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Der Israelit · 1933-11-30 · Heft 48 (30.11.1933) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 48 (30.11.1933)
Date
1933-11-30
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 Nr. 48 De r Israelit des Gebetes zu uns über und wir sind im Geiste im Kreise unserer Vorfahren, die am Rauschhaschonoh und Jomklppur dem Chasen lauschten, als er aus ihm im Namen der Gemeinde zu G'tt flehte?) Schechunaih „Lhapp." Eine wahre Geschichte aus dem heutigen Palästina. An der Peripherie Tel-Awiws liegt ein großes Stück Bauland, das ägyptischen Juden gehört, die den Boden bisher nicht ausgenützt haben. Eines Tages — besser gesagt eines Nachts — setzte in diesem stillen Winkel plötzlich gewaltiges, geräuschvolles Leben ein. Große Holzhütten werden errichtet, es wird geklopft und gehämmert, so daß man in den umliegenden Schechunoth keinen Augenblick Schlaf findet. Am nächsten Morgen sieht man das Wunder. Es war eine neue Siedlung entstanden: 350 Baracken für 400 Familien waren gebaut worden. Die neue Schechuna hatte nur einen kleinen Schönheitsfehler: die Ansiedler hatten vergessen, daß der Boden ihnen nicht gehörte; vergessen hatten sie es in Wahrheit nicht, aber sie waren der Ansicht, daß bei der herrschenden Wohnungsnot und dem unerhörten Mietwucher in Tel-Awiw die Bodeneigentümer nicht das Recht hätten, ihren Boden einfach liegen zu lassen, ohne ihn irgendwie zu nutzen. Sie wallen gerne Pacht zahlen, aber den Boden raumen wollen sie „niemals"!' Am letzten Sabbat fand schon eine Fremdenführung statt, bei der das neue Tel-Awiw-Wunder besichtigt wurde. Dabei brachten die Ansiedler zum Ausdruck, daß Ihnen der Raine „Schechunoth C h a p p " , den der Volksmund der neuen Siedlung nicht ohne Grund beigelegt hatte, nicht im mindesten gefalle. Sie hätten beschlossen, die Siedlung nach dem Namen des soeben verstorbenen Leo M o tz k i n zu nennen. Jetzt erwartet man die Vertreter der ägyptischen jüdischen Bodenbesitzer, die das zweifelhafte Vergnügen haben werden, einen Prozeß gegen die 400 Siedler der „Schechunoth Chapp" — Verzeihung: Motz - kin! — zu führen. ÖS' Korrespondenzen Nachrichten. Rumänien. Schwere Ausschreitungen in Jaffn. Jassy, 28. Nov. Die von der neuen Regierung verbotene „Eiserne Garde" kühlte ihr Mütchen im Judenviertel zu I a s i y. Führend waren dabei etwa 2000 Studenten, die erst versucht hatten, ihre Kommilitonen, die im Studentenheim von der Polizei blockiert waren, zu befreien und dann ins Judenviertel zogen, um sich dort für den Mißerfolg schadlos zu halten. Etwa 200 jüdische Eeschäfts- und Wohnhäuser wurden ausgeplündert und viele Juden mißhandelt. Die einschreitende Polizei wurde tätlich angegriffen, wobei sogar ein Staatsanwalt aus dem Auto gerissen und schwer mißhandelt wurde. Ms Militära b t e i l u n g e n der Polizei zu .Hilfe kamen, entwickelte, sich eine regelrechte Straßenschlacht im jüdischen Viertel, bei der drei Mitglieder der „Eisernen Garde" erschossen und zahlreiche schwer verletzt wurden. Im Verlaufe der weiteren Unruhen wurde auch ein Jude getötet. Die, Tatsache, daß auch das Haus des Staatssekretärs im Innenministerium, Diamandi, demoliert wurde, läßt die Ausschreitungen als offenen Aufruhr gegen die herrschende Macht erscheinen. Polen. Streik in der jüdischen liebilla. Warschau, 28. Nov. Lohndifferenzen führten zu einem wilden Streik der Kehillo-Veayrten, der nun zu Tumulten führte, gegen die die Polizei einschreiten mußte. Es kam sogar zu Ausschreitungen auf der Kanzlei des Friedhofes gegen arbeitswillige Beainte. Als mehrere der Streikftchrer verhaftet wurden, wurden die anderen noch zu fchärfereiu Vorgehen veranlaßt. Sie wurden befreit, aber die Lage bleibt, da die Kehillaoerwaltung auf die Forderungen der Beamten nicht eingehen kann, nach wie vor *) Das Museum ist Samstag und Sonntag von 11—13 Uhr geöffnet. Für nähere Auskunft steht Felix Perle, Breslau 6, Striegauerstr. 2, jederzeit zur Verfügung. gespannt. Tragisch bei der ganzen Sache ist, daß beide Parteien recht haben. Es wird das Recht der Beamten auf pünktliche Auszahlung ihrer Gehälter in ausreichendem Maße nicht bestritten, aber mit gleichem Rechte kann sich die Gemeinde auf ihre traurige Finanzlage berufen und auf die Unmöglichkeit, bei der jammervollen Krisis in der Bevölkerung die Steuerschraube noch fester anzuziehen. Sitzung des Zentralrates der Paale Agudas Jisroel in palen. Warschau, 23. Rov. Am letzten Sonntag fand in Lodz die erste Sitzung des 3 e n t r n ft at e s d er PoaIe Agudas IIsrael in Polen nach seiner Bestellung auf der letzten Landeskonferenz statt. Zirka 50 Ratsmitglieder nahmen an der Sitzung teil. Rach ergreifenden Nachrufen auf Ehofez Chafim und Lubliner Raw üirb an die Wahlen geschritten, wobei Herr L. Fromm, Otwozk, als Vorsitzender gewählt wird. In seinem ausführlichen Referat über den Stand der Bewegung bespricht Herr F. Lande nberg alle Schwierigkeiten, die die Exekutive bei der Verlegung der Zentrale nach Lodz zu überwinden hatte. Es wurden spezielle Propagandabüros für Ost- und Westgalizien, wie für die Randgebiete eröffnet und Verhandlungen mit allen verwandten Organisationen geführt. Für die Organisierung des AlIwel 1 lichen P v a l e A g n d a s I i s r o e l - Ve r b a n d e s , der Polen, Oesterreich, Tschechoslovakei, Belgien, Holland, Erez Jisroel, Amerika und Kanada umfassen so!!, sind alle Vorbereitungen getroffen worden. Es werden noch Referate gehalten von I. Zederbau in über „Unsere Stellung zur Agnda und ihren Instanzen", I. Deutsch über „Orthodoxe Vermittlungsbüros für Arbeiter und Kaufleute". Die Verhältnisse gerade in Lodz, wo „sogar orthodoxe (?) Fabrikanten ihre jüdischen Arbeiter zur Arbeit am Rosch Haschonoh und Jom Kippur zur Arbeit zwangen" und ähnliche Skandale, die die frommen Arbeiter aus den Betrieben hinansekeln, drängen zur Schaffung einer solchen Vermittlungsstelle. Der Nachmittag brachte ein Referat des Herrn Landenberg über dis Arbeiten in Erez Jisroel, wobei besonders die Fragen der Zertifikate und der Hachfcha?ahfarmen berührt wurden. Ein anderes Referat befaßt sich mit der Schaffung von Jugendgruppen. Eine rege Diskussion über die Referate und Anregungen nahm eine ganze Nacht in Anspruch, wobei von Direktor P. Lemin noch eingehend über die Arbeiten des K e r e n H a j i - f ch u w referiert wurde. Rach Annahme verschiedener Resolutionen wurde die Sitzung erst gegen Morgen zu Ende geführt. Scharfe Entschließung der Aguda-Exekutive in polen. Warschau, 26. Nov. ' In Warschau fand eine außerordentliche Sitzung des Waad Hapoel der Agudazentrale statt. Gegenstand der Beratung bildeten die von der Palästina-Regierung in jüngster Zeit ergriffenen Maßnahmen zur Einschränkung der Alijah nach Erez Israel. Der Waad Hapoel stellte fest, daß es sich hier um eine den Klal Jisroel betreffende Angelegenheit handelt und brachte in einer scharfen Entschließung seinen Protest gegen die Einwanderungseinschränkung zum Ausdruck. Die Protestresolution wurde der englischen Regierung und dem High Commissioner von Palästina zugesandt. Der Waad Hapoel hat ferner beschlossen, alle Aguda-Organisationen in den größeren Städten auszusordern, Protestversammlungen abzuhalten und die gefaßten Resolutionen den verantwortlichen Stellen dre Mandatarmacht zuzusenden. Die Vertreter der Aguda in den Geineindevorstünden wurden ausgesordert, bei der Fassung von Protestbeschlüssen der Gemeinden gegen die Einwanderungsbcschränkung mitzuwirken. Eine Sefer Thora auf den Namen des Ehofez Ehajim. Wilna, 23. Nov. Eine Konferenz des Waad Hajefchiwoth unter Vorsitz von Rabbi Ehajim Oser Grodzenski beriet über die Mittel und Wege, die Jefchiwoth im Randgebiete vor dem Untergang zu retten. Es war die erste Sitzung nach dem Heimgange des Ehofez Ehajim der den Waad Hajefchiwoth ins Leben gerufen hatte, und so stand die Sitzung ganz im Zeichen feines Geistes. Es 30. November 1933 wurde beschlossen, all die von Ehofez Ehajim seinerzeit getroffenen Bestimmungen über die Pflicht zur Unterstützung der Jefchiwoth durch Selbstbesteuerung den Gemeinden wieder in Erinnerung zu rufen. Außerdem wurde beschlossen, eine Sefer Thora des Klall Jisroel zum Andenken an den Ehofez Ehajim schreiben zu lassen. Der Sitzung schlossen sich Tcauerkundgebungen in der großen Wilnaer Schul an. ' - Tfchecho-Slowakei. Die staatlichen Zuschüsse für den jüdischen Kultus. Prag, 9. Rov. In der letzten Sitzung des tschechoslovakischen Parlaments wurde das Budget behandelt. Das Budget des Schulministerium sieht eine Dotierung von Kc 1 792 800 für. den jüdischen Kultus (hu Vorjahre 1 808 000) insgesamt vor. Die Subvention für den Obersten Rat der jüdischen Gemeinden in Böhmen, Mähren und Schlesien werden von Kc 70 000 auf Kc 50 000, die für die orthodoxe Z o ii t r a I k a n z I o i in Bratislava (Preßburg) von Kc 99 000 auf Kc 60 000 herabgesetzt. Im vorjährigen Budget waren noch für die orthodoxe Zentralkanzlei Karpathorußlands Kc 1000 angesetzt. Da diese Kanzlei nicht mehr existiert, wurde nun dieser Posten gestrichen. In Böhmen, Mähren und Schlesien sind an Personalbeiträgen für die Gemeinden Kc 944 700. (im Vorjahre Kc 938 000), in der Slooakei Kc 631 900 (Kc 590 200), in Karpathorußland Kc 105 000 (Kc 109 800) augesetzt. Griechenland. Starker Eindruck der Vorgänge in Palästina auf die Juden Salonikis. Saloniki, 22. Nöo. Die von der Palästina-Regierung ergriffenen Maßnahmen zur Einschränkung der jüdischen Einwanderung, insbesondere die Razzien auf Touristen, die ihre Aufenlhaltssrist überschritten haben, haben unter der jüdischen Bevölkerung Salonikis starke Erregung ausgelöst. Man fürchtet, daß zahlreiche Juden aus Saloniki, die in letzter Zeit nach Palästina ausgewandert sind, von den Maßnahmen betroffen werden könnten. (ITA.) Jomkippur kein allgemeiner Staatsfeiertag in Saloniki. Athen, 27. Nov. Im griechischen Senat richtete der oppositionelle . Abgeordnete von Saloniki M a o r o g o rd a t o s eine Anfrage an die Regierung betreffend das Negierungsdekretz durch das alle Bürger von Saloniki verpflichtet wurden, ihre Geschäfte am Jom Kippur zu schließen, und den Vorschlag des Generalgouverneurs von Mazedonien/ Dragoumis, dieses Dekret zu annullieren. Namens der Regierung erklärte der Volksw i r t s ch a s t s m i n i st e r , auf Grund der Vorschläge des Generalgvuverncurs sei ein neues Dekret erlaffein worden, durch das die Verpflichtung, die Geschäfte am Jom Kippur zu schließen, auf die j ü d i s ch e n B ü r g e r von Saloniki beschränkt wird. England. Aus der Sitzung des Board of Deputier. London, 21. Nov. Im Mittelpunkte der Verhandlungen des Board stand die P a l ä st i n a f r a g e. L. Landau kritisierte scharf die letzten englischen Maßnahmen gegen die. Einwandorung in Palästina, während Leonhard Stein behauptete, es handele sich nicht um eine Erschwerung der Einwanderung, sondern nur um eine Einschränkung des Touristenverkehrs. Lazarus meinte, die Bestimmungen seien trotzdem eine schwere Bedrohung der Eosamtlage in Palästina. P. H o r o v i tz weist darauf hin, daß die Verordnungen nur die jüdische Einwanderung treffen. Dr. F e l d m a n n erstattet einen Bericht des Paläst i n a k o m i 1e e s. Dieser schließt auch einen Bericht von Henrietta S z o l d über die christliche Misst o n s a r b e i t in Palästina ein. Es könne schätzungsweise mit einer Zahl von 800 Kindern gerechnet werden, die die Missionsschulen besuchen. Nach den An-' ruhen 1929 hatte die Zahl der jüdischen Missionsschüler abgenommen, während sie jetzt wieder stark zunimmt. Zwei Drittel dieser Schülerzahl entfallen auf Jerusalem. Nur in Haifa sei die Zahl der Kinder in den

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