Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 50 (14.12.1933)
- Date
- 1933-12-14
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 10 Nr. 50 Der 3 s ra e t i t 14. Dezember 193» Das Rabbinat ist in letzter Zen um neun Rabbinen vermehrt worden. Im ganzen Rabbinat ist aber kein Rabbiner, der für die Jugendpflege geeignet wäre. Durch eine passende rabbinische Persönlichkeit könnten junge Menschen herangezogen werden. G. Die Vorgänge in Tel-Awiw. Tel-Awiw, 10. Dez. Im Anschluß an eine r e v i s i o n i st i s ch e Bersammlung ist es am Samstag, den 9. Dezember, in Tel-Awiw zu stürmischen Straßendemonstrationen gegen die von den Palästinabehörden in letzter Zeit veranstalteten Razzien auf illegal Eingew änderte und das im Zusammenhang damit angewandte demoralisierende Spitzelsystem gekommen. Bei dem Zusammenstoß der Demonstranten mit 1>er Polizei wurden aus beiden Seiten mehrere Personen verletzt. Am Samstag Morgen fand eine revisionistische Versammlung statt, in der die Revisionisten Jevin und Dr. Fischei W a s ch i tz über die Ergebnisse des letzten Zionistenkongresses, die Verordnungen der Palästina- Regierung und die Touristenverfolgung während der letzten Zeit sprachen. An der Versammlung nahmen auch zahlreiche Mitglieder des revisionistischen Jugendbundes Brith Trumpeldor teil. Nachdem dis Versammlung um 11 Uhr geschlossen worden war, formierten sich einige hundert Mitglieder des Brith Trumpeldor zu einem Zuge, der sich unter Vorantragung einer Fahne durch die Stadt bewegte. Auf dem Wege schlossen sich dem ursprünglich kleinen Zuge immer größere Menschenmassen an, die durch stürmische Ausrufe gegen die Einwanderungspolitik der Palästinaverwaltung und ihre letzten Maßnahmen protestierten. Polizei stellte sich dem Zuge entgegen und forderte die Teilnehmer auf, sich zu zerstreuen, da die Kundgebung nicht vorher angemeldet worden sei. Die Menge weigerte sich jedoch, dieser Aufforderung Folge zu leisten. Als daraufhin ein Polizist dem Fahnenträger die Fahne zu entreißen suchte, entspann sich ein wilder Straßenkampf, der sich von der Bialikstraße bis zum Meeresufer ausdehyje. Aus Jaffa wurde polizeiliche Verstärkung, zum Teil aus arabischen Polizisten bestehend, herangeholt. Die Polizisten, die mit Hilfe des Gummiknüppels die Versammelten auseinanderzutreiben versuchten, wurden aus der Menge mit Steinen beworfen und mit Wasser begossen. Erst als Polizei aus Jerusalem mit fünf Panzerautos eingriff und mit der Waffe in der Hand gegen die Demonstranten oorging, gelang es, den Zug aufzulösen. Neun Polizisten, fünf jüdische und vier englische, wurden verletzt. Schwerverletzt sind der jüdische Polizeiinspektor Gösser und der jüdische Polizeisergeant W o r t - mann. Von den sieben verwundeten Zivilpersonen mußten drei ins Lazarett eingeliefert werden. Acht Personen wurden verhaftet, und zwar ein Mitglied des Brith Trumpeldor, drei Jemeniten und vier Personen aus der Menge, die sich um den Zug der Jungrevrsionisten angesammelt hatte. In Maueranschlägen gibt die Polizei von Tel-Awiw das Verbot jeglicher Ansammlung in den Straßen bekannt. Verlag des Israelit und Hermen G.m.b.H. Soeben erschien Licht aus dem Westen Erzählung aus der Zeit der Ghettodämmerung von 8. S c h a chno wi t z. Preis broschiert RM. 3.—, in gediegenem Leinwandband RM. 4.—. Die Buchausgabe des bei seinem Erscheinen im „Israelit" mit außergewöhnlichem Interesse begrüßten historischen Meisterromanes des Autors liegt nunmehr vor. Sie sollte in keinem jüdischen Hause, in keiner Jugendvereins- oder Schulbibiiothek fehlen, denn sie führt Jung und Alt in eine der wichtigen Epochen der jüdischen Geschichte ein und ist geeignet Verehrung .und Bewunderung für die großen Meister der jüdischen Lehre in die Herzen der kommenden Generation zu pflanzen. Nach dm Zwischenfällen in Tel-Awiw. — Erregte Aussprache im Gemeinderat. Tel-Awiw, 11. Dez. Die Zwischenfälle, die sich nach der revisionistischen Kundgebung in Tel-Awiw am 9. Dezember ereignet hatten, bildeten den Gegenstand einer erregten Aussprache im Gemeinderat von Tel-Awiw. Bürgermeister Dizengosf fand Worte schärf st er Verurteilung für die Geschehnisse, für die auch die starke Erregung der Bevölkerung infolge der behördlichen Maßnahmen der letzten Zeit keine Entschuldigung sein könne. Cr deutete bei dieser Gelegenheit an» daß die Möglichkeit einer Milderung des Systems der Razzien auf illegal Eingewanderte bestehe. Er habe mit einflußreichen Presönlichkeiten Unterredungen gehabt, in denen zum Ausdruck gekommen, fei, daß in Bezug auf jbie „Touristenjagden'" eine Wendung zum Besseren brvorstehe. Als besonders schändlich bezeichnete es. Dziengoff, daß Kinder als Angeber mißbraucht werden. In schärfster Weise griff das Mitglied der Arbeiterfraktion, ^Nosa Cohen, den Brith Trumpeldor an, durch j helfen Verhalten die Zwischenfälle provoziert worden! seien. Es folgte eine heftige Debatte, in der die Frage des Verhaltens der Polizei bei den Demonstrationen erörtert und ihre Pflichten in solchen Fällen dargelegt wurden. Auf die Vorwürfe der Linken antworteten die Vertreter der Revisionisten mit der Anklage, die Linke befolge wieder einmal eine Taktik der Verleumdung. Dagegen behaupteten die Arbeitervertreter, die vom Gmeindevorstand nach den Unruhen erlassene Proklamation habe, dadurch, daß in ihr erklärt wurde, die Angreifer seien unbekannt, den Tatbestand verschleiert. Die Identität der Schuldigen stehe fest und es sei deshaio absurd gewesen, die Gesamtbevölkerung durch einen Tadel zu treffen, der nur einer einzigen Gruppe! zukommt. Der Misrachist David P i n k a s richtete an! den Gemeinderat den Appell, den Parteistreit auszu- - schalten, so lange die Schuld an den Vorfällen nicht , durch eine Untersuchung klargestellt sei. Besonders zu beklagen sei es, daß durch die bedauerlichen Vorfälle der Sabbat entweiht wurde. Die Resolution, in der der Polizei Sympathie ausgedrückt und das Bedauern über die geschehenen Gewaltakte ausgesprochen wird, wurde mit den Stimmen der Rechten und der Mitte angenommen, während ein Antrag der Linken, in der das System der Touristenjagden als Ursache der Erregung der Bevölkerung bezeichnet wurde, in der Minderheit blieb. Familiennachrichten. Barmizwoh: Samuel Siegfried, Sohn d. Herrn Josef M. Mayer, Hölderlinstr. 10. Briefkasten. Leyrer A. It. in Z3. nirr» ->a eigentlich 29. Juli vermutlich wegen mn J» aus 5 August verschoben. Wochenkalender. vom 18. - 83 Dez. 1933 28 Kislew b. 8. Debet 5694 j ’DV Ep Vinn i a-n» nmn Mauled So nlaamorg. Samstag 16 28 8 Uhr 47'/» Min. mmn mw ypn Sonnrag 17 29 iV Montag Dez. 18 30 nb , unh snm 'a dt5 Dienstag 19 1 nb PTfT t7KYT 'tt Ol’ Mittwoch 20 na» 2 * n a i a n Donnerstag 21 3 Freitag 22 4 nV Samstag 23 5 «73'1 Jüdische Schule.. In unserer Schule, die aus voller Volksschule, sowie Sexta bis einschließlich Untertertia besteht, werden auswärtige Schiller — Knaben und Mädchen —zu Beginn des neuen Schuljahres aufgenommen. Pension In guten Familien zu massigen Preisen erhältlich. Zu jeder weit. Ausk. sind wir bereit Administration der Jiid. Schule ia Hal^rstadl Seltene Gelegenheit, sichere Existenz! In Schuls-Tarasp (Schweiz) ist umständ' halber das Hotel Hadassa 15 Bitten komplett und modern eingerichtet direkt an den Badern angeschl, billig: ru vermieten oder bei kl. Anzahlung zu verkaufen. Einreisebewilligung bei Unbescholtenen zugesichert. Anfr. bei M. Lipper, Zürich 1, Gerbergasse 8, Tel. 52848 Zum sofort Eintritt krast. Cchrling nicht unter 18 Jahre ober jung. Bursche gesucht. 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