Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 45 (9.11.1933)
- Date
- 1933-11-09
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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9. November 1933 D er -Israelit Nr. 45 Seite 7 und andere noch als wünschenswert . erscheinende,-Äus-> gaben. Diese Arbeiten sollen: in Zusammenarbeit mjt den ähnliche Ziele verfolgenden. Organisationen durchgeführt werden, damit Doppelarbeit und Ueberschneiüung.- der Tätigkeiten vermieden werden... ni: > Für W a n d e ru n gs fr a g e n-iwird eine Däuer-- kommission eingesetzt, an deren Spitze' ein,-Engländer stehen und in der Hicem vertreten sein soll. Die Kommission ist zuständig fürdie Auswanderung jüdischer Emigranten aus Deutschland nach denjenigen Ländern, die nicht an Deutschland grenzen. Sie soll alle Einwanderungsmöglichkeiten prüfen und es sollen ihr. alle für Auswanderung bestimmten Gelder, die durch die Be-' mühungen der Konferenz aufgebracht werden, zur Verfügung gestellt' werden. In London wird außerdem eine technische Abteilung errichtet, die sich speziell mit der Frage der Einwanderung in die englischen Dominions und Kolonien und in die Vereinigten Staaten von Nordamerika zu befassen hat. Die Kommission für,. Hi lfsarbeit außerhalb Deutschlands stellte fest, daß zwar bei der Verteilung von direkten Unterstützungen, Verköstigung, Beguartierung und Kleiderversorgung durchaus einheitlich vorgegangen werden müsse, daß jedoch die Frage des Neuaufbaus von Existenzen und der Ermöglichung dauernder Niederlassung nach Alters-, Berufs- und Vermögensklassen verschieden zu behandeln sei. Da für Leute, die das erwerbsfähige Alter überschritten haben, Maßnahmen konstruktiver Hilfe nicht in Betracht kommen, müsse von der Auswanderung solcher Personen, sofern sie nicht mit ausreichenden Geldmitteln versehen sind, dringend abgeraten werden. Für Angehörige der mittleren Altersklassen, die einen festen Beruf haben, würde eine Berufsänderung mit großen Schwierigkeiten verbunden sein. Es ist anzunehmen, daß die Mehrzahl der zu dieser Kategorie gehörenden Personen dem Kaufmanns- und Industriellenstand angehört. Es ist begreiflich, daß diese Leute ihre bisherigen Beschäftigungen weiter auszuüben wünschen; sie sollen hierzu soweit als möglich ermutigt werden. Deshalb fordert die Kommission die Errichtung von Kreditgenossenschaften in denjenigen Ländern, in denen sich die Auswanderer konzentriert haben, und womöglich eine Zusammenfassung dieser Genossenschaften in einer zu diesem Zweck zu schaffenden zentralen Institution. Vor Bestrebungen, Angehörige der mittleren Altersklassen im Kleinhandel unterzubringen,, sie den Berus von Strahenhändlern, Hausierern usw. ergreifen zu lassen, wird nachdrücklichst gewarnt. Im Mittelpunkt der konstruktiven Hilfsarbeit soll nach Ansichtder Kommission V erufsumsch ichtung und Berufsausbildung der jugendlichen Auswanderer, ihre Ueberführung in produktive Berufe, stehen. Diese Arbeit ist sowohl im Hinblick darauf, daß die Mehrzahl der Auswanderer junge Leute sind, als auch unter Berücksichtigung der Interessen der jüdischen Gemeinschaft von besonderer Bedeutung. Mit der vom Gesichtspunkt sozialer Hilfe wie dem des Wiederaufbaus gleich wichtigen Frage der von ihren Eltern getrennten Kinder hat sich die..Kommission besonders eingehend beschäftigt.- Es wurde festgestellt, daß eine starke Strömung besteht, Kinder im schulpflichtigen Alter >aus materiellen und seelischen Gründen außerhalb Deutschlands erziehen zu lassen. In diesem Zusammenhang >ist den Möglichkeiten der Ueberführung von Kindern nach Palästina in Zusammenarbeit mit der Palästina-Kommission besonderes Augenmerk zuzuwenden. Zur Unterstützung der in Deutschland bestehenden jüdischen Volksschulen, mittleren Schulen und höheren Bildungsanstalten sowie der religiösen und sozialen Institutionen der Gemeinden wird im Rahmen der von dem Berichterstatter der Kommission, gemachten Vorschläge ein angemessener Betrag aus den zu sammelnden Geldern zur- Verfügung gestellt werden. - ' Das V e r b i n du n g s a m t, dessen Schaffung beschlossen wurde, soll auch den Kontakt mit dem vom Völkerbund eingesetzten Emigrationskommissar und seinem Beirat aufrecht erhalten. Die Konferenz beschloß eine stärkere Vertretung der jüdischen Organisationen in diesem Beirat als bisher geplant, zu, beanspruchen und beauftragte zwei Delegierte, sich nach Gens zu begeben, um diese Frage mit dem Völkerbundssekretariat zu besprechen. London, 2. Nov. In einer öffentlichen Kundgebung am Mittwoch Abend Abend ließen die Führer der Organisationen und Gruppen, die an.der Hilsskonferenz.teilgenommen haben, die Ergebnisse der viertägigen Beratungen Revue passieren.- An der, Kundgebung nahmen, -über 100 Delegierte der Organisationen teil, von der Agudas Jisroel-Weltorganisation die offiziellen Delegierten Generalkonsul Sally Guggenhelm, Basel, I. M. L e w i n, Warschau und H. A. Goodman, London. Den Vorsitz führte der Präsident des Jewish Board of Deputies, Neville Last i,- und der Vorsitzende des Joint Foreign Committee, Mr. Leonard G. Montefiore. Neville Laski rühmte die deutsche Iudenheit, die in einer Zeit größter Schwierigkeiten Großes geleistet und den Grundsatz der Selbsthilfe bis' zum Letzten in die Praxis, umgesetzt habe. Diese Leistungen nötigten Achtung und Bewunderung ab. Mr. D'Avigdor Goldsmid legte die von der Konferenz angenommenen Pläne und Vorschläge dar, von denen er sich reiche praktische Ergebnisse verspricht. Einmütig sei man der Ansicht, daß der deutschen Iudenheit materielle Hilfe gebracht werden müsse, um es ihr zu ermöglichen, als Organismus f o r t z u b e - stehen und sich u n t e r* A n p a s s u n g 'an die neuen Bedingungen wieder aufzurichten. Die Auswanderung aus Deutschland, das sei die allgemeine Ueberzeugung, werde weitergeheck, wobei Palästina die größten Möglichkeiten und die größten Aussichten biete. Was andere Länder betrifft, so sei zu hoffen, daß mit der Hilfe des vom Völkerbund ernannten Hochkommissars und der ihm zur Seite stehenden Länder und Organisationen Möglichkeiten dauernder Arbeit gefunden werden. DÄvigdor Goldsmid schilderte dann die voraussichtlichen Arbeitsmethoden der Spezialkommissionen, insbesondere derjenigen, die sich mit der Verufsumschichtung der Jugend zu befassen habe. Der nächste Redner, Dr. Chajim Weizmann, wies einleitend darauf hin, daß diese Konferenz zum ersten Mal in der Geschichte des Judentums ein vollständiges Spektrum der Iudenheit vom äußersten Liberalismus bis zu der durch die Agudas Jisroel-Weltorganisation repräsentierten strengen Orthodoxie geboten habe. Die Konferenz habe sich den an sie durch eine große Tragödie gestellten Anforderungen würdig erwiesen. Es gelte nun, die gefaßten Beschlüsse auch zu verwirklichen. Zwei Punkte hob Dr. Weizmann besonders hervor: Erstens müsse als Axiom gelten, daß die deutsche Iudenheit ihr Streben nach Gleichberechtigung nicht ausgebe, im eigenen Interesse wie in dem der gesamten Iudenheit. Der zweite -wichtige Gesichtspunkt sei die uns durch die Ereignisse aufgezwungene, ober durchaus im höchsten Interesse des jüdischen Volkes liegende Wiederumwandlung aus einem Volk der Intellektuellen, der Zwischenhändler usw. in ein Bauernvolk, wie wir es ursprünglich waren. Hierin liege der Grund, warum die Chaluzbewegung zu einer großen physischen und moralischen Macht geworden sei. Weizmann schloß mit den Worten: „Ich sehe den Tag herannahen, da die Judenheit ihre Bestimmung erfüllen wird, als Volk unter Völkern ein Leben in Würde, Ehre und Frieden zu führen. Das Blut unserer Märtyrer ist die Saat unserer Zukunft." — Oberrabbiner Dr. Sacerdoti aus Rom legte dar, daß düs Bekenntnis'zum Antisemitismus in keinem Lande die notwendige .Voraussetzung für eine nationale Erneuerung bilde. Das beweise der italienische Faschismus, der eine Zusammenfassung aller Bürger im Staate und ihre harmonische Zusammenarbeit erstrebe. Der italienische Faschismus habe auch den Juden des Landes die Möglichkeit zur Erneuerung und Stärkung ihres Judentums und zum Neuaufbau ihres Gemeindelebens gebracht. Namens der Agudas Jisroel-Weltorgan i s a t i o n sprach Herr I. M. L e w i n , Warschau, indem er seiner Genugtuung darüber Ausdruck gab, daß ein Gedanke, den die Agudas Jisroel schon vor fast Jahresfrist im Hinblick auf die gefährdete Lage der Iudenheit den großen europäischen und amerikanischen Organisationen unterbreitet habe, durch diese Konferenz Verwirklichung fände. Die Agudas Iisroel-Weltorg-anisation habe darum naturgemäß mit allem Eifer an den Arbeiten der Konferenz mitgewirkt und sei sicher, daß der gleiche Geist des Verständnisses für die wahren Lebensinteressen des jüdischen Volkes, die nur auf dem Boden der religiösen Ueberlieferung gewahrt werden könnten, auch fürderhin, wie es auf der Konferenz der Fall war, von allen Beteiligten respektiert werde. Daun werde die Arbeit, dis durch diese Konferenz begonnen worden ist, der Gesamtheit zum Segen gereichen. ,: - , . Es sprachen u. m noch Norman Bentwich, D r e ysus-Brotzki aus Basel, Corcos aus Paris, Dr. (3 o ttlieb aus Warschau, der Präsident der Bne Bris- Loge, Alfred Cohen, Frau S chzu o.l k a, Prag und Prof. Dr. Cohen, Amsterdam. - Agudas Jisroel-Ronferenz in London. London, 7. Nov. Aus Anlaß der Anwesenheit der Aguda-Führer vorn Kontinent fanden in der vorigen Woche mehrere agudistische Veranstaltungen statt, die begeistertem Widerhall begegneten. Den Abschluß dieser Veranstaltungen bildete am vorigen Sonntag eine Landeskonferenz der Agudas Jisroel, die von dem Vorsitzenden, Mr. H. A. G o o dman, geleitet wurde. Zu Ehren der.Anwesenheit der Herren I. M. Lewin aus Warschau und 'Sejmdeputat Münzberg aus Lodz überbrachte ein Vertreter der polnischen Gesandtschaft in London der Konferenz seine Glückwünsche und sprach wärme Anerkennung aus für die öffentliche Tätigkeit der Agudas Jisroel-Landesorganifation in Polen. Referate hielten alsdann die Herren I. M. Lew in, L. Münzberg, Rabbi Dr. S. S ch ö n f e l d, Rabbi T w e r s k i, Agudasekretär Rabbi Frankel, H. Lunzer, alle Probleme der Organisation, des Chinuch, der Erez Jisrosl-Arbsit und der Jugendfürsorge erschöpfend behandelnd. An der Diskussion beteiligten sich die Herren Rabbi Lew, Robb. Swift, Kelzer Reübe, Rabbi Singer, Robb. I. B a r a n s ch i ck, Nabb. Weinberg, Rabb. Kru - per, Rev. R a b i n o w i tz, Edgar M. Stern, A b r om owitz. Mr. Goodman wurde einstimmig zum Präsidenten wiedergewählt. Auf die gefaßten Resolutionen kommen wir in der nächsten Woche zurück. Frankreich. Delegierte der Jüdischen Hilfskonfcrenz beim Llnigranten-tzochkoiiimissar. Paris, 7. Nov. In Paris sind Dr. Chann Weizmann, Dr. Rahum Goldmann und Professor Norman Bentwich als Delegierte der eben in London abgehaltenen jüdischen Hilfskonferenz eingetroffen, um Besprechungen mit dem vom Völkerbund eingesetzten Hochkommissar für Emigrantenwesen James Macdonald über die Organlsienrng des Hilfswerks für die deutschen Juden abzuhalten. In den Besprechungen wird auch die Frage der Vertretung der jüdischen Körperschaften in dem dem Emigranten-Kommissar zur Seite gestellten Verwaltunggrat des internationalen Hilfswerks erörtert werden. Von Paris aus begeben sich die jüdischen Delegierten nach Genf, um aus Grund des Ergebnisses ihrer Besprechungen mit dem Hochkommissar weitere Verhandlungen mit dem Völkerbundssekretariat zu führen. Emigranten-Kommissar Macdonald wird nach seinem Besuch in Frankreich eine Reise in die übrigen' Länder unternehmen, in denen Auswanderer aus Deutschland ingrößerer- Zahl sich niedergelassen haben, um deren Lage zu studieren und die Möglichkeiten ihrer wirtschaftlichen Eingliederung zu untersuchen.' Familiennachrichken. Geburten: Eine Tochter, Max Ansbacher und Frau Rösa geb. Hirsch, Brüssel, 198 Avenue Chazal. Varmizwoh: Walter Politzer, sw »n nav Synagoge Israel. Waisenanstalt, Besuche Augsburgerstr. 10— Kurt, Sohn des Herrn Julius David, Zwingenberg a. der Bergstraße, 18. November nit-in 's 'p nav. — Heini, Sohn des Herrn Dr. Julius Vaer, Hamburg, Haufastr. 63, rvnV,n naw. — Nathan Sohn des Herrn Jonas Königshöfer (Bamberger), Würzburg, Bibrastr. 17, 18. November, rvni>in 'S naw. — Philipp, Sohn des Herrn Selig Jungermann, Köln. Vrabanterstr. 11, Synagoge St Apernstraße - .n.\ . T~ Briefkasten. M, Sk. in Zl. Wir konnten bisher darüber nichts feststellen. S. <£>. in W. Das Geld ist hier nicht eingegangen. Die Nummer 52 vom 22. 12. 32. darf nicht vernichtet werden, da in der betr. Nr. der G'ttesname ausgeschrieben ist.