Crez Isroel-Arbeit hat die besondere Liebe Dr. Kleins vom ersten Anbeginn agudistifchen Wirkens gehört, und er hat gerade in diesem Punkte, wenn er sich bei den Bildungsproblemen stark beeinflußt zeigt von den Anschauungen Ungarns, die Unabhängigkeit feines Denkens, bewiesen, sobald er seine Ueberzeugung — wie bei p"nx nun mxa - auf die feste Grundlage halachischer Argumentation und nicht bloß auf die Einsicht in zeitliche Rotwendigkeiten stützen zu können glaubt. Einer Persönlichkeit, die so sehr eins ist mit dem; was sie wirkend lehrt und lehrend wirkt, wie Dr. Klein, ist die Tragik persönlichen Leides und herber Enttäuschung noch niemals erspart geblieb.^t; denn die „guten Gaben" G'ttes werden nur durch Leiden erworben; und selten in der Geschichte schmiegt sich die erbarmungslose Realität des Geschehens und die Kleinheit der Menschen, die die Träger dieses Geschehens sind, dem Schwung eines idealistischen Wollens harmonisch und dienend an. Aber diese Erlebnisse haben die seltenen nna» die Charaktereigenschaften des Jubilars, um so mehr vertieft und in ein um so glänzenderes Licht treten lassen. Lin Herz voll nberquillender Liebe für jode jüdische Seele, die der Führung und Betreuung bedarf; jenes in jedem Wort und jeder Bewegung zutage tretende jüdische Schamgefühl, das die nrow ücker sich weiß und vor ihr lieber verstummt, als sie durch Spott oder Bösrcde zu vertreiben; die Unerschüttcrlickken des Wollens, wo cs der Reinheit des Prinzips gill, und die mild verzeihende Einsicht in die Beweggründe des Gegners, den nie ein kränkendes Wort verletzt hat; der ewige Zweifel an der eigenen Vollkommenheit und die allen Zweifel bannende, überströmcnde Zuversicht in den endlichen Sieg der Wahrheit, wie sie nur aus echter a^aan 7>3ia8 erblühen .kann — diese Blutenlese charakteristischer Züge aus dem Bilde des Rürnberger Raws, sie sickert dem Jubilar weit über den Kreis feiner Gemeinde, weil über den Kreis seiner religiösen Gesinnungsgenossen hinaus die dankbare Verehrung aller derer, die je in den Bannkreis seiner bezaubernden Persönlichkeit treten durften. So bleibt nur der Wunsch, daß die Vorsehung den verehrten und geliebten Führer in ihren Schutz nehmen, ihm die Kraft jugendfrischen Durchdauerns in ernster Zeit verleihen und die beglückende Gewißheit schenken möge, daß sein wollen wie sein wirken, was er je an G'ttesheiligung erstrebte, wie das, was er erreicht, vor dem Auge der zeitüberlegenen G'tteswaltung sich zu einem Ouell des Segens summieren — reich genug, um über ein langes Menschenleben hinaus, Generationen zu segnen. «Brav Aussprache-Experimenke. Von einem Sefardi. Die Rachricht, daß infolge der Palästina-Konjunktur der Religionsunterricht und der G'ttesdicnst iellcnweise sefardisiert werden, konnte den aufmerk- 'amen Beobachter der Zcitmcmungen nicht überraschen. Das Vorurteil, daß es eine zu bevorzugende korrekte Aussprache gebe, war ja nie erloschen. Gegen die historische Tatsache, daß in Palästina eine der fefardischen ähnliche Aussprache sich etabliert hat, soll man gewiß nicht kämpfen. Aber zwischen zwei Stühle sollte die heutige Jugend in der Aussprachcn- 'rage auch nicht gesetzt wenden. Als nach 1492 die ersten nisv 'En-n nach Rordafrika fluteten, fanden sie dort aus vielen Gründen keinen völlig heimischen Empfang, unter Anderem auch deshalb, weil man ihre Leseweise des Hebräischen fremd empfand. Trotz- 1 ft "

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