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Der Israelit · 1933-12-14 · Heft 50 (14.12.1933) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 50 (14.12.1933)
Date
1933-12-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 50 Der Israelit 14. Dezember 1933 primitiven arabischen Rienschen, die -den größten Profit aus der jüdischen Einwanderung ziehen. Diese ohne Not entfachte Sturmwelle müßte sich längst an ihrer eigenen Unnatur und Unvernunft gebrochen haben, würden nicht diejenigen, die zu den Gütern des Landes bestellt sind, immer und immer wieder diese angeblichen Stimmungen zum Hintergründe von Befti m in unge n machen, die, in einer natürlichen Verzwickung von Ursache und Wirkung, jene Welle in stetem Flusse erhalten. Diesen O’Tnan gelten unter anderem der Mutter Tränen. Aber an erster Stelle bleibt doch der Schmerz um die eigenen Söhne, das ',11- Hindernisse von außen waren für Israel stets nur dazu da, um sie zu überwinden. Wir sind keine Stürmer — naim ibvn bk' - aber Optimisten genug, um J a zu sagen, nicht allein zum Judentum, sondern auch zu Welt und Menschtum. Wir haben nicht umsonst ein Ehanukahfest, das uns zeigt, wie Licht, einnial -angczündet, sich in steigender Linie vermehrt. Was indes Mutter Zion von einem Teile ihrer eigenen Söhne angetan wird, verbaut zunächst den Weg zu jenen großen Zielen, schiebt die Erfüllung immer weiter hinaus, so daß die \*u* Tranen die zweit- und drittgenanntcn zur natürlichen Folge haben. Darum eben die Wiederholung und Unterstreichung des ersten und letzten Grundes für Uahels Weinen im Prophetensatze: N'32 bv nana *?m Rahel weint doch in der Hauptsache nicht so sehr über die fremden Wächter außerhalb und innerhalb der Tore, als um ihre eigenen Kinder, die der Mutter die Liebe weigern. ri'22 bv omn1? mxa* Brennend und untröstlich bleibt ihr Schmerz um ihre Söhne iirx *>d (nicht Lwn)' daß Er, der große G'tt, der das Land als Schauplatz der Verheißung in seine Karte eingezoichnet hat, bei ihrer Tätigkeit nicht mit dabei ist. Und dennoch weiß der Prophet Trost: -[Vip ’irja '22a, Halte ein im Weinen, Mutter Rahel, -ow 2?' '2 *]ni?’is?sS es winkt dir Lohn. 2'1K pxa I22?i' wohl erlebst du zunächst, daß sie nur aus der Fremde zurückkehren", ohne mit der Landung, mit der Schule und mit der Kwuzah das „heilige Gebiet" erreicht zu haben. Allein p'-mxb mpn es gibt noch eine andere Hoffnung, ein letztes gutes Ende, da v'12 'asn, da die Söhne nicht allein getrieben, sondern gelockt werden, da sie nicht allein „Land in Rot" verlassen, um alle geistige Rot mit hiuüberzunehmen und auf ihren Aeckern des harten Bodens wie des Geistes zu neuen Blüten zu bringen, sondern auch „L a n d d e r S e h n s u ch t" erreichen und bebauen, bxitp' bi2^ „eigenes Gebiet", dahin von Abend zu Abend in steigendem Maße die Lhanukahlichtlein weisen. ■üb^b ö'32 ■nun Wocbenrundschau. Oer „dritte Jischuw". Unter dem Uamcn „ U o a r Agudat >i " (Agudistische Jugend) ist nach monatelangen Verhandlungen zwischen den obersten Organen der Agudas Iisroel in Deutschland einerseits und Jugendorganisation und.Csra andrerseits ein neuer Iugendbund ins Leben getreten, der die bisher durch die p a l ä st i n a- Zentrale der „Agudas Iisroel" allein getragenen Hachschara- und Siedlungsbestrebungen der gesetzestreuen, nicht-misrachiftischen Jugend zusamuienfasten und zugleich stärker in der Jugend selber verwurzeln soll. Die Palästinazentrale bleibt wie bisher die Trägerin der H a ch s ch a r a - S t ä t t e n , doch soll den Selbstverwaltungsorganen der Jugend eine intensivere Mitwirkung an der Auswahl und der geistigen Vorbildung der jungen Menschen -eingeräumt werden. Der Bund ist an sich eine ausgesprochene Diaspora- Organisation, aber seine Ziele liegen in der bewußten Erziehung f ü r Crez Iisroel im agudistischen Geiste. Mit Genugtuung ist vor allem der — zunächst für diesen Sonderzweck allein —erfolgte Zusam m e ns ch l u ß der T s r a - I u g e n d mit der Agu - das Iisroel - Jugendorganisation unter a g u d i st i s ch e r Flagge zu begrüßen, wobei ein gegenseitiges Geben und Rehmen produktiven Gedankengutes zum Besten des Ganzen erhofft werden darf. Freilich gilt es auf der Hut zu sein, daß bei dieser Svnthese, die als solche ganz in der Richtung des agudistrschen Cinheitsgedankens liegt, sich nicht Strömungen einschleichen, die in ihren Konsequenzen zur Schwächung der organisatorischen Aktivität der Agudo-Iugend als Gesamtheit führen.könnten, in einem Augenblicke, da nur die denkbar stärkste, bis zum Fanatismus für die eigene Idee gesteigerte kollektive Energie — die sich nicht auf Deutschland beschränken darf — die Erreichung der weitgesteckten praktischen Ziele als denkbar erscheinen lassen kann. Das Schlagwort vom „Dritten I i s ch u w ", das in der an anderer Stelle unsrer heutigen Nummer veröffentlichten eindrucksvollen programmatischen Auseinandersetzung des Bundesleiters des „Roar Agudati" ausgegeben wird, ist durchaus geeignet, das Ziel, das der agudistrschen Jugend in Crez Isroel und für Crez Isroel vorschwebt, zu kennzeichnen — ein Iischuw, der a l t ist in seinen ideellen Grundlagen und n e u in seinen technischen Mitteln. Zu diesen technischen Mitteln rechnen wir auch die neuen Formulierungen altjüdischer Gedanken, wie sie der zweite und dritte Teil des Programm-Artikels enthält, und mit denen wir uns restlos identifizieren können. Zu dem ersten, kritischen Teile, der die historischen Voraussetzungen für die alsdann aufgestellten postulate darlegen will, müssen wir einige Vorbehalte — eigentlich sind es nur Klarstellungen —machen. Wir möchten nicht wünschen, daß bei der weiteren Vertretung dieser Roar Agudaü-Ideologie das Mißverständnis entsteht, als handle es sich nicht nur der Masse, sondern auch der Tradition unsrer großen geistigen Führer gegenüber um etwas inhaltlich Neues. Wenn .Rabbiner Hirsch b"xt beispielsweise die Devise „Thora im . . . ." geprägt hat, so war es auch sein Ziel — ob es auch im römischen Golu» kaum überwindbaren Schwierigkeiten begegnete und im palästinensischen Golus kaum geringeren begegnen wird —, eben jenen eigenen, einheitlichen Ehova-Lebensftil zu schaffen, der alle Kulturelemente restlos ein schmilzt in das Feuer der die Persönlichkeit gestaltenden sinaitischen Offenbarung. Und der Kampf gegen das nuaiba anrix rnxagegen ein mechanisches, gefühlsarmes „Gesetzesjudentum", wie gegen die Zerklüftung von G'tteshaus und Leben hat im Kreise der gesetzestreuen Iudenheit, von Mosche Rabbenu bis zum Thofez Thajim und dem Lublmer Raw, von Rabbenu Bechaj bis — zu den 74 Jahrgängen des „Israelit" niemals aufgehört. Schon die große, tief ins Leben eingreifende Institution des S a b b a t s hat allezeit davor geschützt, daß aus dem Ehomjuöentum eine S^uagogenceligion wurde. Ob der zum Bestandteil der Ideologie erhobene Gegensatz zwischen „Glaubensdogmen" und „Vertrauen zur Tradition" wirklich so bedeutsam ist, scheint uns zweifelhaft — beides heißt und ist —nnaxwie man das Wort auch übersetzen möge. Ueber dieses »uiiax-Kapitel und die ausschließliche Fundierung de niiarr auf eine rein nationale Verpflichtung, wie über die heute übliche Degradierung des „nur Religiösen" überhaupt, wäre mehr zu sagen, als in diesem knappen Rahmen möglich ist. was aber vor allem vermieden werden muß, ist die Festlegung der neuen Arbeitsgemeinschaft Aguda- Csra auf eine B a g a t e l l t f i e r u n g des Organ i s a t i o n s g e d a n k e n s , wie sie im „Esra" früher üblich war. So wenig „bloße Organisation" jemals von agudistifchen Führern als Heilmittel für den kranken jüdischen Volkskörper gepredigt worden ist, so gewiß vielmehr die orgamsationsfreie Sphäre der indivdiuellen Selbstecziehung im „Lernen" und „Tun" ihren Platz bisher in jeder systematischen Prägung agu- Lhanukah-Gedanken Von Rabbiner Dr. 21t. Cetviti in Hamburg. Chanukah, das Fest, das mit seinen Lichtlein Hoffnung und Vertrauen uns ins Herz und in die Seele senkt, weih uns viel von Kampf und Sieg, von Waffenlärm und Heldenmut zu erzählen. Und doch find es nicht diese Ruhmestaten der Makkabäer, die im Mittelpunkt unserer religiösen Feier stehen. Wir preisen vielmehr die Gnade G/ttes, der Sieg verliehen seiner Lehre und mit Kraft gewappnet, die für ihre Erhaltung sich und ihr Leben eingesetzt. In diesem Sinne deuten jedenfalls unsere Lehrer das Wesen unseres lieblichen Festes, wenn sie auseinandersetzen: 720»^ xi>7 p3’K X'3»n .70132,7 '»1' lVD22 .7-22 P27 13/57 ,7213/1 ’K» •pro miy/ini» xi>7i prn Welche Bewandtnis hat es mit Chanukah? Es haben doch die Rabbinen gelehrt: Am fünfundzwanzigsten Kislew beginnen die Tage des Chanukahfestes, ihrer sind acht, an denen man keine Trauerfeier abhalten und auch nicht fasten darf. JT>2 /VD^n 1723D21 i>2'N2V D’3»P.7 i>2 1K»B i-2'/li> D’311’ 1V323V2V i»mm rui» .i'.iv paz bv in« *p xVa irnnr s*>i lpm ormi ’X3i»vn 13/3» ip’V7.71 03 12 ilE/J/3 7/m 01’ p'binb üb« 12 Zl’,7 k5>1 *>173 ],72 *>EZ •znnim 0-210 o’»’ dixips/i Disznp mnx N3v^ 0'»-> zi3i»bz »Als die Syrer in den Tempel eindrangen, verunreinigten sie alle Lele, die im Heiligtum waren. Nachdem das Herrscherhaus der Hasmonäer mächtig geworden war und sie besiegt hatte, suchten die Sieger und fanden nur ein einziges mit dem Siegel ■ des Hohepriefters versehenes Krüglein mit Oel, das den Leuchtstoff nur für einen Tag enthielt. Es geschah aber ein Wunder, und man brannte davon acht Tage. Im folgenden Jahre setzte man fest, diese Tage alljährlich mit Hallet und Danktiedern als Festtage zu begehen." — Keinen Hinweis finden wir also hier aus die heldenmütigen Kämpfe derer, die die Siege errungen. Das Judentum lehrt uns: vs mr rm xi- „Nicht durch Kraft wird zu einem Helden der Mann." Die Idee ist es, für die er kämpft, die ihn trägt und überwinden läßt. Juda Makkabi und feine Getreuen griffen zum Schwerte nicht, um Macht und Ansehen zu erringen: der Reinerhaltung des Judentums, daß die heilige Lehre in ungetrübter Kraft zum Segen Israels und der Menschheit strahle, galt ihr Kämpfen, und dieses erstrebte Ziel entflammte und begeisterte sie, daß sie zu Helden wurden, die der gewaltigen Uebermacht zu trotzen verrnochten. Das klingt auch in unferm Ehanukahgebste: p'w.i bv wieder: ,0’BSZ» 7'2 0’371 D’S/im 7’2 Ü’*1123 0*10» „Du gabst die Helden in die Hand der Schwachen und die Vielen in die Hand der Wenigen." Warum dieses Erlebnis, das allen sonstigen Erfahrungen widerspricht, nach denen der Starke dem Schwachen unterliegt?" pmin ’poiv 7’2 o*7n a*j?’7S 7’2 o’yerii tn no 7’2 Es standen sich gegenüber die dem Reinen, Erhabenen, dem G'ttesworte dienten und jene, die unlautere, frevelhafte Ziele voll Gewalt und Tücke verfolgten. Mit dem Siege der Makkabäer war der Triumph des Judentums und seiner erhabenen Lehren verbunden. Das bringen uns die Lichtlein, die wir 7t>i/n g’vi» von Abend zu Abend in vermehrter Zahl zünden, klar zur Anschauung. Sie verkünden auch das Sichmehren des Lichtes trotz Nacht und Kampf auf Erden und den endgültigen Sieg unserer . Lehre und die Anerkennung und Würdigung unseres Ju-! dentums, das immer wieder und wieder in den mannigfachsten Tönen und Weisen es in die Menschheit hinausklingen läßt: ,'ox '7 7»rr ’N1"2 dk ’o N23 rrl>i i>’M rrl> „Nicht mit Heeresmacht und nicht mit Kraft, sondern mit meinem Geiste, spricht G'tt, der Schöpfungg.scharen." Sektiererische Znkerpvlakion im Targum Zonathan. Von B. Lohen. 1. Die Wendung K7»iy m poopo xap x»i’2 kann nach einfachem Wortsinn nur gleichwertig.mit der sektiererischen Mißdeutung von nnvn mnx>» jein. 2. Das ’x/rV/i *it?r» des Pseudo-Jon. zu Deut. 26, 13 läßt sich mit unserer Halacha gar nicht in Uebereinstimmung setzen, kann also auch nur auf sektiererische Einwirkungen zurückgeführt werden. 3. Der Fehler im Pseudo-Jonatan zur Akeda, aus dem Berd. schloß, Pseudo-Jon. habe eine außerbiblische Ueberlieferung gehabt, wonach i"n an Jsak selber das Opfer vollzogen wurde, liegt in meiner Ausgabe nicht vor. (Bezeichnend, daß E. Bischofs sich diese Ungeheuerlichkeit zueigen gemacht hat.) Irgend ein Fehler muß aber auch hier gestanden haben; denn aus den üblichen Ausgaben läßt sich der betr. Trugschluß auch bei bösestem Willen nicht ziehen. Gewiß soll man nicht jede Absonderlichkeit des sog. yo’/i als sektiererisch ansehen. Doch darf man vielleicht vermuten, daß, nachdem einzelne Sekten-Meinungen sich eingeschlichen hatten, dem Texte des s'i’n seitens bnn nicht mehr jene Gewissenhaftigkeit des Tradierens zugewendet wurde, vermittels deren alle ihre Meinungen sich sonst so unverfälscht auf uns vererbten.

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