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Der Israelit · 1933-11-30 · Heft 48 (30.11.1933) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 48 (30.11.1933)
Date
1933-11-30
Page
– (sequence 11)
Language
German
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30. November 1933 Der Israelit Nr. 48 Seite 11 Missionsschulen von 125 auf 50 zurückgegangen. Bemerkt sei, daß zu diesen Schulen nicht allein die ausgesprochenen Missionsschulen, sondern auch alle Schulen christlichen Charakters gezählt werden, auch wenn sie keine direkten Belehrungsmethoden verfolgen. Wenn die Kinder ohne Kenntnis der jüdischen Lehre in solcher Umgebung aufwachsen, so unterliegen sie leicht dem Einslus; der Kirche auch ohne direkte Missionstätigkeit der Schule, Henriette Szold begründet dieses Uebel zum Teil auch mit der Unzulänglichkeit des jüdischen Schulwerks in Palästina. 'Nicht alle positiven und konstruktiven. Mittel, durch die allein die Seeleufangerei bekämpft werden könne, sind ergriffen und ausgenuht worden. Das Palästinakomitee des Board of Deputies empfiehlt den Bericht der Miß Szold zur eingehenden Beachtung. (Giefyc Wochenrundschau). Den Bericht des Joint Foreign Committee erstattet Leonhard D. M o n t e f i o r e, wobei er auch von den 'Arbeiten der Jüdischen Hilfskonfer e n z spricht. Auch der Präsident Neville L a s k i betont, daß ihm in vielen Zuschriften bestätigt werde, das; die Hilsskonferenz ein voller Erfolg war. Israel Lohen' stellt nochmals fest, datz die Hilfskonferenz sich mit der politischen Seite des Problems nicht besaßt habe. Der Erfolg wird von der Antwort abhängen, die die jüdische Gemeinschaft auf den von der Konferenz an sie gerichteten Appell geben wird. Der unschätzbare Wert der Konferenz läge darin, daß zum ersten Male alle Teile der Judenheit sich an einem Tische zur Verhandlung zusammcngefunden hätten. ValsMna. Die Einschränkung der Palästinaeinwanderung. Jerusalem, 23. Nov. Die Einschränkung der Einwanderung nach Palästina bedeutet einen Schlag für die Juden der Orientländer, deren Streben nach Palästina infolge der Verschlechterung ihrer wirtschaftlichen Lage immer stärker wird. Etwa 150 jüdische Familien aus Buchara befinden sich unterwegs in Mefched, Afghanistan, und warten dort aus Palästina- Zertifikate. Die Jerusalemer Gemeinde der Buchara-Juden hat sich bis jetzt vergebens bemüht, für sie Visen zu beschaffen. — Die Gemeinde der kurdischen Juden hat der Jewish Agency ein Memorandum unterbreitet, in dem sie um 1000 Einwanderungszertifikate für Juden in Kurdestan ersucht, wo sich die wirtschaftliche Lage immer mehr verschlechtert. — „Felestin" teilt mit, daß mehrere Juden, die ohne Pässe die Grenze von Syrien nach Palästina zu überschreiten versuchten, verhaftet und nach Beirut gebracht wurden, von wo sie dann ausgewiesen werden. Willkür und Planlosigkeit bei den Razzien in Palästina. Jerusalem, 24. Nov. Es mehren sich die Fälle, in denen seit vielen Jahren in Palästina ansässige Juden von den völlig planlos und willkürlich vorgehenden Beamten angehalten und zum Nachweis ihres Aufenthaltsrechks an geh alten werden. So wurde auch der Sekretär der Kulturkommission der allgemeinen jüdischen Arbeiterorganisation Palästinas, Jehuda Schemoni, der seit 12 Jahren im Lande wohnt, unter dem Verdacht verhaftet, illegal eingewandert zu sein. Er wurde von dem mit der Ausforschung der über gewährte Frist hinaus im Lande verbliebenen Touristen beauftragten Polizeibeamten verhört und nach Feststellung seiner Identität freigelassen. Es macht sich bereits die demoralisierende Wirkung des von der Polizei eingeführten P r ä m i e n f y st e m s für die Ergreifung von Personen, die sich ohne Erlaubnis im Lande aufhalten, bemerkbar. Unter der armen orientalisch-jüdischen Bevölkerung finden sich einzelne, die der Polizei gegen eine Belohnung von 1 bis 2 Schilling unerlaubt im Lande sich aufhaltende Juden namhaft machen. * * Jerusalem, 25. Nov. Der der Jüdischen Telegraphen-Agentur übergebene Bericht von fünf Juden aus dem Irak gibt ein anschauliches Bild davon, wie die. Razzien auf Touristen in Jerusalem durchgesührt werden. Die fünf Juden wurden von der Straße weg zum Polizeirevier gebracht, wo man von ihnen die Vorlage ihrer Pässe verlangte, da sie verdächtig seien, sich im Lande ohne Erlaubnis aufzuhalten. Von den Angeklagten konnten vier Nachweisen, daß sie die Erlaubnis zum dauernden Aufenthalt haben und zum Teil bereits feit sieben Jahren im Lande ansässig sind. Der fünfte war sogar ein im Lande selbst geborener Jude. Wie wahllos Juden in Jerusalem angehaltcn werden, ist daraus zu ersehen, datz einer der fünf zur Ausweisleistung aufgeforderten Juden feinen Laden unmittelbar neben dem Polizeirevier hat. Selbstverständlich wurden die fünf irakischen Juden unter Entschuldigungen freigelassen. Aohnlicho Fälle ereignen sich tagtäglich. Reine Beteiligung palästinensischer Deutscher an den arabischen Kundgebungen. I e r u s a l e m , 26. Nov. Der deutsche Generalkonsul in Jerusalem Wolfs tritt in einem Brief an die arabische Tageszeitung „Feiestin" den arabischen Pressemeldungen entgegen, denen zufolge in Jaffa und Haifa lebende christliche Deutsche an den Araberunruhen aiu 27. und 28. Oktober teilgenommen haben sollen. Generalkonsul Wolfs erklärt, daß diese Berichte kein wahres Wort enthalten. Die Deutschen Palästinas legen Wert darauf, bor der breitesten Oeffentlichkeit festzustellen, daß sie während der letzteil Unruhen strengste Neutralität eingehalten haben. Silke Trauerkuudgebung in Jerusalem. Jerusalem, 27. Nov. Am Donnerstag .hielt Oberrabbiner Dufchiufki in seinem Beshamidrasch vor vollbesetztem Hause einen ergreifenden Hesped aus den Lubliner Naw Er nahm in seinem zweistündigen Vort.ag auch Veranlassung über den alten C h i n n u ch zu sprechen und auf die vour neuen Geiste gefährdeten Jeschiwoth und Talmud Thora- Schulen. Mit bewegten Worten sprach er von der trostlosen Lage der Thoragelehrten in der heiligen Stadl, die die eigentlichen Opfer der wirtschaftlichen Krise in Europa und Amerika sind, ohne daß ihnen im Lande selbst von irgend einer Seite Hilfe wird. Jum Schluffe wies der Herr Oberrabbiner auf die vitale Notwendigkeit hin, die unabhängige Orthodoxie in Palästina und Jerusalem zu erhalten und zu stärken. Protestversammlungen in Palästina. Jerusalem, 22. Nov. In Jerusalem und anderen Städten fanden mehrere massenhaft besuchte Versammlungen statt, in denen Redner aller jüdischen Parteien und Richtungen des Jifchuw gegen die Einwanderungspolitik der Palästina-Regierung protestierten und dieser Politik schärfsten Kampf ansagten. Die voll der Negierung in der Einwanderungssrage befolgten Richtlinien wurden als eklatante Verletzungen des Mandats bezeichnet. Die Redner alter Parteien traten für innerjüdischen Burgfrieden ein, damit der Kampf gegen die englische Palästina-Politik mit vereinten Kräften geführt werden könne. Es kam nirgends zu irgendwelchen Ruhestörungen. Weitere Kundgebungen im ganzen Lande find angesagt. (ITA.) Die neue Zertifikatverteilung. Jerusalem, 22. Nov. Für den Zeitraum von Oktober 1933 bis März 1934 find bekanntlich insgesamt 5500 Zertifikate einschließlich der bereits im Voraus abgegebenen 2000 und der 500 Refervezertifitate bewilligt worden. Von den reftiercndcn 3000 ist beschlossen worden, einstweilen 2500 auszugeben und zwar für alle Länder zusammen: für Ehalnzim 1100, für Verwandte 535, für Handwirtcr und Fachleute 865. Angesichts der dürftigen Zahl von Zertifikaten, die überhaupt zur Verfügung stehen, konnten für Verwandte nicht mehr als die angegebene Ziffer bewilligt werden. In erster Linie werden daraus solche .Verwandte berücksichtigt werden, die schon eine Bewilligung bei der vorigen Periode erhalten hatten und nicht einreisen konnten. Außerdem werden Verwandtenzertisikate nur in Ausnahmefällen bewilligt werden, wenn es sich um die Vervollständigung einer Familie handelt, das heißt, wenn eine Familie auf Grund einer'anderen Kategorie der Schedule (z. B. als Kapitalist, Fachleute usw.) ein Einreisevisum erhalten hat und cs fehlt noch ein Zertifikat für einen Sohn oder eine Tochter, damit die Familie zusammen reisen kann. Misrachi und die zionistischen Fonds. Jerusalem, 16. Nov. Das Zentralbüro der Misrachi veröffentlicht eine Bekanntmachung, in der gegenüber manchen Mißverständnissen seine Haltung gegenüber den zionistischen Fonds festgelegt wird. Was den N a t i o n a! f o n d s betrifft, so stehe dieser Fond unter unparteiischer Verwaltung und der Misrachi habe zwei Vertreter, Rabbi Meir Berlin und Hermann Struck, im Direktorium. Jedoch sei noch immer Die Forderung des Misrachi unerfüllt, daß in den Verträgen zwischen denr Nationalfonds und den Ansiedlern als Bedingung für die Gültigkeit des Vertrages die Forderung der Sabbathbeobachtung und des Verbotes der Arbeit in Feld und Weinberg an Sabbathen und Feiertagen festgelegt werde. Der Misrachi verlange zur endgültigen Regelung und Beschlußfassung über diese Forderung eine Sitzung des Direktoriums innerhalb eines Monats. Bis dahin werben die Misrachisten weiter für den Nationalfond arbeiten. Gegenüber dem Keren H a \ e } f o b fei, abgesehen „von religiösen Forderungen und Bedenken", die Tatsache zu betonen, daß dieser Fond von der gegenwärtigen zionistischen Exekutive, d. h. von einer ausschließlich linksparteiischen Stelle vermaltet werde, der der Misrachi keinerlei 'Vertrauen entgegenbringe. Trotzdein verbiete der Misrachi n i e m a n d e n , f ü r den K e r e n Hajes so d zu spenden. Aber ec lehne es ab. eine aktive Propaganda dafür zu treiben und verlange, daß sich seine Anhänger in allen Ländern ans den zentralen örtlichen Verwaltungsstellen des Keren Hajeffod zurückziehcn. Was das neugeschaffene „M i f a I A r l v s o r o w" betrifft, so sei dies ein reines Parteiunternehnren der Linken und es fei Misrachisten nicht gestattet, es finanziell zu unterstützen. Eine neue religiöse Schule in Tel-2lwiw. T c I - A w i w , 23. Nov. In der neu gegründeten religiösen Schule „Moriah" wurde mit dem Unterricht am 22. Oktober begonnen. Die Gründung der Schule entspricht den immer dringender werdenden Wünschen weiter Kreise der Bevölkerung Tel- Awiws, welche durch mancherlei traurige Verfallserscheinungen im religiösen Leben dieser Stadt in steigende Bosorgnis versetzt sind. Die neue Schule will die Jugend zu bewußt thoratreuen, im Lande verwurzelten Menschen erziehen und so das ihrige zur Stärkung des überlieferten Judentums iin neuen Jischuw beitragen. Der Unterricht in den jüdischen und profanen Disziplinen erfolgt nach modernen pädagogischen Methoden. Die Erfahrungen, die das thoratreue Schulwesen in Europa, insbesondere in Deutschland, im Lause der Jahre gesammelt hat, füllen, angepaßt den besonderen Verhältnissen und Bedürfnissen in Erez Esraci, weitgehend verwertet werden. Die Unterrichtssprache ist h e b r ä i s ch. Für neueingewanderte Schüler, die der hebräischen Umgangssprache noch nicht mächtig sind, wurden besondere Hiiskurse und Förderklassen eingerichtet. Um die individuelle Gestaltung des Unterrichts zu gewährleisten, kann in jede Klasse nur eine beschränkte Anzahl von Schülern ausgenommen werden. Es empfiehlt sich daher, die Anmeldung von neuen Schülern und Schülerinnen so bald wie möglich vorzunehmen. Zuschriften sind an die Leitung der Schule „Mormh", Tel-Awiw, Allenbystr. 92, Hans ,,Jafha Haifoz", zu richten, die auch 311 jeder näheren Auskunft gerne bereit ist. Süd Amerika Antisemitische Ausschreitungen in Cuba. Havanna, 28. Nov. Im Lause der pvlitischen Wirren nahmen die Dinge ganz plötzlich auch eine Spitze gegen die Juden an. Zünftige Hetzer streuten aus, die Juden würden die Gegner der herrschenden Macht unterstützen, worauf Militärpatrouillen Haussuchungen im Judenviertel abhielten. Diesen folgten auch Plünderungen in jüdischen Geschäften und Wohnungen. Viele Juden wurden schwer mißhandelt und konnten sich nur durch große Geldsummen vor dem Tode retten. In der Vorstadt B u e n a v i st e r verlangt die Bevölkerung in einer Petition die Ausweisung aller, jüdischen Kauslcute. Der G e n e r a l a d j u d a n t der cubanischen Armee, B e I a s c 0 , versprach zwar dem Rechtsausfchuß der jüdischen Gemeinde in Havanna seinen Schutz, eine Wirkung dieses Versprechens ist aber leider noch nicht zu beobachten.

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