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Der Israelit · 1933-12-07 · Heft 49 (7.12.1933) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 49 (7.12.1933)
Date
1933-12-07
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 10 Nr. 49 Der Israelit 7. Dezember 1933 „0o sei es/' rief der König, „nun aber ans Werk. Tretet vor, ihr Männer aus Ai und Gideon, und traget vor, was Luch aufgetragen wurde." „Stark," so Hub der Gesandte aus Ai an, „stark und gewaltig bist Du, König von Jericho; uneinnehmbar ist diese Stadt, wir fragen Dich, willst Du uns schützen vor den Horden Sems, von denen seltsame Kunde kommt. Unzählig ist Dein Volk und mein König gebietet nur über l 2 000 wann, wir bitten um Hilfe und bieten Dir Bündnis." Dann trat der Bote aus Gibeon vor den König und sagte: „Koch kleiner als Ai ist mein Gibeon. Dir läßt mein König sagen, ob es nicht erwägenswert wäre, mit diesen Söhnen Sems, denen selbst der Riese Og nicht gewachsen war, zu einem Einverständnis zu gelangen." Da erhob sich gewaltiges Murren im Saale. Wan schlug Schwert gegen Schild und allgemeiner Unwille bedrohte den Gesandten Gideons. Ls wäre um ihn geschehen gewesen, wenn sich Achiman nicht schützend vor ihn gesellt hätte. „wann aus Gibeon, Du hast nicht klug gesprochen. Aber wir haben gehört und verstanden, daß Gibeons Krieger zittern. Jericho und sein König wissen besser, was sie ihren Brüdern vom Blute Kcnaans schuldig sind." „Männer Jerichos, Ihr hörtet die Botschaft von Ai. Hat einer etwas dazu zu sagen?" „Zweierlei ist zu sagen," so lies; sich Anok vernehmen. „Ls gilt dem Volke Wut zu verleihen, auf daß es nicht werde gleich den wenschen in Gibeon. Drei Tage lang, so habe ich nach Deinem Wunsch, erhabener König, angeordnet, drei Tage hintereinander wird wolochs Bild durch die Straßen ziehen, viel feurige Augen wurden heute gesehen." „Ich weiß," antwortete der König, „aber darüber laßt uns später sprechen. Jetzt frage ich meinen Feldherrn, was hast Du zu melden?" „Kundschafter habe ich ausgeschickt und habe gehört, daß die Horden noch jenseits unseres Jordan stehen. Wan steht nichts von einer Vorbereitung zur Ueberschceitung dieses Flusses, wenn es gelänge, das von AL vorgeschlagene Bündnis ins Leben zu rufen und es bis auf unsere Brüder in den Schluchten des Hermon auszudehnen, wäre es gut. Aber unser Jericho hat den ersten Stoß auszuhalten." „Hast Du Kunde von Zahl und Krieastüclttigkett dieser Horden?" „Ls sollen tapfere wänner sein. Aber Dein Heer ist bereit." „Mancherlei hörte ich von ihren Siegen und viele zittern vor ihnen," warf Achiman ein; „doch was vermag ein wüstcnvolk gegen Jerichos wauern. Ich rate nicht zur offenen Feldschlacht." Dann ward es ruhig im Konigssaale. 2luch der sieggewohnte König wurde nachöenkllch. Endlich kam er auf einen seltsamen Cinfall. . „viel weiß Rahab von dem, was draußen vorgeht. viele gehen bei ihr aus und ein. Sie woiß zu beobachten; ihr Wort ist klug. Lasset Rahab holen." Also kant Rahab in den Palast des Königs. (Fortsetzung folgt.) Eine Rabbi Meier Schapiro-Rummer des Warschauer «Jüdischen Logblattes". Zum Ablauf der ist eine verstärkte Nummer des Warschauer Jüdischen Togblalles erschienen, die ganz dem Andenken des Lubliner Raw gewidmet ist. Eine große Reihe vortrefflicher Artikel und Schilderungen, zumeist aus der Feder von Schülern und nahen Freunden des Rabbi sucht das Wesen und das Geheimnis seiner wunderwirkenden Persönlichkeit ganz zu erfassen. Bekannte orthodoxe Schriftsteller und Journalisten aus allen Ländern finden sich hier in großer Anzahl in der Liebe und Pietät für den großen Heimgegangenen und wissen ihrer Trauer und Verehrung künstlerischen Ausdruck zu geben. Vom gesetzestreuen Deutschland sind unter den 31 Mitarbeitern dieser Nummer Oberrabbiner Dr. Earlebach, Altona und S. Schachno witz, Frankfurt a. M-, mit Beiträgen vertreten. Die Gedenknummer ist zu beziehen in der Redaktion, Warschau, Leszno 40. Zu gefährlich! Im zaristischen Rußland ereignete es sich einmal, daß in einem Städtchen aus einem fahrenden Zirkus drei Elefanten ausbrachen. Die ganze bewaffnete Polizei begab sich auf die Jagd nach den Ausreißern. Jockel, ein kleiner Jude, der zufällig auf der Straße war, fing an, sobald er hörte, um was es sich handelte, zu rennen. Ein Polizist holte ihn ein. „Warum läufst D u, wenn man nach Elefanten jagt?" „Kenne es," sagte Jockel mißtrauisch, „wenn man einmal jagt und mich erwischt, komme ich auf alle Fälle ins Loch. Dann kann ich drei Jahre im Gefängnis sitzen, bis genau nachgewiesen wird — daß ich kein Elefant bin . . . (Ein „Baedeker" von Palästina.) Wir kündigten vor einiger Zeit eine Nenausgabe des Reisehandbuchs „Palästina und Südsyrien" von Jesaias Preß an. Wir erfahren jetzt, daß sich bei der Bearbeitung des im Jahre 1921 erschienenen Büches von Preß herausgestellt hat, daß infolge der außerordentlich intensiven und vielseitigen Entwicklung, die sich in Bezug auf die jüdische Siedlungs- und Aufbauarbeit, aber auch in Bezug auf die allgemeinen Verhältnisse des Landes und insbesondere auf die für den Tourist.en wesentlichen Dinge (Verkehrs- und Hotelwesen usw.) in den seither vergangenen zwölf Jahren vollzogen hat, eine bloße Neubearbeitung und Ergänzung des ursprünglichen Buches unpraktisch, ja nahezu undurchführbar ist und daß der Verfasser, Herr I. Preß in Jerusalem, sich im Einvernehmen mit dem Fiba-Verlag ln Wien entschlossen hat, ein vollständig neues Buch zu schreiben, welches in dem genannten Verlag noch rechtzeitig vor Beginn der Touristensaison erscheinen wird. Das neue Buch „Palästina-Reiseführer" von I. Preß wird eine vollständige, nach dem heutigen Stand gearbeitete umfassende Darstellung des Landes und der benachbarten Gebiete sein, ausgestattet mit einer Fülle neuer in dieser Genauigkeit und Vollständigkeit bisher nicht vorhandenen Karten und Pläne. (Durchforschung eines uralten Iudenfriedhofs in der Tschechoslowakei.) In der Zeit der Türkenkriege und der Austreibung der Juden aus Spanien und Portugal haben sich Vertriebene nach Böhmen begeben. Davon geben die Friedhöfe Zeugnis. Zuletzt haben Untersuchungen auf dem alten Judenfriedhof in Rosenberg, Böhmen, eine große Anzahl von Grabsteinen zutage gefördert, unter' denen Flüchtlinge aus Wien, Linz und Ungarn ruhen. Die Steine stammen aus der Zeit der Türkenkriege, insbesondere aus der Zeit der Belagerung Wiens.! Um die Zeit von 1500 wurden auch Flüchtlinge aus j Mainz daselbst begraben. Der Friedhof selbst ist jedoch \ noch bedeutend älter. Grabungen, die der dortige Kaufmann Hr. H. Sternschein ans eigenen Mitteln 'betreibt, | haben erwiesen, daß der Rosenberger Friedhof eine ähnj liche Struktur aufweist, wie der alte Prager, das heißt, er ist mehrschichtig. Das Alter der untersten Schicht ist noch nicht bestimmt, doch dürfte sie annähernd in die Zeit der ältesten Grabsteine von Prag gehören. Auf den frohen Gesichtern Zer Knaben erschien ein Leuchten. Sie waren die glücklichsten, hatten ihre Schularbeiten längst beendet und lebten im frohen Vorgefühl des herrlichen Freitagabends. „Hör' nur, Alex, wie der Mud saust," sprach Lugen, indem er feinen Rock anzog. „Huh, huh! Und dazu noch das Trommeln des Regens an den Fensterscheiben. Das gibt die richtige Stimmung in der gemütlichen Schabbosstube! Wir werden uns nach dem Cffen in die Ofenecke drücken, und du mußt einen plan mitbringen, wie wir uns am schönsten die Zeit vertreiben." „Ich Hab' schon eine Idee," antwortete Alex; „Veröffentlichung erst bei Beginn der Unterhaltung." Schnell wich die mäßige Tageshelle dem frühen Abenddüster, als sich die Gemeinde im G'tteshause versammelte, um den Schabbos zu begrüßen. Zum Rlinchagebete reichte das Tageslicht gerade noch aus. Als dann der Kuitusdiener die elektrische Beleuchtung aufflammen ließ, als die erste Aufforderung durch den Vorbeter erfolgte: „Kommt, laßt uns dem Lwigen zujubcln, aufjauchzen zum Fels unsres Heils!" — da verließen auch die letzten . werktägigen Gedanken die Herzen der Beter, um beglückenden Sabbatgefühlen Raum zu gewähren. „Licht und Freude" begleiteten ■ nach beendigtem Gebete die Gemeindemitglieder in ihre stillen Wohnungen, „Licht und Freude," trotzdem der Wind inzwischen an Heftigkeit zugenommen hatte und ihnen den Regen ins Angesicht trieb, trotzdem aber vielleicht gerade, .weil es im Freien so unwirtlich geworden war, daß jeder sich beeilte, baldigst unter Dach zu kommen. Als man mit fröhlichem „Gut Schabbos" die Stube betrat, der Vater, behaglich die Hände reibend, die Kinder, sich jubelnd auf ihre Mutter stürzend, als sich der Litern und Großeltern Hände segnend auf ihre teuren Häupter legten und die „Engel des Friedens" durch den Raum schwebten, als jeder seinen platz am Tische einnahm, als der Vater den silbernen Becher hob, um den Tag zu heiligen, der als Denkmal an das Werk der Wettschöpfung der Erste ist in der Reihe heiliger Verkündigungen, da fühlte ein jeglicher das Geborgenfein, das besonders ein solcher Winterfestabend in sich schließt. Mt vielem Behagen genoß man die Mahlzeit, die mit würdiger Unterhaltung und beliebten Gesängen häufig unterbrochen und mit andächtig vorgetragenem Dankgebet beschlossen wurde. Ainderecke. Kinder unter sich. Bon Heinrich Einstädler. I. „Um halb fünf gehen wir zur Synagoge!" So rief der Vater an einem Freitag im Roveniber vom Hausflur aus, daß cs durchs ganze Haus vernehmbar war: im Wohnzimmer, woselbst Großmutter den Schabbostisch deckte, in der Küche, wo Mutter mit den Töchtern noch allerlei zu richten hatte, im Laden, in dem einige Bauernfrauen bedächtig Stoffe prüften, bevor sie sich entschlossen, von welcher Sorte sie einen halben Meter zur Ausbesserung eines schadhaft gewordenen Westcnrückens nehmen wollten, und im Badezimmer, wo die Knaben sich für den Sabbat bereitmachten. Die Wirkung des Rufes war allenthalben ersichtlich. Am wenigsten berührte er die Kunden. Sie unterbrachen nur kurze Zeit ihre Beschäftigung, indem sie einander wortlos anblickten. Großmutter schaute auf die Wanduhr, um festzuftellen, wie lange ihr noch Zeit blieb, um das Schabboskleid anzuziehen. Die Mutter geriet in Aufregung. „Schnell, schnell, ihr Mädchen, sonst kommen wir noch in den Schabbos!" rief ste, während sie die letzten Vorbereitungen an den Speisen für den Ruhetag traf. HI. Und dann kam die Stunde, die die Kinder schon vor Beginn des Ruhetages ersehnt hatten. Während sich der Vater über das „Chumisch" und die Mutter über eine Zeitschrift neigte, rückten sie schnellstens in der Ecke am Ofen zusammen und schauten erwartungsvoll auf Alex, der immer die besten Linfälle hatte. Lr schwieg noch und hob den Zeigefinger, um die ganze Runde nach dem Sturm hinhorchcn zw lassen, der an den Fensterläden rüttelte und in dem schon recht gelichteten Geäst der Kastanienbäume da draußen das letzte Laub holte, um es fauchend und zischend durch die Gassen zu schleifen. Dann beobachtete er, wie sich nun alle erst recht eng zusammenhuschelten und auch auf den Gesichtern der Jüngsten ein Zug ernster Erwartung erschien, um endlich mit der Würde des angehenden Studiosus (er war einstweilen Unterprimaner) mit einem Worte das Programm des Abends zu geben: „ G e g e n w a r t s g e s ch e h -- n i s s e." wir erzählen, was sich jetzt wohl anderwärts zuträgt. Ich beginne. Leo Hausherr, unser Rachbarskind. An der Mainweserbahn liegt der Bahnhof eines kleinen Fleckens. Wenn nicht die Signallampen an der Strecke brennen würden, so könnte man ihn bei diesem Weiter kaum finden. Das einstöckige Gebäude gleicht fast einer Hütte. Im Amtszimmer sitzt ein junger Beamter vor dem Tisch mit den Apparaten. Cr schaut gähnend nach dem Ofen hinüber; denn der nächste Zug, den er abwarten muß,.hat soeben 50 Minuten Verspätung gemeldet. Im Wartezimmer daneben qualmt eine Petroleumlampe mit rauchgeschwärztem Zilrnöer. Der einzige Reisende auf der Bank in der Cck-e ist ein junger Mann, der heute im Dorfe geschäftlich tätig war. Cr hört soeben von dem

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