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Der Israelit · 1933-12-14 · Heft 50 (14.12.1933) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 50 (14.12.1933)
Date
1933-12-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr. 50 Reine Diffamierung fremder Raffen. Berlin, 6. Dez. Reichsinnenminister Dr. Fr ick hat in einer Pressebefprechung gegenüber Bemängelungen von japanisch e r und indischer Seite festgestellt, baß in Deutschland Nicht die Absicht bestehe, „die Angehörigen fremder Rassen zu deklassieren und sie gegenüber den Angehörigen der eigenen Rasse allgemein zurückzusetzen." Die Rassengesetzgebung gegenüber den Juden sei angesichts der Schichtung in den akademischen Berufen ein Akt der Notwehr und nicht des Hasses gewesen. Mit ihren Bestrebungen zur Reinerhaltung des deutschen Rassegutes wolle die Reichsregierung in keiner Weise ein Werturteil über andere Rassen fällen. Sie sei sich bewußt, daß viele vom deutschen Volk rassisch verschiedene Völker eine alte und hohe Kultur vertreten. Diese herabzusetzen liege der Reichsregierung und dem deutschen Volke fern. Man dürfe im übrigen die an die Neichsregierung von den verschiedensten Seiten herankommenden Anregungen und Wünsche wegen gesetzgeberischer Regelung des gesamten Rasseproblems, unter anderem auch zur Frage der Mischehen, nicht als gesetzgeberische Tatsachen oder nahe bevorstehende Tatsachen behandeln. De» Israelit 14. Dezember 1935 Fuden-Statistik. Berlin, 6. Dez. Das Vdz.-Büro verbreitet folgende statistische Meldung, die eine „starke Zunahme der Juden" in Preußen signalisiert: Seit der Zählung vom 10. Dezember 1910 bis zum 16. Juni 1925 habe im ganzen preußischen Staat eine Zunahme der jüdischen Bevölkerung von 366 376 auf 403 969, d. h. um 10,1 v. $j. stattgefunden. Die Gesamtbevölkerung Preußens sei aber im gleichen Zeitraum und bei gleichem Gebietsumfang nur um 8,9 v. H.. nämlich um rund 3 119 000, also erheblich weniger stark als das Judentum gestiegen. Dabei seien nur diejenigen Personen als Juden gezählt worden, die sich ausdrücklich zum mosaischen Glauben bekannt. Die Zahlenverschiebung sei um so bemerkenswerter, als die Zeit nach dem Kriege die Abtretung besonders judenreicher Gebiete und den Uebertritt zahlreicher Juden zum Protestantismus und Katholizismus, sowis dsn Austritt von Juden aus der jüdischen Religionsgemeinschaft brachte. Wenn man berücksichtige, daß bei den Juden mosaischen Glaubens in den letzten beiden Jahrzehnts» ein Sterbeüberschuß von 18 252 Personen zu verzeichnen sei und wenn man die 15 408 Uebertritte zu christlichen Konfessionen in Rechnung stelle, dann ergebe sich, daß 1925 in Preußen nur 333 212 Juden hätten vorhanden sein dürfen. In Wirklichkeit habe jedoch Preußen 403 969 Juden gezählt. Die Differenz, die sich auf rund 70 700 belaufe, sei als jüdische Einwanderung vom Jahre 1910 bis 1923 zu erklären. Sie stelle nur eine Mindestzahl dieser Einwanderung dar, da ein größerer Teil der eingewanderten Juden bereits als Dissidenten, Katholiken oder Protestanten die preußische Staatsangehörigkeit erwarb. Beachtenswert sei noch der Anteil der Reichsausländer unter den in Preußen lebenden Juden. Während z. B. von der Gefamtbeoölkeruug Preußens nur 601 779, also 1,57 v. 5). Reichsausländer seien, seien es von den 403 969 Juden in Preußen 76 387 oder 18,63 v. H. Im preußischen Staat seien also von 100 Juden rund 19 ausländische. Es bleibt abzuwarten, was man von fachmännischer Seite zu dieser Statistik zu sagen hat. Jedenfalls darf aber den Juden kein Vorwurf daraus gemacht werden, daß sie zu erheblicherem Teile als die christliche Bevölkerung Reichsausländer sind. Man hat ihnen eben die Einbürgerung vielfach erschwert oder unmöglich gemacht. Die Proportion wird ja jetzt noch viel ungünstiger werden, sobald die Ausbürgerung der bereits in den deutschen Staatsverband ausgenommenen Ostjudei>- durchgeführt sein wird. weihnachtsdckoration auch in nichtarischen Geschäften notwendig. Berlin, 10. Dez. Von zahlreichen örtlichen Stellen sind Bedenken dagegen geäußert worden, daß nichtarische oder doch nichtchristliche Einzelhandelsfirmen ihre Schaufen- Die Woche. Offenbach a. W. Im Gegensatz zu den Bestimmungen in Frankfurt a. M., wo Juden wie Nichtjuden in gleicher Weise zur Belieferung der Bevölkerung im Rahmen der Winterhilfe herangezogen wurden, wurde in Offenbach bei der Zuteilung der Fleischgutscheine an die Bevölkerung ausdrücklich festgelegt, daß diese Gutscheine nur bei nichtjüdischen Fleischern Hingelöst werden können. Hamburg. Einer Verfügung für das ganze Reich entsprechend, sind nunmehr auch in Hamburg für die jüdichen Studenten der dortigen Universität gelbe Ausweiskarten eingeführt worden. Die jüdischen' Studierenden der Fakultät für Zahnheilkunde konnten in der Poliklinik keinen festen Arbeitsplatz bekommen, sondern sind darauf angewiesen, den Platz eines arischen Studenten zu benutzen, falls ein solcher den Platz vor Klrmkschluß räumt. Worms. In der Wormser „Volkszeitung" fordert der nationalozialistifche Pressswart von Worms-West, daß das vor vielen Jahrzehnten nach R a s ch i benannte Stadttor künftighin Len Namen von „Klaus Selzner" tragen soll, da dieser sich schon „vor Jahren gegen den Judengeist in Worms gewandt hatte". Amsterdam. Der Jüdische Frauenverband im Haag hat anläßlich der Feier seines zehnjährigen Bestehens im Städtischen Museum eine Jubiläumsaus st ellung jüdischer Ritualgerät e veranstaltet. Die Ausstellung wurde vom Bürgermeister im Haag eröffnet. Kronprinzessin Julia na von Holland hat unter Führung des Oberrabbiners I. Maarsen die Ausstellung besucht und sich mit großem Interesse nach der Bedeutung der ausgestellten Gegenstände erkundigt. — Die Vereinigung „Arti et Amicitiae" veranstaltet in Amsterdam eine Ausstellung Liebermann'scher Gemälde und Zeichnungen. Der Eröffnung der Ausstellung wohnten hervorragende Persönlichkeiten aus politischen und Künstlerkreisen bei. Paris. Seitens der I e w i f h Colonisation Association wird der ITA mitgrteilt, daß die Zeitungsmeldungen über Verhandlungen der JCA mit der türkischen Regierung wegen Ansiedlung von 300.000 Juden in der Türkei jeder Grundlage entbehren. — Im Alter von 75 Jahren verstarb in Paris der ehemalige Direktor der I e w i s h Colonisation Association (JCA), Professor Emile M e y e r s o n. Prof. Meyerson war 1898 in den Deinst der JCA getreten und hatte von 1900 bis 1923 den Posten eines Direktors bekleidet. Warschau. 65jährig, verstarb in Warschau der bekannte Esperantodichter Felix Zamenhos, ein Bruder des Schöpfers der Esperantosprache Dr. Ludwig Zamenhof. — Die antisemitische Rozwoj-Organisat i o n, die bereits durch lokale Verfügung in einzelnen Wojwodschasten aufgelöst worden war, wurde nunmehr für das ganze Gebiet der Republik Polen verboten. Riga. Der Senat der lettländischen Universität in Riga hat die vom Sudentenausschuß erhobene Forderung nach Einführung des Numerus clausus für Juden abgelehnt, üowno. In Kowno fand eine aus ganz Litauen beschickte Konferenz von Delegierten der Hilfsaktion für deutsche Juden statt, auf der beschlossen wurde, daß jeder litauische Jude sich eine freiwillige S e l b st b e st e u e r u n g in der Mindesthöhe von zwei Tagesverdiensten auserlegen soll. Die Steuer ist innerhalb von sechs Monaten abzuführen. Die Sammlungen für die Hilfsaktion werden bis zum Mai fortgesetzt. Jerusalem. Im 67. Lebensjahre verstarb in Tel-Awiw der Schriftsteller und Pädagoge Samuel Leib G o r d o n , der sich auch als Uebersetzer von Werken der Weltliteratur ins Hebräische einen Namen gemacht hat. Tel-Awiw. Soeben ist die erste Nummer der von I t t a - mar Ben-Avi herausgegebenen hebräischen Zeitung „Deror", die in lateinischen Lettern gedruckt wird, erschienen. Ebenfalls in lateinischer Schrift gedruckte Plakate kündigen in den Straßen von Tel-Awiw die neue Zeitung an. Eine Seite der ersten Nummer ist noch in hebräischen Lettern gedruckt. Bukarest. Der Ministerrat hat beschlossen, die antisemitische Terrororganisation „Eiserne Garde" aufzulösen. Entsprechende Durchführungsbestimmungen sind zunächst an die Verwaltungsbehörden von Siebenbürgen ergangen, sollen aber auf das ganze Land ausgedehnt werden. ESI ster weihnachtlich äusfchmücken. Diese Bedenken haben vielfach auch dazu geführt, daß diesen Firmen' genau festgelegte Beschränkungen auferlegt worden sind. Deshalb ist eine Mitteilung von Interesse, die der Pressedienst des Einzelhandels am 8. Dezember veröffentlicht hat. Sie lautet folgendermaßen: „Aus Kreisen des Re ich sw irtscha fts Ministeriums wird darauf hingewiesen, daß die Verhinderung der üblichen Weihnachtsdekoration nichtarischer Geschäfte deshalb als abwegig bezeichnet werden muß, weil dadurch der Absatz deutscher Erzeugnisse gestört werden könnte. Ein möglichst reibungsloser Absatz gerade vor Weihnachten ist geeignet, der Arbeitslosigkeit im Winter entgegenzuwirken. Um einen starken Einkauf der Verbraucher vor Weihnachten zu erreichen, ist die übliche Weihnachtsdekoration in allen E r n z e l h a n d e l s g e f ch ä f t e n notwendig." Ausbürgerung als Voraussetzung der Erlangung des medizinischen Doktorats durch Richtarier. Berlin, 7. Dez. Da die Frage der die Voraussetzung zur medizinischen Promotion bildenden Approbationserteilung für nichtarische Medizinalpraktikanten noch nicht geregelt ist, war diesen vom Preußischen Volksbildungsministerium geraten worden, aus die preußische Staatsangehörigkeit zu verzichten und damit das Ausländern zustehende Recht zu erlangen, ohne approbiert zu sein, in der medizinischen Fakultät zu promovieren. Da diese Lösung für deutschjüdische Studenten nicht anehmbar erscheint, hat sich der Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens in dieser Frage an das Preußische Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung gewandt. Er wurde von dem Hochschulreferenten zu der Erklärung ermächtigt, daß eine andere Lösung als die der Ausbürgerung für die Frage der medizinischen Doktorpromotion im Augenblick nicht möglich sei, daß es sich aber lediglich um eine Uebergangsmaßnahme handle. Es werde angestrebt, sie in nächster Zeit durch eine befriedigendere zu ersetzen. Eine Warnung. Berlin, 8. Dez. Die Vorstände der Jüdischen Gemeinde in Berlin und der Israelitischen Synagogengemeinde Adaß Jisroel in Berlin nehmen erneut Gelegenheit, die Aufmerksamkeit darauf zu lenken, daß von den reichsgesetzlichen Bestimmungen auch die Schlachtung von Geflügel jeder Art betroffen wird. Es ist unabweisbare Pflicht aller-Gemeindemitglieder, jegl'che Schlachtung, die den Bestimmungen nicht entspricht, zu unterlassen, sowie den Bezug von Waren jedweder Tiergattung, die aus verbotenen Schlachtverfahren herrühren, zu meiden. Für Reform der jüdischen höheren Schulen in Deutschland. Berlin, 8. Dez. Bor kurzem traten, zum zweiten Male seit Beginn des laufenden Schuljahres, die Leiter der anerkannten höheren jüdischen Lehranstalten in Berlin zu eingehenden Beratungen über die inneren und äußeren Angelegenheiten ihrer Schule zusammen. Den Vorsitz der Tagung führte Herr Rabbiner und Schuldirektor Dr. Earlebach, Leipzig. Zunächst referierte Direktor- Feuchtwunger, Breslau über die pädagogische Situation der Anstalten. Das Ergebnis der Aussprache wurde in folgenden Thesen zusammengesaht, die einstimmig angenommen wurden: „1. Die Veränderungen in der Zusammensetzung der Schülerschaft, die neuen praktischen Berufsziele, die Entwurzelung der Jugend aus ihrer bisherigen geistigen Heimat und der mangelhafte jüdische Bildungsstand in allen jüdischen Lagern fordern eine Reform der jüdischen höheren Schulen. 2. Die Schule darf keine Berufsschule werden. Sie hat trotz aller Zeitereignisse im Sinne von Thora im Derech Erez religiöse, humanistische und realistische BUdungs- und Erziehungsgüter zu pflegen. Sie hat Palästina einen bevorzugten Platz einzuräumen. Sie hat aber zugleich die zunehmende Verflachung des jüdischen Bildungsbetriebes, die alles, was nicht Palästtnakunde oder Berufsausbildung heißt, verwirft, zu bekämpfen. 3. Im Einzelnen ergeben sich noch folgende Forderungen: a) Gemeinsame Behandlung der jüdischen und allgemeinen Geschichte; b) Ausbau der Erdkunde zu einer

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