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Der Israelit · 1933-12-14 · Heft 50 (14.12.1933) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 50 (14.12.1933)
Date
1933-12-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 50 Seite 5 14. Dezember 1938 , D 4 r Israslrt 'Schönheit sind, un^ ohne das Gesetz —- würdelos und 'häßlich. Daß Palästina als heiliges Land, als Staat (B'ttes uns Kraft uns Zukunft gibt, als politischer Begriff uns nichts fein kann und nur zu altem Golus ^neues Golus, zu altem Leid neues Leid und neue Entftäufchung bringt. Lhänukahllcht! Licht im Dunkeln, sei uns zu Nutz und bring uns Helligkeit, und dring uns Heiligkeit. Wir wollen Dich entzünden ganz im Sinne der Vorschrift, jeden Abend ein Licht mehr, weil wir ja zuck u,it f t s f t o J), [mb, wenn wir nicht umsonst und stumpf und geistlos durch Gegenwart und Vergangen^ .cheit schritten! Wir wollen Dich .entzünden ganz im Sinne der Vorschrift, jeden Abend ein Licht mehr, weil wir j a a u f st eigen w o l len i m S treck e n n ach dem Heiligen! Aber das Heilige sei uns kein totes Wort, sondern die ernsteste, die in- Ingste Vornahme dieser Tage. Die Frucht, die. aus einem Boden wächst, den unser Erlebnis bereitet Kat! ' w. 0. I. In welche Schule gehören unsere Kinder? Von Dir. Dr. 21t. Elias in Frankfurt a. 2tt. Der Streit für oder gegen die jüdische Schule in Deutschland hat eine jähe Erledigung gefunden. Die Lehrer der jüdischen Schule waren jahrzehntelang zu schwersten Opfern, : ihre Patronate zu einem aufreibenden Verteidigungskampf gegen die Anhänger der Gemeinschaftsschule gezwungen. Es gab auch Eltern, die nicht etwa aus religiösen, oft nur aus rein utilitaristischen Gründen, in der Praxis die jüdische Schule links liegen ließen, die sie in der Theorie bejahten. Die Lage hat sich geändert. Bei aller Genugtuung, die wir darüber empfinden könnten, daß heute so ziemlich alle Richtungen für die jüdische Schule sind, muß doch mit Beschämung festgestellt werden, daß erst die nichtjüdische Gesellschaft den Anstoß dazu geben mußte, und daß an manchen Orten die Eltern, entweder aus Trägheit, oder aus liebgewordenem Mißtrauen gegen alles spezifisch Jüdische die Gemeinschaftsschulen noch vorziehm. Die Geschichte hat ein Machtwort gesprochen, aber es gibt noch immer Juden, die den Kopf in^en Sand stecken. Immerhin: die meisten Eltern, und wohl alle diejenigen, an die diese Blätter sich wenden, sind heute für die jüdische Schule. ' p Was heißt nun aber: „jüdische Schule"? Sowohl bei der Frage, wie die bestehenden Schulen „auf eine breitere Basis" gestellt werden können, als auch wenn es um die Errichtung neuer Schulen geht, wird diese Frage aufgeworfen werden müssen, wenn nicht ein hoffnungsvolles Signal zur Erziehung eines neuen Geschlechtes sich zum Gegenteil auswirkcn soll. Cs ist ein erfreuliches Zeichen der Zeit, daß heute in den Blättern aller Richtungen auf die Frage: „Wodurch wird eine Schule jüdisch?" einmütig geantwortet wird: „sie wird es nicht dadurch, daß sie von jüdischen oder gar nur von nichtarischen Schülern besuchtwird." ' Das muß festgehalten werden. „Eine Schule erhall ihren Jüdischen Charakter durch den jüdischen Geist," der in ihr gepflegt wird. Daran arbeiten drei Faktoren.' 1. Die Lehrer. Die jüdische Schule muß/daraus sehen, daß ihr Lehrerkollegium in seinem Haupt und in seinen Gliedern, in Lehre und Leben,! in Gesinnung und Tat, auf dem Boden des geschichtlichen Judentums steht, und in diesem Sinne unterrichtet und erzieht. Eine jüdische Schule ist keine bloße Unterrichtsanstalt, sondern eine Erziehungsstätte durch Wort Und Beispiel. ‘ 2. Der jüdische Unterricht. Cr muß eine Mittelpunktstellung elnnehmen. Aus schriftlicher und mündlicher Lehre, aus Bibel und Talmud, aus jüdischer Geschichte und hebräischer Sprache, aus der pflichtenlehre und Liturgie muß sie das Wissen vermitteln vom Judentum. Nicht Um des Wissens willen, fondern zum Aufbau bewußt xetigiöser Persönlichkeiten. Das Wissen muß nicht und kann nicht entfernt vollständig sein, aber die Schule muß das Ihrige dazu tun, den Weg zu zeigen und die Lust zu erwecken, weiter zu lernen. Alle Fächer, hie zur Förderung des religiösen Lebens und jüdischen Wissens in der Gemeinde beitragen, müssen ln der Schule ausgenommen und geschützt werden. 5. Der sogenannte weltliche Unterricht. In der jüdischen Schule dürfte es eigentlich eine solche Scheidung zwischen jüdischem und weltlichem Unterricht überhaupt nicht geben. Beides dient dem einen Ziele, daß sich der Jude in der Welt zurechtfinde. Das ist heute schwerer, als noch vor einem Iahxe. Das Gesckichts-, Welt- und Gesellschaftsbild, in das sich unsere Schüler als Juden einzuordnen haben, verlangt ein tieferes Eingehen auf die jüdische Sonderstellung und Sonderart. Nicht indem Judentum und profane Bildung losgelöst von einander betrieben werden, sondern indem alles Tun des jungen Menschen aus einer Wurzel, aus dem Grunde des Religiösen feinen ^lusgang nehme, seine Kraft ziehe und sein Ziel erhalte. Mit' einer solchen Schule ist naturgemäß auch eine eigene Problematik verbunden. Ein homogenes Lehrerkollegium zu finden, ist schwer und an manchen jüdischen Schulen ist es noch nicht vorhanden. Die Frage des sogenannten weltlichen Unterrichtes verlangt eine grundlegende Auseinandersetzung mit der Gestalt der heute bestehenden „berechtigten" jüdischen Schulen, was die höhere Schule anbetrifft, mögen dabei Leitsätze zugrunde gelegt werden, wie sie kürzlich in Berlin von den Direktoren der höheren jüdischen Schulen Deutschlands besprochen wurden. Wenn darin zum Ausdruck gebracht wird, daß der humamstisch-rallstische Bildungsgedanke festgehalten werden soll, so darf dies nicht als bloßer Wille zur Selbsterhaltung gewertet werden. In dem schweren Kampf, den das junge Geschlecht um seine geistige und materielle Zukunft zu führen haben wird, wird alles darauf ankommen, ob wir vor allem für/seine begabteren Köpfe eine über die elementaren Kenntnisse und Fertigkeiten binansweisende höhere Schule besitzen, die für die Weltbund das Leben immer noch einen unschätzbarenFaktor darstellt. Schwierig ist die Frage des Religionsunterrichtes. Nicht nur wegen der Stoffverteilung, vor allem wegen des Weltanschaulichen. Wo neben einer konservativen auch, eine liberale'Schule, oder umgekehrt bestehen kann, liegt die Sache ziemlich einfach, wo aber, was doch.meist der Fall fein wird, nur eine jüdische Schule errichtet werden kann, ist zu erwarten, daß um Heu Weltanschauungscharakter der Religionsstunde von Hüben und Drüben gerungen-werden wird. In diesem Zusammenhang verdient eine einmütige Erklärung -der oben erwähnten Direktorenversammlung besondere Beachtung: „daß ein nach religiöser Richtung getrennter doppelter Religionsunterricht an jüdischen Schulen schon ans pädagogischen Gründen abzulehnen sei." Demgegenüber wurde an mehreren Orten erklärt, daß liberale Kinder einen Religionsunterricht brauchten, de^ sie nicht mit dem Elternhaus in Konflikt bringt. , Wenn man über weiß, daß jeder Religionsunterricht neben ethischen Lehren gewisse religiöse Verbindlichkeiten anerkennt und ans Herz legen, muß, dann muß man zugeben, daß kein noch so liberaler Religionsunterricht ganz mit der Praxis aller liberaler Elternhäuser übereinstimmt. Statt aber nun ein weiteres Kompromiß zwischen liberaler Religionslehre und liberaler Praxis zu schließen, wie es die meisten Eltern tun werden, könnte ich mir für viele Liberale in heutiger Zeit auch einen anderen Weg denken. Wir haben in Deutschland ein schweres Schicksalsjahr hinter uns. Es wäre beschämend, wenn jüdische Eltern in diesen Monaten nicht den Weg zu sich und zum Geiste des Judentums zurückzufindcn gesucht hätten. Ich habe erlebt, daß Juden, die Zeit ihres Lebens niemals etwas vom Jüdischen gehört hatten, und hören hatten wollen, ans einmal mit fliegendem Atem sich in die Geschichte des jüdischen'Volkes vertieften und, Kindern gleich, die hebräischen Laute wieder zu erlernen begannen und mit brennender Schgm feststellten, daß sie upt ihr Judentum, um die Kraft ewiger Jugend, um die Freude am eigenen Sein gebracht worden waren, als sie von jenen Ouellen abgeschnitten wurden. Was aber bedeutet Geschichte und Sprache gegenüber dem tragenden Grundpfeiler jüdischen, ja überhaupt menschlichen Lebens, gegenüber dem Glauben? Cs ist merkwürdig, und gerade in Palästina hat sich mir dieser Gedanke immer wieder aufgedrängt: Innerhalb der letzten 2VIahre ist dort unmöglich Scheinendes geleistet worden: Mit Hilfe unserer der Landarbeit längst entwöhnten Hände haben Juden von Miasmen erfüllte Sümpfe zu fruchtbaren von gesundem Leben widerballeudeu Feldern verwandelt. Mit Hilfe eines leidenschaftlichen Wollens ist eine tote Sprache zu einem gewaltigen Hebel geistiger Entwicklung, zur Lebenstatsache geworden für die Erneuerung eines Volkes. Und nur in dem einen Punkte sollten heute, wo Welten um uns und in uns zusammengebrochen sind, jüdische Eltern resignieren müssen und sich nicht damit befreunden können, ihre Kinder wieder in dem Glauben aufwachsen zu lassen, in dein ihre Väter einst gelebt haben? Wir haben uns darein gefunden, Lebensformen auszugeben, mit denen wir seit hundert Jahren nicht nur für uns, sondern auch für unsere Kinder gerechnet hatten, wir haben diese Form zerbrechen gesehen. Eine alte, längst vergessene Melodie aus vergangenen Tagen wird unseren Kindern wieder gesungen; können wir ihnen etwas Schöneres mitgeben, als den Glauben, der ihr inneres Leben gab? Alte Handschriften, die vielen längst gleichgültig geworden waren, werden wieder mit Interesse studiert: können wir unseren Kindern etwas Stärkeres mitgeben, als den Geist, der darin lebte, und beute noch leben kann, wenn wir nur wollen? Der langen Rede kurzer Sinn: Ein großer Teil der Juden in Deutschland ist, wie unsere Geschichte zeigt, nicht aus Ueberzeugung, sondern aus praktischen Erwägungen hc-.aus dem überlieferungstreuen Judentum untreu geworden. Wie aber auch Lebensgewohnheit und geistige Entfremdung in 150 Jahren Eltern von ihm entfernt haben mögen, sie vergeben sich wahrlich nichts, wenn sie mit der Besinnung auf ihre Eltern und Großeltern auf Jahrtausende ihrer Geschichte wenigstens ihre Kinder he! Mkehcett lassen zu ihrem G' t t und ihrem Volk, z u d e n st a r k e n W ü r z e l u i h r e s G laude n s u n d z u r ch a r a k t e r v o l l e rr H a l t u n g i h r e s L e b e n s. Jede orthodoxe Schule wird Takt und Verständnis genug für die Größe der Aufgabe, die ihr mit der Aebernahme solcher Kinder erwächst, ausbringen können. Die Orthodoxie war die erste und überzeugteste Vertreterin der jüdischen Schule, sie soll es auch weiter bleiben, wenn es gilt, weitere Kreise mit starkem Gefühl für jüdisches Erbe und jüdische Geschichte im Herzen der Jugend zu entfachen und zü erhalten. Korrespondenzen * Hacbncbten. 1' Deutsches Reich. /Konferenz der Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel. Frankfurt a. M., 13. Dez. Am Montag, den 23. und Dienstag, den 26. Dezember (7. bis 8. Teweth) findet eine Konferenz der P a l ä ft i n a - Z e n t r a l e der „Agudas I i s r o e l" statt, zu welcher sämtliche Vertrauensleute der Palästina- Zentrale in Deutschland eingeladen sind. Die Tagung findet im Hörsaal der Synagogengemeinde Israelitische Neligionsgesellschaft, Frankfurt a. M., Friedberger Anlage 4, statt. Interessenten, die keine Vertrauensleute sind, können als Zuhörer an der Konferenz teilnehmen. Anmeldungen erbeten an die Palästina-Zentrale der AgudasJisroel, Frankfurt a. M., chanauerlandstraße 13. Norderney judenfrei! F r a n k f u r t a. M., 11. Dez. Die Badeverwaltung Norderney ersucht uns, Juden vor dem Besuch von Norderney zu warnen. Sie übersendet gleichzeitig eine neue Siegelmarke mit der Aufschrift: „Nordseebad Norderney ist judenfrei".

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