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Der Israelit · 1933-11-30 · Heft 48 (30.11.1933) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 48 (30.11.1933)
Date
1933-11-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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De r Israelit Nr. 48 Seite 5 30. November 1933 Roimpöttdetuuti * ri»Kbricbten. DeNSfches Reich. Reichsvertretung unö Berliner Jüdische Gemeinde. Berlin, 28. 91.oo. Die Polemik, die seit Wochen von dem zionistischen Repräsentanten Dr. Moses gegen die Liberalen und insbesondere ggeen Bruno Woyda, den Gründer der sogenannten „Deutsch-jüdischen Erneuerungsbewegung", geführt wird, hat Anlaß zu einer feierlichen Sitzung der Repräseniantenversammlung gegeben, in der der Gemeindevorstand eine längere Erklärung über seine Stellung zur Reichsvertretung abgad. Diese werde vom Gemeindeoorstand rückhaltlos anerkannt und gestützt, wobei der Gemeindevorstand jedoch der Meinung Ausdruck geben müsse, daß die wesentlichste Aufgabe der Reichsvertretung nicht die Förderung der Auswanderung und der Palästina-Anfiedlung sei, sondern die Erhaltung und der Wiederaufbau des deutschen Judentums, die Neugestaltung von Existenzen durch Berufsumschichtung und zeitgemäße Ausbildung der Jugend. .Die von Dr. Moses ausgestellte Behauptung, daß die Mehrheit der Berliner Juden zionistisch gesinnt sei und daher nicht mehr hinter der liberalen Mehrheit des derzeitigen Eemeindeoorstandes stehe, b e st r e i t e t der Vorstand und lehnt es jedenfalls ab, vorzeitige Neuwahlen vornehmen zu lassen. In der Debatte gab interessanterweise der von der Mehrheit seiner Parteigenossen abgesägte Dir. Georg Karesli eine Erklärung für die. Volkspartei ab, die dem Mißtrauen gegen die gleiche Reichsvertretung Ausdruck verleiht, in der die Mehrheit der zioni'tschen Voltspartei eine führende Stellung einnimmt. Alsdann kamen die eigentlichen Streitgegner, Dr. Moses und Bruno Woyda, zu Wort, während der Vorsitzende der liberalen Fraktion, Dr. Kurt Fleischer, und der liberale Vorsitzende der Nepräsentantenversammlung, Heinrich Stern, zu vermitteln suchten. Die Sitzung schloß mit einer Erklärung des Gemeindevorsitzenden, Dir. Stahl, die ebenfalls zur Einigkeit mahnte, es jedoch ablehnte, sich von den liberalen Freunden zu distanzieren. (Zum Verständnis der in dieser Sitzung zutage getretenen Gegensätze verweisen wir aus die Wochenrundschau in der heutigen Nummer „Deutsch-jüdische Spektralanalyse". Red.) Germanische und jüdische Forscher. Berlin, 25. Nov. Im großen Hörsaal des Chemischen Instituts in Berlin sprach der vor kurzem berufene Präsident der Physikalisch-Technischen Neichsanstalt, Professor Dr. Johannes Stärk, über das Thema: „Die nationalen Aufgaben der Wissenschaft". Der germanisch e E e i st strebe nach objektiver Wahrheit. Er sei für die Feststellung des ursächlichen und gesetzmäßigen Zusammenhanges der Dinge besonders befähigt. F a st alle großen Forscher seien Ge tm anen , ja, diese seien die eigentlichen Schöpfer der Naturwissenschaften, insbesondere der Physik. Demgegenüber sei der jüdische G e i st nicht a u f d i e Sache, sondern au f das Ich eingestellt. Er neige zur Bildung von Theorien und zur Dogmatik. Während der Germane sich m i t d c r F e st st e l l u ng b e g n ü g e, 1 r e i b e d e r I u d e Propaganda für seine Lehre. Das wirke sich auch in der Wissenschaft aus. Er wolle dis Verdienste jüdischer Forscher nicht herabsetzen. Viele von ihnen Hätten wertvolle Arbeit geleistet, solange sie nur nach germanischer Art im Hinblick auf die Sache gearbeitet hätten. Aber während der letzten drei Jahrzehnte insbesondere habe in der Physik und Mathematik der jüdische Geist seinen dogmatischen^ Stempel aufgedrückt. Der Exponent sei Einstein. Es liegt hier ein nrerkwürdiger Widerspruch vor. Aus der einen Seite betont man mit aller Schärfe, und nicht ohne Berechtigung, daß auch Wissenschaft und Kunst sich vorbehaltlos in den Dienst der national und rassisch bestimmten obersten Werte zu stellen hätten und nicht etwa Selbstwerte seien, auf der anderen Seite sucht man die dem Objekt hingegebene Sachlichkeit der Wahrheitsforfchung zum Eh.enprivileg einer bestimmten Rasse zu machen, die zufällig die eigene ist. Die Woche. Frankfurt a. IR. In der Offenbacher Lederfabrik I. Mayer u. Sohn A. G. hatte sich ein Herr unter Verheimlichung seiner jüdischen Abstammung zum „Beauftragten für die nationalsozialistische Bewegung" ernennen lassen. Das Sondergericht in Darmstadt bestrafte ihn mit zwei Monaten Gefängnis. Berlin. Durch eine.Verordnung vom 13. November werden für das Amt eines Schöffen oder Geschworenen Nichtarier und volksfeindliche Personen ausgeschlossen. — Der Reichs ausschuß der jüdischen Jugendoerbände Deutschlands wählte Dr. Friedrich Brodnitz an Stelle des verstorbenen Dr. Ludwig Tietz zum Vorsitzenden. Hamburg. Auf Einladung der Londoner Universität wird die Kulturwissenschaftliche Bibliothek Marburg Anfang Dezember (vorläufig für drei Jahre) nach London verlegt werden. Lübeck. In einem von der Stadt Lübeck mit dem Behördenangestelltenverband abgeschlossenen Tarifvertrag wird festgesetzt, daß Nichturi er in den Staatsbetrieben Lübecks nicht angestellt werden dürfen. London. Auf der in London eröffneten Messe des Britischen Reiches wurde ein P a l ä st i n a st a n d errichtet, auf dem die landwirtschaftlichen, industriellen und künstlerischen Produkte Palästinas zur Ausstellung und zum Verkauf gelangen. — Der wachsende Gegensatz zwischen der antisemitischen Gruppe der Imperial Fascists und der nichtantisemitischen Faschistenpartei Sir Oswald M o s l e y s hat in London zu einem blutigen Zusammenstoß zwischen den beiden Parteien geführt. Anhänger Mosleys versuchten, eme Versammlung der Imperial-Faschisten zu sprengen. Es kam zu einem offenen Kampf, in dem sich die Gegner mit Stühlen und Bänken bewarfen. Zehn Personen wurden bis zur Bewußtlosigkeit mißhandelt. — Das Londoner Jews College veranstaltete eine Reihe öffentlicher Vorlesungen, die von früher in Deutschland ansässigen jüdischen Gelehrten gehalten werden. Ein Zyklus von Dr. Julius B r u tzk u s behandelt die „Chazarischen Juden". Dr. Simon Dawidowicz spricht über „Metaphysik des Maimonides", Dr. S. Birnbaum über „Eigenart und Geschichte der jiddischen Sprache". — Die zionistische Presse brachte Huldigungsartikel „zum 60. Geburtstag von Chajim Weizmann". Demgegenüber erklärt Weizmann, daß die Zeitungen um ein ganzes Jahr den Ereignissen vorauseilen, er habe erst das 59. Lebensjahr beendet. Rom. Das Organ des Vatikans, „Osservatore Romano" bringt in Anknüpfung an eine Schilderung der letzten Ereignisse in Palästina einen bedeutsamen Artikel, in dem für eine j ü d i s charabische V e r st ä n ü i g u n g auf der Basis der Arbeit eingetreten wird. Jerusalem. Der Prozeß gegen die arabischen Unruhestifter hat am 27. November begonnen. Die für diesen Tag von der arabischen Exekutive ausgegebene S t r e i k p a r o l e ist, mit Ausnahme von einigen leisen Versuchen in der Altstadt Jerusalems, nirgends befolgt worden. — Arabischen Zeitungsmeldungen zufolge sollen in drei Monaten in ganz Palästina Gemeindowahlen durchgeführt werden. Von amtlicher Seite wird erklärt, daß diese Meldungen verfrüht sind und daß Mitteilungen über den genauen Zeitpunkt der Wahlen noch nicht gemacht werden können. Ebensowenig läßt sich die Behauptung, fast alle großen Forscher seien Germanen, mit der anderen vereinbaren, der jüdische Geist habe seit 30- Jahren der Physik und Mathematik seinen dogmatischen Stempel aufgedrückt. Das Reichskulturkammer-Gefetz. Berlin, 21. Nov. Das Mitte November durch die Eröffnung der N e i ch s k u l t u r k a m m o r praktisch in Krakt getretene Neichskultnrkammer-Gesctz faßt alle Angehörigen der tünstlerischen und schriftstellerischen Berufe sowie diejenigen, die an der Wiedergabe und der Verarbeitung oder Verbreitung des Absatzes von Kulturgut Mitwirken, zu Fach? kümmern zusammen, die ihrerseits ihre Spitze finden in der unter dem Präsidium des Reichsministers für Propaganda stehenden Reichskulturkammer. Das Gesetz kennt 6 besondere Kammern, diejenige für S ch r i f t t u m , Presse, Rundfunk, Theater, Musik rmd bildende K ü n st e. Es ist nun bemerkenswert, daß ungeachtet der Bedeutung des Rasseprinzips gerade für die künstlerischen und kulturellen Berufe das Kulturkammor-Eosetz keinen Arierparagraphen enthält. Mit Ausnahme der Fachoerbände für die Presse, für die das Schriftlleitergesetz ini: seinen Arierparagrapheu maßgebend ist, müssen alle Personen o h n e ll n t e c s ch i e d der Konfession und der Rasse, die aus kulturellem Gebiet'" _ iätig sind, den Kammern angehöreu. Die Aufnahme darf lediglich versagt werden, wenn Tatsachen vvrliegen, aus denen sich ergibt, daß die in Frage kommende Perjon die für die Ausübung ihrer Tätigkeit erforderliche Zu? verlüssigkeit und Eignung nicht besitzt. Das Gesetz ist ein bemerkenswertes Anzeichen dafür, daß di4 Führung des Reiches hier auf einem Gebiete, das naturgemäß im Brennpunkt des Interesses für die rassische Weltaussassung steht, ihre Absichten ohne gesetzliche Ausschlußparagraphen durchführen zu können glaubt. Pfarrer haben auf ihren eine Knndgbneng verlesen, Vorgänge im Sportpalast daß in den ci. Die Er- Die Religion im neuen Deutschland. B e r l i n, 23. Nov. Das in Berlin erscheinende „Katholische Kirchenblatt" nimmt zu der von Hauer geführten achristlichen Bewegung Stellung, die das Blatt als Neuheidentum und vollendeten Atheismus darstellt. Der Reichsjugendführer wird als zum mindesten christentumfeindlich charakterisiert und als sein Glaubensbekenntnis eines seiner Ecdichte zitiert. Das Blatt fährt dann fort: „Diejenigen, die da meinen, daß der Glaube an Deutschland allein genüge, dem jungen 'Menschen die Ehrfurcht vor dem Sittengesetz beizubri'iigeu, ahnen wahrscheinlich, gar nicht, daß sie damit dem Aufbauwerk des Kanzlers die besten und tragfähigsten Fundamente entziehen". — Etwa 3000 evangelische Kanzeln in ganz Deutschland die sich gegen die bekannten wendet und die ebenfalls darauf hiuweist, Raum der Kirche Heidentum cingcdrungcn tlürung schließt: „Wir Prediger des Evangeliums wollen nicht den Vorwurf des Propheten auf uns ziehen, ffummc Hunde zu sei», sondern sind es unseren Gemeinden, und unserem Volke schuldig, der Perfälschung der Wahrheit entgegen zu treten. Wir bekennen uns darum nachdrücklich zur heiligen Schrift des Alte n und Reuen Testaments als einziger Regel und Richtfchnur unseres Glaubens und unseres Lebens und zu den Bekenntnissen der Väter als ihrer reformatvrischen Auslegung." Inzwischen ist durch einen Erlaß des Reichsbischofs die Durchführung des Arierparagraphen in den evangelischen Kirchen, wobei sich die größten Verschiedenheitei'., hcransgebildot hatten, cinilmeilen suspendiert worden. Keilte Ausschaltung! . . . Berlin, 24. Rov. Das Berliner Arbeitsgericht hat die fristlose Entlassung eines bei einer Firma als juristischer Beirat tätig gewesenen jüdischen Rechtsanwalts und Notars, der den Weltkrieg als Offizier mitgemacht hat und auch verwundet worden ist und deshalb im Rechtsanwalt- und Notarstand verblieben ist, für ungültig erklärt. Das Gericht stellte gleichzeitig grundsätzlich fest, daß die Tatsache der Zugehörigkeit eines Angestellten zur jüdischen Rasse und seines Bekenntnisses zur jüdischen Glaubens-,

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