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Der Israelit · 1933-11-09 · Heft 45 (9.11.1933) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 45 (9.11.1933)
Date
1933-11-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr. 45 Der Isrä e 4 i t 9, November 1933 wurde er immer mehr eine der entscheidenden geistigen Kräfte des jüdischen Lebens. Niemand, der selbst irgendwie ein Empfinden hat für das Neue, das heraufzieht, konnte sich dem Reiz seiner Person entziehen. Uird so wirkte sich fein Schassen überallhin aus, war es im besonderen von entscheidender Bedeutung nicht nur für die Entstehung, auch für das Arbeiten der neuen Leitung der Reichsvertretung. Der Gesamtführung der deutschen Juden, ihrer Ausgestaltung und Durchsetzung galt sein letztes Hoffen, der wahren Reichsorganisation der deutschen Juden seine wirkliche Liebe. Die Lücke, die sein Tod gerissen hat, wird hier besonders schwer empfunden werden. Nur eins kann über das schwere Unglück Hinweghelsen: Der feste Wille im Geiste von Ludwig Tietz fortzuarbeiten mit aller Kraft." Offizielle Anerkennung des Reichsausschusses der jüdischen Jugend Deutschlands. V e r l i n , 3. Nov. Der Reichs aus schuß der jüdischen Jugendverbände gibt folgendes bekannt: Der Jugendführer des Deutschen Reiches hat unter dem 2. November an den Reichs ausfchuß der jüdischen Jugendoerbände ein Schreiben gerichtet, nach dem er „von nun ab lediglich den Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände als alleinige verantwortliche Zentralorganisation der jüdischen Jugend betrachtet. Für alle in Frage kommenden Verhandlungen ist künftighin nur der Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände zuständig." Mit Derhierdurch ausgesprochenen Anerkennung des Reichsausschusses der jüdischen Jugendverbänüe „als alleiniger verantwortlicher Zentralorganisation der jüdischen Jugend" ist die Arbeit der jüdischen Jugendbünde im Nahmen der geltenden Bestimmungen gewährleistet. Für die praktische Arbeit gibt der Reichsausschuß im Einverständnis mit der Jugendführung des Deutschen Reiches Abt. Verbände, folgendes bekannt: 1. Es entspricht der Anordnung der Jugendführung des Deutschen Reiches, daß-alle die jüdische Jugend betreffenden Fragen über den Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände geleitet werden, so daß künftig Bünde, Gruppen öder sonstige jüdische Stellen nicht unmittelbar an die Jugendführung des Deutschen Reiches herantreten. 2. Der Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände wird in allernächster' Zeit den einzelnen Gruppen mitteilen, welchem Landes- oder Ortsausschuß sie angehören. 3. Der Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände wird auf ihren Antrag den Führern der einzelnen Bünde und Gruppen Ausweise ausstellen, die sie gegenüber den Behörden legitimieren. Die völlige Autonomie der einzelnen Jugendorganisationen, insbesondere in religiöser Hinsicht, bleibt unberührt. Der Reichsstand des deutschen Handels will „Säuberung", aber keinen Ausschluß von Juden. Berlin, 2. Nov. In den Kammersälen sprach in einer Versammlung des Berliner Vereins der Handelsvertreter der stellvertretende Vizepräsident des Reichsstanües des deutschen Handels, von Dewitz. Er wandte sich zunächst gegen jene, die dem Verein der Handelsvertreter einen Vorwurf daraus machen, daß er seine jüdischen Mitglieder behalte und erklärte: „Ich betone nochmals, daß ich unabänderlich daran fefthalte, daß die Juden in die Verbände hinein gehören/ Wenn wir den gesamten Handel erfassen wollen, dann kann nicht ein Teil der Handeltreibenden außerhalb der Verbände sein Wesen treiben. Im übrigen ist es leider so, daß sich viele Handeltreibende noch ihren Fechverbänden fernhalten. Deshalb ist der Reichsstand an das Reichswirtschaftsministerium herangetreten, um die Forderung nach Zwangs eingliederung durchzusetzen. Das Nächstliegende ist dann die S ä u b erung des Handelsstandes von unlauteren Elementen durch die Einführung von Ehrengerichten. Nur auf diesem Wege kann der Grundsatz von Treu und Glauben wieder zur Geltung gebracht werden, und wir müssen soweit kommen, daß ein Handschlag ebensoviel bedeutet wie jeder Vertrag. Unsere wichtige Aufgabe ist dann, für das Reichswirtschaftsministerium die fachlichen Vorarbeiten zu machen und die Vorzimmer der Ministerien von den vielen Interessenten zu säubern." Es ist erfreulich, daß hier ein prominmtet Vertreter des deutschen Handels für r,Säuberung" eintrikt, ohne diesen Begriff mit „Ausschaltung der Juden" zu verbinden. ' Winterhilfe auch für Juden. '! Berlin, 1. Nov. Wie die ITA. durch Umfragen feststellte, ist der von der Hauptleitung der Winterhilfe ergangenen Weisung über die gleichmäßige Berücksichtigung aller Hilfsbedürftigen in Berlin überall Folge geleistet worden. In der Provinz haben sich allerdings die Anordnungen der Hauptleitung noch nicht voll ausgewirkt. Aus einzelnen Städten wird berichtet, daß Juden bei der Verteilung nicht in gleichem Maße wie die Arier bercksichtigt werden. In manchen Orten wird Juden überhaupt jede Unterstützung verweigert. Erlangung des medizinischen Doktorats durch ver- , zicht auf die deutsche Reichsangehörigkeit. B e r l i n , 2. Nov. Zu einer am schwarzen Brett der Berliner Universität angeschlagenen Kundmachung des Rektors Prof. Fischer, in der mitgeteilt wird, daß reichsdeutschen nichtarischen Kandidaten der Medizin zwecks Erlangung des Doktvrdiploms vor Erteilung der Approbation (die sie nach einer Mitteilung des Unterrichtsministers nicht mehr erhalten können) nur übrig bleibt, auf dis deutsche Staatsangehörigkeit zu verzichten und . ihre Entlassung aus der Staatsangehörigkeit gemäß §§. 18—24 des Gesetzes vom 22. Juli 1913 zu beantragen, schreibt die C. B.-Zeitung u. a.: Die juristischen Zusammenhänge, insbesondere die Rückwirkungen auf die nach dem Gesetz gegen die Uebersüllung der Hochschulen zugelassenen Frontkämpfer und Frontkämpfersöhne sind von vornherein nicht zu überblicken ... Aber von allem Formaljuristischen abgesehen, erscheint es uns bemerkenswert, daß diejenigen Rechte, die bisher im wesentlichen Menschen zugestanden waren, die entweder selbst bereit waren, ihr Leben für das Vaterland hinzugeben, oder deren Väter zu diesem Entschluß standen, nun denjenigen zuteil werden, die auf ihr Vaterland verzichten wollen . . . Es ist von vielen als schmerzlich empfunden worden, daß sie sozusagen als Gegengabe für Kriegsdienste Bevorrechtigungen erhalten. Es wird von den anderen als eine innere Unmöglichkeit empfunden werden, den Erwerb von Berufsmöglichkeiten mit dem Verlust der Staatsangehörigkeit zu erkaufen. Sammlungen verboten. Berlin, 8. Nov. Vom Winterhilfswerk des deutschen Volkes ist beim Vor st and der jüdischen Gemeinde Berlin ein Schreiben, datiert vom 4. Nov. 1933, eingelaufen, in dem mitgeteilt wird: „Bezugnehmend auf unsere gehabte Unterredung teilen wir Ihnen mit, daß aus Grund der Reichsverfügung Nr. 21 vom 25. Okt. 1933 das. Sa m me In innerhalb des Gaues G r o ß - Verlin allen Verbänden bis 'auf. weiteres verbosten ist." Es folgt eine Aufzählung der Hilfsorganisationen, denen Sammelgenehmigung erteilt wird. " Schweiz. Semesterbeginn auf der Jeschiwa. Montreux, 5. Nov. Das 14. Semester der Jeschiwa wurde mit einer hinreißenden Mussardroscho des Rosch Jeschiwoh, Rabbi Elijahu B o t s ch k o, eröffnet. Daran schloß sich ein großangelegter Pilpul über pw p -psmy p»- Nach dem Maariw-Gebet begab man sich zur gemeinten Seudoh, die bei Unterhaltung, Ansprachen und heiteren Gesängen bis spät in die Nacht hinein dauerte. Die Jeschiwa ist wieder voller Leben und Lehre, ist Zufluchtsstätte für viele, die im wilden Strome der Zeit nach Weg und Ziel suchen; eine Heimstätte des jüdischen Geistes, Pflanzstätte der jüdischen Zukunft. Tagung der Mandatskommission geschlossen. — Behandlung der palästinafragen erst im Juni. Genf, 6. Nov. Die diesjährige Tagung der ständigen Mandatskommission des Völkerbundes wurde geschlossen, ohne daß auf ihr Fragest behandelt wvrden wären, die das Palästinä-Mandat betreffen. Die der Kommission.schon seit; ihrer letzten Tagung!'vorliegende Petition der Agudas Jisroel betreffend die jüdische Gemeindeordnung Palästi-' nas sowie die zu dieser Petition verfaßte Denkschrift des- Jerufälemer Dbervabbinats und zwei arabische Petitionen von geringerer' Bedeutung wurden bis zur nächsten im Juni 1934 stattfindenden Tagung der Mandatskommission zurückgestellt. England. Jüdische Welthilfskonferenz für die deutschen Juden. , n!l : L o n.do n, 3. Nov/ .. In der von der Welthilfskonferenz nach Abschluß der Kommissionsberatungen am 1. November, abgehaltenen Schlußsitzung wurde die Einsetzung eines Großen Rates beschlossen, der aus Vertretern der 45 Organisationen bestehen soll, die die Konferenz beschickten. Der Vollzugsausschuß, also die eigentliche Exekutive, soll von den Einberufern der Konferenz (Joint Foreign Committee, Alliance Jsraelite, American Jewish Committee, American Jewish Congress und Komitee der jüdischen Delegationen) zusammen mit der Jewish. Agency erst gebildet werden und wird sein Hauptbüro in London haben. Den einzelnen Länderkomitees soll es freistehen, die bei ihnen einfließenden Gelder ganz oder testweise dem Vollzugsausschuß zu überweisen. Diejenigen Komitees, die eine Zentralisierung der Geldverteilung nicht wünschen, werden aufgefordert, vor der Festsetzung von Zuwendungen' den Rat - des Vollzugsausschusses ernzuholen; die Länderkomiteessollen den Vollzugsausschuß über ihre Maßnahmen zur Geldaufbringung, den jeweiligen Stand ihrer Finanzen und über die Art der Verwendung der von ihnen gesammelten Gelder auf dem Laufenden halten. Außerdem wird der Vorsitzende des Joint Foreign Committee aufgefordert, ein Verbindungsamt zu schaffen, daß die Zusammenarbeit der verschiedenen mit der deutsch-jüdischen Hilfe sich beschäftigenden jüdischen Organisationen gewährleisten soll. Der englischen Regierung schlägt die Konferenz vor, Lord Cecil als englischen Vertreter in den Verwaltungsrat beim Hochkommissar für die Emigranten aus Deutschland zu -ernennen. Die überragende Rolle, die Palästina im gesamten Hilsswerk für die deutschen Juden zu spielen berufen ist, wurde von der Konferenz besonders betont. Die bezügliche Resolution lautet: - ' Diese aus Vertretern jüdischer Gemeinschaften in allen Teilen der Welt bestehende Konferenz gibt ihrer Ansicht Ausdruck, daß Palästina unter den Ländern, die von jüdischen Auswanderern aus Deutschland für die Möglichkeit dauernder Niederlassung und Absorption in Betracht gezogen werden können, einen hervorragenden Platz einnimmt. Die Konferenz bedauert die betrüblichen Ereignisse, die jüngst den Frieden Palästinas gestört haben, sowie die Verluste an Menschenleben und die Fälle von Verletzungen, die sie im Gefolge hatten. Die-Konferenz nimmt die Erklärung des Kolonienministers zur Kenntnis und gibt ihrer Meinung dahin Ausdruck, daß die Fortsetzung der sich gegenwärtig in Palästina vollziehen-' den bemerkenswerten Entwicklung im Interesse von Juden und Arabern liegen wird'. Die Konferenz hofft, daß die Mändatarmacht alles tun wird, um einer größtmöglichen Zahl von Juden aus Deutschland die Niederlassung in Palästina zu ermöglichen. Ueber den Gesamtbetrag, der in dem an die jüdische Welt zu erlassenden Ausruf gefordert werden soll, und über den Anteil, der vom gesamten Hilfsfoüds für die Ansiedlung deutscher Juden in Palästina bestimmt werden soll, wurden -endgültige Beschlüsse noch nicht gefaßt. In der zu diesem Gegenstand gefaßten Resolution heißt es: Die Geldmittel sollen für folgende Zwecke verwandt werden: Erleichterung der Ansiedlung deutscher Juden auf dem Lande; Förderung der Industrie; Kredite für Handwerker; Kredite für Kleingewerbetreibende; Errichtung von Häusern und Zuteilung von kleinen Grundstücken für Chaluzim in den Kolonien; Wohnungsbeschaffung in den Städten durch Zusammenarbeit mit bestehenden Institutionen und durch andere Mittel; Wasserversorgung und Vodenbewässerung; Unterstützung; wissenschaftlicher und akademischer Institutionen; landwirtschaftliche und handwerkliche Ausbildung von Männern und Frauen; Ueberführung von Kindern nach Palästina und ihre Ausbildung; soziale Wohlfahrtsarbeit.-

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