Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 49 (7.12.1933)
- Date
- 1933-12-07
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/2446951-2450756-2450803--80041-2537831- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
.1/. Rahäbs Lied/! Von Sanon.; •' i.';; ■' ' "; Bomm — Boinin — Bömm — Drei dumpfe Paukenschläge hallten in gemessenen Abständen durch die Straßen Jerichos. . . Ls war ein seltsamer Auszug, voran drei Paukenschläger, die starr gevädeaus blickten. Hinter ihire.n im gemächlichen Schritt /ein mit reichgestickten Schätz racken geschmücktes Dromedar, auf dem sich auf und abwiegeüd ein "königlicher Herold saß. Dann zehn Krieger von des Königs Leibgarde, gewaltige Krummsäbel an der Seite, goldgleißendes Schild in der Linken, scharf zugespitzte Lanzen in der Rechten. Ihnen schlossen sich, von stolzen ägyptischen Rossen gezogen, zweirädrige Wagen an, der eine geschmückt mit einer goldenen/ Kugel, einem Abbild des Sonnenballs, der andere mit einer mattglänzenden, aus Silber getriebenen Rachbildung der Mondfcheide. Dem einen Wagen folgte eine Schar junger Sonnenpriester, die in eintönigem Rhythmus ein Lied /vom wärmenden und sengenden Sonnenstrahl saitgen. Hinter dem anderen schritt ein von Kops bis Fuß verhülltes Weib stumm einher. Den Zug schloß ein gewaltiger Lastwägen mit einem überlebensgroßen /Götzenbild. Sein Inneres war hohl. Durch die Fugen glitzerte der Schein einer Flamme/ Rur mit einem Lendenschurz bekleidete Gestalten öffneten von Zeit zu Zeit eine plumpe Bronzetüre, stvelche den Leib Lüs Götzenbildes deckte. Gewaltige Flammen züngelten heraus» Scheit aus Scheit warfen die Tempeldiener in die rote Glut. . BommBommBomm— ’ Dann rief der Herold: „Jericho in Rot —Sühne für die zürnenden Götter." * f Abermals drei dumpfe Paukenschläge. Chor der Sonnenpriester: „Ehamon Kuchte uns.gnädig". " Die PrieftevlN des Mondes aber nahm von dem Schleier, der sie umhüllte, einen Fetzen und bedeckte damit unter Tränen die blinkende Mondscheibe. wieder drei Paukenschläge. Einen Augenblick Pause, dann toller 'Trommelwirbel. Der Herold rief: //.'/. „Moloch '^ürnt. Sehet' es MänNer und Frauen, von Jericho.^ ' ' // ■/'/''" Auf //das '/Gößenbilö wäb unbemerktvon. der durch Trommelwirbel und Heröldsruf abgelenkten Menge ein Tempel fkläve' "geklettert,/ hatte ane kle.iüe diire an deb Schulter des Moloch 'geöffnet' 'und Wasser hiNeingegössen. Da'zischte /es und brauste es;' aus Dhren, Rase, Mund und Äugen'quoll pfeifender Dampf. „Moloch zürnt. Sehet es Männer und Frauen von Jericho. Rüstet Tuch, Väter und Mütter. Jericho in Not. Moloch, hungert. Bringet Eure.Kinder. Wer. Netzt Jericho? Wer bringt sün/'KaNd? , , , Im Namen des' Königs^ reicher Lohn asten, feie, 'Noloch sühnen." '/_/" ' ‘ Bomm — Bomm F- Bdüim!' Der Zug setzch seinen weg forch ' / "Z .r' ■ Auf' dir' SträA erhob stcb 'Tumultund" lautes Deinen, vor den Häusern rm Stäub unter/wiegenden schlanken Palmen spielten Kinder, 'Heine’ /Kanaan- Nnder mit dunklem Teints dazwischen manchesmal «uch hellblonde Knaben und Mädchen, Stlavenkinder» seren Eltern einst der stolze König von Jericho als Beute aus erfolgreichen Kriegen im Gstest'mitgeschleppt hatte. .Schreiend eilten' .die Mütter aus den zerfallem "eN Hütten und holten ihre Äissder, um sie irgendwo Zu verbergen. Der Ruf des Herolds hatte keinen Widerhall gefunden. Allzu oft schon hatte man im Ramen des j Moloch zu den Menschen gesprochen. Die Unzufriedenheit mehrte sich und machte sich'Luft. Soll doch der König selbst seine Liebe zu Jericho zeigen. Hat wahrlich -Kinder genug. Kann sehr gut einige entbehren. „Hast du gesehen das Weib, das hinter der Mondscheibe iMherschritt; das war die stolze, feile Rahab. Hast du gesehen? Nicht einmal ihren Anblick gönnt man uns. Diese Hofschranzen, dieser König,' vor dem sietKnzeN muß im wiegenden Schritt ihrer Wüstenheimats die haben verboten, daß sic ihr Antlitz der Menge ^zeigt. Ja, ja, unsere Kinder herzugeben, dafür sind' wir gut genug, aber Rahab entzieht man uns." „Und das geht jetzt so zu, drei Tage hintereinander. Ich. kenne das von früher her." Unterdessen war der Zug der Stadtmauer nahegekommen.-Da ertönte in fremder Sprache ein gellender Schrei. . „Vater, Mutter, hütet, berget' meine Brüder vor Moloch!" >; (Ein Tumult erhob sich. „Wer hat da etwas gegen den Moloch gerufen?" ■ II. . - ■! -; - ■ Die aber den Ruf aüsgestoßen hätte, das war Rahab gewesen. . ' '..Kaum war sie in ihrer Behausung angelangt, da warf sie sich weinend in ihre -Kissen. Sie schluchzte unaufhörlich. . .. Ganz anders hatte man es ihr an der Wiege gesungen. Das Pfeifen der Schakale und das ferne Brüllen junger Löwen war. ihr Schlummerlied gewesen. Einzige Tochter eines frei in der Wüste schweifenden, semitischen Beduinen wuchs sie verzärtelt empor, bis eines Tages ein Streifzug aus Jericho ihre Sippe überfiel und alles, Herde, Habe und Menschen nach Jericho schleppte. Das zierliche Kind fiel' auf durch feine Schönheit und Klugheit. Man übergab es der Priesterschaft des Mondes, auf daß sie Rahab zur willigen Dienerin und Tänzerin heranbilden sollte. Kaum war sie in das Iungmädchenalter getreten, da erlangte sie eine gewisse Berühmtheit. Bald wurde Rahab Mode. Es gab in den höchsten Kreisen von Jericho kaum eine Festlichkeit, zu der Rahab nicht geladen worden wäre, selbst am königlichen Hof mußte sie zu besonderen Gelegenheiten erscheinen. In den Pausen der orgiastischen Tänze unterhielt man sich wohl auch mit ihr. Sie überraschte durch ihre scharfe Beobachtungsgabe und ihre treffenden Antworten. Die schlaue Staatskunst des chamitifchen Königs wußte diese Eigenschaften in ihren'/Dienst zu stellest. Man eröffnete Rahab eiy privilegiertes Gasthaus in einem geräumigeir'Äaatshgup: an der Mauer; dort "wies man allen Fremden Gesandten Wohnung an und Rahab erhielt den', ge? messenen Auftrag, ihre '^Bespräche zu belauschen/ Um -jedoch' die7 Sache wirtschaftlicher zu gestaltest»/ sollte Rahäb ' bisse allgemeine Herberge eröffnen. pnh ‘ .alle, Fremden sollten geMten fein," bei ihr Wohnung zu nehmen. Rahab hatte eingewilligt, jedoch eine Bedingung daran geknüpft, daß ihre Eltern und Geschwister aus der Sklaverei losgekauft werden und in ihrer Nähe Wohnung erhalten .sollten.' Die Liebe zu den Ihrigen beherrschte ihr ganzes wesen. Auch das war ihr zu- ' geständest worden. j/ ' ' ' ' " (/ 'F Aber' sie wußte, daß .dem hungernden Mojoch'drq , fre'mdbürtigen Kinder geopfert ^würden. Man. -erwartete von den Schutzbefohlenen doppelt treue Hingabe für Jericho.' . Rahab fürchtete für ihre Brüder, für-die Kinder 1 ihrer Sippe. Darum hatte sie bei der Prozefsipn den Notruf aüsgestoßen. Zwar hatte ihre. Herberge Af^l-; recht und nur des Königs Boten hatten gegen ihren Willen Zutritt. Nicht einmal der Priester Macht konnte ihre Schwelle überschreiten. Aber wieFollte es werden,- - wenn dje Molochspfaffen»/denen die./verhältnismäßig ' selbständige Stellung Rahabs schon längst ein Dorn im Auge war, der Menge das Verlangen einroöeten, ■ es sollten doch einmal Königskinder dem Moloch gebracht werden» um dann im gegebenen 2lugenbllck die - Wut gegen die Fremdbürtigcn auszustacheln, wer sollte dann ihre Brüder schützen? > So -int Schluchzen und Grübeln war Rahab in t cittett Schlummer und in ein Träumen verfallen; da berührte eine Zofe ihre Schulter. , „Herrin, des Königs Sänfte wartet deiner." Jäh "fuhr Rahab empor. t Sie streifte in Eile das dunkle Gewand der i Priesterin äb und hüllte sich in das mit Silber und . Gold behangene Gewand der Tänzerin. Ein Schleier - aus fpinndwedartigem Stofs umhüllte ihr blondes - Haar. Ein goldener Reif befestigte ihn an der Rase, ein Diadem an dem blondgelockten Haupthaar. Glitzernder Armreif am nackten Arm, mit klingenden Schellen versehene Beinringe um beide Knöchel» ein Tamburin in die Hand, und die Täüzerin Rahab war bereit, dem Ruf des Königs zu folgen. Da, an der Schwelle des Hauses, wandte sie sich um und. rief ihrer Zofe: . . „Schnell die Priestergewänder in ein kleines Körbchen. Manchesmal, wenn die hohen Herren in Sorgen sind, verlangen sie den Totentanz der lebenfordernden Astaroth." / IH. Es ging hoch her im Königspalast Jerichos. Im halbdunklen Saal waren allenthalben müde Schalen aus lyrischem Glas augebracht, in welchem Dellichter mit mattem Knistern brannten. In großen Kübeln verbreiteten Balfamflauden zarte Düfte, die noch 'vermehrt wurden durch kleine Aloekernc, welche Sklaven von Zeit zu Zeit auf ein kleines Feuerbecken warfen. Die Stimmung war etwas gedrückt. In einer versteckten Rische sprach der Dbcrpricftcr des Moloch, die höchste geistliche Stelle in Jericho, eine dunkle, gedrungene Gestalt, mit einem Henkersgesicht» auf einen Greis ein» der eben feine Harfe stimmte. / „Achim-an» ich füge dir, besinne'dich wohl, was du heute singen willst. Der König ist übler Laune und mutlos." „Ich werde tun» Anok, wie du befiehlst." Ihr Gespräch würde unterbrochen von den Klängen einer rauschenden Musik. Der König hatte sein Gemach verlassen und wurde in einer Sänfte zu seinen Getreuen getragen. Hinter und vorder Sänfte ein Trupp der Leibgarde. Alles fiel zu Boden, auch / Anok; aber man merkte ihm an, wie unwillig er in die Kniee fiel. Dann wurde die Sänfte in der Mitte des Saales abgestellt und. mit" raschem Griff entfernten geschickte Sklavenhände. die vordere Hälfte der Sänfte. Der König,chatte sich cmporgerichtet und saß: nun hohcitspost, y)ie; auf einem. erhabenen Throne. - i - Lin;'p.osaunenstoß. . .Alles erhob sich, mit verschränkten-. Amen standen sie vor ihrem König. Der -erhob sich, ein gewastiger Mann, in wallendem schwarzen.Gewände, .umhüllt vom-Fell eines Löwen, dessen Haupt dräuend auf die Versammelten gerichtet war. Aufs Reu-e hatten alle das Haupt geneigt. Go verharrten ste, bis der König, sprach:, .„Wänner.von Jericho, ich gxüße Euch» Euch alle, die Priester, und die Krieger, meine Getreuen alle, auch die Balsamhändler, auch die Boten -von Äi und (Biheon. wir wollen Rates pflegen. -Aber zuerst soll uns Achiman, dep Alte, ein Lied singen, auf daß uns das Herz frqh.ünd der Kopf klar werde." , r Dann ließ der König sich nieder und alle begaben sich an die gegenüberliegende >Wand, wo,,qnf reichgefchnitztem Holzgesiühl Kissen und Teppiche -gebreitet lagen, -auf denen sie sich niedcrlicßcn. , Dann trat Achiman vor und stimmte feine Harfe. Er fang ein gewaltig Lied von dem Urahnen Kenaan, von seinem heißen Blut, von Rimroö, der einst die Kinder von Sem bezwungen; von Moloch sang er, dessen Anbetung ewiges Erbe der Kinder kenaans wurde, von fenem Zorn und seiner Güte. Da trat Anok vor und sprach bedächtig: „Und sein Wille walte in unserem Rate."