Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 49 (7.12.1933)
- Date
- 1933-12-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 49 Seite 7 7. Dezember 1933 weizmann über die Londoner Aonferenz. London, 1. DeZ. Die letzte Nummer des „Haolam" veröffentlicht ein Interview mit Dr. Chajim Weizmann über die Ergebnisse der Londoner Hilfskonferenz. Weizmann betonte, daß die Konferenz ihren Wert -schon dadurch in sich trage, daß sie zum ersten Male in der jüdischen Geschichte fast alle jüdischen Organisationen zu gemeinsamer praktischer Arbeit vereinigen konnte, obgleich natürlich keine Rede davon sein könne, daß die Führer der anderen Organisationen chre prinzipielle Einstellung gegenüber dem Zionismus irgendwie geändert hätten. Den anderen Gruppen liege hauptsächlich an einer momentanen Hilfe, während der Zionismus durch die Ausführung seines Programms etwas Dauerndes für das jüdische Volk schaffen wolle. Ueber die gegenwärtigen Einwanderungserschwerungen äußerte sich Weizmann mit starker Reserve. Er fürchte, so sagte er, daß schwere Zeiten bevorstehen, die verdoppelte Energie heraufbeschwören sollten. Auf die Frage ob Weizmann, auf der Londoner Konferenz wegen Erweiterung der Agency mit den anderen Organisaionen, insbesoridere mit der Agudas Jisroel verhandelt habe, antwortet er mit nein. Er habe zwar mit den Vertretern der Agudas Jisroel sich wiederholt unterhalten, jedoch nicht über Fragen, die mit der Jewish Agency im Zusammenhang stehen. Das bedeute aber nicht, daß er nicht beabsichtige, mit verschiedenen Organisationen in naher Zukunft zu verhandeln. Er werde das insbesondere jetzt bei feiner Reife nach Polen für den deutschen Rettungsfond tun und beabsichtioe dort auch mit der Agudas Jisroel zu verhandeln. Die Unterredung schloß mit der Versicherung, daß Weizmann nicht den Ehrgeiz habe, das deutsche Judenprobtem zu lösen, daß er sich aber insbesondere für die produktiven Elemente einsetzen wolle, die die Absicht hätten, sich im heiligen Lande niederzulassen. Finnland. Das finnländifche Parlament lehnt einen Schächtverbotsantrag ab. Helsingfors, 1. Dez. Die finnländifche Regierung hatte dem Parlament vor einiger Zeit einen vom Präsidenten der Republik Unterzeichneten Gesetzentwurf betreffend Verbot des jüdischen rituellen Schächtens aus Gründen des Tierschutzes unterbreitet. Der Oberrabbiner von Finnland, Dr. Simon Federbusch, und der Vorsitzende des Verbandes der finnländischen jüdischen Gemeinden, Herr Pergament, intervenierten bei der Regierung und bei den Führern der finnischen und schwedischen Parlamentsparteien, und es ge- D e r Isra eilt_ lang ihnen, diese Parteien und, mit Hilfe der Presse, die öffentliche Meinung Finnlands davon zu überzeugen, daß die in der Welt geführte Propaganda gegen das Schächten nichts mit dem Tierschutzprinzip zu tun hat; denn vom Standpunkt des Tierschutzes fei das Schächten eine humane Tötungsart, wie dies von höchsten wissenschaftlichen Kapazitäten dargelegt wurde. Die Professoren an der Universität Helsingfors, Tigersteds und Lassila schlossen sich dieser Meinung an. Als nun die Schächtfrage am 30. November wieder vor das Parlament kam, wurde mit 80 Proz. der Stimmen ein Gesetz angenommen, demzufolge das Schächten nach jüdischem Ritus als nicht tierquälerisch erlaubt wird. In der vorangegangenen Debatte hatten Deputierte aller Parteilager, auch der Rechten und der halbfaschistischen Lappo-Bewegung, gegen ein Verbot des Schächtens das Wort ergriffen. - Die Schächtfrage ist in Finnland seit 30 Jahren auf der Tagesordnung. Zu verschiedenen Zeiten war das Schächten verboten, dann wieder erlaubt worden. Man hofft, nach dieser letzten großen Auseinandersetzung werde die Schächtfrage definitiv im Sinne der jüdischen These erledigt sein. palöfNna. Die Beisetzung von Rabbi 211. RI. Epstein - Jerusalem, 3. Dez. Obgleich schon einige Zeitlang ernste Befürchtungen für das Leben des großen Thorafürsten gehegt werden mußten, wirkte die Kunde von seinem Heimgange niederschmetternd auf die orthodoxe Bevölkerung Jerusalems, die schon Tage zuvor für das kostbare Leben gebetet hatte. Schon vier Stunden nach dem Tode, der durch Anschlag in der ganzen Stadt bekannt gegeben wurde, fanden die Trauerfeierlichkeiten mit der anschließenden Bestattung statt. Um 2 Uhr nachmittags brachte man die irdische Hülle R. Mosche Mordechais auf den Platz vor dem Schaare Zedek-Hospital. Dichtgedrängt standen dort die Massen auf der Jaffastraße. Ein Polizeiaufgebot mit Pferden hielt die Ordnung aufrecht. Als erster beklagte Raw D u s ch i n s k i den Verlust mit erschütternder, vor Schmerz gebrochener Stimme. Die Bachurim der Hebron- Slabodkoer Jeschiwa trugen die Bahre und bildeten einen starken Kordon, um die Menge zurückzuh altem die sich an der nvna m'vi mxn beteiligen wollte. Auf dem Hofe der Talmud-Thora Ez Chajim fanden weitere Hespedim statt. Es'sprachen dort Raw Melzer, Raw Lau und die Rabbiner von Tel - Awiw und Petach T i k - wah sowie Raw Tukazinski Es dunkelte schon, als man im Hause der Hebroner Jeschiwa ankam, dort beklagten die Mitarbeiter den Gründer und Führer der Jeschiwa. Dann erst begann im Dunkeln der anstrengende Aufstieg zum vw'm in. Die Zeitungen widmen dem Heimgegangenen warme Nachrufe, in denen besonders auch feine Verbundenheit mit dem heiligen Lande betont wird. Raw Kuck konnte sich an der nid)t beteiligen; er befindet sich seines angegriffenen Gesundheitszustandes wegen auf dem Karmel bei Haifa. Sabbatschutz aus Rationalsondsboden. Jerusalem, 1. Dez. Wie die ITA. erfährt, hat das Direktorium des Jüdischen Nationalfonds beschlossen, in die Verträge mit den Siedlern, denen Nationalfondsboden zugeteilt wird, eine Klausel aufzunehmen, durch die den Siedlern die Einhaltung der Sabbatvorschriften zur Pflicht gemacht wird. Durch diesen- Beschluß wird einer besonders in letzter Zeit mit großem Nachdruck erhobenen Forderung des Misrachi entsprochen. Der Misrachi steht auf dem Standpunkt, daß der Sabbatschutz in allen Siedlungen, die auf Nationalfondsboden errichtet sind, und die Kaschruth in den aus nationalen Mitteln erhaltenen Arbeiterküchen gewährleistet sein müssen. Der Präsident des Misrachi-Weltverbandes Rabbi Meir Berlin erklärte vor einiger Zeit, der Misrachi werde die Einhaltung dieser Bedingungen in ultimativer Form vom Direktorium des Nationalfonds fordern und die weitere Mitarbeit seiner Mitglieder bei den Sammlungen für Keren Kajemeth und Keren Hajessod von der Erfüllung dieser Forderungen abhängig machen. Personalien. Berlin, 3. Dez. Am Donnerstag, den 5. Kislew begingen Moritz K n o l l e r und Frau die Feier ihrer Goldenen Hochzeit. Verbietet auch der bescheidene Sinn von Jubilar und Jubilarin das Hinaustragen familiärer Ereignisse in die Sphäre der Oeffentlichkeit, so ist andererseits Moritz Knoller so sehr Träger, ja fast Symbol der Adaß Jisroel-Gemeinde Berlin, daß sein Fest ein Fest der orthodoxen Gesanüheit ist, dem in diesem Organ eine kurze Notiz gewidmet sein mag. Daß die Adaß Jisroel-Gemeinde, der Knollers ganze Kraft und Hingebung seit Jahrzehnten gehört, durch Rabbiner und Vorstand, daß das Krankenheim der Adaß, vom Gründungstage an von Knoller vorbildlich betreut, durch die Verwaltung, daß die Chewra Kadischa der Adaß ihrem Führer und Senior durch alle ihre in corpore erschienenen Misaskim huldigten, ist ebenso selbstverständlich wie es natürlich ist, daß weit über den Kreis der Adaß Jisroel hinaus von allen Seiten dem Jubelpaar an seinem Ehrentag Liebe und Verehrung entgegengebracht wurden. Und dennoch war dieses Familienfest in erster Reihe ein Fest unserer Adaß Jisroel, ihre Freude und zugleich ein I DIE DIREKTE REISEROUTE NACH PALÄSTINA mit den großen Schnelldampfern „ IT A L I AtÄ 6500 To. und „Martha Washington“ ssoo io. via Triest-Brindisi durch den Kanal von Korinth ohne Schiffswechsei Fahrpreise ab Triest nach Jaffa o. Haifa I. Klasse RM. 410.— II. Klasse RM. 308.— III. Klasse RM. 123.20 inkl. Bett und Verpflegung, auf Wunsch rituelle Beköstigung Abfahrten von Triest wöchentlich Mittwoch, 13 Uhr Ankunft in Jaffa: Am folgenden Montag 6 Uhr vorm. Reisedauer Frankfurt—Jerusalem: 6 Tage Nähere Einzelheiten, Platzbelegungen usw. durch die Agentur des LLOYD TRIESTINO E Frankfurt am Main ♦ Kaiserstraße 20 Telefon 23754 - Telegr.-Adr. Triestino Frankfurtmain sowie alle bedeutenden Reisebüros l | Semmering Sanatorium r r r r r Streng rituell! Ganzjährig geöffnet! und Kurpension Villa Dr. Hecht 1040 m Leitung: J. Eisenberg. Leitender Arzt Dr, S. 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