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Der Israelit · 1933-12-14 · Heft 50 (14.12.1933) · page 19

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 50 (14.12.1933)
Date
1933-12-14
Page
– (sequence 19)
Language
German
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14. Dezember 1933 Der Israelit Nr. 50 Seite 3 ist ihr und ihren Gründern oller Erfolg zu wünschen, derne Menorah, die aber nicht zuletzt auch die Sprache Auch aus dem Auslände werden Schüler aufgenomder alten und ältesten Chanukahlampen zu vermitteln men. Ein monatlicher Beitrag von RM. 50.— wird als weiß. ausreichend zum Leben betrachtet. Etwaige Bewerber wollen sich melden an Grandrabbin E, Weill (Colmar, Sjt. Rhin.) G. ü. B. Auch ln Belgien, das heute ein starkes jüdisches Zentrum östlicher Observanz beherbergt, ist (in Heide bei Antwerpen) eine Zeschrwa entstanden, die unter dem Titel v"N fy ra’Hp» mit allen Attributen einer Jeschiwa ausgestattet, zur Zeit vierzig Schülern das Thorawissen vermittelt. Aus dem vor kurzem bei uns erschienenen Bericht seien hier noch folgende Stellen (Siehe auch Bild auf Seite 4) noch einmal angeführt: Der Leiter der Jeschiwa in Heide ist Raw S ch apira, der bis zu seinem Herkommen in seiner Heimatstadt Kelm (Litauen) m’t?’ D»ri war. Die dortige Lehranstalt, in der besonders stark Mussar gelernt wird, ist noch von Rabbi Jißroel Galanter vsr/ gegründet worden, und Raw Schapira versucht nun, die Kelmer Traditionen in Heide fortzusetzen. Alle Vachurim und auch der Leiter wohnen und essen in der Jeschiwa, die bis zum Bau eines eigenen Hauses in einem ehemaligen Hotel untergebracht ist. Durch dieses ständige Zusammensein ist es möglich, daß unter den Schülern, besonders aber zwischen dem einzigen Dozenten, dem Rebben und seinen Jüngern ein Vertrauensverhältnis entstanden ist, wie es inniger und schöner kaum zu denken ist. Weiß doch jeder Bachur, daß er mit dem Rasch Jeschiwa wie mit einem Vater sprechen kann und bei ihm stets Rat und Hilfe findet. Der n»’bn *pi ist nach litauischer Art geordnet. Die Schüler sind ihrem Wissen nach in drei Gruppen eingekeilt. Die höchste Gruppe lernt fast selbständig und hat nur dreimal in der Woche w»- Die anderen beiden Gruppen hören jedoch täglich je zweimal Lernvorträge beim Leiter. Am Vormittag beginnt, das Lernen um 9.30 Uhr. Während nun die zweite Gruppe bis 11.30 Uhr beim nv'D ist, wiederholt die dritte Gruppe das Pensum vom vorigen Tag und bereitet sich zugleich auch weiter vor. Von 11.30 Uhr bis zum Mittagessen hat dann die dritte Gruppe Schiur, und die zweite „chasert" und versucht auch schon vorzulernen. Aehnlich ist auch am Nachmittag von 3 bis 7.80 Uhr das Lernen verteilt. Für die Zeit des Wiederholens und Vorlernens ist jede der beiden unteren Gruppen nochmals in kleinere Gruppen, den sogenannten rnro eingeteilt. Eine solche ans umfaßt 2 bis 4 Vachurim. In allen drei Gruppen wird derselbe Traktat (Z. Zt. i'v'i'p) gelernt. Die erste Gruppe lernt aber außerdem noch wpois, und auch die zweite Gruppe lernt für sich noch eine andere 020-2. in der sie regelmäßig vom Rosch Jeschiwa geprüft wird. Nach dem Abendbrot, das wie alle Mahlzeiten vom Rbeben und Vachurim gemeinsam gegessen wird, beginnt um 9 Uhr wieder das Lernen. In dieser Stunde pflegt der Leiter oft Mussar- Borträge zu halten, um dadurch die Schüler zu mn» zu erziehen. Neben dem Lernen wird in der Jeschiwa auch auf das Gebet besonderer Wert gelegt, das nach •nso jnw vor sich geht. Langsam» laut und deutlich ausgesprochen. Zu einem eindrucksvollen Erlebnis wurde Roschhaschono und Jomkippur das „Dawnen" für alle Vachurim und vor allem auch für die vielen Gäste, die zu den »'rriii »'»' zu uns gekommen waren. Die Kosten betragen inkl. Wohnen und Essen nur 400 bfr. (etwa 50 Mk.) monatlich. Bisher ist es der rn’s?’ aber dank hochherziger Spenden möglich - dert) an gewesen, vielen Schülern Ermäßigung zu gewähren und salem. fast der Hälfte der Schüler ide Kosten ganz zu erlassen, j . Die siebenarmige Daß die Lampen palästinensischer Provenienz mit Vorliebe das Tempel motiv auswerten, ist verständlich. So ist bei den folgenden Chanukahmenoroth aus Palästina, die aus dem achtzehnten Jahrhundert m Jeschiwa in Frankfurt a. M. Friedberger Anlage 4. stammen, das Tempelsymbol unverkennbar. Selbst die Hängelampe in der Mitte zeigt etwas von der Kuppel des Heiligtumes an sich. Etwas düster wie aus dunkler Erde, die darum des Lichtes am meisten bedarf, mutet die Menorah mit dem Oelkrug aus Marokko (aus dem achtzehnten Jahrhun-- sich statt dessen einer solchen aus Holz oder Stein demente. Das Licht strahlte gleich hell und führte zu G'tt empor. Anmutig heiter, schön, kühn ansgreifend, wie die italienische Kunst immer, ist die italienische Menorah aus dem 16. Jahrhundert mit der Inschrift nrr.111711 13 »s und zwei Löwen darüber, die die hest lige Flamme in geschwungenem Leuchter hüten. Das Kunstwerk befindet sich ebenfalls im Bezalel-Museum zu Jerusalem. An gleicher Stelle sind die ganz eigenartigen O e l - lämpchen zu sehen, die 'nach historischen Belegen aus de r Zeit des zweiten Tempels stammen. Wie verschiedenartig diese Kunstwerke nach Motiv und Ausführung auch alle sind, sie legen davon Zeugnis ab, daß Licht und Freude ein Lebenselement des Judentums aller Zeiten waren. Zwei Palöstinabilder eines modernen Kunstmalers. Nach einer Studie von Elias Newman in Newyork zeigen wir hier ein Gesamtbild von Tiberias und eine Sykomoren-Anlage (besondere und seltene Baumart) bei T e l - A w i w. Tiberias ist mit gutem Künstlerauge gesehen. Auch die Baumgruppe an der Peripherie der jüdischen Stadt in Palästina ist ein vortreffliches Situationsbild. Aus der Jeschiwa in Monireu». Sie befindet sich im Bezalel-Museum zu Jeru- Ste in menorah von Tiberias Für die Zukunft plant die Jeschiwa, die Bachurim. (Bild 4), einfach und uralt, diente gewiß nicht Chanukahneben dem Lernen auch in einem Handwerk auszubil-! zwecken, sondern wahrscheinlich für Sabbatlichter oder den. Leider fehlen vorläufig noch die finanziellen Mittel gehörte zu den heiligen Utensilien einer alten Synagoge zur Einrichtung der nötigen Werkstätten. Die Runde von der Regeneration des Lernens IN Ländern, wo man die Thora längst verloren gab, muß in heutiger Zeit wie ein wahres Lichtwunder auf uns wirken, das, wie jenes in der Hasmonäerzcit, im steten Wachsen bald die ganze Gola mit Licht durchdringen möchte. Alke Menoroth für Chanukah und Sabbak. Zu unseren Bildern. Daß auch die jüdische Religion die Kunst belebt und befruchtet hat, beweisen die unzähligen Menoroth in den Museen und in den alten jüdischen Familien. Ausgrabungen haben dargetan, daß man schon in den ältesten Zeiten im jüdischen Kreise wohl verstanden hatte, getreu dem Ausspruche vn3»i rr m, G'tt in Schönheit zu dienen. Und die neuen jüdischen Künstler taten gut daran, die alten Motive aufzunehmen und in ihren neuen Kunst- ’ Das natürliche Material und die einfache Ausführung werken, bei aller Modernität der künstlerischen Auffas-! erinnern an den Bericht des Talmuds, wonach man in sung, voll zur Geltung zu bringen. So zeigt uns hier Zeiten der Not und Armut sich im heiligen Tempel eine das erste Bild eine Bezalel-Arbeit, eine ganz mo->Menorah aus Gold und Silber nicht leisten konnte und fTISi Jeschiwa in Stratzvnrg, kluge Worte des Lublin er Rom. Tine Auslese aus polnisch-jüdischen Zeitungen. Als Rabbi Meiir Schapiro als Petrikauer Raw die Jeschiwa in Lublin errichtete, war sein fester Wille, sich von den Fesseln des Rabbineramtes ganz zu lösen und sich ganz seiner Lehranstalt zu widmen. Da aber die Jeschiwa zunächst nur ungeheure Lasten auferlegte, rieten die Freunde davon ab. Er gab aber das Petrikauer Rabbinat auf, ohne die Rabbinerwahl in Lublin, wo es bekanntlich große Kämpfe kostete, abzuwarten. „Und was geschieht," fragten die Freunde besorgt, „wenn die Lubliner Wahl mißglückt?" „Dann," antwortete Rabbi Meiir, „werde ich darin einen Fingerzeig G'ttes sehen, mich ganz ohne rabbinische Bindungen meiner Jeschiwa zu widmen." * * 4- Wenn ein guter frommer Jude eine Mizwohpflicht mit vollem Eifer, mit Siebe unb Begeisterung erfüllt, dann strömt die Liebe weiter und greift auch auf die jüdischen Herzen über, die sonst weniger ivarm für G'tt und seine Thora schlagen. Warum halten auch die gleichgültigen Juden Jom Kippur und feiern den Seder? Weil die Frommen diese Feste mit einer solchen Uebersülle von Inbrunst und Liebe begehen, daß auch für die Anderen davon etwas übrig bleibt. Ergibt sich daraus, daß die Tschuwah der Anderen zum guten Teile von uns selbst abhängt. 4- 4- * Der Lubliner Raw siebte und siebte bei der Auswahl seiner Schüler, prüfte sie nicht allein aus Kenntnis und Fähigkeit, sondern auch aus Charakter und Gesinnung. Aber er lehnte sich dagegen aus, einen Maschgiach (Aufsichtsbeamten) anzustellen, der, wie in anderen Lehranstalten, die Jungen stets im Auge behalten und sie in ihrem Tun bewachen sollte. Er habe mehr Vertrauen zu seinen Jüngern, sagte er, als zu allen Aufpassern der Welt. In einer Unterhaltung begründete er es einmal folgendermaßen: In Talmud „Sabbat" wird erzählt. Hillel. der viclverkanntc Jüngling, verdiente sich sein Auskommen vom Holzhacken und mußte die Hälfte seines Verdienstes dem Türhüter des Lehrhaufes geben, daß er ihn hineinlasse. Was mar denn das für ein Wächter? Maharschoh erklärt, dieser Türhüter war bestellt in Ausführung der alten Verordnung 032' b* 1123 i3in Tein „Schüler, deren Inneres ihrem äußeren Gebühren nicht entspricht, haben keinen Zutrittl" Da haben wir es: Steht da ein Maschgiach, der unehrliche Schüler vom Lehrhause fernhalten sollte, und läßt einen Hillel nicht herein . . . Muß der Führer über dem Volke stehen oder u n - ter dasselbe gehen? Je nachdem. G'tt spricht zu Moses: n*n Vy rmn w« oipn nin. Gilt es für G'tt den Allgegenwärtigen, zu wirken, dann kannst du gar nicht hoch genug auf dem Felsen stehen und deine Anordnungen bestimmt und entschieden von oben herab treffen. '1122 T2S-2 "oi- Ist aber der Anlaß vorbei und es geht nicht mehr um die Ehre G'ttes -isn mwa vnnüv dann steige mit deinem Ich in die Tiefe der Schlucht hinab . . . Die anderen Parteien schreien kseine Menschen zu bedeutenden Größen aus, und unter den Altfrommen passiert es leider oft genug, daß wahre Größen verkleinert und verdunkelt werden.

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