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Der Israelit · 1933-12-14 · Heft 50 (14.12.1933) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 50 (14.12.1933)
Date
1933-12-14
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 Nr. 50 Der Israel i t 14. Dezember 1933 kardinal Faulhäber über „Christentum und Judentum". iMünchen, 5. Dez. In der ersten Predigt eines dem Thema „Christentum und Judentum" gewidmeten Zyklus beschäftigte sich Kardinal Faulhaber mit der von manchen Kreisen in letzter Zeit erhobenen Forderung, das Alte Testament aus dem christlichen G'ttesdienst zu entfernen, und dem Bestreben, den Stifter der christlichen Religion als Juden abzulehnen oder ihn durch seine Mutter, obwohl sie aus dem Hause Davids stamme, zum Arier umzufälschen. Da dadurch die Grundlagen des Christentums berührt würden, könne der Bischof nicht dazu schweigen. Nicht Blut-, sondern Glaubensbeziehungen seien Grundlage der Religion. Als Werkzeuge G'ttes hätten die Männer des Alten Testaments die Boraussetzungen für das geschaffen, was das Neue Testament der Welt gegeben habe. Freilich müsse man unterscheiden zwischen den Schriften des Alten Testaments und denen späterer Zeit. Die Kirche habe die alten heiligen Schriften übernommen, nicht aber den Talmud. Aus den Schriften des Alten Testaments aber komme die Botschaft vom einzigen mächtigen G'tt. Darum müsse man die Schriften des Alten Testaments in Ehren halten und dürfe sie aus den Schulen nicht verdrängen lassen. Auch auf ihnen stehe der Name G'ttes. Mit dem Alten Testament müßten aus dem deutschen Sprachschatz viele Ausdrücke entfernt werden, die der Bibel, aus der auch die deutschen Klassiker aller Jahrhunderte geschöpft hätten, entnommen seien. Vorstände der Synagogengemeinden sind öffentliche Behörden. Königsberg,!. Dez- Auf eine Beschwerde der Synagogengemeinde in Königsberg hat der Preußische Justizminister durch Erlaß vom 14. 11. 1933 — La 1247/33 — dahin entschieden, daß die Vorstände der Synagogengemeinden als öffentliche Behörden im Sinne der gesetzlichen Bestimmungen anzusehen und von den Gebühren für Einsichtnahme in das Grundbuch und die öffentlichen Register froizustellen sind. Die Amtsgerichte haben entsprechende Mitteilung erhalten. Schweiz. Die Tagung des Verwaltungsrates des Cmigranten- Hilfswerks. Lausanne, 8. Dez. Die Tagung wurde heute mit Erklärungen der Vertreter der einzelnen Regierungen geschlossen. Diese Erklärungen waren samt und sonders außerordentlich deprimierend. Nacheinander erklärtest 'die Vertreter Frankreichs, Hollands, der Tschechoslowakei und Polens, daß sie bei aller aufrichtigen Sympathie mit den Auswandernden im Hinblick auf die Lage in ihren eigenen Ländern nicht in der Lage seien, weitere Emigranten aufz u n e h m e n. Der Vertreter Polens wies insbesondere darauf hin, daß die Einwanderung die an sich schon ernste wirtschaftliche Lage der polnischen Juden noch mehr erschwere und daß eine Umschichtung der sozialen Struktur der Juden nicht nur im Hinblick auf Palästina, sondern auch für die übrigen Länder notwendig sei. Alle Vertreter gaben ihrer warmen Sympathie und der Bereitschaft zur Unterstützung der Tätigkeit des Hochkommissars Ausdruck. Der Vorsitzende des Verwaltungsrates, Lord Cecil, sagte, Palästina sei ein kleines, genau kontrolliertes Land, dessen Verwaltung alles Mögliche getan habe und weiterhin tun werde. Größere Möglichkeiten beständen in den überseeischen Ländern, doch sei er nicht ermächtigt, für Hie englischen Dominions zu sprechen. Der Delegierte Uruguays, der zugleich Vizevorsitzender des Verwaltungsrates ist, war der Einzige, der Niederlassungsmöglichkeiten in Südamerika andeutete. In seinem Schlußwort gab der Hochkommissar, James E. Macdonald, seiner Befriedigung über den nun geschaffenen Apparat Ausdruck, dem es hoffentlich gelingen werde, jüdischen und nichtjüdischen Emigranten den Aufbau eines neuen Lebens in neuer Heimat zu ermöglichen. In einer vorher abgehaltenen geschlossenen Beratung wurde die Pahsrage erörtert, für die man eine befriedigende Lösung erhofft. Unmittelbare Verhandlungen mit der deutschen Reichsregierung wird der Hochkommissar persönlich übernehmen. Der Verwaltungsrat genehmigte das Budget für das Büro in Höhe von Lst. 100.000, die von den im Beirat vertretenen privaten Organisationen aufgebracht werden müssen. Der Beirat besteht jetzt aus 18 Mitgliedern, wobei 9 jüdische und 9 nichtjüdischö Organisationen vertreten sind. Dem Beamtenstab gehören an Pros. Norman B e n tw i ch, Mr. Herbert May, James Parkes und als Generalsekretär der Holländer W u r t b a j m. Die nächste Sitzung des Verwaltungsrates fall Ende Januar stattfinden und hauptsächlich der P a ß f r a g e gewidmet sein. Der Hochkommissar Macdonald begibt sich kommende Woche nach Paris, London und Newyork, um Verhandlungen mit den dortigen Negierungen aufzunshmsn. Das Joint Distribution Committee hat in einem ausführlichen Schreiben seine volle Bereitschaft zur kräftigen Mitarbeit auf Grund seiner langjährigen Erfahrungen zugesagt. Belgien. Die Emigranten in Belgien. Brüssel, 7. Dez. Entgegen den in letzter Zeit verbreiteten Gerüchten, denen zufolge über 20.000 Emigranten aus Deutschland sich auf belgischem Gebiet aufhalten sollen, wird aus Grund der von der belgischen Regierung vor kurzem eingesetzten Kommission zum Studium der Flüchtlingsfrage gepflogenen Erhebungen amtlich festtzestellt, daß die Zahl der Emigranten auf belgischem Gebiet niemals höher als 2800 war und jetzt bereits auf weniger als 2000 gesunken ist. In dem Communique heißt es, Belgien habe entsprechend seiner traditionellen Politik die Emigranten aus Deutschland mit offenen' Armen ausgenommen. Sie müsse aber die Flüchtlinge darauf aufmerksam machen, daß diese Belgien im Hinblick auf die. im Lande herrschende Wirtschaftskrise nur als Zwischenstation betrachten können. Das jüdische Hilfskomitee in Belgien, das eine große Zahl von Emigranten laufend unterstützt, ist diesen auch bei der Weiterreise,' die in den meisten Fällen nach südamerikanischen Ländern, besonders Argentinien, geht, behilflich. Niederlassungserlaubnis in Belgien selbst wurde Emigranten nur in wenigen Fällen gewährt. Tschechoslowakei. Abreise der 25 Schüler Gberrabbiner Duschinskis nach Jerusalem. Bratislava, 7, Dez. Wie wir bereits berichtet haben, erhielten 25 Schüler, die schon vor dreiMonaten gemeldet wurden, die Zertifikate. Diese trafen am 4.: Dezember in Bratislava ein, nahmen an diesem Tage an dem Abschiedsfeste teil und chifften sich am 6. Dezember in Triest ein. Die Schülerschaft in Bratislava veranstaltete, aus .Anlaß dieser Abreise Montag, den 4. Dezember, um 8 Uijr abends ein Abschiedsfest, zu welchem außer den Abreilenden auch die Schüler und Verehrer- Sr. Ehrwürden des Herrn Oberrabbiner Duschinsky wie , auch andere Gäste eingeladen waren. Die Anwesenheit der Herren Oberrabbiner S. Ungar, Nitra und H. Weinberger, Dun. Streda, deren Söhne auch unter den Abreisenden ind, gab dieser Abschiedsfeierlichkeit ein imposantes Gepräge. Angarn. Ministerpräsident Gömbös liquidiert die Studenten- Revolte. B u d a p e st, 8. Dez. Die Studentenunruhen wurden nach einem Empfang einer Abordnung der revoltierenden Studentenverbände durch den Ministerpräsidenten Gömbös wenigstens für Budapest liquidiert. Die Konferenz einigte sich dann u. a. aus d'en folgenden Punkt: „Schon vom nächsten SeMester angefangen ollen an allen heimischen Univrsitäten und Hochschulen die. Aufnahmekommissionen in gesteigertem Maße auf die genaue Durchführung des Numerus claufus-Gesetzes achten. In der Provinz dauern die Unruhen, am In D e - breczin wurden die jüdsichen Hörer nicht in die Hör-- säle gelassen. In S z e g ed, wo die Studentenschaft aus der Forderung nach dem „Universitäts-Ghetto" (besondere Bänke für die Juden) beharrt, kam es zu schweren Zusammenstößen. An der juridischen Fakultät versuchten die Studenten mit Gewalt, das „Ghetto zu verwirklichen. Jüdische Hörer wurden verprügelt und aus dem Gebäude entfernt. Eine demonstrierende Gruppe suchte dann alle Gebäude und Institute der Universität aup und forderte die jüdischen Hörer zum Verlässen der Lehr- und Uebungssäle auf. Hierbei wurden wiederum jüdische Hörer mißhandelt: Am heftigsten war die Kundgebung int Sze ged er anatomischen Institut. Hier forderte eine lärmende Gruppe den jüdischen Universitätsprofessor Kiß auf) die Vorlesungen einzustellen. Als Kiß auf die Ungesetzlichkeit dieser Forderung hinwies, wurden die Studenten immer zudringlicher, so daß der Professor schließlich einen der lautesten Demonstranten ohrfeigte. Die Studenten, etwa 200 Köpfe stark, erbrachen das mächtige Tor des Instituts und verlangten schreiend, Professor Kiß möge ihnen Genugtuung geben. Dieser war aber nicht mehr im Gebäude. Von der Kanzlei des Ministerpräsidenten wurden die antisemitischen Studentenverbände verständigt, daß der Ministerpräsident auf dem Standpunkt stehe, eine Isolierung der jüdischen Hörer durch Zuweisung abgesonderter Sitze sei ebenso gesetzwidrig wie die Drohung, der Studenten mit dem Streik. Es sei unmöglich, derartige Forderungen der Studenten zu erfüllen, da sie im Widerspruch stünden zu den höheren Interessen des Landes. Polen. Der Beamtenstreik m der warschauer Nehilla, Warschau, 10. Dez. Der Streik der Kehillab samten ist beendet, obwohl der Führer der Linken im Kehillarat, Groschkow i t s ch, die von der Kehillaverwaltung gemachten Zugeständnisse als ungenügend erklärte und weiter zum Streike unreizte. Seine Agitation scheiterte an der Streikmüdigkeit der Beamten. Am Montag mittag nahmen sie alle ihre Arbeit wieder auf. BethJäkow in Dwinsk. . Dwinsk, 11. Dez. Auf einet' großen Frauenversammlung in Dwinsk, in der Frau Meierowiß und Frau La pp in Referate hielten, wurde ein Bes-- und B noth Jako d.- Verein gegründet.. An der Spitze -des Ehrenpräsidiums steht Frau Rabbiner R o s i n , die Frau des „Rogotschower Gaon". Abend-Kurse werden zunächst eingerichtet, denen die Gründung von Schulen folgen soll.; i Rumänien. Die Juden im Wahlkampfe. : Bukarest, 12. Dez. - Die ..liberale Negisrungspartetz' die, bekanntlich ein Wahlkaistell mit den organisierten jüdischen Gruppen Rumäniens/ der Uniän rumänischer Juden und der Jüdischen R e i ch s p a r t e i, äk> gelehnt hat, hat nunmehr den Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Bukarest, Siegmund B i r m a n und den Sohn des verstorbenen Senators Berkovitz, Dr. Berkovitz, in ihre Kandidatenliste ausgenommen. Lr. Wilhelm Fildermann, der Präsident der Union rumänischer Juden, t)at, nachdem der Generalkongreß der Union die Ratifizierung des Abkommens, mit der Jüdischen Reichsparte-i abgelehnt hatte, die Parole ausgegeben, für die Ordnungsparteien, die auf dem Standpunkt des Schutzes der jüdischen Gleichberechtigung stehen, zu stimmen. ValSstina. Aonfessioneller Turnus für die Besetzung des Bürgermeisterpostens von Jerusalem. — Lin Vorschlag der Äguda. ' Jerusalem, 7. Dez. . Distriktskommissar Campbell empfing eine Abordnung der Agudas Jisroel, die mit ihm Fragen der Gemeindewahlorünung erörterte. Bei dieser Gelegenheit

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