Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 51 (21.12.1933)
- Date
- 1933-12-21
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 51 Wochenrundschau. Das „Volk der Makkabäer". Die Lhanukcch-Lichter sind erloschen — sie haben auch über das gegenwärtige Erleben für ein paar Tage den freundlichen Lichtschein rückwärts gerichteter Erinnerungen geworfen und manchen unter uns vielleicht gelehrt, in historischen Zeitmaßen zu denken, vor denen die Episode des einzelnen Menschenlebens verschwindet. Zufälliger weise hat die norddeutsche Presse während des Festes über eine in Bremen stattgehabte Aufführung von Händels Oratorium „Judas M a ccabäu s" berichtet, die eine Kuriosität zutage förderte. Die philharmonische Gesellschaft' Bremens nämlich, der die Aufführung des klassischen Kunstwerkes zu verdanken ist, glaubte sich ob dieser philosemitischen Tat vor der öffentlichen Meinung offenbar entschuldigen zu müssen und überraschte die gebildete Welt mit der Erklärung, das „ a l t t e st u - m e 11 t a r i s ch e Volk der Makkabäer" sei keineswegs identisch mit den heutigen Juden! Nun brauchen zwar Musiker und Kunstliebhaber keine historischen Kenntnisse zu besitzen, aber daß die Makkabäer ü b e r h a u p t k e i n Volk, sondern eine schlichte jüdische Priesterfamilie aus dem palästinensischen Dorfe Modin waren, daß ferner die Kämpfe gegen -die svrischen Gewaltherrscher nicht von dieser Familie allein, sondern von Tausenden Juden aus allen Stämmen und Berufsschichten des jüdischen Volkes unter makkabäischer Führung durchgefochten wurden — das sollten selbst die Philharmoniker in Bremen wissen. Aber es kommt noch besser. Die „Wahrheit" in Berlin macht aus dem neu erfundenen alttestamentarischen „Volk der Makkabäer" einen ganzen Artikel und leistet sich dabei u. a. folgende interessante Sätze: „Die streitbaren Maccabäer waren bestimmt keine Juden in dem heute landläufigen Sinne. Sie waren ein bäuerliches Volk, das im Lande Kanaan wohnte, als Moses die Juden aus Ägypten durchs Rote Meer geführt und nach vierzigjähriger Wüstenwanderung dort seßhaft machte. Die Ammonite r, die Galiläer, die Maccabäer waren die Landesinsassen, als Moses die Kinder Josephs in das Land der Kananiter iührte und die einheimischen Volksstämme „untertänig" mochte." Aus Grund welcher historischer Ouellen die Schriftleitung der „Wahrheit" diese funkelnagelneuen Der I s r a e l i t_ Entdeckungen zutage gefördert hat, ist vorerst tiefes Geheimnis. Insbesondere die heitere Zusammenstellung der „Ammoniter, Galiläer (sic!) und — Makkabäer" wird den Fakultäten der Geschichtswissenschaft eine harte Buß zu knacken geben. Am Schluß wird dann noch als Kronzeuge ein offenbar zionistisches Blatt herangezogen, das „zugegeben" haben soll, Hebräer und Makkabäer seien nicht gleichen Volksstammes. Dieses Blatt versichere zwar, die heutigen Juden seien Nachkommen der Makkabäer — aber es sage uüch, erst heute hätten die Juden wieder eine „neue Generation, die wieder ein Judentum makkabäischer Prägung heraufführen will." Das kommt davon. Daß die „Wahrheit" sich über dieses „Heraufführen" makkabäischer Prägung lustig macht, ist nicht die Schuld des zionistischen Blattes; aber ablehnen möchten wir diese überhebliche Identifikation des modernen Zionismus mit dem Makkabäertum doch in aller Entschiedenheit. Der Kampf der Makkabäer ging einzig und allein um die Aufrechterhaltung des G'ttesgesetzes, und der stille Heroismus derer, die — auch vor dem 5. März 1955 — wußten, daß sie Juden waren und ihre G'ttestreue durch die T a t besiegelten, ist jedenfalls „makkabäischer" -als das neue zionistische Maffen-„Bekennertum" zu Blut und Rasse. Eine österreichisch« „Lösung" der Iudenfrage. Au den vielen Lösungen, die man heute allüberall für die weltbewegende Iugendfrage hat, gesellt sich eine solche, die Universitätsprofessor Pater Dr. Wilhelm Sch midt auf der in Wien abgehaltencn Führertagung der Katholischen Aktion vorgeschlagen hat. In ein akutes Stadium ist die Iudenfrage auch in Oesterreich in den letzten Tagen getreten durch Eingreifen des Ministers Dr. E z e c m a k, der sich nicht mit Artikeln, Referaten oder einer Parlamentsaussprache begnügt, sondern ein ganzes Buch dem Problem widmet, davon ausgehend, daß es so nicht weitergehe und daß die Dinge einer Löung mit Gewalt zudrängen. Nachdem Pater Schmidt im Sinne des genannten Buches das Ueberhandnehmen des jüdischen Einflusses auf das gesamte öffentliche Wirtschafts- und Kulturleben in Wien und Oesterreich schildert und A u s n a h m e g e s e tz e für Juden fordert, kommt er insbesondere auf die Stellung der getauften Juden zu sprechen. Cr steht zwar nicht mit beiden Füßen aus dem Rassenprinzip, etwa so, daß das Taufwasser den Geburtsfehler des Inöeseins nie und nimmer abwaschen könnte, aber er glaubt, der Prozeß brauche längere Zeit. Das Anderssein werde den Juden auch in die Kirche begleiten und die Nachwirkung der zweitausendjährigen Verbannung ihn auch noch als Angehörigen der christlichen Glau- 21. Dezember 1933 bensgemeinschaft von den Anderen, also/von den christlichen Christen, auszeichnen und unterscheiden, und zwar nicht zu seinem-Vorteile. Zwischen dem starren R-assenprinzipe auf der einen und dem Misstonsideal auf der anderen Seite, zwischen der strikten schroffen Ablehnung. bis ins dritte und vierte Geschlecht und dem liebevollen Lockruf von Seiten der „Freunde Israels", erblicken wir hier ein Drittes: Mission nach wie vor, aber zunächst ein Ghetto innerhalb der Kirche, ein M a r a n n e nt u m, vielleicht weniger von innen her gepflegt, denn von aussen her als solches empfunden und beargwöhnt. Mit einem Worte: „Christliche Nichtarier", wie sie sich in Deutschland zu sammeln beginnen und dort im Sinne der neuen Gesetzgebung Juden minderen Rechtes bleiben, hier als C. v., als Titel, der auch nach außen etwas bedeutet und zumindest von der katholischen Kirche als Bindeglied zwischen Judentum und Thristentum, als Zwischenblatt zwischen dem Alten und Neuen Testamente anerkannt wird. Diese Aeußecungen könnten als der frommen wünsche, wie sie heute überall austauchen, ein Teil im Aether verhallen, würde nicht der K a r d i n a l e r z b i s ch o f Dr. I n n i tz e r, der höchste Repräsentant der katholischen Kirche in Oesterreich, durch seine Anwesenheit dem Vortrag Autorität und der Tagung durch kirchlichen Segen sogar eine gewisse Sanktion verliehen haben. Solche radikale Lösungen der Iudenfrage nannte man früher E i s e n b a r t k u c e n. Diese Bezeichnung ist heute längst nicht mehr am Platze. Dr. Eisenbart pflegte die Schmerzen dadurch zu tilgen, daß er die (Duelle der Schmerzen, den Organis- 'mus vertilgte. Hier will man den-Organismus vernichten, aber die Fieberquelle lassen, die Schmerzen und Leiden sollen sich für den Juden in einen! neuen Leben, das man ihm nicht gänzlich verschließt, fortsetzen. Das alles wird vielleicht nur graue Theorie und Ideologie bleiben. Das Schmerzliche liegt darin, daß sich in Oesterreich unter einer starken Hand Regierung und Kirche, Minister und Pater zusammentun, um „Lösungen" anzustreben, die so ungewiß sie -in dem bleiben, was sie bieten, gewiß darauf hinausgehen, die Traditionen der Habsburger seit Joseph II. und ihre später in der Emanzipation gefundene Konsolidierung außer Kraft zu setzen. Man spricht über Erez Iisroel. Crez Iisroel steht im Mittelpunkt unserer Sorgen und Hoffnungen. Man wird der Orthodoxie später nicht den Vorwurf machen können, daß sie die Zeit der Nöte, die das Wort Crez Iisroel wie ein Lichtlein in der Finsternis aufstrahlen läßt, ungerüstet und unvorbereitet traf. Der K e r e n H -a j i s ch u w der Aus dem Tischgebet. Die geistreichen Ausführungen des Herrn Nabb. Dr. Kaatz über das Tischgebet erinnern mich an ein köstliches Wort meines geliebten Rabbi, des^"pixr asio tns?. Wir flehen da gegen Schluß des Tischgebetes:^aai,aiü^>ai u-iorr 21V- Wozu die Verdopplung? Wenn wir schon alles Gute besitzen, dann ist es ja selbstredend, daß es uns an allern Guten nicht mangeln wird. — Doch ist der Zusatz zu verstehen im Sinne der Weisenworte ovn -ow Var* invt" DnrrsV „An uns ist es, in unserem Erdenleben die Pflicht zu erfüllen, der eigentliche Lohn bleibt den Frommen ausbewahrt für das ewige Leben." Wenn wir aber dennoch um zeitliche Güter beten, so geschieht dies i»L7 nasn, um Seines großen heiligen Namens willen, da uns die irdischen Güter notwendige Behelfe zur Ausübung der msn sind. — Wie die Belohnung einst beschaffen sein wird, entzieht sich unserem Wissen, gewiß ist sie unermeßlich und unfaßbar. mss ivrr *]aio aa na In diesem Berse sehen wir, daß das absolut Gute, welches dem Frommen aufbewahrt bleibt, mit dem Worte "pn: bezeichnet wird. Das dürfte auch der Sinn unseres Flehens sein: Gewährst Du uns auch alles Gute, um das wir zu Dir gebetet haben, aiv ^av so bringe es nicht in Anrechnung bei der Festsetzung des Maßes „Deines Guten", das den Frommen aufbewahrt bleibt.!uivri' 5» .Llv -2M Leopold V l a u, Vsetrn (Mähren). Uleines Feuilleton. Eine wertvolle Entdeckung für die jüdische Geschichte. Im Britischen Museum befindet sich seit Jahren eine Silbermünze, die zu der Kategorie gehört, welche man ln Fachkreisen als die „Aegyptisch-arabische" zu bezeichnen pflegte. Aus der einen Seite der Münze sitzt eine mythische geflügelte Gestalt auf einem Rade und hält einen Adler, in der einen Hand. Darüber sind drei aramäische Buchstaben zu lesen, die man als Bezeichnung einer G'ttheit deutete. Man nahm in Forscherkreisen an, daß es sich um den Zeus handelt. Der bekannte Archäologe Dr. A. L. S o k n i k fand aber mit Sicherheit heraus, daß der dritte Buchstabe, nicht wie bisher angenommen, ein sondern i ist. Das Wort würde dann im heißen und die Münze stellt sich somit als eine judäische Münze dar, wahrscheinlich aus der Zeit der persischen Herrschaft in Palästina. Diese Vermutung fand ihre volle Bestätigung durch ein Gegenstück, das sich jetzt in einer Privatsammlung in Jerusalem gefunden hat. Hier ist das Wort > im ganz deutlich zu lesen und die Jahreszahl weist auf das 4. Jahrhundert vor der üblichen Zeitrechnung zurück, die in England befindliche Münze ist ungefähr hundert Jahre älter. Die bekannten Makkabäer-Münzen sind natürlich viel späteren Datums, und zwar aus dem zweiten Jahrhundert v. ü. übl. Ztr. Plagiate im Arkeile der rabbinifchen Anekdote. TP prr min onso mpy- Mit diesem Satze sagt Koheleth, daß der Grund für das Ausbleiben der Enderlösung (fp prrl das viele Büchermachen ist (min v'isv mvr), denn die Autoren übernehmen fremdes Gerstesgut ohne Quellenangabe, und es steht doch fest, daß bps *ia*t iaixn ba «aViy*> nVixa x’3H nai« man nur durch ehrliche Quellenangabe die Erlösung herbeibringen kann. -ei’^tpa ■’Vena iVea i'rra nmn Mit dem Tode Rabbi Meiirs, des großen Fabeldichters, verstummten auch die anderen Dichter. Sie hatten keinen mehr, dessen Erzeugnisse sie als eigene Weisheit ausgeben konnten. '»n tö /linatz? mv n»p Hai-rr Zwei Sabbate, „Schabbos Hagodaul" und „Schabbos Teschuwoh", an denen die Rabbinen im Osten zu predigen pflegten, verhindern die Erlösung — wegen des dabei oft begangenen Verstoßes gegen den Grundsatz .. - naix awa nai lairrn * * Jede Droscho schließt mit brria rrai- Soll heißen: Obwohl wir plagiatierten und damit gegen das ">21 ibir viaiKDwa verstießen, so möge dennoch Zion, der Erlöset', kommen . . .